Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1990 (14.12.1962)
- Date
- 1962-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Viernes, 14 de Diciembre de 19f>2 SEMANA ISRAELITA An« XXIII. — Na. 199t» Zu einem Besuch aus Deutschland ®as Oekameniscke Konzil Im Anschluss an den Besuch des Bundestagspräsidenten Dr. Gerstenmaier wurde in Israel eine Diskus, sion über die Beziehungen Zu Deutschen und Deut" schem entfacht, die noch längst nicht zu Ende geführt ist. Tatsächlich sind die Dinge nicht nur kompliziert. sondern verworren, und die Verwirrung geht cpier durch die politischen Parteien. So wurde z. B. der Bürgermeister von Ramat Gau. Herr Krinitzki, ein Mitglied der liberalen Partei. der seinem städtischen Orchester die Tournee in der Bundesrepublik unter ■ sagt hatte, in der liberalen Presse von einem Mitglied der liberalen Parlamentsfraktion deshalb angegriffen. Dr. Gerstenmaier war bekanntlich ein offizieller Gast in Israel, aber sein israelischer Kollege, Präsident der Knesset. Kadisch Luz, emofing ihn nicht im Jerusalemer Parlamentsgebäude, sondern gab dem Druck gewisser Kreise nach und begrtisste ihn privat in Dagahia. Ministerpräsident Ben Gurion liess sich anlässlich sei. nes freundschaftlichen Go* sprächs mit dem deutschen Gast fotografieren, und das Bild erschien in allen Zeitungen. Staatspräsident Ben Zwi hiess Dr. Gerstenmaier in seinem Hause wilikomj men. aber er nahm davon! Abstand, dies fotografisch | festzuhaiten, wie das sonst; bei solchen Gelegenheiten * 1 geschieht, um auf die Emp j findiiehkeiten weiter Volks" | schichten Rücksicht zu nehmen. | Dr. Gerstenmaier ver- , stand diese Gespaltenheit. j und in der Tat hätte West- : deutsrhland keinen besseren i und würdigeren Vertreter - entsenden können, der mit! soviel Takt, aber auch mit ] soviel Niveau auf diese Senj sibilität reagierte Besoni ders eindrucksvoll war der j Vortrag, den er auf der He- ■ bräischen Universität zum Thema ..Wandlung der Deut- ' sehen?“ vor einem zahirei" j chen Publikum von Professoren. Studenten und hohen S'aatsbeamten hielt. Dr. Gerstenmaier liess sich nicht von einem Sprechchor einer kleinen Gruppe von Jugendlichen verwirren, die teils auf Befehl der Kommunisten. teils von der ,,Che. rut“ beordert, vor dem Gebäude Aufstellung genommen hatten. Genau so verfehlte die klein? Demonstration bei seiner Ankunft auf dem Flugplatz Lud ihren Zweck. Eine Morgenzei'ung wies darauf hin. dass es gerade den Drohungen solch?r Demonstrationen zu danken sei, dass der Bundestagspräsident seine Israel-Reise nicht wegen der ,,Spiegel'’-Krise aufgeschoben habe. d?nn eine Absage wäre als Niederlage der von HERBERT ¥ REEDEN Deutschlandpolitik der is- | raelischen Regierung ausge- : legt worden. I Die Umfrage über ihre Beziehungen zu Deutschland, die die „Jerusalem! Post“ unter Studenten der Hebräischen Universität veranstaltete, ergab ein wi dersprechendes Bild. Von der extremen Haltung, wej der Wiedergutmachung anzunehmen, geschweige denn sonst irgendeinen Kontakt [ zu haben, bis zu dem echj ten Willen, der deutschen I Jugend, die mit der Ver" I gangenheit nichts zu tun I hat. die Hand auszusirek- J ken, waren alle Schattierungen vertreten. Interessant war. dass gerade Mitglieder : orientalischer