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Jüdische Wochenschau · 1962-12-07 · 1989 (7.12.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1989 (7.12.1962)
Date
1962-12-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Verluste für das Judentum Wenige Wochen zuvor erst hatte sich Dr. Arthur Postier, der als historisch versierter Autor bekannte letzte Rabbiner der früheren Israelischen Gemeinde Kiel, zur Mitarbeit an einem in Vorbereitung befindlichen jüdischen Nachschlagewerk zur Verfügung gestellt (er war einst auch Mitarbeiter des „Jüdischen Lexikons“ Berlin ab 1927) als die Nachricht von seinem p.öfzlich-en Ableben eintraf. 71 Jahre alt, ist er in Jerusalem verschieden, der Stadt, wo er. nach anfänglich schweren Zeiten, zuletzt der Leiter von , Hechal Schiomo“, der Bibliothek des israelischen Obsrrabbinats war. Seinen segensreichen neun Amtsjahren in Kiel (3924-33) waren Lehrtätigkeiten in Mainz. Halle a. d. S., Wien und Tübingen wo er zum Dr. phil. promovierte) vorangegangen. Am 16. November 1890 in Samter (Posen) geboren, hat sich Dr. Posner in seiner schriftstellerisch wissenschaftlichen Arbeit, vor allem in der Emigration, auf Darstellungen zur Gesc-hichvon Dr. E. G. LÖWEN THAL 1e der Juden namentlich im Posener Gebiet konzentriert. 1957 kam eine Arbeit ober die jüdische Gemeinde in Czarnikau heraus. 1958 folgte eine weitere über Gne sen: „The Annals of the Community of Gnesen“ 'Jerusalem, im Selbstverlag). 68 Seiten in nebräisc-her mit einem 20seitig?n Auszua in englischer Sprache. Im Zeitraum 1924 29 sind seine Schriften ..Das Buch des Propheten Miehah“. .Die Psalmen — das Reiigionsbuch der Menschheit“ und „Prophetisches und raboinisc-hes Jud'ntum“ erschienen. 1959. als er sich besuchsweise in New York aufhielt, wurde er besonder« von ehemaligen Kieler Juden geehrt. * nigshiitte (Oberschlesien) der Rektor der dortigen staatlichen jüdischen Volksschule und gleichzeitig der Direktor der Künigshuiter kaufmännischen Fortoii dungsschule. Nachdem Ost Oberschlesien polnisch geworden war, siedelte Simen Gruenewaid nach- Dortmund über, in die Gegend aus der er kam. und verbrachte die Jahre vor seiner Auswanderung nach Palästina in Mannheim. Der Versto? be ne war der Vater u. a. von Rabbiner Dr. Max Gruene- W’ald, Millburn, N. J. ifr. Mannheim) bis vor kurzem Präsident der „Amencan Federation of Jews from Central Europe“, New York. Das seltene Alter von 93 Jahren hat der ehemalige Lehrer Simon Grueneweld erreicht: Anfang Mai ist er im Elternheim in Ramat Chen gestorben. Der geborene Westfale — er stammte aus Pömbsen bei Nieheim — war lange Jahre in Kö- Der Name Dobrin erfreute sich im alten Berlin des besten Rufes. Die altemge führten Konditoreien und Cafés der Süsswarenbäcker Dobrin, im Zentrum und später auch im Westen der Stadt, bürgten für hervorragende Qualität. Sie waron äusserst beliebt und fre¬ Das Leo Baeck - Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN BILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT PUBLIKATIONEN DES IEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE W1SSENSCHAFTL1CHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN YEAR BOOK VI 1980 — VOM L.B.-INSTITUT KERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGEIEB des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256. und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueynedön 2190. 1. izq. (83/2613) quentiert. nicht nur in jüdischen Kreisen. Moritz Dobrin der bekannteste der drei Brüder, der auch im jüdischen Leben der ehemaligen Reichshauptstadt eine gewisse Rolle spielte, starb 1951 in London. 79 Jahre alt, nachdem er Theresienstadt überlebt hatte. Hermann. 