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Jüdische Wochenschau · 1962-11-02 · 1984 (2.11.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1984 (2.11.1962)
Date
1962-11-02
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Vor kurzem veröffentlichte die Abendzeitung „Maariw“ den Brief einer deutschen Theologie - Studentin unter der Ueberschrift , Ein Abschiedsbrief“. Der Brief war ein halbes Jahr früher in Israel von dem jungen Mädchen geschrieben worden, das ein Studienjahr an der Hebräischen Universität in Jerusalem absolvierte. Der Brief war keineswegs nur Veröffentlichung bestimmt, und der Empfänger dieses Schreibens hatte sich durch die Publikation einer schweren Indiskretion schul dig gemacht: in einem Zustand tiefster Niedergeschla genheit unter dem vernichtenden Eindruck des Eich mann-Prozesses hafte das junge Mädchen an ihre Freunde Worte der Ermutigung gerichtet: Alles schien ihr in dieser düsteren Stunde vergeblich. Keine echte Begegnung schien sich ihr mehr zwischen jungen deutschen und israelischen Menschen aufzutun, die Schuld Aon SCHALOM der Väter wog zu schwer, als dass die Kinder sie hätten abtragen können. Mit dem bitteren Aufschrei einer gefolterten Seele schliesst dieser Brief, der aber nicht der letzte Brief und keineswegs das letzte Wort in dieser Sache war. Kurz darauf brachte „Maariw“ die Entgegnung der jungen Deutschen: Begegnung zwischen israelischer und deutscher Jugend ist nötig- In fliessendem, klaren Hebräisch (ich kann bezeugen wie gut sie in ihrem jerusalemer Studienjahr die hehebräische Sprache erlernt hat) schreibt sie an die israelisch-hebräische Zeitung, dass die reiij private Aeusserung einer depressiven Stunde nicht für die Oeffentlich keif bestimmt war und dass diese Veröffentlichung nicht nur ihr selbst Aerger und Schaden verursacht habe, <t tft BEN - CHORIN sonder neine Gefahr darstelle: denn wenn junge Deutsche. die guten Willens sind und den Weg der Begegnung mit Israel eingeschlagen haben, diese Zeilen zu lesen bekommen, können, ja müssen sie entmutigt werden. Und gerade das soll vermieden werden! Sie zitiert israelische Freunde, die ihr gesagt haben: Wenn nur zwei oder drei wirklich umkehren und wiederum zwei oder drei zu überzeugen vermögen, die ihrerseits wiederum umkehren, kannst du mit Keiner kleinen aber wichtigen Arbeit beginnen, denn -wer nur eine Seele rettet, ist wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat. Die Briefschreiberin identifiziert sich mit dieser im Grunde optimistischen Auffassung und sieh* ihre zukünftige Aufgabe als Vikarin und Lehrerin gerade in der Anbahnung Internationa- Das Leo Baeck Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN EILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT I ) PUBLIKATIONEN DES I.EO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN ,f DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECKJ TÜBBING** YEAEt BOOK ,VM I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256, und kn Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1. izq. (83/2613) ler und interkonfessioneller Beziehungen im Sinne echter Völkerversöhnung und im Dienst am Weltfrieden SIE STEHT NICHT ALLEIN Es ist gut und tröstlich zu wissen, dass diese Studentin nicht allein steht. Ihre schöne und klare Antwort, die durch die unverantwortliche Publikation ihres Privatbrie fes hervorgerufen wurde, hat viel zur Reinigung einer gerade jetzt wieder besonders vernebelten Atmosphäre geführt. Eine junge Deutsche aus Hamburg, C. S., die nach viereinhalb Monaten Ulpan in Jerusalem sich bereits in geläufigem Hebräisch mit mir unterhält, bekennt: in Israel bin ich eine bessere Deutsche geworden. Das Heimatgefühl ist ihr hier in Sde Boker aufgegangen, wo sie unter Menschen lebte, die sich freiwillig der harten Aufgabe unterziehen, dem kargen Boden des Negcw Fruchtiand abzugewinnen. Solche Liebe zum Boden, solche Hingabe an die zu erschliessende Heimat, fern einem lärmenden Biertisch-Patriotismus. haben diesem jungen Mädchen die Augen für den unschätzbaren Wert der Heimat geöffnet. Auch sie will, übrigens die Tradition ihres Elternhauses so fortsetzend. für das bessere Verständnis zwischen israelischer und deutscher Jugend wirken. Sie