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Jüdische Wochenschau · 1962-09-28 · 1979 (28.9.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1979 (28.9.1962)
Date
1962-09-28
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German, Spanish
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•nes, 28 de Septiembre de 1962 SEMANA ISRAELITA A«o XXIII. _ No. 197! IJV ISRAEL Die „Neue Zürcher Zeitung“ brachte unlängst einen grundsätzlichen Bericht ihrer telaviver Korrespondentin, der neben vielem Bekannten auch manche breiten Kreisen unbekannten Tatsachen bringt und deshalb eines Nachdrucks wert ist. * Die israelische Regierung hat vor kurzem einen Plan angekündigt, der die Förderung der arabischen Gebiete Israels zum Ziel hat. Für die Durchführung des auf auf fünf Jahre berechneten Plans sind 55 Millionen israelische Pfund vorgesehen, von denen ein Teil durch die Regierung als freie Zuwendung. ein anderer in Form langfristiger Anleihen gegeben wird. Ein Teil der not¬ Es kann nicht daran gezweifelt werden, dass ein solcher Plan für die arabische Wirtschaft in Israel dringend nötig ist. Es fragt sich lediglich, ob die zur Verfügung gestellten Mittel ausreichen. Einige Skepsis über die Möglichkeit, unter den vermöglichen israelischen Arabern die Lust an Investitionen zu wecken, ist wohl angezeigt. Es ist jedoch sowohl aus politischen wie aus wirtschaftlichen; Gründen notwendig, dass di? j arabischen Gebiete in der j Entwicklung nicht zu weit Zurückbleiben. Die nichtjüdischen Minori-! täten in Israel zählen heute \ 238.000 Seelen. Davon sind 106.000 Moslems, 49.000 Christen und 23.000 Drusen. Die I natürliche Vermehrung der _1 .. _J,_ * Nazareth, Stadt der Kirchen und Klöster wendigen Summe soll aber von den arabischen Dörfern selbst und von Privaten aufgebracht werden. Die Projekte der Regierung umfassen den Bau neuer Zugangsstrassen zu den Dörfern, die Beschaffung von Trinkwasser und den Anschluss an das zentrale Stromnetz der Elektrizitätsgesellschaft. Der Bau von billigen Wohnhäusern soll die Wohnbedingungen verbessern und die Erstellung zusätzlicher Schullokale den Schulkindern bessere Ausbndungsmöglichkeiten geben. Durch Ausbreitung des Bewässerungsnetzes soll eine Intensivierung der arabischen Landwirtschaft erreicht werden, wobei das Landwirtschafts-Ministerium auch für Ausbildungsmög lichkeiten sorgt. Wo die intensivierte Landwirtschaft nicht für die Beschäftigung der Dorfbewohner ausreicht, ist an die Errichtung von Werkstätten und eventuell auch von Industriebetrieben gedacht. Minoritäten in Israel ist ausserordentlich gross; der Geburtenüberschuss betrug im Jahre 1960 -£2,8 pro mille, während er bei der jüdischen Bevölkerung nur 18,6 pro mille war. Das liegt an der sehr hohen Geburtenrate der Araber und Drusen, die heute nicht mehr durch die früher übliche hohe Kindersterblichkeit aufgewogen wird. Die Sterblichkeitsrate unter den Arabern betrug im Jahre 1960 7,5 pro miUe; bei den Juden war sie allerdings noch niedriger, nämlich 5.3 pro mille. In den kommenden Jahren muss man aufgrund der arabischen Geburtenfreudigkeit damit rechnen, dass die arabisch-drusische Minorität in Israel amvächst. und für die Gesamtwirtschaft ist es wichtig, dass sie sich dem heutigen Standpunkt annähert. Die israelischen Araber leben auch heute noch hauptsächlich in Dörfern. 