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Jüdische Wochenschau · 1962-12-14 · 1990 (14.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1990 (14.12.1962)
Date
1962-12-14
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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W1 Persoenlichkeit von CI RT W ILK Im vergangenen IW. nat waren 100 Jahre verflossen, seit Geihart Hauptm.inn das Licht der Welt erbi.ckt hatte. Die gesamte Kultur, weit erinnerte sich dieses grossen Dramatikers und Erzählers, der nach einem bewegten Leben 1946 im 84, Lebensjahr dahingegangen ist. Auch wir Juden bewunderten sein dichterisches Werk, das von so vielen un-’ serer Besten gefördert wor den war. Doch der Mensch Haupfmann bereitete nicht nur uns, sondern allen aufrechten Demokraten und Freunden von Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden schwere Enttäuschungen als er im Schicksalsjahr 1933 eine entscheidende Schwenkung vollzog. Und hierzu muss ein Wort gesagt werden: Von,, Vor Sonnenaufgang“, jener in der Theatcrge schichte berühmt gewordenen Uraufführung m der „Freien Bühne“ am Lessingtheater 2u Berlin im Jahr 1889, bis zur letzten Max Reinhardt Inzenierung in Deutschland ..Vor Sonnenuntergang“ zu Anfang 1932 im berliner Deutschen Theater, reihen sich mehr als dreissig Bühnenwerke aneinander, denen sich roch einige hinzugesellen, die während der Herrschaft des ..Dritten Reiches“ entstanden waren; hiervon fanden sich manche im Nachlass und harren der Wiedergabe. Kein anderer deutscher Dramatiker des 20. Jahrhunderts hat eine solche Fülle von lebensechten Geschöpfen auf die Bühne gestellt; wer denkt nicht an Gestalten, gute und böse, an Bilder und Einfälle, die an die Seelen der Theaterbesucher rührten, an diejenigen, „die im Schatten leben“ und sich nach einer besseren Welt sehnen? Das Herz Hauptmanns gehörte den Armen und Elenden, den nach Sonne Dürstenden und den nach Wärme und Schönheit Hungernden. Niemals sass dieser Dichter zu Gericht. Noch in dem vertierten Mörder seiner „Ratten“ entdeckte das verstehende und liebende Auge menschliche Züge, die uns erschütterten, und. wenn „Rose Bernd“ ihr Neugebo renes mit eigenen Händen erwürgt, so findet der Autor für die furchtbare Tragödie die schlichten Worte: „Das Mädel — was muss die gelitten han“. Im Drama „Vor Sonnenaufgang“ lässt der Dichter seinen „Loth“ die Worte sprechen: „Mein Kampf geht um das Glück aller: sollte ich glücklich sein, so müssten es erst alle anderen um mich herum werden. Ich möchte um mich herum weder Armut noch Krankheit, weder Knechtschaft noch Gemeinheit sehen. Ich könnte mich sozusagen nur als Letzter an die Tafel setzen.“ Es sch:en, als spräche Hauptmann von sieh selbst. Die Helden seiner Bühnenwerke haben unvergängliche Eindrücke hinterlassen. In ..Die Weber“ ■wird die Masse der hungernden Proletarier zum .Helden“ Seit damals <T992) liebten die sozialdemokratischen Arbeiter den Dicnter dieser Tragödie, während sich die Gnadensonne Wil' heims II. von ihm abwandte. Und an diesem Punkt haben die kritischen Bemerkungen einzusetzen: Nur langsam hatte sich das Publikum mit dem „Naturalismus“ des Dichters abfinden können. Doch zu Anfang des Jahrhunderts verehrte ihn das liberale und fortschrittlich-gesinnte Bürgertum. Im Amtsvorsteher Wehrhahn des „Biberpelz“ entdeckte man mit Recht eine Karikatur des überheblichen Beamtentums, und als Hauptmann im Festspiel ,,1813“, anlässlich der Jahrhundertfeier der Freiheitskriege von einer unwahrhnftiger. Verherrlichung der Hohe nzollern Abstand nahm, hatte er die besten Kräfte im damaligen Deutschland auf seiner Seite, während die preussischen Hoftheater den Dichter fortan mieden und allenfalls noch „Die Versunkene Glocke“ spielten. (Kurz zuvor hatte der Kaiser dem Dichter den Ruten Adlerorden IV. Klasse verliehen.) Dann kam die Republik und zollte Deutschlands grösstem Dramatiker höchsten Tribut. An seinem 60. Geburtstag, dem 5. November 1922, huldigte die Weimarer Republik dem Dichter des „Florian Geyer“ durch eine Festaufführung, der Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Dr. Wirth beiwohnten. Zehn Jahre danach, als. er 70 Jahre alt wurde, spielte das Berliner Staatstheater „Gabriel Schillings Flucht“ (es gab einen fast letzten Triumph Elisabeth Bergners) und dann, ja dann .. stellte der Dichter sich um; Kurz darauf, im Januar 1933. iiess der „Freiheitsdichter“ freiwillig aus dem Fenster seiner Villa in Agnetendorf