Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1977 (14.9.1962)
- Date
- 1962-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 14 de Septiembre de 1962 SEMANA ISRAELITA A»o XXIII. — No. 1977 — # TtModop PlIEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 Dr. Abraham Granott iÄ“ s. A. In seinen Gedenkvvorten für Dr. Abraham Granott, den verstorbenen Präsidenten des Keren Kajemet Lejgraei, sagte der Vorsitzende oes Direktoriums des Fonds Jacob Tsur: ,,Es war Abraham Granott vergönnt, dass seine Theorien noch zu seinen Lebzeiten Wirklichkeit wurden. Er sah im Keren Kajemet nicht nur ein wichtiges Instrument im politischen Kampf für die Schaffung des Staates, sondern auch im Ringen um neue Begriffe sozialer Gerechtigkeit, und er hoffte, dass diese Prinzipien auch jenseits des Rahmens und Lebens unseres eigenen Landes und , Volkes Bedeutung erlangen würden. Die biblisch» Idee ,das Land darf niemals veräussert werden, denn das Land ist mein* wurde zur Wirklichkeit unserer Tage dank der wissenschaftlichen Grundlagen, die Dr. Granott gelegt hatte.“ Dr. Granott, der die Geschicke des Jüdischen Nationalfonds über zwanzig Jahre geleitet hat, wurde vor 72 Jahren als Abranam Granovsky in einem Städtchen Bessarabiens geboren. Von dort kam er nach Odessa. Einer seiner Lehrer war von HERBERT f REEDEN Chaim Nachmann Bialik. Sein Vater, ein Juwelier, gehörte zur alten Garde der Chowewe Zion, und so atmete der Junge noch eine andere Atmosphäre ein — die des Zionismus. Als junger Busche von siebzehn Jahren kam er mit seiner Mutter nach Palästina und blieb dort, um seine Ausbildung in Jaffa fortzusetzen. Während der Ferien besuchte er Rechowot, damals während der zweiten Alija das Zentrum der grossen Führer des Jischuws. Dort kam er unter den Einfluss von Joseph Aharonowitch und A. D. Gordon. Später begann er, an der Universität von Freiburg Medizin zu studieren. Aber bald gab er den Versuch auf, die Krankheiten des Individuums zu heilen, und ging nach Lausanne, um Jura und Nationalökonomie zu studieren. Es war während der bewegten Zeit nach dem ersten Weltkrieg, als der damalige Leiter des Keren Kajemet, Nehemia de Lieme. beeindruckt von den Schriften des jungen Natiorialökonomen, besonders derjenigen über das Thema der Wanderung, Granott nach dem Haag einlud, wo sich damals das Hauptbüro des KKL befand. Der junge Granott stürzts sich mit grossem Enthusiasmus in die Arbeit. Es waren hektische Tage für den Fonds. Der Zionismus war nicht mehr ein romantischer Traum — die Balfour-Deklaration war erlassen worden, der Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina war der Friedenskonferenz in Versailles vorgetragen worden, und die dritte Alija war auf ihrem Weg. Mit der Schaffung des Keren Hajessod auf der Zionistischen Weltkonferenz in London im Jahre 1920 wurde der Keren Kajemet für seine Hauptaufgabe frei — Landerlösung. Ein Jahr später kam es zu dem Erwerb d-es Emek Jesreel, und Landurbarmachung und Siedlung erhielten neuen Antrieb. RECHTE HAND USSISCHKINS Dr. Granott erwies sisch als die ideale Persönlich¬ Erziehung und Kultur Die erzieherische und kulturelle Arbeit in Jerusalem wird eifrig von den Stadtvätern gefördert, die alles tun, um sie mit den beschränkten, zu ihrer Verfügung stehenden Mitteln zu fördern. Das