1960 zählten 77 Prozent von ihnen zur ländlichen Bevöl kerung, während der entsprechende Prozensatz bei den Juden nur 16 Prozent betrug. Diese Zahlen geben jedoch kein korrektes Bild der faktischen Situation. Da die Dörfer ihren Bodenbestand nicht vergrössern können, die Intensivierung der Bebauung nur langsam fortschreitet und die Bevölkerung steigt, sehen sich mehr oder weniger Dorfbewohner gezwungen, ausserhalb der Gemeindegrenzen Arbeit zu suchen. Immer grössere Teile der heranwachsenden Dorfbevölkerung werden Lohnarbeiter und fahren täglich in be- I nachbarte Städte, um ihr! Brot zu verdienen. Die Bei Schränkungen ,die ihnen i durch das Militärregime auferlegt sind und die die Ara- | ber zwingen, für Fahrten offizielle Erlaubnisscheine vorzuweisen, haben eine Abwanderung der arabischen , Bevölkerung in die grossen j Städte bisher verhindert. | Die Erleichterungen, die jetzt bei der Handhabung des Militärregimes eingeführt wurden, werden fraglos die bereits bestehende Tendenz, ausserhalb der Dörfer Arbeit zu suchen, weiter verstärken; die Möglichkeit, intensivere Landwirtschaft zu treiben, muss I andererseits die Arbeitsmöglichkeiten in den Dör-1 fern selbst vermehren. | In den ersten Jahren nach j dbr Staatsgründung, als die j Masseneinwanderung einen grossen Bedarf an Lebensmitteln aller Art schuf, ha- I ben die arabischen Landwir-! te davon profitiert. Ihr Le- I bensstandard ist heute sehr , viel höher als der der Arai ber in Aegypten oder in Syrien; aber er bleibt im! Durchschnitt immer noch weif hinter dem jüdischen | zurück. Das liegt zu einem Teil daran, dass die Araber konservativer sind als die Juden und sich auf den Anbau von Oliven, Tabak und Sesamoel konzentrieren, während die Juden mit reuen Ernten — wie Zuckerrüben und Baumwolle — erfolgreich experimentiert haben. Eine Hebung des Lebensstandards in den arabischen Dörfern w-ird durch die Einführung besserer Arbeitsmethoden und vielseitiger Ausnützung des Bodens zu erreichen sein. Ein besonders schwieriges Kapitel ist die Erziehung arabischen Jugend. Der Schulzwang gilt in Israel für alle, ohne Ansehen der Perj son. Die Zahl der arabi-! sehen Schüler sowohl in I Volksals auch in Mittelj schulen ist seit der Gründung des Staates erheblich gewachsen. Eine revolutionäre Neuerung für die Araber bedeutet der Schulbesuch von Mädchen, die früher überhaupt keinen Unterricht erhielten. Jedoch leidet das arabische Schulwesen unter schweren Mängeln. Der grösste Teil der arabischen Intelligenz, der zu den Oberklassen gehörte, hat im israelisch-arabischen Krieg das Land verlassen. Die Verbindung mit den arabischen Nachbarländern ist unterbrochen. Da ein grosser Mangel an Lehrern herrschte, wurde ein Lehrerseminar in Jaffa gegründet, das diesen Mangel wenn nicht behoben, so doch gemildert hat. Noch immer aber klagen sowohl arabische wie auch jüdische Kenner des arabischen Schulwesens über den relativ niedrigen Standard des Unterrichts und den geringen Prozentsatz der Schüler, die es zu einer Mittelschulausbildung oder bis zur Hochschule bringen. Es gibt heute auf den verschiedenen Hochschulen in Israel ungefähr zehntausend Studenten; darunter sind jedoch nur gegen hundert Araber. Das ist zu einem Teil darauf zurückzuführen, dass die intellektuellen und begüterten Kreise seinerzeit aus Palästina flohen; aber auch die ungenügende Vorbereitung ist schuld daran: ein sehr ISÜM im GESTERN UND HEUTE: Bednine auf seinem Kamel begegnet in der Wüste des Negew einem Polizisten auf seinem schnellen Motorrad. statteten Schulen hier langsam Wandel schaffen werden. Die Hebung des Bildungsniveaus der arabischen Bevölkerung ist eine