Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1974 (24.8.1962)
- Date
- 1962-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viernes, 24 ¿e Agosto de 1962 SEMANA ISRAELITA Alíe XXIII. — Ne. 1824 * Modernes Musical auf Jiddisch I MUSIK IN BUENOS AIRES Die erste Ueberrasehung gab es im Vorraum des „Theatro Mitre". Gruppen von kaum 20-Jährigen, wahrend sonst junge Leute nur selten ins Jiddische Theater kommen. Das Rätsel löste sieh mit der von Simon Tenovsky und seinem gut spielenden Orchester schmissig und mit Schwung gebrachten Ouvertüre: man hörte statt jiddischer Niggunim zeitgemässe Schlagermelodien, die jedem New Yorker Musical Ehre gemacht hätten. Falls sie nicht in einer früheren Erscheinungsform Teile solcher bildeten; denn Autor und Komponist von „Las Travesurhs de Susie“ wurden schamhaft verschwiegen. obwohl die Musik von Könnern von Rang verfasst worden ist. Im 1. Akt ein Büro mit Schreibmaschine und Telefon in New York, im 2. Akt das Gleiche in Paris, Der gleiche Chef entlässt beidemal die jeweilige Sekretärin, um sie für höhere gefühlvolle Zwecke zu reservieren. Im Sprichwort führen viele Wege nach Rom. Hier führen alle nach einem kurzen Dialog oder humoristischem Zwischenspiel zu einem neuen Song. David Lieht, der in allen Sätteln gerechte grosse Regisseur, traf den Geschmack des Publikums vollkommen. Shifre Lerer, die Hauptdarstellerin und der Gast aus New York, ist eine stimmbegabie Operettensängerin mit viel Humor. Mit dem bewusst breit und blutrot geschminkten Mund eines Clowns wirbelte sie wie ein solcher lachend und temperamentvoll durch das Stück. In ihrer „grossen Nummer“, dem Loblied auf Paris, parodiert sie ein wenig Chevalier und die Apachen, unter Benutzung von ..C'est si bon" und anderen Weitscblagern. Das Publikum sparte nicht mit verdientem Applaus. Ino Toper, ein gut aussehender Opernsänger aus Israel. spielte den Chef. Die Frauenherzen, die er nicht sofort gefangen nahm, schmolzen dahin, wenn sie seine schöne und kultivierte, metallisch klingende Stimme vernahmen. Auch die übrigen Darsteller sangen ausnahmslos gut, Soli, Duette bis zu Sextetten. Zipora Waldmann hat bei Ilalperin ihre schöne tiefe Stimme brillant,, ausgebildet und zeigt, dass sie gut gewachsen ist. Max Kloss als silbermelierter “Pere noble“ lässt sich keine komische Wirkung entgehen. Isujer Handfuss hat als Hopkins, das Mädchen für alles, die dankbarste komische Partie und reizt andauernd zum Lachen. Das Publikum lacht, wiegt, verstohlen die Beine im Rhythmus der Musik und klatscht angeregt laut den Takt. Was will man noch mehr? Dr. Karl Kost Deutsche Kammerspieis Der Abonnementsverkauf für die am 30. August, 1., 5. und 7. September im Teatro Coliseo stattfindenden Vorstellungen von „Naihan der Weise“ von Lessing, , Der Hauptmann von Köpenick“ von Zuckmayer, „Die Physiker“ von Dürrematt, und „Das Konzert“ von Bahr endet am Sonnabend, den 25. August. Einzelkarten sowie Billets für die Sondervorstellungen sind in jedem Fall drei Tage vor der betreffenden Aufführung an der Theaterkasse von 10 Uhr vormittags an erhältlich. JUAN JOSE CASTRO — VORKASMPFER DER „MODERNE" Wenige Dirigenten setzen sich mit derartiger Intensität und Konsequenz für das Bekanntwerden zeitgenössischer Musik ein wie der grosse Argentinier, der vor kurzem bei dem Musikfestival in San Francisco, USA, anlässlich der Uraufführung seiner neuesten Komposition, der „Suite Instrospectiva“ mit Lob, Auszeichnungen und positiven Kritiken geradezu überschüttet wurde. Trotzdem der Prophet im allgemeinen nichts im eigenen Lande gilt, konnte Castro sich bei der kürzlich erfolgten argentinischen Erstaufführung desselben Werkes über mangelnden Teatro Soleil Das Jüdische KünstJertheater Soleil wiederholt in dieser Woche die Vorstellungen von „Mein Sohn und Ich“ mit \* -, HERMANN JABLOKOFF in der Hauptrolle. Musikalische Leitung und Einstudierung Ernst Stein. Jüdisches Lehrhaus .— T Die naechsten Kurse finden statt* am HONTAG, DEN 27. AUGUST, UM 20 UHR BO 1 IM GEMEINDEHAUS (RAMER 20(0 1. Kurs BIEELKUNDE: Dr. Meir Rosenberg DAS BUCH YIRMEYAHU (BEGINN 20 UHR 30 pktl.) Die Teilnehmer werden gebeten, VOR Beginn des Kurses zu kommet und eine Bibel mitzubringen. 