Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1989 (7.12.1962)
- Date
- 1962-12-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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8 — Viernes, 7 de Diciembre de 1962 SEMANA ISRAELITA Aäo XXIII. _ No. 1989 L-WIRTSCHAFT LUM« lIIIIA MMM—BHBWMI Der Mittelstand in der Industrie von Dr. KURT OTTENSOOSER (Israel; Wir hatten bereits in ei nem kürzliehen Artikel auf die Notwendigkeit hingewiesen, für Kreise des Mittelstandes, die nach Israel einwandern, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Die Jewish Agency ist sich dieser Tatsache nun | auch bewusst geworden, ' und unlängst wurde ein Mej morandum durch die Wirt- ' schafts-Abteilung der Jew ish Agency, die unter Leitung von A. L. Dulzin steht, veröffentlicht, die diesem Problem gewidmet ist. Diese Studie stellt fest, was bei den sonstigen zahlreichen statistischen Untersuchungen oft in den Hintergrund trat, dass der Anteil der kleinen Industri »firmen, die bis zu vier Arbet ter beschäftigen, auch in Israel keineswegs klein ist. 53 Prozent aller Industrieunternehmungen des Landes fielen im Jahre 1960 in niese Kategorie (gegen nur 48 Prozent im Jahre 1956), und sie beschäftigten rund 12 Prozent aller Arbeitskräfte. Diese Feststellung kam für gewisse Kreise etwas überraschend, doch läuft sie parallel mit der Ent Wicklung sowohl in den USA als auch in den westlichen 1 n d u str iel ander n. Dieser Bericht kommt zur rechten Zeit, denn man sieht heute die Notwendigkeit ein. dem Einwanderer, der dem Mittelstand ange*; hört, in Israel seine Chance zu geben. WARUM NICHT NACH ISRAEL? Es muss bei uns etwas nicht in Ordnung sein, so meint A. L. Dulzin im Vorwort zu der erwähnten Stu die, wenn wir sehen mussten, dass nur 5 Prozent der Juden, die unter dem Castro-System Kuba verlassen haben, den Weg nach Israel fanden. Die Juden Kubas haben dieses Land nicht U'egen au tisemitischer Verfolgungen verlassen. Im Gegenteil, Dr. Fidel Castro hat sich in mancher Beziehung eher als ein Freund der Juden erwiesen. Sie gingen ausser Landes, weil das neue System der privaten Gewerbstätigkeit feindlich gegenüberstand. Die grossen sozialen Bewegungen und Entwicklun gen auf dem südamerikanischen Kontinent, nicht gerade der Antisemitismus, sind es. die den Juden dieser Länder zu denken geben müssen. Und sicherlich werden viele von diesen Ju den zu der Erwägung kommen. es sei besser wegzu* gehen, wenn man seine Angelegenheiten noch ruhig abw'ickeln kann, als wenn man eines Tages alles stehen und liegen lassen muss, so stellte der Vorsitzende der Jewish Agency Mosche Sharett jüngst in einem Vor trag fest. Die Tatsache, dass 350 Millionen Dollar jüdisches Vermögen in Kuba von einem Tag auf den anderen verloren ging, sollte uns allen zu denken geben. MITTELSTAENDISCHE EXISTENZ Man ist sich heute darüber im klaren, dass der Mittelstand eine wichtige Schicht im Volk dars'ellt. Frühere Vorurteile gegen den Mittelstand, dass er den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft stört, rind längst ad absurdum geführt worden. Ja, sogar in der kommunistischen Sowjetunion ist man sieh dessen klar geworden, wie ein Artikel des bekannten polnischen Professors für Sozial Wissenschaften Oskar Lan- Die Knesset vpn der äussersten Rechten bis zur äussersten Linken ist sich in einem Punkte einig: Die Bodenspekulation soll unterbunden werden! Die hohen Bodenpreise treiben die Kosten der Wohnungen und Geschäftsräume in die Höhe und sind daher ein Hindernis für die Wirtschaft, die um ihre Sanierung kämpft. Wie nun der Bodenwucher niedergerungen werden soll, darüber sind die Meinungen allerdings diametral entgegengesetzt. Das Thema kam im Rahmen der ersten Lesung des Budgetgesetzes für die staatliche Bodenbehörde, das als Ergänzung lum Haushalts-Voranschlag für 1962/63 erscheint, zur parla mentarischen B°handlung. Für die durch Zusammenlegung der Böden des Jüdischen National-Fonds. der Entwicklungs - Behörde und der Verwaltung verlassenen Eigentums vereinheitlichte Immobilien-Verwaltung, die etwa 92 Prozent aller Böden des Staatsgebietes in ihrer Hand vereinigte, gib; es ei* ne vor einigen