88 Jahre alt geworden, ist ihm in New York kürzlich getagt. Der dritte Bruder ist gleichfalls nicht mehr am Leben. * Vor wenigen Monaten ist in Jerusalem, wo er zurückgezogen lebte, im hohen Alter von 84 Jahren ein durch sein breites und tiefes Wissen bekannter Mann dahingegangen: Rabbiner Israel Nobel, der jüngere Bruder des berühmten Frankfurter Kanzelredners Rabbiner Nehemia Anton Nobel (1922 gestorben). Er stammte au« Ungarn und war — nach gründlicher Ausbildung in der Jeschiwa in Halberstadt (wo sein Vater Josef Nobel, Rabbiner war) und im Berliner Rabbinsrsemina’- — 1904/06 Direktor der Jüdischen Realschule in Antwerpen, 1906 13 Rabbiner in Fi lehne (frühere Provinz Posen) und 1913/25 in gleicher Eigenschaft in Schneidemühl. Nach diesen 20 Jahren erfahrungssammelnder Tätigkeit in West und Ost, gehörte er bis 1940 sum Kreis der führenden Reli gionslehrer der ehemaligen Jüdischen Gemeinde zu Berlin; hier war ihm als Nachfolger des Talmudforschers Kabbiner Ludwig A Rosenthal insbesondere die kon servative Religionsschule arivertraut. Israel Nobels Söhne leben in USA. Berthoid (Baruch) Strauss. im Berufsleben technischer Kaufmann, daneben vor allem Bibliophile und Bibliograph, einem weiteren Kreis durch seine Tätigkeit im jüdisch-orthodoxen Kreis (Gemeinden, Schule, Organisationen der Aguda), noch mehr durch seine Veröffent Hebungen bekannt ist unlängst in London, wo er fast sein halbes Leben verbracht hat, g-sstorben. Er war am 20. Juni 1901 in Quedlinburg am Harz zur Welt gekommen. 1959 erschien unter dem Titel „Ohel Baruch“ der erste Band des Katalogs seiner grossen, ungewöhnlich zu nennenden Privatbibliothek, der zweite war für 1960 vorgesehen. Das Ganze stellt mit seinen 12.500 bibliographischen Nummern ein wichtiges Nachschlagewerk für Bibliothekare, Bibliophile und Bibliographen dar. soweit sie sich mit jüdischer Literatur befassen. Strauss durfte erfreulicherweise noch das Erscheinen der von ihm verfassten, englisch geschriebenen Familiengeschichte .The Rosenbaums of Zell“, einem Dorf bei Würzburg, erleben (London 19S21. LITERATUR In memoriam l Es sind fünf Jahre vergangen, seit Leo Perutz heimgegangen ist, einer der feinsinnigsten jüdischen Dichter unserer letzten, jüngst vergangenen Zeib ln Prag geboren (1832) und in Wien beheimatet, gehörte er von 1915 bis 1936 zu den beliebtesten, meistgelesenen Romanschriftstellern. Aus der Fülle seiner Bücher sei hier nur an das erste von ihnen erinnert, „Die dritte Kugel“, ferner an den so brillant wie spannend geschriebenen Roman „Der Marques de Bolibar“, der in der Zeit des spanischen Feldzugs Napoleons I. spielt, an „Turlupin“, ferner an das durch die „Berliner Illustrierte“ so berühmt, ja sprichwörtlich gewordene „Wohin rollst Du, Aepfelchen“; aber auch sein 1930 in Wien geschriebenes Thea, terstiiek „Die Reise nach Pressburg“ sei erwähnt. Im Jahre 1938 kam er mit seiner Familie nach Israel. In Tel Aviv betätigte er sich, seinem „bürgerlichen“ Beruf entsprechend, in dem er schon als junger Mann die mathematisch bedeutende „Perutz’sehe Formel“ entwickelt hatte, als Chef mathematiker einer Versicherungsgesellschaft. Für den „Marques de Bolibar“ wurde ihm nach seinem Tode der „Prix Nocturne' zuerkannt. sei ein Abschnitt zur Erin. nerung an den Dichter und Juden Leo Perutz wiedergegeben. ★ Er sass in seiner Kammer über das Buch der Geheimnisse gebeugt, das genannt wird Indraraba oder die grosse Versammlung. Verloren in die Unermesslichkeiten der Zahlen, der Zeichen und der wirkenden Mächte, hörte er die Schritte der Eintretenden nicht, und erst als sie ihn grössten: „Friede dem heiligen Licht!“ kehrte seine Seele aus der Geistesferne zurück in die irdische Welt. Und nun. da die Augen des hohen Rabbi auf sie gerichtet waren, begannen die beiden zu sprechen, sie riefen Gott an und priesen seine Macht, und Jäckele Narr berichtete, atemlos und mit fliegenden Worten, wie ihn das Lispeln und Flüstern, das Flimmern und Leuchten zwischen den Holunderbäumen das Friedhofs er schreckt hatte, was er zu Koppel-Bär gesagt und welche Antwort er bekommen hatte, und dass sie dann, als der Mond sich verbarg, der Gestalten der toten Kinder gewahr geworden waren. die im Geisterreigen über den Gräbern schwebten. Kinder kein* ihrem Grab Schweig«1 hohe Rabbl Dann erhöh Hess die K« er wieder** der Recb,eI mit Grütze1 and in der L ne Schale ai Silber, tes Apfelm Speise desf „Greift zu te er und wi ze und die nenn Ihr habt so »ei le mit