hat Israels Volk besser kennengelernt als viele von uns. die seit Jahrzehnten im Lande leben und doch aus dem eigenen Kreis nicht herauskommen. Im Ulpan lernte sic zusammen mit neuen Oiim. Die Spannungen zwischen diesen Gruppen sind der scharfen Beobachtung des jungen Menschenkindes nicht entgangen. Aber sie selbst fand Freude unter allen noch so verschiedenartigen Menschen. Gerade die Unmittelbarkeit. die freimütige Offenheit dieser Olim, hat sie die besonderen menschlichen Qualitäten dieser bei uns oft leider noch diffamierten Gruppe erleben lassen. Die junge C. unterscheidet sich von vielen jungen Menschen aus Deutschland, die mich ln den letzten Mongten und Jahren aufgesucht haben, vor allem dadurch, dass sie nicht als bibelgläubige Christin unter theologischen Aspekten das Geschehen in Israel sieht. Sie ist ganz „Weltkind“ und erlebt das pulsierende Leben des Aufbaus, das Wunder der Verschmelzung heterogener Gruppen zu einem Volke nicht als Erfüllung alttestamentarischer Weissagungen, sondern als Wunder der Gegenwart. Sie wird als Botschafterin des neuen Israel, als junge Journalistin, den Weg zu Menschen finden, die nicht von der Sprache des Glaubens her anregbar sind. * „GETEILTES“ BLUT 1 Zwei jurge Frauen „geteilten“ Blutes, Halbjüdinnen also, erzählten mir — ohne dass eine von der anderen weiss — ihre Erlebnisse, obwohl der Ausgangspunkt, die Ausgangssituation, ähnlich ist. I. P. fand nach Absolvierung desselben Ulpan, in welchem auch C. S. gelernt hat, den Weg nach Israel. Sie will zum Judentum übertreten oder ins Judentum heimkehren, will sich als Sozialarbeiterin im Land betätigen, um selbst mit beizutragen zum Aufbau der neuen Gesellschaft Israels mit ihren zahllosen sozialen Einordnungsproblemen. Hier ist ihr in langem Aufenthalt klar geworden, dass sie hierher gehört, dass sie hier heimisch werden will und des- LITERATUR « 11 Vor einigen Jahren kur sierte in Moskau und im Westen das Gerücht, Ilja Ehrenburg. jahrelang literarisches Sprachrohr Stalins und, nach dem Tod des Dik tators erster Repräsentan; des ,.Tauwetters“ (dem sein Buchtifel den Namen gab), habe in Paris einen Memoirenband deponiert. Wenn Ehrenburg einmal gestorben sei, werde die staunende Welt endlich aus berufenem Mund erfahren, wie es wirklich unter Stalin war. Selbst als vor mehr als einem Jahr in der Moskauer Zeitschrift Novvyj Mir Ehren burgs Erinnerungen zu erscheinen begannen, warteten viele weiter auf den „Pariser Band“. Je näher Ehrenburg in seinen abschnittsweise veröf fentlichten Memoiren den kritischen Jahren 1936 37 rückte, um so sicherer war man, er würde die Serie abbrechen, oder sich auf Formeln beschränken. Es war ein Irrtum. Kürzlich ist in Moskau die laufende Fort Setzung der Ehrenburgselien Erinnerungen herausgekommen und es besteht kein Zweifel: das ist d:r „Pariser Band“. So und nicht anders müsste er sein, wenn es ihn gäbe. Ehrenburgs Veröffentlichungen waren nie genial, aber sie waren immer zeitgemäss. Journalist von Gean bliit, wusste er jederzeit genau, was gerade in der Luft lag. Seine Erinnerungen an die Schreckensjahre 3936 und 1937 erscheinen ein knappes halbes Jahr nach dem XXII. Parteitag, und der Entfernung von Stalins Leiche aus dem Mausoleum, zu einem Zeitpunkt, da die sowjetische Oeffentlichkeit, vor allem die Sowjetjugend, sich die .Wahrheit über jene Jahre von niemandem mehr vorenthalten lassen will. Ehrenburg riskiert mit seiner Veröffentlichung nichts mehr, im Gegenteil, wie sonst erfüllt er auch jetzt ■— wenn vielleicht nicht so direkt wie unter Stalin — ei. nen Auftrag: die stürmische Entstalinisierung ist wohl nicht nur ein spontaner Ausbruch der jahrzehntelang ge stauten Empörung, sondern ebenso ein Ablenkungsmanöver von der wirtschaftlichen Situation. So konformistisch und sogar feige Ehrenburg einmal gewesen sein mag, jetzt jedenfalls zeigt er sich von seiner besten Seite. Sein Bericht ist ein schillerndes, mitreissendes Panorama je ner Zeit. Er bietet ein Stück Journalismus, das dem berühmten Buch des Amerikaners John Reed über die „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“. die Tage der russischen Oktoberrevolution nicht nachsteht. „Zwanzig jicnate. die dj I tfpit €ri vH Welt * Vf„ Oder *»«;• 