Jahren beschlossene Richtlinie, dass sie .100.000 Dunam städtischer Böden aus ihrem Besitz an Privathand veräu ssern solle. Vor der Staatsgründung ge beweist, der in den Jahresbericht der Sowjet-Wissenschafts ■ Akademie für das Jahr 1956 aufgenommen worden war. Es war daher zu verwundern, dass man sich in Is* rael von der Bedeutung und dem Wert des Mittelstandes nicht schon Rechenscnaft ablegte und dies erst jetzt zu tun begonnen hat. Nicht zuletzt unter dem Druck der Verhältnisse und der von allen Seiten — auch in der Knesset — erhobenen Forderung, dass auch dem Einwanderer aus dem Mittelstand eine faire Chance gegeben werden muss. Die Ergebnisse der Studie zusammenfassend erklärte Herr Dulzin, dass Platz sei für die Errichtung von 2.000 Kleinbetrieben, Handwerksbetrieben und anderen Ge wäre ein solcher Beschluss undenkbar gewesen; er hat auch seine lange Vorgeschichte und seine guten Gründe. Zu letzteren gehört einerseits der Wirtschafts- Grundsatz, dass grosses Angebot die Preise drückt, und man wollte den wegen zu starker Nachfrage ständig steigenden Preis für städtische Grundstücke regulieren. Andererseits verband die Regierung damit auch noch eine Absicht: Durch den Verkauf von Böden zieht man Zahlungsmittel aus dem Verkehr in die Staatskasse ab, und das wirkt sich desinflationistisch aus. Ferner werden durch den Verkauf von Böden In* vestoren angespornt zu bauen — und das Land und seine Bevölkerung braucht mehr Häuser. Die Vertreter dieser Auffassung werfen der Bodenbehörde vor, dass das Programm der Veräusserung von 100.000 Dunam in den Städten nicht voll verwirklicht wurde, sondern dass vorläufig nur 30.000 Dunam an Private und 15.000 Dunam an staatliche Gesellschaften und Institutionen verkauft wurden. Letzteres entspricht nicht dem Programm, denn wenn der Staat an sich selbst verkauft, das Geschäft also mit sich macht, wird das Ziel verfehlt. Ueberdies sind mit diesen zusammen 45.000 Dunam noch nicht einmal die Hälfte der geplanten Verkäufe getätigt. Die Meinungen in der Mapai sind geteilt. Abraham Harzfeld z. B. wandte sich überhaupt gegen Verkauf öffentlicher Böden an Private, während sein Parteigenosse, der mit der Landwirtschaft nicht weniger verbundene (ehemalige Land wirtschafts - Vizeminister) Josef Ephrati interessanterweise so weit ging, den Gedanken auszusprechen, dass vielleicht auch die 100 000 Dunam nicht genügen werden, um dem Bodenwueher zu steuern, und dass — allerdings nach wohlüberlegter Planung — möglicherweise noch weit grössere städtische Bodenreserven verkauft werden sollten. Man muss sich bemühen zu .vermeiden, dass die aus öffentlicher Hand verkauften Böden spekulativ ausgenützt werden, wenn auch niemand wirklich frei ist von spekuwerben im Jahre, um den Bedürfnissen einer in der Entwicklung befindlichen Wirtschaft gerecht zu werden. Man kann also hier, so wird gesagt, zweitausend Familien des Mittelstandes im Jahre aufnehmen sowie weitere 1.000 Fachleute und Angehörige der freien Berufe. Hierbei sollten solchen Familien 25.000 bis 50.000 Dollar zur Verfügung stehen. Wir wollen hier auf die einzelnen Programme nicht eingehen, sondern nur her vorheben, dass der Kleinbetrieb zwar auf manchen Gebieten nicht imtande sein wird, die Konkurrenz mit dem Grossbetrieb aufzunehmen, dass er aber in ande ren seine starken Vorteile lativen Gedanken und von der Sucht, sieh zu berei ehern. Selbst der KKL war nicht imstande, sich und seine nächsten Kreise diesem Zug zur Spekulation zu entziehen. Die Immobilien- Wertzuwachs-Steuer, durch die sich der Staatsfiskus in gewissem Sinne zum Partner der Spekulation macht, ist unzureichend, solange die Regierung die städtischen Siedlungen nicht in grossem Zuge plant und dafür sorgt, dass an Private und Unternehmer nur unter der Bedingung Boden verkauft wird, dass sie sofort darauf bauen. Solange solche Böden leer stehen bleiben können. sind sie eo ipso Spekulalionsprojekte. Die Linke lehnt dagegen — teils aus sozialistischem Doktrinismus — Bodenverkauf aus öffentlichem in privaten Besitz prinzipiell und absolut ab, ohne zu berücksichtigen, dass durch die Verknappung des Angebotes den Bodenspekulanten