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Jüdische Wochenschau · 1962-09-21 · 1978 (21.9.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1978 (21.9.1962)
Date
1962-09-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Viernes, 21 de Septiembre de 1962 AS* XXPIf. _ No. 1978 SEMANA ISRAELITA MUSIK IN BUENOS AIRES! „EINSAME MENSCHEN“ ALS HAUPTMANN-FEIER „RHEINGOLD“ IM COLON Wagner im neuen Gewände Kein anderes Musikwerk hat derart dazu beigetragen. den Germanenwahn zu fördern wie die Richard Wagnersche Tetralogie „Der Ensembles, in dem sich die | Elite der internationalen Wagner-Aera ein Stelldich-1 ein gibt. Der Regisseur Ernst Poett- . gen bietet den ,,porteños“ ¡ einen schlagenden Beweis ' dafür, dass ein Musikwerk | Hauptmann begeht bald (drückte Wohnstube einer seinen 100. Geburtstag, und Gerhart Hauptmann war vor einem halben Jahrhundert Ring des Nibelungen“. Usurj mag es angeblich noch so patoren haben sich an ihr . begeistert, und in ihrer Ver blendung sahen sie nur den Aufstieg, aber sie missverstanden die Zersetzung und Auflösung. Der bayreuther Meister wollte gerade mit der Götterdämmerung, dem letzten Drama des Zyklus, die allzu Herrschsüchtigen warnen; jene aber wollten ihn nicht hören. Sie sahen nur den Schwulst und nahmen vom Fluch, der dem Ring. Symbol der Macht anhaftet, keine Kenntnis. Heinz Wallberg steh} diesmal die Mammutaufgabe bevor, die Trilogie musikalisch neu einzustudieren. Eereits b?i „Rhei.ngold“ gelang es ihm. sich der Colön- Tradition würdig zu zeigen. Freilich ist es nicht mehr der pathetische Wagner, dessen Musik man lauscht. Wallberg umgeht die allzusehloppenden Tempi be wusst; er hat ein wenig mehr Wind in seinen Segeln, als man es hier iiberlieferumgsgemäss gewohnt war. Sckann nun das Auditorium konzentrierter mitgrhen. Die Schwere fällt ab, und der Komponist erscheint, unmittelbarer. Klug abgestufte Klangeffekte, aber auch, wo nötig, elementare Kraftausbrüehe finden den Dirigenten ebenso in seinem Element wie die Führung des 4i iMoishe Öysberi 3 neue liturgische Long- J unaktuell sein und veraltet, zu pulsierendem Leben erweckt werden kann, wenn es nur unter zeitgemässen Aspekten angepackt wird. Nicht nur vom Musikalischen her nähert sich dieser vollendete Beherrscher der Opernregie dem Kunstwerk „Rheingold“, visionär betrachtet er das stets aktuelle Problem menschlicher Machtgier und des Usurpa tions-Taumels. Logisch vollzieht sich, durch Foettgens Brille betrachtet, der dauernde, durch Gewalt und Beseitigung unbequemer, zuviel wissender Widersacher der repräsentativste Deutsche des Volkes der Dichter und Denker. Ein grosser D:chter, wenn auch ein Kleiner Mensch, nicht wegen seiner überaus gespreizten Eitelkeit und anderer menschlicher Schwächen, sondern BRILLANT GESPIELTES THEATER Kleinbürgerfamilie gestaltet hätte, wäre seine Leistung, unter Berücksichtigung der hier vorhandenen Mittel, vollkommen gewesen. Scheuspielerisch standen v e Frauen im Vordergrund. Delia Wiedt keine Berutsschauspielerin. schuf das, was Haup.mann vorschwebt— einen einsamen Menwegen der Gesinnungslosig-' sehen. Ausgezeichnet der keit, mit der er, der Nobelj verhaltene Schmerz um den preis'.räger, im Dritten Bei-1 geliebten Mann der ihr che mit den Wölfen heulte.! schon