den hakengekreuzten Schanalappen. genannt ..Reichsflagge“ im WTinde flattern, und als 18 Monate später der alte Hindenburg starb, der schwere Mitveranwortung am kommenden Unheil trug, begann Hauptmann seinen Nachruf auf den besieften Feldmarschall des Ersten Weltkrieges mit dem Satz: „Die Weltuhr steht still“ .. Von da an sagte er Ja und Amen zu allem, was geschah. Ihn störte nicht, dass der treueste aller Jugendfreunde, Alfred Kerr, mit einem Rucksack über der Schulter bei Nacht und Nebel die tschechische Grenze batte überschreiten müssen, um das nackte Leben zu retten. („Verflicht sei Hauptmann im Leben wüe im Tode“ sagte später Kerr in England). Vergessen war. was jüdische Freunde und Lebenskameraden wie Otto Brahm und Max Reinhardt, Victor Bar. nowsky, Theodor Wolff. Maximilian Harden. Walter Rathenau u. a. für den künstlerischen Erfolg seiner Werke, für seine Aner kennung geleistet hatten. Die W'elt stand dem berühmten Dichter offen, und das Eiend der Emigration wäre ihm nach menschlichem Ermessen erspart geblieben. Doch der sehr rüstige Siebziger schwieg zur Schande der Bücherverbrennungen, zu den verbrecherischen Massnahmen der ..Reichskulturkammer“ gegen jüdische und niehljüdische Berufskollegen. Er zog es vor. um die Gunst der neuen Machthaber zu buhlen, die es aber garnicht sehr eilig hatten, den als „Demokraten“ abgestempelten Dichter anzuerkennen. Und allmählich wurden - wieder Hauptmann-Aufführungen im Dritten Reich veranstaltet. Es gab freilich in jener Epoche Augenblicke, da ihm Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT PUBLIKATIONEN DES IF0 BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTHUTSS J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TU EBINGEN YEAR BOOK I I I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY. LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU 3UTGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK. Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCBEN WOCHENSCHAU. Pueynedon 2190. 1. izq. (83/2613) LITERATUR * Der Prozess der Vol „Ich kenne einen nordafrikanischen Einwanderer, der seif sechs Jahren in Israel lebt und noch nie ein asc-hkenasisches Haus betreten hat“, erklärte unlängst in eirtem kleinen Kreise von alteingesessenen jerusalemer Bürgern, die am Problem der Integration der neuen Alija interessiert sind, Dr. Andre Chouraqui, Sac-hberater für Einordnungsfragen bei der Kanzlei des Ministerpräsidenten. Seit etwa zwei Jahren hat Dr. Chouraqui diese beratende Funktion inne und ist heute wohl einer der besten Kenner dieser überaus schwierigen Materie. Da er selbst aus Algerien stammt, bringt er auch das nötige psychologische Verständnis mit. In Algerien war er Präsident der Zionistischen Organisation. Er befasste sich nicht mit wirtschaftlichen, sondern mit gesellschaftlichen und gei stigen, erzieherischen und organisatorischen Problemen der Integration, des „Misug Galuyot“. Das Wort „Misug“ ist ja eine moderne Abwandlung des Wortes ..Meseg“, das Misc-htrank bedeutet. Wir finden ihn im Hohen Lied, Kapitel 7:3: „Dein Schoss: gewölbte Schale / Der's nicht an Mischtrank mangelt ..“ In der kühnen Bildersprache des unsterblichen Liebesliedes ist hier das WTort „hamaseg“ (in Pausa Form) angewendet, das uns heute so-viel Kopfzerbrechen macht, denn wahrlich — ein köstlicher „Misehtrank“ wird in diesem Lande bereitet, oder könnte doejj bereitet werden. So recht augenfällig wurde dies in den Bauten der Nation bei der Eröffnung des zweiten Israel Festivals demonstriert, dessen erster Abend der israelischen Folklore gewidmet war. Unter der strafen Regie von Schulamit Batdori marschierten hier JemenPen, Kurden. Juden aus dem Atlas in ihren weissen Mönchskutten. Juden aus Libyen und Tripolis, aus Cochin und anderen Teilen Indiens. blitzartig klar zu werden schien, weich entsetzliches Unheil über sein Land hereingebrochen v war. Doch verhielt er sieh weiterhin passiv und verschloss sieh allen Nachrichten über Judenverfolgungen und die Schrecken der Konzentrationslager. Hauptmann stellte sich taub. Künstler und Schriftsteller litten Not im Exil, andere blieben in Deutschland, erhielten Auf tritts- oder Schreibverbot, aber sie machten keine Konzessionen. Der grosse Gestalter tragischer; menschlicher Konflikte, der Dichter, der oftmals Prophetisch- Grossartiges auszudrüoken vermochte, der Künder des Leids und, der Leiden der Unterdrückten, er versagte in den entscheidenden Stunden