Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1981 (13.10.1962)
- Date
- 1962-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Sábado, 13 de Octubre de 1962 SEMANA ISRAELITA Afto XXIII. — No. 1981 Durchbruch zum Toten Meer Moderne Grosstadt Tel Aviv von HERBERT FREEDEN Unlängst bildete sich eine riesige dunkle Rauchwolke über der judäischen Wüste — fast sah es aus. als ob sie die Form eines Pilzes annehmen würde wie nach einer Atomexpiosion. Si? war nicht das Resultat irgendeiner Bombe, sondern einer Sprengung, der grösster. die je in Israel stattgcfunden hat und die auf viele Meilen hinaus die Erde erschütterte: 20.000 Tonnen Fels und Gestein wurden gesprengt, um das letzte Stück der neuen Strasse von Arad zum Toten Meer freizulegen. Dem Durchbruch folgte eine denkwürdige Szene. Zum ersten Mal konnten die Arbeiter, die von Süden her. von der Toten Meer-Seite, den Weg vorwärtsgetrieben hatten, sich mit ihren Kollegen verbinden, die vom Norden, von der Arad Seite her kamen. ,.Masal Tow“, rief Schimon Ben Schemescli, Generaldirektor des Keren Kavemet. ihnen zu, als die Staubwolken sich legten und die Männer einander die Hände schüttelten. Stolz konnte er den anwe senden Presseleuten mitteilen, däss diese Strasse termingemäss fertiggestellt worden ist. Genau vor einem Jahr wurde die Arbeit in Angriff genommen, und damals versprach Jakob Tsur, der Weltvorsitzende des Keren Kayemet, dass im Herbst 1962 die ersten Fahrzeuge diesen Weg be nützen würden, der die Entfernung vom Toten Meer bis nach Beer Schewa um 40 km verkürzt. Es war im Sommer 1961, als wir zum ersten Mal nach Arad fuhren. Damals war eiu schwüler Chamsintag, und das Thermometer kletterte auf über 50 Grad im Schatten. Von der Beer Schewa - Chaussee zweigten wir ah. an einer Stelle, an der ein Wegweiser optimistisch voraussagte: ..Zum Zentrum des Arad Gebietes“. Die Autobusse riittel- :n und schüttelten auf der unebenen, alten Wegspur, die noch aus der Zeit der Römer stammt. Die Einförmigkeit der Steppe, nur hier und da von den schwarzen Zelten der Beduninen und ihrer Herden unterbrochen, erinnerte an Szenen aus der i Bibel — um die Quelle her- I um lagerten Mensch und j Tier, und es bedurfte nur einer Fahrt von ein paar Stunden, um zu wissen, was Wasser hier bedeutet. I Auf einer Anhöhe — vom Westen kam ein kühlender Wind, und nach Osten blick te man auf das Tote Meer — wurde der Grundstein für die neue Stadt Arad gelegt, ein Name, der aus der Bibel bekannt ist. Schon einmal spielte Arad eine gewisse „verkehrstechnische“ Rolle, denn der König von Arad versperrte den Kin dern Israel den Weg, so dass sie eine viel längere Route über Transjordanien und Jericho nehmen mussten (Deut. 21. 331. Nahe der biblischen Festung Arad entsteht die Stadt, das geplante neue Zentrum des Totin Meer- Gebietes. Bisher lebten die Arbeiter der Pottasche Werke. die aus klimatischen Gründen in der Toten Meer- Senke nicht untergebracht werden konnten, in Dimona und Beer Schewa, die 55, respektive 95 km von Sodom entfernt sind, wahrend Arad -in einer Entfernung von nur 26 km gebaut wird und deshalb eine viel bequemere Basis bietet. Darüber hinaus hat es den Vorteil, dass es auf einer Anhöhe von 640 Metern über dem Meeresspiegel gelegen und daher verhältnismässig kühl ist. Sodom liegt 400 Meter unter dem Meeresspiegel, sodass der Gesamtunterschied zwischen Arad und dem Toten Meer über 1.000 Meter beträgt. Das hatte natürlich die Anlage einer Strasse sehr erschwert: dazu kam noch, dass sie in tiefe Klüfte gewaltiger Hänge gehauen und über Höhenzüge geführt werden musste, die mit steilen, spitzen Felsen bedeckt sind. Unter den industriellen Projekten, auf die sich das Wirtschaftsleben in Arad l;i UROPAEISCHER FACHMANN! 