entglitten ist, tief mit den Schergen, die sein | menschlich in seiner Ge soziales Gefühl missochte-' dämpftheit ihr Ausbruch 1 eine Gesellschaftszene die je Herman Yablokotf brachte der folgenden Szenen, mit als zweites Werk im „Soleil"! höhnischer Ironie und Eiferden „Eejazzo“. den er selbst i suchts-zerfressen gegenüber verfasst und in Szene geder junger Schwester, vom setzt hat. Diesmal kam der; Verfolgungswahn besessen Autor nicht zu kurz. An j jn der Auseinandersetzung n-m einer angängigen Faj mi. ihrem Gatten, dem sie bei hat Yablokcff zwei bril-! lante Rollen für sich und | für Clara Stramer geschaffen. zwei amüsante Paare ' auf die Beine gestellt: ein * lustig freches Dienerpaer und zwei Alte vom Raffke-! sie eine Ausdruckskraft von Typ. Schliesslich schrieb er j ganz seltener Gewalt. Der nach berühmten Vorbildern Rezensent muss wiederholen. die Wahrhe sagt, oder wenigstens was sie d3für hält, und schon wahnsinnig mit ihrem Töchtsrchen, kaum noch sprechend, nur lachend und etwas lallend, bewies dass Buenos Aires seit vielen Jahren keine solche wirklich hochdramatische Künstlerin gesehen hat. abgesehen von der einmaligen Margarita Xirgu. (Und solch Vergleich spricht Bände). „Und Pippa tanzt“ und I viel zu spät ahnt, was hier j liebt- Frau heiratet. Für den ' Sal°m°n Stramer spielte ____ __5-*. T »1„! c.v ... ... ...... ....¡einen besseren alteren ten und ihn nur zur Propa- . der Empörung, die sich nur ganda gebrauchten. Trotzin einem "inzigen wirklidem war er ein wahrhaft \ eben Schrei äussert. Martha g usser Dichter, der so ver-! John, die beste Sprecherin sc’niedenartige Meisterwerke des ^vbends. war die rührend geschaffen hat wie ..Die Weum Frau und Kinder beber“ ..Der Ketzer von Soaj sorgte Mutter, die auch erst na' dem erlaubte sich in seiner Glanz-Szene zu produzieren. Für jeden Geschmack etwas. and sogar viel Gutes. Yablokoff war der Kabarett-Sänger, der um seiner Karriere willen die ungegesc-hehen ist. Lilly Wiehert I Schi jss „Der Biberpelz", und ein unerreichter Menschengej holtdie sehr schwere Auf- ■ sehr wirkungsvolle sfalter, j gäbe, eine Figur zu spielen, i Bajazzo!“-Arie mit folgen- Ibn zu feiern hat des; di” uns heute unmöglich [ der. Fall in den Vorhang aufgespart, die alle Zuschau-! Herrn in weisser Perücke. provozierte Besitzwechsel des Hortes. Die Hintergrün- . deutsche Theater eines sei-! dünkt. Eine Studentin, die mgkeiten geraten in helles, . rer vr}jhwerke ausgewählt i geistig arbeitet und die schonungsloses Licht, und < „Einsame Menschen“, ein : Hauptmann 1891 als emanzij sie lassen dem Publikum 1 stück, das schwer in Szene . piert bezeichnet, ist uns alldas pausenlose, zweieinhalb,^ se}zen jst. Der Rezensent j täglich. Sie wirkt, ohne es Stunden währende Opus , erjnrl€rt sich an eine Aufzu sein, auf Johannes Vokmcht lang erscheinen, son-! führung mit einer selbst für! kerat wie ein Vorläufer des dern in atemlosem Tempo - „r]-n unerhörten Starbe- , modernen „Vamps". Lilly Setzung. Der grosse Max I.einhardt schrieb das Regiebuch und begann seine Arbeit. Dann berief er den Autor aus Agnetendorf. Schliesslich startete das Werk unter dem Namen eivorbei geistern. Paul Walters Bühnenbilder arbeiten mit Poettgens! szenischem Geschehen Hand in Hand, welches auf eine runde „Schräge“ konzen- ( triert wird. Dekorations- und 1 PLy Platten 1) KOL NTDREI 2) SEDER PESSACH 3) CHANUKAH RADIO LEON L A V A L L E 7 6 (i Kostümfragen löst Walter in offenbarem Einvernehmen : mit der Regie; Riesen, Ni-; belungen. Aibrich und Mime gleichen Erscheinungen von einem anderen Planeten. Ein gelungenes, vollständig auf Licht, Farbe und Schleier abgestelltes Experiment welches Neo-Bayreuth nicht rachäfft, sondern evolutioniert. Namen wie Fritz Hotter. Ursula Boese. Fritz Uhl, Alois Pernerstorfer, Arnold Van Mül. Marga Hceffgen. Herold Kraus und Jorge Algorta (mehrere zum ersten Mal auf der Colön-Bühne) bedürfen keiner besonderen Betrachtung. In ihrer Mehrzahl gehören sie den Wagnes jungen Hilfsregisseurs, grossartig in Einzelheiten und ohne einheitliche Linie. Dies sei erwähnt, um ein Bild der Leistung des jungen Helge Schupp zu geben, dem es gelang, ein geschlossene5:. einheitliches Werk zu schaffen, das er stark gedämpft gab und im nicht sehr ausgesprochenen Stil der Entstehungszeit, des Naturalismus. Wenn er das Bühnenbild räumlich beschnitten und aus dem ..Tyrzsaal“ die enge, gewiehert war Anne Mahr, ein Fremdkörper in der frommen Familie, verhalten und eindrucksvoll. Helge Schupp spielte die Hauptrolle ebenfalls eis einj samen Menschen, der nur i auf seine Arbeit schaut und! gar nicht merkt, dass er sich j unsterblich in den zufälligen Hausgast verliebt hat. Am besten ist er mit seinem heiteren, jungenhaften Lächeln. bevor die schwere Hand des Schicksals ihn gej achter gab seinerkurzen streift hat. Seine Ausbrü-! a^s Pastor feine ^üge che, wenn er iuf seine ver- , von Komik. Er war Seelsormeintlichen Pflichten pocht, I 8er un<^ auc^ Sorger für sein si.id lauter, als der Regishette er sich „Lache; Schauspieler haben ja Mas ke zu machen, um verschiedene Lebensalter darzustellen. Einzigerti.g ist nur, dass s'ch jemand älter, nicht etwa alt. machen muss, der von Natur schon 74 Jahre alt ist. Yablokoff. als erfahrener brillanter Regisseur holt aus den ''chauspielern das Möglichste heraus. Nun sind Elsa Rabinovich, Paulina Tajman (brillant als freches, nervöses Dienstmädchen), Maurer und Klatzkin erfaher ergriff. Er sang wie immer, das sentimentale „Mein Kindele“ und (mit der reizenden Rivkele Reben) das Liebesduett ..Meine weisse Blume“. Ausserdem brachte er aber als Einlage „die Ballade -von Jankele Kalpoi n k“, dem Mörder. Ghettoum Sinai-Kämpfer. Und dies war grosse wahrhaft jüdische Kunst! Clara Stramer hatte (endlich!) wieder Gelegenheit, zu;rene gute Schauspieler. Aber zeigen, welche unvergleichliche dramatische Künstlerin sie ist. In drei aufeinenamtmann und «er Befehls- Minces war (im ersten Jahr seiner Bühnentätigkeit) noch nie so komisch wie als unverschämter und1 liebesgeplagter Diener. Eichbaum sang sehr annembar Mozarts haber in seiner Familie. Max j -.Ponageno-Arie. Die entzük- ' kende Rivkele Reben entwickelt sich von Rolle zu Rolle. Sie bewältigte sehr „OLAMENU” 1 seur Schupp sie seinen Der-; siellern gestattet hat. Trotz- I d,m schuf er ein menschli- , ebes Bild des reinen Toren. -—■-| der gar nicht merkt, welch ner-,,tcams“ in aller Welt j edler Mensch seine Frau ist, an. und jeder ist vollendet! und den Tod sucht, als ihm in «einem Fach. Wohl aber , klar gemacht wird, was er , wollen wir nicht vergessen, - begangen hat. Wolf Schlamten Leistungen, die ausgezeichnete Mitarbeit minger als Freund war taktder argentinischen Künstler j voll und männlich, aber zuzu erwähnen, die sich dank | riickhaltender als nötig, der aufopferungsvollen Ein-! Karl Ewald im Kaiser-Friestudierungsarbeit von Roj drici Bart der Entstehungszeit war der fromme Obergraziös die berühmte Violeibliches Wohl. I letera“. die auf Jiddisch (der Das Publikum gi»g von i Silbenzahl wegen!) „Margadem Augenblick, in dem ritas“ hei t. Die kleine Hauptmann die menschli- I Baatriz Lvovsky nett und c ien Konflikte zum Zusam- I anschmiegsam in der Liebe menstoss kommen liess, mit ( 211 ihrem Papa, und dankte den Darstellern j Gut gemachtes Theater nach jeden Aktschluss für i k?"n man immer sehen. So ihre sehr anerkennenswer-; brillant gespieltes Theater kan.i man leider nur selten; s-hen! O. O. Dr. Karl Kost Í TEL AVIV POB 3002 ISRAEL ♦ ♦ NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES Prof. Dr. H. Sternberg: Zur Geschickte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Prof. Kitmilo Lanthnann: Israel und die Juden der Weit SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: Kart. Kart. GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD berto Kinsky vollwertig in das nicht alltägliche Ensemble einreihen konnten und überdies fehlerlos deutsch sangen; Olga Chelavine, Nöemi Souza, Myrtha Garbarini, Angel Mattiello, Carlos Cossutta und Nilda Hofmann. Das Colön-Orehester hatte unter Wallberg seinen guten Abend, und sogar die wegen fataler Luftfeuchtigkeit immer gefährdeten und gefürchteten Blechgruppen warteten mit perfekt sonorer Transparenz auf. ’ c-n TEATRO MITRE CORRIENTES 5424 T. E. 54 9049 Gewidmet dem Andenken ven Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der ♦ Geschichte der Wiener Juden. \ ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen Nach Erscheinen $ 15- 20,— Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag. Tel Aviv. P.O.B. 3002 (Israel) < zu richten. Die Preise sind in USA'Dcllar angegeben. R E M I E R E Sonnabend um 22 l>hr Sonntag 18 und 22 Ubr Täglich um 22 Uhr Gastspiel des berühmten Operetten-Stars SOFIA LERER mit dem israelischen Sänger INO T0PER in der Komödie STOLZ, EIN JUDE ZU SEIN i Teafro Soleil!! CORRIENTES 3150 ”; T. E. 86 2307 3 M M ■ Freitag um 22 Uhr <■ ■ Sonnabend um 22 Ubr £ ■ Sonntag 18 und 22 Uhr 5 S Täglich um 22 Uhr S 5 \ Herman \ \ Jablokoff ü m « 5 in seinem grössten 2 S Erfolg * M ** 1 Oer Bajazzo \ jjj Musikalische Leitung: ™ S Kapellmeister £ 2 ERNST STEIN B •îS-5ïîïïî*II'-1 IhQtm; „ Einsame Menschen BUENOS AIRES GERHART HAUPTMANN DRAMA IN 5 AKTEN Regie: HELGE SCHUPP <» 5! ¡¡MITWIRKENDE: Anna Hardt — Maria Hollmann — $ Martha John — Lilly Wiehert — De- <; lia Wiedt — Karl Ewald — Wolf«; Sehlamminger — Helge Schupp —!> Max Wächter. ¡1 ii im TEATRO ODEON. Esmeralda 367. TE. 45-3591 jj ¡1 Wiederholiings Vorstellungen:;; Mittwoch. 19. 9. — Donnerstag. 20. 9. — Frei-,, tag. 21. 9. — um 19 Uhr 30 und Sonntag, 23. 9.. ¡, um 15.15 Uhr. Kartenverkauf werktäglich ausser Samstag von 10 bis;; > 12 und 14 bis 19 Uhr. — Vorverkauf für Nordstrecke: Av. Lib. Gral. San Martin 15335, Acassuso, T. 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