Familien, die i weder unter den Nazis ge"! litten noch jemals Deutsche ,' kennen gelernt haben, viel ablehnender waren als die Jungens. und Madels aus deutsch-jüdischen oder anderen westeuropäischen Häusern. Die ,,Jerusalem Post“ fasste in einem Leitartikel zusammen: „Wir brauchen nicht zu einem intellektuellen und politischen Vakuum Zuflucht zu nehmen, um die Vergangenheit zu vergessen, und wir sollten imstande sein, unsere Beziehungen mit dem Deutschland der Zukunft auf ihre Meriten hin zu prüfen, zwar der Vergangenheit eingedenk, aber ohne die Gegenwart zu vergessen.“ Allerdings macht es gerade diese Gegenwart nicht leicht, eine neue und unbefangene Beziehung zum neu- Rauff und Eichmann Tel Aviv. — Anlässlich der Verhaftung des Sturmbannführers d?r SS Walter Rauff. die in Punta Arenas in Chile aufgrund eines von der Deutschen Bundesrepublik gestellten Auslieferungsbegehrens erfolgte, wurde hier daran erinnert, dass Rauft im Eichmann-Prozess genannt worden ist. Eichmann selbst erklärte in seiner Aussage über die Anwendung von giftigen Gasen in Lastautos, dass Rauff in seiner Eigenschaft als sein Untergebener für die Ein Setzung dieser Lastwagen im besetzten Russland, und auch in der Ukraine und Polen, verantwortlich sei. Dort seien rund 100.000 Juden während des Krieges auf diese Weise umgebracht worden. Eichmann hat ferner erklärt, dass Rauff im De" zember 1939 eine mit der Ausrottung der polnischen Juden in Zusammenhang stehende Mission durchgeführt habe und 1941 fahrbare Einheiten fih die \ ergasung aufstellte, in denen Tausende von Juden den Gastod starben. Ende 1942 habe Rauff ihn, Eichmann, offiziell informiert, dass dieses System zufriedenstellend funktioniere und schon 93.000 Juden getötet wor den seien. Faschistische Internationale London. — Die Vereinten auch gegen die Demokratie Nationen, alle demokratiselbst dient. „Es ist' eine sehen Regierungen und die Frage der Dringlichkeit“ so religiösen Gemeinschaften heisst es. „dass die nazifaaller Glaubensbekenntnisse '• -selbstische Drohung beseiwurden in einer Resolution! tigt wird, bevor sie neuer der Repräsentanten von 15 jüdischen Gemeinden aus Europa, welche an einer vom Jüdischen Weltkongress einberufenen Sondertagung teilnahmen, aufgefordert. ..sieh durch energische Massnahmen dem Kampf gegen die steigende Agitation nazifaschistischer Organisationen anzuscliüe" ssen, die den Antisemitismus und Rassenhass näh lieh derartige Dimensionen annimmt, die die Zivilisation in der Naziära an den Rand der Vernichtung geführt haben.“ Israel Sieff, der Präsident der europäischen Exekutive des JWK. forderte in seiner Rsde die freie Welt auf den Neonazismus energisch zu bekämpfen. Es wurde eine Fotokopie des Briefes von Rockwell, dem Führer I en Deutschland zu finden: denn Hunderte von Staatsbürgern der Bundesrepublik; sind als Techniker. Wissenschaftler und Militärberater eitrigst dabei, in Kairo auf die Zerstörung Israels hinzuarbeiten. „Es ist schwer, die Erklärung zu akzeptieren, die wir auch von Sprechein der israelischen Regierung gehört haben, dass es nicht .Deutschland' ist. das Abdul Nasser hilft, sondern dass es nur .Deutsch?' sind“, schreibt „Haaretz“. Die deutschsprachige Zeitung „Jediot Chadashot“ ist noch deutlicher: „Der