und -Wucherern direkt in die Hand gearbeitet wird. Ein anderes Thema der gleichen Debatte bildeten die Vorwürfe der Clierut und zum Teil auch der Liberalen, dass öffentliche Böden weit unter ihrem Marktwert bevorzugten Inhat. So kann ein Kleinbetrieb, von einem guten Fachmann geführt, sich viel leichter den jeweiligen Marktbedingungen anpassen, kann sieh spezialisieren und Spezialwünschen der Kunden Rechnung tragen und ist nicht mit der. hohen Verwaltungsspesen belastet wie der Grossbe trieb. Werden für den Neueinwanderer, der dieser Klasse angehört, jetzt die nötigen Voraussetzungen geschaffen, wie billige Mietwohnungen, geeignete preiswerte Arbeitsräume, und erhält er die nötige Ermunterung und Beratung, so unterliegt es keinem Zweifel, dass einem solchen Einwanderer, der mit dem nötigen Faehwis sen ausgerüstet ist, sich gute Möglichkeiten zu einer Existenzgründung bieten. Zum Beweis dafür hob Herr Dulzin auch hervor, dass in den letzten zwei Jahren mit Hilfe der Jewish Agency 2.500 solche Familien eingeordne; wurden. Die Tatsache, dass sie das von der Jewish Agency dateressenten aus dem Hista* drut - Sektor zugeschanzt wurden. Auch Mordechai Bentow (Mapam) kritisierte, da4s viele Leute Nationalfonds-Boden gepachtet haben, ihn tingenützt liegen liessen und sich dann für seine Weitergabe ein Vermögen zahlen Jassen. Das ist eine im ganzen Lande bekannte Tatsache, gegen die der KKL bisher nichts zu unternehmen verstand. Bis in die hohen Parteikreise hinauf (Schikun Hazame ret) lässt sich diese Unsitte verfolgen. Jedenfalls hat die Verwaltungsbehörde öffentlicher Böden nicht verstanden, das ungeheure Vermögen (18,5 Millionen Dunam) gewinnbringend und im nationalökonomischen Sinne zufriedenstellend zu verwalten und zu verwerten. 63.000 städtische Wohnungen und Geschäftslokale, die der Oeffentlichkeit gehören, bringen, wie Sch. Schichman (Cherut) betonte. nur 1,2 Millionen IL Mietzins im Jahr ein. Es sollten mehr Anstrengungen gemacht werden, diese Mietsobjekte ihren Inhabern als Eigentum zu verkaufen, wodurch sich eine Entlabei erhaltene Darlehen von je 7.000 IL pünktlich und regelmässig zur Rückzahlung bringen, kann als ein Be weis dafür angesehen werden, dass diese Einordnung gelungen ist. Die entsprechenden Voraussetzungen für die weitere Einordnung solcher mittelständischer Elemente wurde jetzt von allen Seiten gefordert, wie dies auch eine Debatte bewies, die darüber vor kurzem in der Knesset stattfand. Regierung und Jewish Agency verschliessen sich dem nicht, und besondere Kommissionen hierfür wurden bereits eingesetzt. Israel und die EWG Nach fünf Tagen intensiver Arbei; und Ver handlungen zwischen Israel und der EWG wur den die Besprechungen für einige Tage verschoben. Sie werden an diesem Wochenende wieder aufgenommen, wenn die israelischen Delegierten mit den Vertretern des Europamarktes ihre Beratungen in einer Plenarsitzung fortzusetzen be absichtigen. Inzwischen benutzten die Delegierten die Zeit, um ihre Ziffern und technischen Unterlagen zu vervollständigen, um sicherzugehen, dass sämtliche technischen Fragen bis in alle Einzelheiten erfasst sind. — (ITA) stung des Staatsbudgets erzielen Hesse. Insgesamt gibt es 210.000 Mieter und Inhaber von Wohnungen, die öffentlichen Gesellschaften oder direkt der staatlichen Verwaltungsbehörde gehören, und die ihren Mietern zu günstigen Bedingungen verkauft werden sollten. In Haifa wurde ein grosses Gebiet aufgrund des Gesetzes für die öffentlichen Erfordernisse enteignet, aber später wurde dieses Gelände zur Errichtung einer Wohnsiedlung für Funktionäre der Arbeitergewerkschaft verwendet. Ist das korrekt? Das Vermögen des Staates wurde von der Entwicklungsbehörde behandelt. als wäre es Eigentum parteipolitischer Faktoren. Allgemein anerkannt wurde allerdings, dass sich die Vereinheitlichung der Verwaltung der Böden öffentli chen Eigentums in einer Hand, nämlich im Minhal Mekarka’ej Jisrael, bewährt hat, denn vorher hatte es eine Dreigeleisigkeit gegeben, den KKL, die Entwicklungsbehörde und die Verwaltung der von abwesenden Arabern verlassenen Immobilien.! 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