Erziehungswesen in Jerusalem entspricht im allgemeinen dem in anderen Teilen des Landes, abgesehen davon, dass der Prozentsatz der Schüler, die religiöse Schulen besuchen, höher ist als anderswo, nämlich 52 Prozent verglichen mit dem Landesdurchschnitt von 33 Prozent. SCHNELLES WACHSTUM Zu Ende der Mandatszeit gab es in Jerusalem 55 Vilksschulen mit insgesamt 472 Klassen und 12.520 Kindern. Heute gibt es 75 staatliche Volksschulen aller Richtungen mit 937 Klassen ynd über 28.580 Schülern. Dieses schnelle Wachstum ist auf die verhältnismässig grosse Kinderzahl in Einwandererfamilien und auf die Einführung der Schulpflicht im Jahre 1949 zurückzuführen die für alle Kinder von fünf bis vierzehn Jahren obligatorischen, aber kostenlosen Schulbesuch vorsieht. Seit der Gründung des Staates wurden 25 Volksschulen in Jerusalem gebaut. Etwa 1.000 Kinder besuchen Spezialschulen für körperlich Behinderte und eine fast ebenso grosse Anzahl Abendschulen für die arbeitende Jugend. Die höheren Schulen haben insgesamt über 1.790 Schüler, die höheren Abendschulen 830 und die Berufsschulen über 1.580. Etwa 160 Kinder besuchen landwirtschaftliche Schulen. Die Lehrerseminare zählen fast 1.660 Schüler. Es gibt in der Stadt 325 Kindergärten, die von 6.000 Kindern besucht werden. Die Regierung zahlt die von A. FELBER Gehälter der Volksscliullehrer, der Lehrer an den Abendschulen für die arbeitende Jugend und der Kindergärtnerinnen, während die Stadt für die Instandhaltung der Gebäude und Hilfsdienste aufkommt. Doch Jerusalems Stolz ist die Hebräische Universität, die im Jahre 1925 gegründet wurde. Im Jahre 1948 hatte sie 900 Studenten und 190 Lehrkräfte. Die entsorechenden Zahlen für das laufende Jahr sind 7.500 Studenten und 900 Lehrkräfte. Der Volksschul-Unterricht wird in Jerusalem wie auch in anderen Teilen des Landes gefördert, und die Hebräische Universität hat zu diesem Zweck eine grosse Anzahl von Kursen eingerichtet. Ulpanim hebräische Intensiv - Kurse) gehören schon seit langem zum jerusalemer Kulturleben. Es war in Jerusalem, dass im September 1949 von der Jewish Hochschulen), in denen 4.250 Jugendliche und Erwachsene höheren Unterricht in religiösen Gegenständen und Ausbildung als Rabbiner erhalten. Da es in ganz Israel insgesamt etwa 200 Jeschiwot mit . annähernd 14.000 Studenten gibt, so heisst das, dass sich etwa 35 Prozent der Jeschiwot des Landes in Jerusalem befinden. DIE SCHOENEN KUENSTE v Kunst. Theater und Musik haben einen entscheidenden Anteil am kulturellen Leben Jerusalems. Die Bezalel - Schule für Kunst und Handwerk wurde gleichzeitig mit dem Bczalel-Museum im Jahre 1906 gegründet. Sie gewährt eine vollständige Ausbildung auf verschiedenen Gebieten der Kunst. Heute wird der angewandten Kunst besondere Aufmerksamkeit geschenkt, besonders im Hinblick auf die Förderung der israelischen Industrie. Zur Zeit hat die Schule 180 Tages- und 60 keit, um diese Politik zu ergänzen. Nach der Uebersiedi lung des Hauptbüros nach j Jerusalem im Jahre 1922 wurde Menachem Ussisch-1 kin Präsident des KKL und Dr. Granott seine rechte Hand. Viele Jahre hindurch stand er an der Spitze der Finanzabteilung, und 1935 wurde er amtsführender Leiter und in das Direktorium gewählt. Im Jahre 1945 übernahm er den Vorsitz des Direktoriums. Es ist