ägyptische Staatschef, der uns seit diesem Sommer Tod und Verderben mit seinen Fernraketen androht, wäre dazu ohne die Teilnahme des Stuttgarter Physikers Prof. Sänger und seiner zahlreichen, gleichfalls aus Westdeutschland nach Kairo gekommenen und in den Dienst Abdul Nassers ge tretenen Mitarbeiter fast ohne jeden Zweifel aussersiande. Man kann bezweifeln, dass die Behörden in Bonn diesen Skandal nicht verhindern konnten. Aber selbst, es wäre so — würde das .Andere Deutschland' I | die öffentliche Stimmung in! seinem Lande wahrhaft bej herrschen, so hätten sich die Sänger, Krug, Pilz und ( wie sie sonst heissen, dem : so wenig entziehen können, i dass sie selbst die verlok- - kendsten Offerten Nassers! mit Händen und Füssen ab! gewehrt hätten, statt sich in j die Vorbereitungen zum Vernichtungskrieg gegen Is.; rael einzuschalten.“ Gerade jene Krsise Isra- , eis, die über den Abgrund der Vergangenheit' eine 1 Brücke zum neuen Deutsch, i land schlagen wollen, fra* j gen sich besorgt, warum die I deutsche Presse über die! deutschen Dunkelmänner in . Kairo nicht deutlicher ge- I worden ist, warum man un j tätig zusieht. nach d?m ' Massenmord an 6 Millionen j Juden, \yie Deutsche wieder- ' um einen Massenmord an 1 Juden planen — man fragt: j wo sind die Piotestkundgej bungen der GewerkschaPen. der Studentenverbände, wo I New York. — Das American Jewish Committee erklärte, die erste Phase des Kirchenkonzils in Rom, dis nunmehr abgeschlossen wurde, habe wichtige Massnahmen zur „Förderung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen allen religiösen .Gruppen“ gefasst. Der Präsident dieser Organisation, A. Sonnabend, aus Bo ston, betonte, dass das Konzil sich im ,,G?ist des Papstes Johannes XXIII. abspielte, von dem er in seiner Eroffnungsbotschaft Zeugnis ablegte“, als er von einer neuen Ordnung der menschlichen Beziehungen sprach, die sich durch die Bestrebungen der Menschen selbst auf die Erfüllung der höchsten und unerforschlichen Ziele Gottes hin bewegen.“ Sonnabend gab in seiner Erklärung „der tiefen Dankbarkeit für die Führung des Papstes Ausdruck, der Massnahmen vertrat, die zu einer Neuordnung der Beziehungen zwischen allen Gruppen führen werden“. Er dankt« allen „jenen kirchlichen Würdenträgern wie dem Kardinal Agostino Bea, Präsident der Kommission für die Förderung der christlichen Einheit, und Kardinal Ri chard Cushing, Erzbischof von Boston, für ihr tiefes Verständnis der Möglichkeiten, die das Konzil bietet, um die Einheit und das Verständnis unter allen Völkern horzustellen“. Als vor allem bedeutsam bezeichnete Sonnabend einen Aufruf der Kirche in dieser ersten Periode des Konzils, „alle Völker zu einen und unter ihnen die gegenseitige Achtung vor ihren Gefühlen und den von ihnen vollbrachten Werken aufzurichten“. Ferner verwies er auf die Proklamation des Papstes, dass „alle Menscnea, gleich welcher Rasse oder Nation sie angehören, Brüder sind“, die er besonders „erschütternd“ nannte. Sonnabend sprach die Hoffnung aus, dass das Konzil b?i seinen kommenden Beratungen „diesen Zielen einen praktischen Ausdruck geben wird, denn sie zählen mit der uneingeschränkten Unterstützung aller Menschen guten Willens“. ZUM NUTZEN FUER ALLE MENSCHEN Rom. — Papst Johannes