Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1978 (21.9.1962)
- Date
- 1962-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Die rührenden Midraschim, die Volkslegenden, das Gebet eines Juden, sein Familienleben, wie er handelt und in einem leeren Lauen steht und seine Hoffnung verkauft, seine Leiden und stille Resignation, die einzigartige jüdische traurige Geschichte sind die Quellen. Oft bilden die Absonderlichkeit der geschilderten Zustände, das verblüffend Fremde und altertümlich Gebundene ihrer Menschen und Sitten, nicht strebende feierliche Geschlossenheit des Volkslebens“, wie wir dies in den Werken von Mendele. Perez, Pinski treffen, auch für Asch den Hintergrund. Der Europäer ist gewohnt, meistens dort, wo epische Kunst Menschen einer bestimmten Zeit als Kollektivum schildern will, diq Form des Romans angewandt zu sehen. Vielleicht zum ersten Mal in der ostjüdischen Literatur begegnen wir dieser bei Schalom Asch. Die Wurzeln seiner Kunst stehen nicht in einer Oede. Sie reichen tief hinab in jene fruchtbaren Gründe, die seit Homer noch alle grossen Erzähler genährt haben. Leser, denen das Ostjöiisehe nahezu fremd ist, zwingt er dazu, zunächst nachdrücklich auf das Atmosphärische der Lebenserscheinungen einzugeben, mit denen seine Bücher leidenschaftlich verbunden sind. Mit seiner bezaubernden Feder baut er eine Brücke zwischen dem Juden des kleinen polnischen Städtels und seinem neuen Leben in den rauschenden Strassen des ..East River“ (19461 in New York. Ueber die Dächer New Yorks, die er in diesem Buch schildert, lässt er die Friedenstauben der Religionen flattern. Aus dem Alten sieht er das Junge emp.«'wachsen und versucht aui se.ne Art, die psychoio gischen Hintergründe der auftretenden Komplex« zu erforschen. Unvergesslich bleiben die dort geschilderten Bilder des dramatischen Kampfes zwischen der alten und jugen Generation, die er mit Liebe und Verständnis zu kitten versucht. Durchdrungen von einem tiefen Glauben an die Menschen und Menschlichkeit will er mit seiner Schöpfung das Trennende der Religionen verwischen und sie mit seinen heroischen Romanen ..Nazarener“ (1939) "und „Apostel“ einander näherbringen. Die jüdische Welt verstand nicht die Apostel- Rolle, die Asch zu spielen versuchte, sie verehrte in ihm den Verfasser des ..Kiöuseh Haschern“. Aber Asch trat dem „Nazarener“ nicht als Glaubender sondern als Dichter nahe. Für ihn war „des Menschen Sohn“ Gegenstand eines historischen Romans. In der Arbeit faszinierten ihn nur das Objekt. Asch verliebte sich in die Materie, die er behandelte, und in das Bild, das er schuf. „Ich danke Dir und preise Dich o Herr der Welt“, so sagt Schalom Asch in einem bewegten Nachtrag, den er seinem Buch angefügt hat — „dass Du mir die Stärke verliehen hast, diese beiden Werke zu vollenden: den „Nazarener“ und den ..Apostel“, die ein einziges Werk sind, auf das in ihm der Ruhm Israels fortgesetzt werden möge das Du auserwählt hast, um den Völkern der Welt das Licht des Glaubens zu bringen.“ Edward Wageknecht schrieb damals in „The New York Times Book Review“: „Es ist in der Tat eine Leistung, dass ein jüdischer Romanschriftsteller es vermocht hat. ein Bild des Meisters zu zeichnen, das auch von den Christen weitgehend anerkannt werden kann .. Es kann wenig Zweifel darüber herrschen, dass dieses Werk „Der Nazarener“ und ..Der Apostel“ einen hervorragenden Platz in der grossen Tradition des heroischen Romans einnehmen wird.'* Dem gegenüber schrieb Menahem Boraisha in „Congress W’eekly“: „Dies ist die traurige Geschichte eines grossen Schriftstellers, der den heimlichen Kunstgriffen irgendeines gottlosen Satans zum Opfer gefallen ist, eines Satans, der für seine Opfer die Trennungslinie zwischen Kunst und Religion verwischt und ihn zu einer neuen Art von Heidentum geführt hat. Das Opfer dieser heimlichen Teufelsschhcbe ist Schalom Asch. Diese Verblendung des Künstlers durch seine eigene Schöpfung führte nicht nur einen Teil der christlichen Welt dazu, in Schalom Asch einen neuen Künder des wahren Evangeliums zu sehen, sondern veranlasst« auch den Verfasser selbst dazu zu glauben, er sei mit einer Mission betraut.“ Die jüdische Presse schonte ihn nicht, sie bezic-hligte ihn der Schmeichelei gegenüber der christlichen Welt. Asch fährt nach Israel, stellt sich einer öffentlichen Diskussion. verteidigt sich. Man verzeiht ihm nicht. Er leidet. Wie kann ihn sein Volk, das er so liebt, nicht verstehen? Er veröffentlicht drei Bücher, in denen er seinen tiefempfundenen Schmerz über die Tragödie der Hitlerzeit so eindrucksvoll in alle Welt hinausschreit. Es sind das die Bücher: ..Die Geburt Hitlers“ (New York 3944), „Das Schicksal“ (Ein Brief an einen Christen 1945, 88 Seiten) und ein Sammelbuch von 13 Erzählungen (1946, 286 Seiten) betitelt „Der Dornbusch verbrennt nie“. In einer pathetisch-leidenschaftlichen Form reagiert hier Schalom Asch auf die Geschehnisse, die seinem Volk zustossen. Asch schreibt sein Meisterwerk „Mosbs“ (1851), eine gigantische Schöpfung. Er will sich rehabilitieren. Er übersiedelt nach Israel, um mit seinem Volk, dem er sechs Jahrzehnte im Bösen und im Guten beigestanden hat, seine letzten Jahre zu verleben. Das Schicksal wollte es anders. Seinen letzten Atem hauchte er nicht in Israel aus. Er starb in London, während eines Besuches bei seiner Tochter und wurde beerdigt mit einem alten Tallis. den er Jahre zuvor in New York gekauft.hatte. Sein Kopf ruht auf einem Kissen mit der heiligen Asche aus Treblinka, wo Millionen seiner Brüder, die er über alles geliebt hat. ,.al Kiduseh Haschern“ umgekommen sind. Visionen des Grauens ER) 22. Ei°|i 111 v Ein Roman, der einmal geschrieben werden musste, das offenbarungsfreudigste, konsequenteste Buch unserer Zeit ist „Reicher Zir- — armer Clown“ von jSjJtünz Becker-Trier. „Uebrigens: Wenn Sie einen Rükken haben, dann lassen Sie diesen Roman daran herunterrieseln“, hiess es in der Vorankündigung des Verlages. Dieses Buch ist nicht das Phantasieprodukt eines hochbegabten, schreibenden Erdenbürgers, er ist der Aufschrei einer Menschheit, die, in diesem Tollhaus Erde lebend und ohnmächtig, gelähmt und halb wahnsinnig vor Angst und Verzweiflung, einem noch sehenden, noch denkenden Kämpfer, einem mit gewaltigem Tenor ausgestatteten Sänger das Wort erteilen muss, damit es das Ohr der Grossen und Gewaltigen dieser Welt erreiche. Noch klingt lediglich verhaltene Empörung aus einer mitfühlenden Dichterseele, wenn Heinz Becker-Trier uns ins Gedächtnis zurückruft. was wir anscheinend längst vergessen haben: „1939 — Nach denn kleinevon GOERAN C. ODELL ren. der grössere Weltkrieg! Der Vater starb vor dem Sohn, der lohn vor dem Vater. Die schönsten Städte fielen in Schutt und Asche, und die geschundene Erde ward zu einem einzigen Bordell der Hölle, zu einem einzigen Blutfeld und Friedhof. .. Eine grosse Zeit, eine heldische Zeit, eine gigantische Zeit, genial, bis hinauf nach Hiroshima, wo die erste Atombombe fiel! Von Menschenwürde, Verstand, Gottähnlichkeit und Moral blieb allerdings nichts mehr. .Und Friede den Menschen —?‘ Man warf Milliarden und Menschen zum Fenster hinaus. Und lernte nichts, nichts, nichts. Denn nach 1945 kam 1954 (Die Zahl 4, zuerst vor der 5, rückte hinter die 5, ein offensichtlicher Rückschritt.) In diesem so rückschrittlichen Jahr 1954 lief die Fabrikation von Wasserstoffbomben, Kobaltbomben, Uranbomben auf hohen Touren. Die Blinden, Lahmen, Amputierten des letzten Krieges schlichen noch durch die Strassen, die Mütter suchten noeh ihre Kinder — und schon wieder stellte man Schlachtvieh auf, wurde das Wort ,Heid‘ zum billigen Maggiwürfe]. erwachte der „Deutsch-Völkische Schutz- und Trutzhund“, sprach man nur noch vom Krieg, vom DriHen Weltkrieg, vom grossen Sterben. Wahrhaftig, eine gross. Zeit!“ Das Buch bietet eine Vision des Atomkrieges mit dem eisigen Atem des unweigerlichen Todes, eine von Meisterhand gezeichnete Sinfonie der möglichen Vernichtung der Menschheit: „So begann denn das furchtbare Verbrechen, das den Kindern und Schreckhaften als der von Gott gewollte Untergang der Welt aufgedrängt wurde, ohne dass sie erraten konnte, JUEDISCHE BUCHHANDLUNG TALESSIM. MACHSO¬ RIM (span. Uebersetzg.) LUACH 5723, Neujahrs- Glückwunschkarten G. KAPLANSKY T. E. 89-3431 Av. Pueyrredon 451 Hebraeischer Unterricht nn 2 r n n; £ n *?xitr3 chiman iss Xsa1? itfsx a^atfinn r? îBIlE? mSÎSpp *^>273 ,7T2X Bll?? ,in3 ,XD11 nx im itfx TS7S *rm - t v * t T “ : J1X 13127 B^3 .X3223 inilE? J T T \ TT" an^tf maiipn ntáispan rrrn*?! roxbpma 13271? ixai anW atria? a^sas Q-!n .aniDX bti man xm nçisn niinaxni 111273 t?n n^nnn .^xiirs t : : nxisrrrrs inns** 3iip>3 an1?# annnn Vm V TV T J y -7)b aitfpaatf n^x1?! pxa avisas a^n nrn*?! e?d3 .rmi? nspn CrvaVí» mss? ms nRsnm) w; ^xifcra isian *r??.3 ini »b’töx iatftf ipa aiinasi aim a e*arr ■qiin xii axis? »abraxas? .Bornai aicia a**n'i -tfa nrixa a,i*'?*rEix}-’3 »a^ininiaipaoixat^nins tzrx ,DD3aa nnstrà râD T : v * T T : : "tfa; 711331313 ntfamintïtei : t *r t*":- : * : pi jrrtrian mxiaa nia th^ mhm intfx 327 ■•rp t t : v : : * 3i ijx .a^ia» níaa apirr an anpxa apann Pxiü'’ p&hn * * t : * ** t inxi ,a^in anp rn am ni3i273a a^np naatf BÖS27 an amia piinasi riExai aína t s s * * : UN POBLADO DE VEGETARIANOS EN ISRAËL (Columna derecha) En el Ga:il (desierto al Norte) central en Israel, existe un poblado llamado Amirim donde habitan naturalistas y vegetarianos que creen que ése es el camino para vivir saludablemente. Entre esta gente se encuentran familias que llegaron de lugares lejanos como por ejemplo una familia de Texas com puesta por los esposos y cinco hijos, una familia de la Guayana Británica, como también un africano con su mujer y tres niños de nombre hebreo; pero la mayoría de los habitantes de Amirim son judíos de Israel. Varios de ellos no gozaban antes de buena salud, pero desde que viven en contacto con la naturaleza y se alimentan de vegetales se sienten sanos y felices. (Columna izquierda) Entre los pobladores se encuentra gente que anteriormente tuvo diversas ocupaciones, como ser: médicos, un chofer, un capitán de la marina mercante y un joven soldado que cumplió recientemente su servicio militar. Todos ellos abandonaron sus antiguas ocupaciones y vinieron a trabajar la tierra y a vivir en un medio natural como el que les brinda Amirim. Este poblado es el centro del movimiento naturalista y vegetariano en Israel. En un futuro próximo se abrirá una casa de descanso espaciosa para albergar a todos los compañeros del movimiento del país y para todos aquellos que deseen descansar y vivir en contacto con la naturaleza durante un corto tiempo DAS VEGETARIERDORF IN ISRAEL (Rechte Spalte) In Mittelgalil in Israel gibt es ein Don mit dem Namen Amirim, in dem Rohköstler und Vegetarier wohnen, die glauben, dass dies der Weg zu gesundem und gutem Leben sei. Unter den Einwohnern von Amirim finden wir Familien, die von weither kamen, z. B. aus Texas ein Paar mit i>inf Kindern, aus Britisch Guayana, und auch ein Neger mit Frau und drei Kindern mit hebräischen Namen. Aber die Mehrheit in Amirim sind Juden, Bürger Israels. Die meisten waren vorher kränklich, aber nach ihrer Umstellung zu Rohkost ur.d Vegetariertum, fühlen sie sich gesund und glücklich. (Linke Spalte) Unter den Einwohnern kann man die verschiedensten Berufe finden: Arzt. Chauffeur, Schiffskapitän und auch einen soeben aus dem Heeresdienst entlassenen Soldaten. Alle gaben ihre früheren Beruie auf. um in der Landwirtschaft zu arbeiten und ein natürliches Leb°n in ihrer Siedlung Amirim zu führen. Die S edlung ist das Zentrum der Bewegung für Roh kost und Vegetariarertum in Israel. In absehbarer Zeit wird man dort ein grosses Erholungsheim eröffnen, das allen Chawerim im Lande dienen soll und denen, die sich in einem naturnahen Aufenthalt eine Zeitlang erholen wollen. dass es nur eine von Menschen heraufbeschworene Häufung von Bestialität und Grausamkeit war. Es wurde nicht mehr hell. Der Tod zog durch die Welt — und zog alle Hoffnung mit sich. Ein Regiment Toter folgte. Die Toten versuchten zu leben. Ihr Leben war nicht das unsrige. Wir standen mutlos am Wege und sahen den Vorbeizug des Todes. Wir reihten uns ein. Es gab alles zu sehen, was der Tod für Tote in der Welt schaffte. Giftgas, Bomben, Flugzeuge, Raketen, Panzer, Kanonen, Schiffe, Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Flammenwerfer, Messer, Revolver, Handgranaten — Als der Tod endlich am Grabmal des unbekannten Soldaten Halt machte, stieg der Soldat aus seinem Grab und führte an Stelle des Todes den Zug weiter. Er nahm Kurs auf die Atomfabriken. Die Generaldirektoren der Fabriken sahen das unheimliche Regiment nahen und wollten sich sichern. Die in Flugbereitschaft stehende Polizeifruppe stieg auf — und das wirklich letzte, grosser Welttheater brach über die Menschheit herein. Die Erde barst, glich einem kochenden Kessel. Die Mütter rannten umher und schrien. Da durch schnitt ein ungeheurer Blitz den Himmel. Die noch Lebenden reagierten darauf auf verschiedene Art. Die einen liefen auf die Hügel, die anderen verkrochen sich hinter Mauerresten, wieder andere legten sich flach auf den Boden. Das Blut floss ihnen aus Mund, Nase und Ohren. Die Haut hing ihnen in Fetzen am Körper, die Füsse, Hände, Därme trugen sie in der Hand, oder sie lagen neben ihnen. D;e gros:- te und gefähr'ichsie der Atombomben war gefallen . “ Dem Autor Heinz Bccker- Trier sei Dank für dieses Buch. Es sollte grösstm gliche Verbreitung finden, müsste geführt werder in Schulbibliotheken, Leihbüchereien, und man könn’e sich nichts sehnlicher wünschen, als dass es der. Weg in die Kasernen fände. Ministen. und Generälen empfiehlt es sich wiirmstens. EHEMALIGER RABBINER IN DEUTSCHLAND. die deportiert wurden, soll in einem Buch des ..Council of Jews from Germany“ (183—189 Finchley Road London NW 3) gedacht werden. Der „Council“ bitte; um Nennung der so ums Leben gekommenen Rabbi ner, von denen ihm bisher einige bekannt geworden sind, sowie um Angabe der Namen und Adressen überlebender naher Verwandter. Das geplante Gedenkbuch ist nicht auf Rabbiner beschränkt, sondern bezieht sich allgemein auf Juden, die im jüdischen Leben des ehemaligen Deutschen Reiches eine führende Rolle gespielt haben und Nazi-Opfer wurden.