5 übernimmt Reparaturen von _ 1 RADIOS — COMBINADOS 1 T. E.: 70.9931 von 14—16 und ab 20 Uhr r 'iiiiiiiimiiiiiiiiimitiHiiiiiiiiiiiiHitiHiitiiHmitiiiiimiiiiiiiHir; 1 stützen wird, und die imstande sein dürften, 2.000 bis 2.500 Arbeitsplätze zu schaffen, stehen ausser den Toten Meeres-Werken, die vor kurzem entdeckten Phosphat- und Weisszement lager.t Ferner die Gasfelder, denn Arad wird der erste Platz in Israel sein, wo Häuser einschliesslich der Asbesthütten an eine öffentliche Gasleitung angeschlossen werden; 'ausserdem pe tro-chemische Industrien, eine Porzellanfabrik, eine Jersey Fabrik, die für den Export arbeiten wird, ein Marmorstsinbruch und wahrscheinlich auch,ein Hotel — das Arad-Dan Hotel — und ein Erholungsheim für die Angestellten von Solei Bo ne. Der Plan für Arad sieht eine Bevölkerung von 40.000 Menschen vor, hiervon 1.000 Arbeiter der Toten Meer- Werke — und die brauchen eins gute Verbindung mit Sodom. Die Strasse, die vom KKL gelegt worden ist, ist 18 km lang und bis 14 Meter breit. Ein Jahr lang führten die Ingenieure, mit Arbeitergruppen aus Beer Schewa und Dimona, einen hartnäkkigen Kampf gegen das Ter rain und auf den letzten 8; km mussten sie einen Höhenunterschied von 770 Metern zum „tiefsten Punkt der Erde“ überbrücken. Die letzten drei Kilometer, so sagten Sie, war das schwerste Unterfangen dieser Art, das jemals im Lande unternommen wurde. Beim Bau der Strasse wurden zum ersten Mal in Israel selbstantriebene pneumatische Bohrer eingesetzt, die bis 20 m tief in die Erde dringen können. Dann räumten riesige Bulldozer das Geröll weg; mehr als eine Million Tonnen Fels und Gestein mussten entfernt werden. Für das Tote Meer-Gebiet ist diese Strasse ein Segen;; sie erhöht seine Sicherheit, macht es mit seinen einzig | artigen landwirtschaftlichen Reizen der Touristik zu-! gänglich und ermöglicht ei- ■ ne bessere und wirtschaftlichere Ausbeutung seiner rei ehen Naturschätze. - -:S ROTHSCHILD-BOULEVARD Ein ungehobener Schatz von HANNAH PETOR i! Halimi Eurapameistar ISRAEL - BRIEFMARREN j WIBDERVBRKAE9FER - ALLE REÜAVSGA- J BEH ZVM orrHUELLEN FREIS Agencia Filatélica oficia) l del Estado de Israel, VLAMO«rTE «M. t/B — Bwwt Air««, lUp ArfcoiiM J JUEDISÍHE WOCHENSCHAU in Montevideo/Uruguay EinzalNNmmar 70 Csutáaimss Jafcrtsafcsns 45.— $ urag. LUFTPOST VERSAND DURCH „PLUNA" ANZEIGEN-ANNAHME Librería Neulaender RIO BR ANCO 1231 Tel. 83887 ABONOS — COBRANZA Sra. L. Loeblowitz PARAGUAY 1164. piso 2. apt. 9 Distribuidor: KIOSK TUREK CONSTITUYENTES 1757 Tel. 42 64Ü Tel Aviv. — Durch Punktsieg über den bisherigen Titelträger Piero Rollo (Italien) wurde der Franzose Alphonse Halimi in Tel Aviv neuer Europaboxmeister lm Bantamgewicht. Der Kampf ging über 15 Runden. Rollo war erst im April dieses Jahres durch einen Sieg über den Belgier Cossemyns Europameister geworden. Alphonse Halimi war zweimal Weltmeister in dieser Gewichtsklasse. Er hatte seinen Titel zuletzt im November 1960 an den Brasilianer Jofre verloren. — (AWZ) Kaifia Aufaabmaa in Bergaa-Balsaa Rom. — Der italienische Regisseur Vittorio de Sica, der mit Sophia Loren und Maximilian Schell in Hamburg und Ostberlin Aufnahmen für den Film „Die Eingeschloasenen von Altona“ drehte, hatte die Absicht, in Bergen - Belsen Aussenaufnahmen zu ”.ache . Das niedersächsische Innenministerium hat die Genehmigung dazu nicht erteilt. Wie das Ministerium auf Anfrage erklärte, hat man die Filmaufnahmen in Bergen-Belsen nicht deswegen abgelehnt, weil man keine traurigen Ereignisse neu beleben wolle, sondern man verwies darauf, dass das ehemalige KZ eine Gedenkstätte und Israel ist bekanntlich ein Laboratorium für anthropologische, soziologische und psychologische Studien, wofür die vielen seltsamen Sitten, Tänze, Schmucksachen, Trachten und Sagen unendliches Rohmaterial liefern Min erkannte bald, dass zur Erhaltung dieser verschiedenartigen und kostbaren Volksschätze und künstleri | scher Fähigkeiten, die von den aus allen Teilen der Welt ins Land strömenden Massen stammen, besonders Schritte unternommen werden mussten, damit dieses wertvolle nationale Erbe nicht der fortschreitenden Modernisierung und Normung zum Opfer fällt. Es ist zum Beispiel bedauerlich, dass viele Tänze nicht mehr