nicht leicht, mit ein paar Worten die konstruktiven Errungenschaften jener Periode zu schildern, die dann folgte. Die vielleicht beste Wertung dürfte die sein, dass Dr. Granott erfolgreich versuchte, einen harmonischen Ausgleich zwischen Theorie und Praxis in der zionistischen Landpo’itik zu finden. Mit der Staatsgründung wurde Dr. Granott der berufene Verteidiger des Instruments. das die Grundlagen für den Staat, gelegt hatte. Er war es, der den Kampf für die Aufrechterhaltung der Autonomie des Fonds führte und der für die letzte Erfüllung seines Zieles focht: das KKL-Prinzip auf alle öffentlichen Böden Israels auszudehnen. Zu diesem Zweck schlug er dem 24. Zionistenkongress im Jahre 1956 ein Programm vor, das mi( einigen Aenderungen von der Knesset zur neuen Bodengesetzgebung gemacht Josephsthal ist mit den letz ten Jahren der jüdischen Geschichte vor Ausbruch des 2. Weltkrieges eng verbunden. Als im Jahre 1933 die Nazis an die Macht kamen und die deutsche Juden heit entrechteten, war es eine Gruppe jüngerer und vor allem zionistischer Kräfte, die in die Führung des deutschen Judentums aufrückten. Dieser Epoche gab der bereits Ende 1933 verewig te Dr. Ludwig Tietz das Gepräge, dem es gelang, die divergierenden KräLe zusammenzufassen und die Reichsvertretung der Juden in Deutschland zu gründen. Der Aktivkreis der deutschen Zionisten vereinigte sich in erster Linie im Merkas Hechaluz, in .«m sehr bald Georg Jos:psthal die führende Rolle spielen sollte. Er war damals ein junger Jurist, hatten sein Doktor - Examen in Basel abgelegt. wurde von der chaluzischen Bewegung aus seiner Heimatstadt Nürnberg nach Berlin geruf?n. wo er ausser der entscheidenden Arbeit für die chaluzische Auswanderung zugleich die Leitung der soeben geschaffenen Jugend Alija übernahm. Sehr schnell wurde er Mitglied der leitenden jüdischen und zionistischen Gremien, reiste durch Deutschland, sprach der Jugend und den Alten Mut zu, sammelte die Kräfte und half entscheidend dabei, die Auswanderung in vernünftige Formen zu lenken. Josephsthal siedelte dann mit seiner Frau in einen der Kibbuzim der Mapai über, wurde jedoch sehr bald von Partei und Bewegung zu wichtigen Aufgaben hexangezogen. die er mit grosser Umsicht und grosser Entschlossenheit einer Lösung entgegenführte. Auch in der Histadruth stand er lange Zeit an vorderster Stelle. Seit mehreren Jahren gehörte er dem Kabinett Ben Gurion an. Viele sahen in ihm den späteren Ministerpräsidenten. Eine schwere Krankheit die ihn schon lange an der vollen Entfaltung seiner Kräfte hinderte, hat ihn mit fünfzig Jahren dahingerafft. worden ist und seinen Höhei den. Als Mitglied der ersten punkt in einem Vertrag zwi- Knesset war er Vorsitzender sehen der Regierung Israels! des parlamentarischen Fi- und dem Keren Kajemet j nanz-Comitis. Sein T.itigfand. I keitsgebiet war gross — er I war Vorsitzender des Direktoriums der „Mekoro.