seines Lebens. Der Psalmist singt, ..dass vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergange der Name des Ewigen gepriesen werde“. Gerhart Hauptmann hat von „Vor Sonnenaufgang“ bis zu „Vor Sonnenuntergang“ ins volle Menschenleben hin eingegriffen. Das Grosse in seinem .Werk blci'bt bestehen. doch ihm selbst kann niemals verziehen werden, dass er sich vor falschen Göttern gebeugt, dass er menschlich, sittlich und politisch versagt hatte. Dies muss man aussprechen, wenn man des 100. Geburtstages dieses grossen Dichters gedenkt. von SCHALOM 0'CH°R! aus Aden (,im Nachthemd durchs Leben“, möchte man scherzhaft sagen), aus Buchara in Prachtbrokat auf... und natürlich fehlten nicht die Chassidim aus Mea Sehearim und die Sabra Jugend der Kibbuzim. Im heiteren Reigen wurden sie 2U einem tanzenden Volke und schlossen Araber, Drusen und Tseherkessen noch mit ein: „Seid umschlungen zwei Millionen... sozusagen“. Aber was sich auf der Bühne im Scheinwerferheht eines festlichen Abends so harmonisch gestalten lässt, ist in der Wirklichkeit wesentlich problematiscner. Wie wird aus allen diesen Elementen „ein Volk, ein Volk“, um mit Herzl zu sprechen, der diese Vielfalt noch kaum geahnt haben mag. Ihm schien der Unterschied zwischen Ost- und Westjudentum schon ein Problem, während wir nun in ganz anderen Kategorien zu denken gezwungen sind. Um das Problem zu erfassen. müssen wir zunächst einen Blick auf die Statistik werfen, die eine Ueberraschung bietet: Wir sind bereits kein Volk von Einwanderern mehr, sondern — trotz allem — sind die Sabras, die im Lande Geborenen, die grösste Gruppe. Sie stellen mit 708.140 Seelen 37.1 Prozent der jüdischen Bevölkerung Israels dar, aber das Durchschnittsalter ist dabei 8,5 Jahre... also eine sehr junge Bevölkerung. Die zweite Gruppe, das sind wir: Olim aus Europa und Amerika: 671.428 oder 35.1 Prozent mit einem erwachsenen Durchschnittsalter von 45 Jahren. Und nun kommen die Olim aus Afrika und Asien mit 531.621 Seelen oder 27.8 Pro zent mit dem jungen Durchschnittsalters von 28. Was das für die Zukunft bedeutet ist ganz klar: die Alters - Pyramide hat einen aschkenasischen Sokkel. verjüngt sich dann in beiden Bedeutungen des AVortes ins Afroasiatische, und schliesslich kommen wir zu d=n im Lande geborenen Kindern, die aber wiederum" vorwiegend afroasiatischer Abstammung sind, da die Orientalen bekanntlich weit kinderreicher sind als die europäisch aschkenasischen Familien. Wir gehen also in relativ kurzer Zeit einer Orientalisierung des Jisetiuw entgegen, die diesen viel fragloser in den geopcliti- «cirt Baum ein Steher ¿er Fd ’ Das problems wird abe - Var wem Führung f: ■wiegend m aschkenast Sie ist; f oesebaf Abhilfe durch planmass rung der B!ld“ teilen für die o ' Ein Versuch sind die sog. tage“, von icl Von 20.000 Scbu Volksschulen. < fasst werden m1 jes nun bertil Klassen dieser. schritt bis zu erzielt werden, in primitiven 1 nissen leben, sii oft nicht fähig, zentriert Schul machen. Und s diese Lösung d Schnifages vor i kinderreichen, i englischen Sch der Schule selb das Kind ungi Arbeit widmei whsintematen Schüler dieser. fasst, aber die und wiederum tisch, weil sie d Elternhaus ent' Ein grosser fonds soll da -dass begabte sehen der o Kreise in ganz; sse als bisher scWsiudinni zu den. Die Regier einen besonder! H-kalien. der s ier und kultui mit dem Prob! ¿erreichen Fi lasst. Auf ein nr Phänomen wies ";aidirektor im nisteriam Dr. ( uch hin: währ “eigt sind j dass gerade d ein einigendes! deehim darste die Wir! ®rs aus. Ger; :em Gebjet dei lKinherrschen 'druckbare rod so m„ss Im die religic ’st vorer« ”M'h haum mö< zaelischen Pi Wie liegen die Feiertage i« ja^re ^'Chanukka Freitag, den 21. Dezember Sonnabend, d. 22. Dezember Sonnabend, d. 29. Dezember Sonntag, den 6. Januar 1963 Sonnabend, den 9. Februar Donnerstag, den 7. März Sonntag, den 10. März Montag, den 11. März* Sonnabend, den b. April Montag, den 8. April Dienstag, den 9- April Mittwoch den 10. April Montag, den 15. April Dienstag, den 16. April Sonntag, den 21. April Montag, den 29. April Dienstag, den 12. Mai Dienstag, den 28. Mai Mittwoch den 29. Mai Donnerstag, den 30. Mai Montag, den 29. Juli Dienstag, den 30. Juli Mittwoch, den 18. September . *ag Cï)anukk II1* Cbanukk, ÄAssara 1 r.;tlw sssa,. k sS£\Puri! 2. las ptSfac'h Ua|ptSS5th 2 il« pissati> ’m VF„- T Al Ha“ahauf 2 TS! 2a»iio Be C„B|;Aw 5124

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