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Jüdische Wochenschau · 1962-11-30 · 1988 (30.11.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1988 (30.11.1962)
Date
1962-11-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 30 de Noviembre de 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII, — No. 1988 — 3 Die innere und die aeussere Mauer Die Chinesische Mauer, die laut Konversationslexikon, in der Zeit von 221 bis 209 vor der Zeitwende entstand und wahrscheinlich während der Ming-Dynastie (1368—1644) erneuert wurde, hat in Berlin eine Kopie gefunden, doch wurde ihr Zweck verkehrt. Während die wirkliche Chinesische Mauer gegen die innerasiatischen Nomaden errichtet wurde, will die berliner Mauer die im Ostteil Berlins und in Ostdeutschland lebenden Deutschen verhindern. Kontakt mit dem Westen aufzunehmen. So wur de sie zu dem meist unter Anführungszeichen verwendeten Begriff der „chinesischen Mauer“. Im Sprachgebrauch versteht man un ter Menschen, die sich mit einer „chinesischen Mauer“ umgeben, solche, die sich von der Umwelt abschliessen, die Wahrheit nicht sehen und nicht hören wollen. Eiben eine solche Mauer wurde vor mehr als Jahresfrist in Berlin errichtet. Den unter kommunistischer Herrschaft lebenden Deut sehen wird nicht erlaubt, nach dem Westen zu gehen und freies Geistesgut auf zunehmen. Wenn die Kommunisten den Funken einer Chance hätten, mit ihren Erfolgen anziehend auf den Westen zu wirken, dann würden sie die Grenzen weit aufmachen und das Land der Besichtigung darbieten Denn nichts ist überzeugender als das Beispiel. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Grenzen werden ii „SOLARIS stabiloformverarbeitet ein elegant präsentierter Sommeranzug. Herrlich leicht und ungeheuer strapazierfähig. — Selbstverständlich mit Permanent - Siroset * Bügelfalte. Sein Preis mSn 5.480.—. Sporthose aus gleichem Material $ 1.700,—. Diese Anzüge und Hosen sind formbestaendig knitterfest (Auto) leicht zu pflegen herrlich leicht unverwüstlich! vom ersten bis zum letzten Tag. Achten Sie auf die Marke „TERYLENE“ Polyester ICI Fibre Und die ganze Bekleidungs linie für die Jugend und die reifere Jugend. Und wenn Sie Masskieidung wünschen, erst recht zu uns! 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Sie werden oald nichts anderes mehr kennen und gelegentliche Schilderungen über das Leben im Westen als „kapitalistische Propaganda“ bezeichnen. Erinnern wir uns doch, wie die russischen Soldaten gestaunt haben, als sie in Wien Gemeindewohnungen sahen, die von einfachen Arbeitern bewohnt waren. Solche Häuser, solche Woh nungen waren zu dieser Zeit in der Sowjetunion nur hohen Parteifunktionären Vorbehalten, ihre Arbeiter lebten zu jener Zeit weitaus schlechter. Hatte man ihnen doch ihr ganzes Leben lang erzählt, dass der Arbeiter im Westen unter den härtesten Bedingungen Ie ben muss und nur die „Volksausbeuter“ über eine eigene Wohnung verfügen. Sie wussten es nicht anders, sie waren eben auch geistig von einer „chinesischen Mauer“ umgeben Dieser Begriff bringt uns von der „äusseren“ zur „inneren“ Mauer. Der ..Eiserne Vorhang“ ist dafür schon seit Jahren ein Be weis. An der Ostgrenze Oesterreichs, besonders an der Österreich - ungarischen, besteht ein dicht gestaffelter Todesverhau, der verhindern soll, dass Menschen der kommunistischen Herrschaft entfliehen. Er gestattet auch nur ganz wenigen, besuchshalber Oesterreich aufzusuchen. Die Masse bleibt hinter dieser Barriere und kann über das Leben in Oesterreich nur das erfahren, was die Berichterstatter der kommunistischen Blätter schreiben. Sie müssen also glauben — was oft in ungarischen und zeitweise auch in tschechischen Blättern steht — dass die vollgefüllten Auslagen (die sind nicht zu leugnen) nur für die Ausländer und für die kapitalistischen Ausbeuter da sind. Sie wissen gar nicht, wie gut heute der Durchschnittsarbeiter und Angestellte in Wien lebt. Das ist wieder ein Beweis für das stete Wachsen der „chinesischen“, der „inneren“ Mauer. Ueber das Beispiel Berlin und Oesterreich hinweg, geht durch die ganze Welt eine „chinesische“ Mauer, durch die hindurch oder über die hinweg es so wenig Verständnismöglichkeiten gibt, weil keiner mehr weiss, wie der andere jenseits lebt. Man liest und hört Urteile, die vollkommen falsch