“- kanntesten Musiker der Stadt gegründet und zählt heute mehr als 1.200 Studenten und über 100 Lehrkräfte. Eine Besonderheit der Akademie ist. dass sie als einzige in Israel ein« Abteilung für die Ausbildung von Tanzlehrern hat. Die Rubin-Akademie ist auch das einzige musikalische Erziehungsinstitut im Lande, das regelmässig Sonderveranstaltungen für das breite Publikum organisiert, und damit zur Hebung des musikalischen Verständnisses der Bevölkerung beiträgt. Sie veranstaltet Diskussionsgruppen. Lichtbildervorträge und Konzerte. Viele dieser Veranstaltungen werden such von der jerusa lemer Stadtverwaltung unterstützt. Dieses Bodengesetz stellt eine grossartige Rechtfertigung der Politik Dr. Granotts dar: Das KKL-Prinzip des nationalen Bodens — das Land bleibt für immer das Eigentum der Nation und wird nur in Pacht vergeben — hat nunmehr seine Geltung für 90 Proent des gesamten Staatsterritoriums. PRAESIDENT DES KKL Dr. Granott war nicht nur ein Mann der Praxis — er war ein Meister der Feder, und in seinen zahlreichen Büchern und Essays über Landprobleme. Siedlung. Finanz- und Steuerfragen wurde sein Wunsch sichtbar, diese Prinzipien zu rechtterfigen, obwohl niemals um ihrer selbst, willen. Seine "Bemühungen waren darauf gerichtet. eine harmonische Korrelation zwischen den wechselnden Notwendigkeilten des nationalen Aufbaus und den ewig gleichbleibenden sozialen Ideen zu fin- Wassergeselllschaft, Direktor der RASSCO. Mitg.ied der Kuratorien der Hebräischen Universität und des Weizmann Instituts in Rechowot. Vor einigen Jahren wurde er zum Gastprofessor für Bodenpolitik an der Hebräischen Universität ernannt. Als Mosche Sharett, der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, seinem verstorbenen Freund und Kollegen den letzten Gruss zurief. betonte er. dass Abraham Granott eine der zentralen Figuren der zionistischen Bewegung gewesen sei. Seine wissenschaftliche Fundierung hatte es ihm er- -jnöglieht. den Kampf um die Bodenerlösung auf das Niveau einer umfassenden nationalen und sozialen Politik zu heben. Granott erreichte seines höchstes Ziel, als seine Theorie vom KKL in die Gesetzgebung des Staates eingegliedert wurde. Agency, unter Mitwirkung | Abendschüler. Vor kurzem des Erziehungsministeriums. Ezion. das erste Ulpan im Lande, eröffnet wurde. Seitdem haben über 5.000 Schüler, meist Angehörige der freien und Lehrberufe, sich dort eine Kenntnis des Hebräischen angeeignet. Doch ausser auf dem engen Gebiet des eigentlichen Schulunterrichts, d. h. der Volksschule, höheren und Berufserziehung junger Leute für das Leben in Israel, gibt es ein weiteres Gebiet allgemeiner Kultur, an dem Jerusalem Anteil hat. JESCHIWOT Das Studium der Bibel und des Talmud ist seit der Zerstreuung des jüdischen Volkes eine Beschäftigung und religiöse Uebung gewesen. Es gibt in Jerusalem 70 Jeschiwot ttalmudische wurde Felix Darnell, ein englischer Architekt, auf Empfehlung von William Johnston, der sich als Berater der Schule im Auftrag von UNESCO im Lande befand, zum Direktor der Schule ernannt. Die Habima-, Kameri- und Oheltheater kommen regelmässig nach Jerusalem, und das israelische philharmonische Orchester gibt jede Spielzeit eine Serie von Abonnements- und anderen Konzerten im nationalen Versammlungsgebäude (Binjane Ha’uma), die alle von Tausenden von Zuhörern besucht werden. Aber der wichtigste Förderer des Musiklebens in Jerusalem ist die Rubin-Mu sik-Akademie. die die musikalische Erziehung in Jerusalem leitet. Sie wurde im Jahre 1947 von 24 der be- ZIONISTEN¬ MITGLIEDER DER THG Man erwartet von uns, dass wir die ersten sind, die ihre Pflicht gegenüber der Einheilskampagne erfüllen! t $ 0 Jt 4304379130