in ihren schönen Originalkostümen gezeigt werden können, und dass viele Lieder und Sprüche bereits Veränderungen in Stil und Inhalt unterworfen waren. Viele Gebräuche der jüdi sehen Gruppen sind in längst vergangenen Zivilisa tionen verwurzelt, und viele wurden aus Ländern übernommen. in denen jüdische Gemeinden zu irgendeiner Zeit einmal gelebt hatten. Das jüdische Volk ist eine Volksgruppe von einem hohen Alter, sodass es inter essant und lohnend wäre, in seinen Sitten jenen Elementen nachzuspüren, die auf die antiken Aegypter, Babylonier, Phönizier usw. zurückgehen und diese zum Mittelpunkt von wissen schaftliehen Forschungen z*u machen. ZAHLREICHE SAMMLUNGEN Es existieren hier und da Sammlungen folkloristisc-hen Rohmaterials wie zum Bei spiel Archive von Sagen der Juden aus dem Jemen, Irak und Abessinien, von „Romanceros“, d. i. Liedern der spanischen Juden des Mittelalters ,oder Sitten der Indischen, kurdischen Juden etc. Wie aus den vorläufigen Studien hervorgeht, sind viele Tänze. Sitten und Aus Sprüche eng an den Lauf der Jahreszeiten angelehnt die Ruhestätte zahlreicher Opfer sei. Vertreter jüdischer Organisationen haben nach Mitteilung des Innenministöriums diese Entscheidung begrüsst. (AWZ) und beweisen, wie eng ein einst landwirtschaftlich gesinntes Volk mit dem Boden verknüpft bleibt. Diese Forschungen werfen nicht nur helles Licht auf den jüdischen Glauben aller Zelten, sondern auch auf die Texte der Bibel, ur.d viele unverständliche Stellen finden ihre Erklärung, indem bewiesen wird, wie Sprüche und Lieder im Lauf der Jahrhunderte verändert und weitergedacht wurden. So haben zum Beispiel die uns übermittelten Geschichten der orientalischen Gemeinden ganz besondere Züge in denen der religiöse Inhalt und das geistige Element vorherrschend sind. Man entdeckte auch, dass die jüdische Volksliteratur viele gemeinsame Züge mit derjenigen anderer Völker, hat. All diese faszinierenden Studien stehen jedoch vereinzelt da und entbehren noch jeder Richtung. Die Hebräische Universität hat bisher noch keinen Lehrstuhl für Ethnologie einge richtet, doch ist die intensive Arbeit auf diesem Gebiet von Dr. Noy zu erwähnen. Verwandte Forschungen werden auch vom Ben Zwi- Institut, der Yeda Am Gesellschaft und dem Muse um für Ethnologie, dessen Direktor Dr. Noy ist, betrie ben. MUSIK UND TRACHTEN Frau Gerschon Kiwi betreibt Studien geistlicher und volkstümlicher Musik der orientalischen Gemeinden, indem sie Melodien aufzeichnet und sie auf ihren Inhalt an islamitischen, indischen und persischen Kunstelemeaten erforscht. Frau Aviv« Lancet studiert Trachte«, und Stickereien der yementtischen Juden. Die jüdischen Voikssagea werden nach einem interna tional anerkannten Nummernsystem der Forscher A. Arne (Finnland) und S. T. Thompson (USA) registriert. Bisher konnten 4 58® Volkssagen von 21 jüdischen Gruppen gesamelt werden. Die Forschungen erstrecken sich auch auf die Sagen der in Israel lebenden arabischen, drusischen und tscherkessischen Volksgruppen. Es konnten bereits Beziehungen mit verschiedenen ausländischen Forschungsstationen aufgenommen werden. Dr. Noy und Frau Lan cet vertraten Israel auf dem internationalen Kongress für volkskundliche Forschung in Kiel-Kopenhagen, und Frau Lancet nahm auch am vierten Kongress der ICOM (UNESCO) in Stockholm teil. Die Wissenschaft der Ethnologie, deren Entwicklung noch durch Mangel an finanziellen Mitteln leidet, hat in Israel eine grosse Zukunft und es liegen bereits verschiedene Pläne vor, wie zum Beispiel der eines Freilichtmuseums auf cen Abhängen des Karmel, wo ei« Modelldorf mit vollständig eingerichteten Häusern ge baut wurden soll, in dem das Leben der verschiedenen jüdischen Gemeinden Studiert werden kann. 8 Denken Sie cra Ihre Ferien, ao denken Sie an da» (HOTEL LAGO TiC | Idas jetzt schon Ihre Anmeldung «ntgegennimmt. j AUF WÜNSCH DIAET j RIO CEBALL0S Casilla Correo 34 j; JUAN JULIUSBURG | MALERARBEITEN j 73-1(48 BLANCO ENCALADA 1646 3 I?31521SÍSiS«*i mH