Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1981 (13.10.1962)
- Date
- 1962-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Lasst uns Hütten bauen! LITERATUR1111 von H. W. GOLDSTEIN Von allen Tagen des jüdischen Festkalenders haben die Tage des Sukkot Festes ■die lebendigsten symbolischen Formen: es ist das Erntefest, eines Bauernvclies. die Weinernte, die diese Woche mit allen Zeichen der Fruchtbarkeit ausschmiickt. Das Volk dankt für den hereingebrachten Ertrag des abgelaufenen Jahres, der letzte Tag gilt dem Wasseropfer, dem Gebet um Regen für das kommende Jahr, ,Zum Segen und nicht zur Zerstörung*, denn Wasser und Regen sind die Lebcnshalter in diesem Lande, Mangel führt zu Dürre und Hungersnot, und „Ueberfluss" zu Ueberschwemmung und Vernich iung. Als es einmal in den Schulen Europas ein beliebtes Aufsatzthema war über „Das schönste Fest“ zu schreiben, haben die jüdischen Schüler oft das Sukkot-Fest gewählt, die Hütte, die vier Früchte, die beim Gebet Symbol der Fruchtbarkeit werden, der Elrog, die Palmblätter, d.e Myrthe und die Bachweide, die die Kraft der Erde bezcu gen. W'ir beobachten, wie einige Kinder, die der Zufall im Umkreis des gleichen Gartens wohnen lässt, beschliessen, eine Sukka zu errich ten. Ein Dutzend Buben und Mädchen, die kleinsten sind drei Jahre alt und die ältesten ungefähr zwölf versuchen der Bau zu organisieren D t Aelteren haben die Einfäl.e, di-s Acht bis Zehnjährigen sind am fleissigsten ’-ei der Arbeit und am aufgeregtesten. In der Woche zwischen Rosch Haschar.a und Jom Kippur streitet man sich über di3 Stelle, an der d> geplante Hütte aufgestellt werden soll, lieber das Material wird noch nicht gesprochen, das alles setzen di*» jungen Baumeister irgendwie als .se’bstversfändlich* voraus. Natürlich braucht auch eine solche JVerkkooperative* einen finanziellen Hinterhalt, schon um Süssigkeilen für die Sukka in spe zu kaufen. Es wird beschlossen, dass jedes Elternpaar seinen Obo lus zu entrichten hat, und ein A-B-C Schütze wird mit einer Liste herumgesehickt. bei den Müttern das Geld zu kassieren, wobei der kleine Wicht dort, wo Säuglinge sind, wie zur Entschuld! gung sagt, dass man für die Kleinsten noch nicht zu zahlen hätte, es ihnen aber trotzdem gestattet sein soll, in der Sukka zu sitzen . Am Tage nach Jom Kippur gleicht der Garten einem Feldlager: Hammer. Nägel. Zangen, Sägen, was die Väter besitzen, wird heruntergebracht. Die Jüngeren schleppen alte Kisten und Bretter aus der Nachbar schaft zusammen. Die Heinzelmännchen sägen und hämmern, aber nach einem Tag angestrengter Arbe;t bekommt man keine Hütte zu¬ Oas Leo Baeck Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN LILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT ★ PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUT ES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK; TU EBINGEN ★ TEAR BOOK Vt i960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THF EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK. Moreno 2256. und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU. Pueyrredon 2190. 1. izq. (83/2613) versucht man, die Hausmauern auszunutzen. Dutzende Nägel werden krumm geschlagen. Die Kinder kommen abgehetzt und ver schmutzt von ,.Bau“ heim, — doch nichts steht im Hofr das einer Sukka gleicht, — aber die Jungen sind zu stolz. Noch wird kein Erwachsener um Rat gefragt, und die Eltern sind zufrieden, dass die Kinder in ihrer freien Zeit beschäftigt sind. Am dritten Tag werden noch andere Plätze an der Hausmauer ausprobiert 1 Einer schlägt vor, den Bau doch auf Gartenerde zu entrich ten, andere auf Betonboden, — von dem vielen Bearbeiten springt das vorhandene Holz in kleine Stücke Es sind keine vierundzwanzig Stunden mehr bis zum Vorabend des Festes, die Sukka ist versprochen, und sie muss stehen... Einige lassen schon den Mut sinken, es ist anscheinend doch zu schwer dann endlich wird bei Erwachse nen Rat gesucht, es werden vorhandene Stangen ausgenutzt, und im Nu ist frischer Arbeitsmut da. es wird weitergehämmert, man rennt, um Paimblätter zu erstehen, mit denen das Dach geschmückt werden soll, Ketten aus buntem Pa pier werden geklebt, Friich te -.ausgeborgt* und angehängt. die Wände mit Dckken bespannt. Dann hat jeman den Einfall, doch auch einen Etrog und Lulaw zu erstehen, denn diese Früchte müssten die Sukka schmücken, aber dazu muss das Aktienkapital der Gesellschaft erhöht werden, und die Eltern werden um Nachzahlung, angegangen. Am späten Nachmittag wird ein Junge hcrumgeschickt, um die .Horim Hanichbadim*, die verehrten Eltern zur Einweihung der Sukka einzuladen. Der Bau der Hütte mix seinen umständlichen Vor Bereitungen hat bewirkt, was sonst nur in den seltensten Fällen zustandekommt: das Kriegsbeil ruht, — wie man sich auch bei der Arbeit angeschrieen hat, das gemeinsame Ziel hat alle erfüllt. Der Eröffnungsabend in der Sukka ist geordnet verlaufen. mit Liedern und Tänzen. — ein sorgfältig einstudiertes Erntefest könnte nicht besser klappen als diese improvisierte Feier. Die Gäste kommen auch auf ihre Kosten, aber auch die Mütter haben sich von ihrer besten Seite gezeigt und Kuchen und Süssigkeiten gebracht. Der Festtag gjhört noch der Sukka, für die Kinder ist es selbstverständlich, in der Sukka zu spielen und nicht auf der Strasse. Doch schon der zweite Abend bringt den ersten Krach, die grösseren Buben versuchen die kleineren zu ärgern, die Papierketten werden zerrissen, das Obst heimlich aufgegessen, — das ist wider die Abrede, man wollte es am letzten Tag gemeinsam verzehren. Am nächsten Morgen aber ist die Stimmung eines gewöhnlichen Ferientages zurückgekehrt, man sagt sich wieder nette Worte wie .Chamor*.. aber nach einigen Stunden wird beschlossen, die Sijkka noch Das internationalste j von SCHALOM BEN-Cfl01 Die drei Wallfahrtsfeste Israel: Pessach, Schawuot und Sukkot tragen — im Ge gensatz zu den Hohen Feiertagen — primär rein nationalen Charakter. Das Frühlingsfest Pessach gemahnt an den Auszug aus Aegypten, das Sommerfest Schawuot an die Offenba rung am Berge Sinai und das Herbstfest der Laubhütten an die vierzig Jahre der Wüsten Wanderung. Aber gerade dieses letzte Fest, das in der Bibel oft nur als ,.Chag'* schlechthin bezeichnet wird, als das Fest, er fährt eine grandiose Erweiterung vom Nationalen ins Internationale, wie kein anderes Fest des hebräischen Jahies. Der Prophet der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil und e—".s jüngere Zeit genossen Haggais. der Prophet Sacharja also, beschreibt im letzten Kapitel seines Buches unser Sukkot- Fest als das Wallfahrtsfest nicht nur Israels, sondern aller Völker, die vorher in feindlicher Absicht gegen Jerusalem hinauf gezogen sind. In den Jahren 520—518 v.d.g.Z. hat Sacharja ent scheidend mit beigetragen zum Bau des neuen Tempels und zur Bildung der Heimkehrergemeinde in Jerusalem. und nun sieht er in seiner prophetischen Schau den wiedererstandenen Tem pel nicht nur als eine Andachtsstätte des ^eigenen Volkes, sondern aller Geschlechter der Erde. Aus Nehemia 12, IG wissen wir, dass Sacharja — ähnlich wie andere Propheten z. B. Jeremia oder Ezechiel — priesterlicher Herkunft war. und um so gewaltiger wirkt daher seine Prophe zeiung. die alle nationalen Grenzen hinter sich lasst, was freilich manche Kritiker dazu veranlasst hat, die letzten Kapitel des Buches einem unbekannten, späteren Autor der früh-helleni stisehen Zeit, einem zweiten oder sogar dritten Sacharja, zuzuschreiben. einmal in Ordnung zu bringen, sic noch einmal zu cchmücken. Die grosse Begeisterung ist zwar vergangen, man sitzt am Abend in der Sukka. man macht sie zum Ausgangspunkt der Spiele, es ist die Freude an der eigenen Schöpfung, die die Kinder beherrscht, denn jeder betrachtet sie als ,seine* Sukka. EHEMALIGER RABBINER IN DEUTSCHLAND. die deportiert wurden, soll in einem Buch des ..Coun eil 0f Jews from Germany“ (183—189 Finchley Road London NW 3) gedacht werden. Der „Council'* bitte: um Nennung der so ums Leben gekommenen Rabbi ner, von denen ihm bisher einige bekannt geworden sind, sowie um Angabe der Namen und Adressen überlebender naher Verwandter. Das geplante Gedenkbuch ist nicht auf Rabbiner beschränkt, sondern bezieht sich allgemein auf Juden, die im jüdischen Leben des ehemaligen Deutschen Reiches eine führende Rolle gespielt haben und Nazi-Opfer wurden. Aber ohne hier auf diese viel diskutierten textkritischen Probleme eingehen zd wollen, soll der heutige Bibel Leser die Schau des Hüttenfestes auf sich wirken lassen, wie sie uns das Sa eharja-Buch (14: 16-18 bietet: „Und es wird sein: Alles, was übrig bleibt von all den Völkern, die gegen Je rusalem herankommen, die werden hinauf ziehen Jahr um Jahr, um sich niederzuwerfen vor dem König, dem Ewigen der Scharen und um das Fest der Hütten zu feiern. Und es wird sein: Wer nicht von den Geschlechtern der Erde nacn Jerusalem hinauf zieht, um sich niederzuwerfen vor dem König, dem Ewigen der Scharen, über denen wird kein Regen sein. Und wenn das Völkergeschlecht Aegyptens nicht hinauf zieht und nicht kommt, regnet es nicht auf sie; es wird der Gottesschlag sein, mit dem der Ewige die Volker schlägt, die nicht hinaufsteigen. um das Fest der Hütten zu feiern. Das wird die Strafe Aegyptens sein und die Strafe aller Völker, die nicht hinauf ziehen, das Fest der Hütten zu feiern.“ Das nationale Fest wird hier also zum internationalen erweitert: nicht nur Israel Ist verpflichtet, das Fest der Hütten zu feiern, sondern alle Völker. Und so. wie Israel zum Hüttenfest um Regen betet — bis zum heutigen Tag — so wird ge-, rade der zurückgehaltene Regen als Strafe für die Völker angesehen, die sich der allgemeinen Weltwalifahrt zum Laubhiittenfesl nach Jerusalem nicht an schliessen. Der Opferkult jn der Zeit des Zweiten Tempels trug diesem Gedanken Rechnung und in Erweiterung des Sukkot-Festes im internationalen Sinne wurden siebzig Stiere für die siebzig Volker der Welt dargebracht. Heu te hat man in Israel den internationalen Charakter unseres Festes wieder durch das Gebet für den Weltfrieden erneuert, das auf dem Zionsberge feierlich rezitiert wird. Das letzte Kapitel des Sacharja-Buches, das mit der Vision des grossen Friedensfestes schliest, beginnt mit einer schauerlichen Beschreibung der Kriegsnot Jerusalems- S die l'aker « zur Hälfte naht die£ i die Femie.’J und das R£ich In,« »es-aitig« M Sfr Jed« m dienste besch der Herr w« über alle La» Tags wird sei und sein ’ iSach. 1L d’- Wieso g*ra“ biittenfest das der bekehrten und das Fei« Festes dH Völker, das nicht: die Bib nicht. Wir sin« mutungen an allerdings na Der Gott I: Führer-Gott: nur Israel aus ausgeführt, die anderen lieber Weise ’ ICH nicht Isr tenland gefüb iisier aus Ka ^ramäer aus S;"i. Gott ist, wi bereits ver! nicht nur der eis aus Aegj auch der ar - Sie alle habe stenwandemn Sie alle sollen Reiches Gotü kommen und raei in Fest und in Jerus ein endzeitlic! wird hier g Gottvereinte: Für alb, Pforten des geöffnet, nui dorj kein PI den. Knaani' ter oder Hä die Frage, di zer und Exe -Weio jihje ] bejth Adonajbahu", schlie charja-Text. nw, ob die: ..Und wird k wehr sein i H«rn Zeboaf "Wie Luther; °der: „Kein I andere hier ' kr löst die« fen ryntheti' übersetzt: Hem Geist Die Kinder, die hier zufällig zusammen wohnen, kommen aus allen Schichten der Bevölkerung, ihre Eltern aus allen Winkeln der Welt. Kaum einer der Jungen und Mädchen ist in einem religiösen Kreis gross geworden, und auch die Schule hat wenig dazu getan. Trotzdem haben diese Kinder die Idee gehabt, iher Sukka Ai errichten, sie mit Gen vier Früchten, mit Eti-og und Lulaw zu schmücken. Welche starke symbolische Kraft liegt doch in die sen alten Formen! Wie liegen die Feiertage im Jg^ i Sonnabend, den 13. Oktober 1, Tag su^ Sonntag, den 14. Oktober * ~ Freitag, den 19. Oktober Sonnabend, den 20. Oktober Sonntag, den 21. Oktober Sonnabend, den 27. Oktober Freitag, den 21. Dezember Sonnabend, d. 22. Dezember 1. Tag Cha> Sonnabend, d, 29. Dezember & Tag Chat Sonntag, den 6. Januar 1963 Fasten A$s; *lTaS Sukki Hosehana R bchemini a2 himebat Tor jehabbat & «««" Cham Sonnabend, den 9. Februar Donnerstag, den 7. März Sonntag, den 10. März Montag, den 11. März Sonnabend, den 6. April Montag, den 8. April Dienstag, den 9. April Mittwoch, den 10. April Montag, den 15. April Dienstag, de» 16. April Sonntag, den 21. April Montag, den 29. April Dienstag, den 12. Mai Dienstag, den 28. Mai Mittwoch, den 23. Mai Donnerstag, den 30. Mai Montag, den 29. Juli Dienstag, den 33. Juii Mittwoch, den 18. Sepr mber Ere»,- Schabbat St miseha ass ¡fksehan I ifSfcS g?»**«* 7 Hess, Pess Gede»km,d< v'm W8rs Hag R?nal! 2 T g Sch" ïJS-ha ST*®«*«