'S zagende Fw dem Lesw <»e drängt sie *» Zum ersten®* «in Sowjetschn Moskau, einer «ekomrnenen de bernur Gefluchl lind zu sagen; grosser Teil c m Ehrenburgs darin. Aber da ws: Ehrenburg spanischen Bürg « in das Mos* kuschen Säub rückkehrte. Di fueg dieser bei Kommunismus! «en Ereigniss1 ganze Tragödie Wer diese Zi wjetunion erl wie nahe das 1 halb heimisch werden kann. C. R. aber empfand kühle Ablehnung (in einem anderen Ulpani und musste hier fast eine Wiederholung der bitteren Erlebnisse in Deutschland erfahren. Dort geächtete Kindheit in der Nazizeit, nirgends wirklich zugehörig; hier isoliert in einer jüdischen Gesellschaft, die sie nicht ganz aufnehmen kann oder will. Einsamkeit hier und dort. Wie seltsam verschieden verlaufen diese Wege gleichen Ursprungs. Was kann man daraus lernen? Der Mensch ist offenbar doch in seiner Individualität die letzte unteilbare Grösse. Das Gruppen Schicksal formt ihn gewiss und dennoch bleibt der unauflösbare Rest des Individuellen, der IehHeit, die letztlich allein in der Zone der Entscheidung steht. Wie sagte Richard Beer-Hofmarm in seinem unsterblichen „Schlaflied für Mir jam“?: Blinde — so gehn wir und gehen allein, Keiner kann Keinem Gefährte hier sein — Aber das war nicht das letzte Wort des jüdischen Dichters, der in der letzten Strophe bekennt: In uns sind Alle. Wer fühlt sich allein? Du bist ihr Leben — ihr Leben ist dein — Den Schritt von der vorgegebenen Einsamkeit zur erlebten Gemeinschaft kann man nicht erzwingen: nur die Gnade gewährt ihn. CHRISTENTUM UND ZIONISMUS Weniger problematisch als es für junge Menschen .aus Deutschland ist, hier den und wurde so tief bewegt,, dass er in Abwandlung des Mottos zu Goethes Noten und Abhandlungen: „Wer Anschluss an die „Wirklichkeit der Hebräer“ zu finden, gestaltet sich dieser Versuch für den jungen Theologen A.d.P. aus der französischen Schweiz. Was lyit ihn hierher geführt?^ Die konfessionelle Enge seiner was Unselbstv Lehrer, deren einer ihm eigeworden ist, ne Karte hierher schrieb: in seiner Tiefe „Jerusalem, Palästina“. Für nicht in jener S den Herrn Professor, einen enge mancher bekannten Alttest amentler, deren Horizont gibt es noch immer keinen vom eigenen I Staat Israel, „denn also grenzt erseheir schliesst er messerscharf, Mischen Un dass nicht sein kann, was ihm nun die ] nicht sein darf.“ Alle Ver- Mischen Bibr heissungen des Alten Testa gen Lebensau menfs sind im Neuen Testaden. ment Ja und Amen und haben dort bereits ihre Er- WAS IST ISR.i füllung gefunden, lehrte man den Studenten in. seinen drei Jeder fra»te ersten theologischen Semewird eine Antu stern. Er meldete seine Zwei dem eine ’nli. fei an. Er las Martin Buber ne Antwortden Dichter will verstehen / Mädchen aus Muss in Dichters Eande ge- «nt hier €rt hen“. auf ein Studienjahr an ist „s die Hebräische Universität den Ruf ihrer nach Jerusalem ging. nen, ein jnL, Aber nicht sofort: zuerst ßhr} sejns verbrachte er Monate in ei- Christentum nem religiösen Kibbuz, so Juden, w0 > das erlebte Judentum aus gungsj0S€, G’r nächster Nähe miterlebend. über Gott „Und hier bin ich zu einem geht. j>je 6rS besseren Christen gewor- Israel ma'-lu den“, bekennt er freimütig. der Talnurf Gerade hier, wo Christen- 158j; Ul)(j 5 tum keine Selbstverständ- ')ar 231 vli lichkeit des bürgerlichen Nicht nur Sonntag ist. sondern eine auch die-G^ ganz eigene Entscheidung **n wmj,| j fordert, wo es (wieder) etder Wandl^ Wi« liegen die Feiertage im jaj,re g Freitag, den 21. Dezember Erey Gh Sonnabend, d. 22. Dezember! Tag uki Sonnabend, d. 29. Dezember 8-Tao n,anu,* Sonntag, den 6. Januar 1963 Tasten ». nul Sonnabend, den 9. Februar Schabhat ®ischa a Chi Donnerstag, den 7. März Tasten p/?ar Sonntag, den 10. März Purim Cer Montag, den 11. März ^huschan d Sonnabend, den 6. April Sabbat n r Montag, den 8. April Erey p. flaEa Dienstag, den 9. April 1-Tagp.Sacl1 Mittwoch, den 10. April 2. Ta» p*Ssjcl Montag, den 15. April Ta» p SSa<T Dienstag, den 16. April ' 8. Tä„ „ *s*cl Sonntag, den 21, April ^nken!]Sai!l Montag, den 29. April Hm Ra/.0*131 Dienstag, den 12. Mai -Lag Ben/Zln! Djenstag, den 28. Mai Erey o./r'er Mittwoch, den 29. Mai 1. Tai (r!''uo

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