sind, weil jedes nur in der Vorstellungsweit des einen oder des anderen besteht. Manche dieser Beurteilungen mögen Wunschträume, * manche Angstvorstellungen sein, je nachdem wie der seelische Pende! ausschlägt Aber der Wirklichkeit entsprechen sie nie. Viele dieser Urteile sind sehr gefährlich, besonders dann, wenn der andere für dumm, schwach und feig gehalten M'ird weil das dem eigenen Wunschbild entspricht. Es könnte ein fürchterliches Erwachen sein. Dafür gibt es auch ein gutes Beispiel. Der USA-Präsident Kennedy sah sich gezwungen. den sowjetrussi- ■sch-en Ministerpräsidenten Krufschew ausdrücklich zu SaiSSIiSISIIlS JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-II48 BLANCO ENCALADA 1646 Teppichhaus - M. 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Demgemäss gilt das Bei spiel auch umgekehrt. Es wäre sicherlich verderblich, wenn der Westen den CLten als schwach und ur.ent schlossen ansähe. Auch auf die Karte zu setzen, die Sowjetunion sei genügend beschäftigt, um China im Zaum zu halten, wäre mehr als gefährlich. Die allergrösste Gefahr in der Existenz der äusseren und inneren Mauern liegt in dem bösen Willen, sie zu er richten. Man will sie hauen, um den Massen des Vo kes ein Verständnis des Volkes jenseits der jeweils errichteten Mauer unmöglich zu machen. Die täglich laufende Propaganda sorgt dafür, dass jeder in der eigenen Ansicht (die gar nicht mehr seine eigene ist, sondern ihm eingeträufelt wird) die „gute“ und in der des anderen (der auch keine eigene Meinung mehr hat) die „schlechte“ sieht. Es mangelt an eigener Urteilskraft, es steigert die Bequemlichkeit, die vorgesagte Meinung nachzuplappern. Das sieht man nicht nur im Osten, das sieht man euch im Westen. Unter der Gefahr, den Fehler der Generalisierung zu machen, kann man ronstatieren, dass man unter kommunistischer Herrschaft mit dem Hauptproblem, für die Gemeinschaft zu sorgen ohne das Individuum zu versklaven, nicht fertig wird. Ebenso wird der Westen mit seinem Hauptproblem, das Individuum frei zu lassen ohne die Gemeinschaft zu schädigen, nicht fertig. Da LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE ô*. Ai*«* — PUEYRREDON 2190. 1* Uq. — T. E. 83-26P 30. November 1962 3. Kislew 5723 und dort werden äussere oder innere Mauern zur „Stütze“ errichtet. Mit Sorge sahen wir eine ähnliche Entwicklung in Oe sterreieh gerade in den letzten Wochen vor den Neu. wählen. Zeitungen, Wurfzettel, Plakate, Reden. Rundfunk und Fernsehen überschütteten uns mit Versprechen, die nicht gehalten werden können und an die der einzelne Staatsbürger glauben'soll und auch will, da er sie doch „gesehen“ oder „gehört“ hat. Welche Unmassen von Geld wurden doch da vergeudet, um den j Wähler mit einer Mauezu umgeben, über die er möglichst nicht hinöbersehielen soll zu einem anderen Gebiet. Die Demokratie gerät in Gefahr, wenn Verdächtigungen ausgesprochen wer den. der „andere“ — mit dem inan im Interesse der Aufrechterhaltung der Ruhe in Oesterreich auch nach den Wahlen eine Koalition bilden wird und muss — strebe eine Diktatur an. Wie könnte man denn mit einem Menschen auf einer Ministerbank sitzen, von dem man vorher gesagt hat, dieser sei ein Diktator, wenn man nicht selbst solche Eigenschaften hätte? Die künstlich errichtete Mauer an Worten und Propaganda will es aber so haben, dass man nicht die Wahrheit sagt, die schlicht und einfach bestätigt, dass bei allem Unterschied der Weltanschauungen und auch der Wirtsehaftskonzepte ei ne Zusammenarbeit der beiden Grossparteien lür Oesterreich eine unabdingbare Suez-Entschaedigungan London. — Zur Beilegung der letzten noch offenen Fragen aus der Suez-Krise von 1956 wurde in Kairo eia britisch ägyptisches Finanzabkommen unterzeichnet. Es regelt die Zahlung von Entschädigungen an diejenigen britischen Staatsangehörigen, deren Vermögen vor acht Jahren von der ägyptischen Regierung enteignet worden sind. (AWZ) Notwendigkeit ist. Wenn auch die Wege verschieden sind, das Ziel ist immer Oesterreich! Innerhalb der Regierung darf es keine Mauern geben. Nur die innerlich gelöste Zusammenarbeit kann vor den Gefahren schützen, die am Horizont drohen! M0EBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäfte mit der grössten Auswahl. SARM1ENT0 1147 T. 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