XXIII.. brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Ergebnisse der ersten Ta gung des Oekumenischen Konzils Katholiken wie Nichtkatholiken zum Nutzen gereichen mögen. In einer Botschaft, die eine Zusammenfassung des bisher von dem Konzil geleisteten Arbeit enthält erklärt der Papst: „Wir hegen die Hoffnung, dass die Ergebnis, se. welche für die Zukunft von der Anwendung der Beschlüsse des Konzils zu erwarten sind, nicht nur für die katholische Kirche von Nutzen sein mögen, sondern auch für unsere Brüder in Christo und ebenso für alle jene Menschen, welche die Träger der ältesten, ruhmreichsten und kostbarst?n Zivilisation sind, und die nicht fürchten sollen, dass das Licht der Evangelien ihnen irgendeinen Schaden zufügen könnte. (ITA) - ---'-- | YUI1 IIUCAVVCU, V4NÍ1I1 X U““-' um die menschliche I nordamerikanischen Na- Freiheit zu zerstören.' Mehrere Delegierte legten Beweise vor, die zeigen, dass in weltweitem Ausmass enge Bande für die Verbreitung .zerstörerischer Lehren' bestehen. Die Kon ferenz betonte, dass der wiederauflebende Nazifaschismus nicht nur als Waffe gegen die Juden, sondern JUEDiSCHE WOCHENSCHAU in Montevideo/Uruguay Einzelnummer 70 Centesimos Jahresabono 45.— $ urug. LUFTPOST VERSAND DURCH „PLUNÄ" ANZEIGEN-ANNAHME Librería Neulaender RIO BRANCO 1231 Tel. 83887 ASONOS — COBRANZA Sra. L. Loebiowilz PARAGUAY 1164. piso 2. apt 9 Distribuidor: KIOSK TUREK CONSTITUYENTES 1757 Tel. 42 840 , zis, gezeigt, in dem dieser : von seinem Plan spricht,! im Jahre 1963 eine Weltkon j ferenz der Nazis in Buenos Aires abzuhalten, i Alex Easterman, der Di"! rektor für internationale Angel’genheiten, berichtete : über die internationale Verzweigung des heutigen Neoi faschismus. In den letzten ■ zwei Jahren fanden 23 in! ternationale Versammiunj gen solcher Organisationen! statt. Wie aus deutschen i Statistiken ersichtlich ist [gibt es 85 Nazi-Organisötio. i nen in Deutschland und 450 | im Ausland. In Brast'ien. [ Aegypten und England erschienen kürzlich N?uau-ga ben von Hitlers „Mein : Kampf“.! Zu den Teilnehmern an I dieser Konferenz gehörten 1 Dr. H. G. van Dam, Sekre*! tär des Ausschusses ö?r Ju- I den in Deutschland, Dr. John Reese, Präsident de> Kommission für die Veirin- ' gerung des Rassenvorurteils, Richter S. Piperno. Präsident des italienischen Verbandes jüdischer Ge meinden. Dr. G. Rieguer. Chef des JWK'Büros in der Schweiz, D. Lambert aus Paris und Dr B Guggenheim und B. Sagalowicz aus der Schweiz. (ITA) bleiben die Interpellationen im Parlament, wo sind die warnenden Aufrufe der Kir. chen. der Schriftsteller? Wo bleibt die Stimme der öffentlichen Meinung? In seinem Jerusalemer Vortrag wiederholte Dr. Gerstenmaier die oft gestellte Frage: „Haben wir wirklich nichts davon gewusst, was mit den Juden geschah? Er meint« damit die furchtbare Vergangenheit. Die Beihilfe zum Mord, an dessen Planung sich Deut, sehe in Kairo schuldig machen, ist eine Sache der Gegenwart und geht vor den Augen der deutschen Oeffantlichkeit vor sich. Es gibt nicht die Ausrede, dass man davon nichts weiss. Und gerade diese neue Indifferenz ist es, die einem echten Kontakt zwischen Israelis und Deutschen enlgegen- , steht. 2KEREI1KAYEMETH DIE B RU ECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL