Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1980 (5.10.1962)
- Date
- 1962-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Grundgedanken des Jom Hakippurim Eines der wichtigsten Momente in der Religion überhaupt ist die Frage des Ausgleichs zwischen Sünde und Sühne, ist Sünde eine besondere Tat für sich, ein Unterliegen der Pflicht vor der Leidenschaft, eine Uebertietung eines göttlichen Gebotes oder eine Entfernung von Gott, zeigt sich also, dass der Mensch ebenso zum Guten wie zum Bösen oeigen kann, dann bleibt die Frage zu beantworten, wie überwindet der Mensch ..eine SchulJhartigkeit, wie gelangt er zu Gott zurück? C'hrästenium una Judentum beantworten diese Frage verschieden: Das Chri stentum lehrt, dass d e Erlösung von der Erbsünde und von der eigenen Sündhaftigkeit nur erreichbar sei durch den Glauben an den Erlöser und seinen die Er lösung bedeutenden Tod Das Judentum hing ger> spricht von der Versöhnung die der Mensch durch Um k:hr, Gebet und gute Ta ten von Gott direkt, ohne Vermittlung, erlangen kön- Be. Diese jüdische Auffassung entspricht dem seeli sehen Zustand des schuldbewussten Menschen, der seine geistige YerbLndung erkennt. Und es ist diese Er kenntns, die erst die Voraussetzung zur Versöhnung schafft. Doch ist es die Aufgabe der Religion, im Menschen das Bewusstsein der Schuldhaftigkeit wachzuru fen und ihm die Mitte! in die Hand zu geben, den Weg zur Entsühnung zu beschreiten: dies tat das Judentum mit dem Versöhnungstag. Durch die alljährliche Wiederkehr des Jom Kippur, durch die mit ihm verbundenen Zeremonien, durch die Heiligkeit, die dem ,,grossen Schabat“ beigefügt wurde, soll sich der re:igiösfübende Jude vom ersten Erwachen seines Bewusstseins an auf einem solchen Boden befindlich betrachten, auf dem der innere Zusam menhang mit Gott als Voraussetzung für ein fr'edli dies Leben erscheint. Doch hat sich das Judentum stets dagegen gewehrt, dass die blosse Arfceitsenthaltung an diesem Tage, dass nur Fasten und Beobachtung des Rituals bereits ausreieben könnten, um die göttliche Verzeihung zu erwirken. Die grossen Lehrer des Talmud haben zweifellos durch die Wahl des Prophetenabschnitts vom Vormittag des Jom Kippur, (Jesaja 57, 14 ff) klar zum Ausdruck bringen wollen, dass dem Fa sten alle Kraft abzusprechen sei, wenn nicht die Unterlassung jeglichen Unrechtes und die Uebung wahrer Menschenliebe damit verbunden wären. Somit ist der Versöhnungstag eines der heilsamsten Mittel des Judentums, damit der Mensch selbst an das grosse Werk der Umkehr gelange, die zur Vergebung und Entsühnung, zur Versöhnung führt. Zu diesen Gedanken tritt noch ein anderer, wie er auch nur auf dem Boden der jüdischen Lehre wachsen konnte: Der Mensch allein trägt für die Verwirklichung des Guten auf Erden die volle Verantwortung und kann diese nicht auf Gott abwälzen. Es beweist die völlige Verkennung von der Stellung Bas Leo Baeck Institut sucht DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN LILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT ★- PUBLIKATIONEN DES I.FO BAECK INSTITUTES SCHKJFTENRE1HE W1SSENSCHAFTL1CHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN YEAR BOOM VI I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY. LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGMAED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256. und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190. 1. izq. (83/2613) ■•gnon des Menschen im Judentum, wenn so oft für die Verbrechen, die Menschen oder Staaten begangen haben, die Verantwortung Gott zugeschoben und die Frage gestellt wird: „Wie kann Gott, der doch gnädig und barmherzig ist, solche furchttoa ren Dinge zuiassen, wie sie z. B. seit dem 1. Weltkrieg durch fast fünf Jahrzehnte auf der Welt geschehen sind“? Diese Frage ist falsch gestellt. Es darf nicht heissen: „Wo war oder wo ist Gott?“, sondern es müsste heissen: „Wo war und wo ist die Menschheit, wo die Menschlichkeit?“. Nicht Gott trägt die Ver antworlung für jene unvorstellbaren Greuel, die ge schehen sind, sondern eine entartete Menschheit. Gott nahm doch gewissermassen eine Selbstbcschränkung vor, ,,als Er die Erde den Menschenkindern gab“, die sie bewohnen sollten durch Verwirklichung der ihnen gegebenen Willenskraft ,,im Ebenbilde Gottes“. Es war kein Geringerer als der grosse Maimonides, der die Verantwortlichkeit des Men sehen als ..Säule der I^ehre und des Gesetzes“ festgestellt hat. Es ist eines der wunderbarsten Worte der Bibel mit einer tiefen Symbolik, jenes Wort von der Stadt Voller Sünder, die nicht untergeht LITERATUR DIE SENDUNG Die zwölfte Wcltkonferenz des Weltverbandes für Progressives Judentum stand unter der Losung: „Aspekte des Progressiven Judentums und menschliche Verantwortlichkeit“. Im Rahmen dieser bedeutenden Tagung referierte Rabbi Dr. Sheldcn Blank, Professor für Bibel am Hebrew Union College in Cincinnati, über den Beginn unserer weltweiten Verantwortlichkeit. um der zehn Gerechten willen die in ihr leben. Diese alte Weisheit dass die Welt auf dem Gerechten ruht, ist durch den Propheten auf ganz Israel angewandt worden. das der „Knecht Gottes“ ist. der „die Sünden der Vielen trägt“. Er wählte zum engeren Thema dieses Vortrages eine Analyse des Buches Jona, denn nach seiner Ansicht haben wir hier in diesem Büchlein der Dodeka- Propheten, das am Jom Kippur in unseren Synagogen als Prophetenabsehnitt des Nachmittags verlesen wird, das Zeugnis vom Anheben der allmenscblichen Verant Wörtlichkeit Israels. Jona Ben-Amitthai. der uns als historische Gestalt aus dem 2. Buch der Könige 14.25 bekannt ist, wird hier in diesem Gleichnis zum Symbol des widerspenstigen Propheten. der sich dem Aufträge Diese alten Versöhnungs gedanken erwachen immer aufs neue; sie durchziehen die Lehre Mose, die Reden und Schriften der Prophethen, die Erläuterungen der Weisen und Gesetzeslehrer. Es ist zugleich ein religiöses Gedankenwerk, in dem die Begriffe des Verstandes und die Empfindungen des Herzens sich in voller Ue bereinstimmung befinden. „Zum grossen Versöhnungstage“, so sagt Leo Baeck in seinem „Wesen des Judentums“, „zum grossen Versöhnungstag der gesamten Menschheit sollen al- L Wege hinführen: Rosch hasehana und Jom Hakippurim stellen die Gemeinde Is raels immer wieder auf den sicheren Boden des sittlichen Messiasbegriffes, des .Glaubens an den ewigen Gott, der richtend und liebend. heilig und voller Güte auch in der Weltgeschichte, in der Geschichte der ganzen Menschheit waltet. Curt Wilk Wie liegen die Feiertage Sonntag, den 7. Oktober Montag, den 8. Oktober Freitag, den 12. Oktober Sonnabend, den 13. Oktober Sonntag, den 14. Oktober Freitag, d-en 19. Oktober Sonnabend, den 20. Oktober Sonntag, den 21. Oktober Sonnabend, den 27. Oktober Freitag, den 21. Dezember Sonnabend, d. 22. Dezember Sonnabend, d. 29. Dezember Sonntag, den 6. Januar 1963 Sonnabend, den 9. Februar im Jahre 5722 5723 Donnerstag, den 7. März Sonntag, den 10. März Montag, den 11. März Sonnabend, den 6. April Montag, den 8. April Dienstag, den 9. April Mittwoch, den 10. Apri: Montag, den 15. April Dienstag, den 16. April Sonntag, den 21. April Montag, den 29. April Dienstag, den 12. Mai Dienstag, den 28. Mai Mittwoch, den 29. Mai Donnerstag, den 30. Ma: Montag, den 29. Juli Dienstag, den 30. Juli Mittwoch, den 18. September Kol Nidrei Jom Hakipurim Erew Sukkot 1. Tag Sukkot 2. Tag Sukkot Hosehana Rabba Schemini Azeret Simcbal Tora Schabbat Bereschi Erew Chanukka 1. Tag Chanukka 8. Tag Chanukka Fasten Assara be’Tewet Schabbat Schira — Chamischa assar be Schwat Fasten Esther Purim Sehuschan Purim Schabbat hagadol Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach Gedenken des Aufstandes im Warschauer Ghetto Vom Ha’atzma'ut Lag Be’Omer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot Erew Tischa Be’Aw Tischa Be’Aw Erew Rosch Hasehana 5724 von SCHALOM Jaffa begibt, um sich von dort aus nach Tarsehiseh einzuschiffen, statt sich befehisgemäss nach Ninive zu begeben? Es gibt Aufträge, die sind derartig peinlich und unausführbar, dass man sich ihnen nur durch die Flucht entziehen kann, durch die Emigration in ein Land, das ausserhalb des Zugriffs des Auftraggebers liegt. Aber bekannten Tr *<sprS wt ein wLr. mein Knecht meJ^J die Bewahrte teriubrwgM’ habe dich zl Völker ge«“ seist mein H Welt Ende.' Davon wolt bch nicht* v Gottes entziehen will. Aber mehr als das, er wird — nach Sheldon Blank — auch zum Symbol Israels, das sich seiner Sendung entziehen will. Jona (die Taubet ist nach der rabbinischen Exegese ja ein Name für Israel und so mag der unbekannte Verfasser unseres Gleichnisses diesen Namen für den Propheten gewählt haben, den Gott mit dem Befehl aussendet: ..Mache dich auf und gehe in die gro sse Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich.“ KOL MDR Kol nidre, du Wunderflamme, tilgest Hass und Rache aus — jedes Herz ein Gotteshaus..- Was in dunklen Tiefen schwelend, uns verzehrend, uns verheerend, durch der Nächte Dumpfheit qua als Gelübde will ersteben, sei bestimmt zum Untergeben — ■ Kol nidre. du alte Flamme, hilfst du noch zu überwinden? Wenn in fernen Todgefilden anstgejagte Kindersebar endet — aber Hülle bar — kleine alte Kinderschuhe, Wächter nur der letzten Ruhe?.. Kol nidre! Lass’ einmal mehr uns in Trauer überwinden, was für ewig bleibt zu künden: Wahrheit und der Wahrheit Weh - Kol nidre.. FRIEI Genau das ist der Auftrag, der je und je an Israel er geht. Es soll sich aufmachen gen Ninive, um ihr ihre Sünden vorzuhalten. Israel aber will sich diesem gewiss nicht leichten und gewiss undankbaren Auftrag entziehen. Denn wer ginge schon gern mitten hinein iD die ..Wüste der Völker“ um dort das Unpopulärste zu tun, was man nur anfangen kann: ungebeten anderen Leuten die Leviten lesen. — Das ist menschlich gesehen, eine unlösbare, eine schlechterdings unmögliche Aufgabe und gerade das verlangt der Herr von Jona Israel. Kann man sich da wundern, dass sich Jona eiligst nach wenn Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der das Meer und das Trok kene gemacht hat, wie Jona später bekennen muss, der Auftraggeber ist, dann gibt es keine Fiueht vor ihm und keine Emigration in ein Land, das seinem Zugriff entzogen wäre .. und selbst wenn sich ein moderner Jona in der Raumrake te absetzen wollte... auch dort würde ihn, ja wird ihn der Auftraggeber einholen. Jona kennt die Möglichkeit der Raumschiffahrt noch nicht, sondern flieht über Meer. Wir a*le kennen ja die wunderbare Geschichte von der Entlarvung des Jona auf hoher See und wie ihn die Matrosen über Bord gehen lassen, um den unangenehmen jüdischen Mitbürger los zu werden, der in diesem Falle nun wirklich am Unglück der ganzen Besatzung schuldig gewor den ist. Man. möchte meinen, dass die Geschichte hier zuende wäre. Jona wird ins offene Meer auf hoher See geworfen, und ein Riesenfisch verschlingt ihn. Wäre Jona nicht Israel, dann wäre die Geschichte hier sicherlich zuende. Aber da Jona nun eben für Israel steht, hat seine Ge schichte hier keineswegs ihren Abschluss gefunden. Auch der Riesenfisch muss seine Beute wieder herausgeben... und Jona kommt doch noch nach Ninive, um den „Gojim“ als ein Zeuge Gottes, ein widerwillige: freilich, zu erscheinen. ben den 1 Ist fig i wir »Geschicl -luden Oe Well aus Oest Council of atrii» hau« Buch über kr Juden?us*ugebei im Jahre l ,as Re« ksteht aus#Mu: T)r ¡London) ' York?-tal* (Lo Ganz genau das haben wir in unserer Geschichte immer und immer wieder er lebt. Wir waren in den langen Epochen jüdischer Go setzesfrömmigkeit eher bereit 613 Gebote und Verbo te mit minutiöser Pünktlichkeit zu erfüllen als dem Auftrag Folge zu leisten, der über uns durch den uc- Krai Rat Robii Kre 'mson Fraer ars und i ihre AU** hchtoi): Tn s'i1;“» E