süsi geht zurück der Kinder“ Sie ersch hörten, dass Mal auf de ten. twüa fuhr fort: „Fürchte Der, durch Weit enstar Mach! üb« und die Tote Schluss alle! werdet hei < zen und wa von den Kin nähert und Speise zu denn die Ge storbenen h sehe Nahrur vergessen. I Seinen ungemein schönen „Roman aus dem alten Prag“, einer locker gefügten Aufeinanderfolge von Novellen zumeist jüdischer Charakters, leitete er mit der Schilderung eine« sagenumwobenen Geschehnisses aus dem Herbst im Jahre 1589 ein, da die Pest in der Judenstadt Prags wÜTete. Aus dieser ersten Erzählung des Buches, das mit dem Titel „Nachts unter c.er steinernen Brücke“ zuerst 1953 und dann nochmals 1957 (von der Europäischen Verlagsanstalt, Frankfurt a M > herausgebracht worden ist, Der hohe Rabbi, der in den dunklen Nächten die zweiunddreissig verborgenen Wege der Weisheit gegangen war und in magischer Verwandlung die sieben Tore des Erkennens durchschritten hatte. — der hohe Rabbi verstand das Zeichen Gottes. Er wusste nun. dass in den Gassen der Judenstadt ein Sünder lebte. der in seiner Vergangen heit immer wieder von neuem frevelte. Tag um Tag. Und um dieser Sünden wijien war das grosse Sterben über die „Stadt gekommen, und um dieses Sünders willen fanden die Seelen der mit beider Saum sei« fragt im Nai der Ursprun Ende, um i wilien das über diese S ist.“ Und .. di« Wort« gens. er s Sie sasser Gräbern... sie sassen kam wieder über sie. um garni, mit s den .. Er versfu te Wort bl Kehle stecki Zwischen Traum und Wah Marc Chagall, der kürz lieh das 75. Lebensjahr voll endet hat. ist der letzte grosse Erzähler der modernen Malerei. Was er ein Leber. ' lang mit leuchtenden und glühenden Farben gemalt hat. sind Erinnerungen: Erinnerungen an die Kindheit, an das Ghetto in der „traurig fröhlichen Stadt“ Witebsk. sind Legenden und Märchen d?s Orients. Als Wie liegen die Feiertage im Jahre 5722 5723 Freitag, den 21. Dezember Sonnabend, d. 22. Dezember Sonnabend, d. 29. Dezember Sonntag, den 6. Januar 1963 Sonnabend, den 9. Februar Donnerstag, den 7. März Sonntag, den 10. März Montag, den 11. März Sonnabend, den 6. April Montag, den 8. April Dienstag, den 9. April Mittwoch, den 10. April Montag, den 15. April Dienstag, den 16. April Sonntag, den 21. April 1. Montag, den 29. April Dienstag, den 12. Mai Dienstag, den 28. Mai Mittwoch den 29. Mai Donnerstag, den 30. Mai Montag, den 29. Juli Dienstag, den 30. Juli Mittwoch, den 18. September Erew Chanukka 1. Tag Chanukka 8. Tag Chanukka Fasten Assara be'Tewet Schabbat Schira — Chamischa assar be Schwat Fasten Esther Purim Schuschan Purim Schabbat hagadol Erew Pessach Tag Pessach Tag Pessach Tag Pessach 8. Tag Pessach Gedenken des Aufstandes im Warschauer Ghetto Yom Ha'atzma’ut Lag Be'Omer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot Erew Tischa Be'Aw Tischa Be'Aw Erew Rosch Hasehana 5724 7. der junge Chagall 1910 nach Paris kommt, erfährt er eine zweite Geburt. Aber Kindheit und Vergangenheit hören nicht auf, Gegenwart zu bleiben. Die Quelle seiner Kunst isb die Religiosität wie sie täglich in der Sekte der Chassidim (der Frommen) geübt wurde. Dies 2 ostjüdische Religiosität grün det sich auf dem Glauben an ständige Kommunion Gotte« mit seinen Geschöpfen. Traurigkeit und Kummer hindern die Seele, sich mit Gott zu vereinen. Nur ein Leben täglicher Freude ermöglicht diese Kommunion. Aus dieser Quelle allein konnte Chagall zum Maler der Freude werden. die aus der Ueberwindung <fes Leidens kommt, der Freude, die singt und tanzt und mu siziert auf seinen Bildern. Eng verbunden mit dieser Freude ist die Liebe. Niemand hat so viele Liebende gemalt wie Chagall: schwebend oder fliegend oder Paare, die in Blumen eingetaucht sind, Symbole des Knospenden. Mi| diesen Bil dern hat Chagall Urbilder, Typen des Eros geschaffen. Chagall ist der Maler mit dem doppelten Trick. Wie im Märchen haben die Dinge ihren logischen Vertrag mit der Wirklichkeit gekündigt. Wohl hat Chagall die Malerei des Westens leidenschaftlich aufgenommen und

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