Voraussetzung für die Modernisierung der arabischen Wirtschaft im Lande. Sie muss auch einen entscheidenden Einfluss auf die kulturelle schwerfällt, Arbeit zu rungsbüros, sehe Absolventen schulen viele entsprechende finden. Regiedie für jttdider Hoch- Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, stellen nur ungern Araber ein, weil sie ihrer Loyalität gegenüber dem israelischen Staat misstrauen, und die arabische Wirtschaft ist B a » * + ff d - *; , —r f ~ Die Wissenschaft dient dem Fortschritt des Landes hoher Prozentsatz der arabischen Schüler ist nicht imstande. die Maturitätsprüfung erfolgreich zu bestehen. Man rechnet jedoch damit, dass die bessere Ausbildung von Lehrern und die Beschaffung von Lehrbüchern zusammen mit gut gebauten und modern ausge¬ Suchft nach Petroleum Tel Aviv. — In Kürze wird in verschiedenen Gegenden Israels von einer neuen nordamerikanischen Firma, der Asher Corporation, die Bohrung nach Petroleum begonnen werden, wie einer der Leiter der Gesellschaft, Wesley Handcock aus Wilmington (Deleware) ankündigte. Die Asher Corporation wird im Westteil von Untergaliläa, im Tal von Jesreei und auf dem Karmelberg nach Petroleum suchen. Die Firma hat diesen Namen, wie Hancock mitteilte, weil seine Familie sich als Nach kommen des Stammes Ascher betrachtet, in dessen altem Gebiet zuerst Bohrungen stattfinden sollten. — -, . ftÉ#§ * Gewinnung von Mineralien aus dem Toten Meer und soziale Umgestaltung der arabischen Gemeinschaft m Israel haben. Solange die Dorfbewohner an ihrer alten Familienorganisation festhielten, die nach patriarchalischen Begriffen aufgebaut war, der Frau keine Rechte einräumte, die Entscheidung in den Händen der Alten liess und auch erwachsene Söhne dem Willen des Familienvaters und des Clans unterwarf, war eine Modernisierung des Lebensstils der arabischen Minderheit nicht möglich. Mit dem raschen ökonomischen Fortschritt Israels im letzten Jahrzehnt, der Einführung des Schulzwangs auch für Mädchen und der Beschäftigung zahlreicher arabischer Dörfer in den Städten wurde diese traditionelle Organisation der arabischen Gemeinschaft aber einem immer steigenden Drucke unterworfen. Die jüngere Generation lehnt sich gegen die Autorität der Alten auf. Sie hat es bisher jedoch noch nicht dazu gebracht, die Verwaltung der Dörfer modern umzugestalten, und hat oft auch keine klaren Ideen, wie das geschehen soll. Die Handvoll gut ausgebildeter Intellektueller ist zudem verbittert, weil es ihr nicht so weit entwickelt, dass sie für eine grössere Zahl akademischer Kräfte Raum böte. Der Plan zur Förderung der arabischen Wirtschaft,, an dessen Verwirklichung. die Regierung jetzt geht, ist dringend notwendig, wenn der Unterschied im Lebensstandard, der heute zwi*. sehen dem jüdischen, und arabischen Sektor herrscht, ausgeglichen werden soll. Doch die Bemühungen der. Regierung werden wenig fruchten, wenn sich in der arabischen Gemeinschaft nicht Kräfte finden, die selbst Initiative entwickeln und die soziale und kulturelle Umwälzung vollenden, durch die sich die arabische Minderheit in Israel modernisieren kann. Heim für Akademiker Jerusalem. — Viscount Astor, der Präsident des englischen Comites für das Flüchtlings-Weltjahr, eröffnete vor kurzem ein Heim für einwandernde Akademiker in Kiriat Schmuei, einer Stadt in Galiläa. Die englischen Flüchtlings Organisationen spendeten 40.000 Pfund für dieses Heim, das 80 Familien aufnehmen kann. (ITA) „ -

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