2. Kurs: GEGENWARTSKUNDE: Dr. Swarsensky 8. ABEND: ZWISCHEN DEN WELTKRIEGEN ABRISS EINER GESCHICHTE DES MODERNEN ANTISEMITISMUS (BEGINN 21 UHR 20) 3. HEBRAEISCHE KURSE: (. Jahr: Montag: 18 Uhr 30 und Mittwoch: 19 Uhr 15 Dienstag und Donnerstag 18 Uhr für Neuanfaenger 2. Jahr: Dienstag und Donnerstag: 17 Uhr 3. Jahr: Montag: 17 Uhr und Mittwoch: 17 Uhr 50 Auch Fortgeschrittene lernen weiter HEBRAE1SCH nt JUEDISCHEN LEHRHAUS Alle Kurse finden in der Cramer 2060 statt Applaus nicht beklagen. In den drei Konzerten, die er leitete, war das bedeutendste jenes dem Andenken Claude Debussys gewidmete. Trotzdem wir Castros einmalige Fähigkeiten gerade auf dieser zartimpressionistischen Palette kennen, so werden wir doch immer wieder von seinen schwer zu iiberbietenden, in aller Welt als meisterhaft gepriesenen Interpretationen der „Iberia“, der Fragmente des „Martyre de St. Sébastiun“, und von „La Mer“ frappiert. Und kein Geheimnis ist, dass der Dekan revolutionärer Musik, Igor Strawinsky — seine „Symphonie für Blasinstrumente“ (1920) „in memoriam Debussy“ erklang ebenfalls — Juan Castro als einen der seriösesten und mutigsten Vorkämpfer musikalischen Fortschritts, sei es schaffend oder nachschaffend, anerkennt und preist. Der in Paraguay gebürtige Georg Mönch spielte das Violinkonzert von Alban Berg etwas unprofiiiert, verriet jedoch ernstes Einarbeiten in das weltfremde Opus. Wie wir wissen, ist das Werk ..dem Andenken eines Engels“ gewidmet. dem ätherischen Mädchen Manon Gropius i Tochter von Alma Mahler-Werfel), das plötzlich verschied, und Berg ahnte nicht, dass dieses Konzert sein eigenes „Requiem“ werden sollte. Casstro war hier nicht, nur Begleiter, sondern auch Wegweiser, und das in den drei Abenden prachtvoll konzertierende Nationale Symphonie - Orchester enttäuschte niemals. Castros Stärke ist nicht die Romantik, und so erklang Schuberts leichtbeschwingte „Fünfte Spymphonie“ in b-dur zwar sehr ausgefeilt, aber ein wenig zu schwerflüssig. Dagegen ge langte die Komposition seines Bruders José Maria „Preludio y Fuga“ — zur Ehrung des 70jährigen Komponisten — zu glanzvoller Wiedergabe ebenso wie die „Due Pezzi per Orchesta“ von Luigi Daliapiccoia und die bekannte d-moll Symphonie von César Frank. Hochinteressant war die Erstaufführung des „Concierto para Guitarra y Orquesta“ von Maurice Ohana. Der 1915 in Gibraltar von marokkanischen Eltern geborene und in Frankreich ausgebildete und lebende Komponist fühlt das Nationalinstrument seiner Heimat, die Gitarre, im Blut. Narciso Yepes, der junge spanische Gitarrist, dem die Komposition gewidmet ist, die er vor einem Jahr in London uraufführte — er wird als der geistige Nachfolger von Andrés S?govia gewertet — spielte auch hier das uneinheitlich konzipierte, speziellen Wert auf rhythmische Untermalung legende Werk (kleines Orchester mit Celesta und 6 Schlagzeugern!) mit ausser- íi*ssí*ss;ííí:é‘- Teatro Solei! CORRIENTES 3150 T. E. 88-2307 Freitag um 22 Uhr Sonnabend um 22 Uhr Sonntag 18 und 22 Uhr Täglich um 22 Uhr Gastspiel Hermaü Jablokoff ln dem musikalischen Lustspiel „MEIN SGHN UND ICH“ Musikalische Leitung: Kapellmeister ERNST STEIN Witziges Kabarett von Rang Wenn zwei nur singende und sprechende Kabarettisten, die nur mit deutsch sprechendem, vor allem mit Wiener Publikum rechnen können, sich eine Weltreise leisten, müssen sie schon sehr viel könneD. Gerhard Brenner und Peter Wehle sind Künstler von Rang, die ihre mit viel Verstand und bis in jede Einzelheit überlegten Darbietungen so leicht aus dem Aermel schütiteln, als seien sie eben erst entstanden. Beide spieien J Klavier, beide singen dazu ' Couplets und Lieder eigener Produktion, mal allein, mal zusammen, und dazwischen zanken sie sich, was sie amüsant gestalten. Alles mit leichtester Hand. Ihre grosse Stärke ist die Parodie, ein Opernduelt über den Frieden, die Entstehupg eines Schlagers und das Frozzeln über alle die Armen, die kein Wienerisch oder Hernalsich reden, ist brillant gemacht. Für ..Wienerisch für Fortgeschrittene“, bei dem die Betroffenen sich vor Lachen bogen, ist der Rezensent als „feindlicher Ausländer“ nicht zuständig. Er hat in der Schule beim „Wiener Sprach- Jargon“ gefehlt. Wehle ist ein grosser Sprachkiinsiler, er jongliert mit. den Worten und dem Spraehklang. Daraus entsteht ein so zum Lachen hinreissender Ulk wie ..Der Liebesbrief mit Tippfehlern“ oder die reizende ..Kochkunstolympiade“, bei der sich allerdings herausstellt. dass man am schlechtesten den Wiener Koehkiinstler versteht; denn Herr Wehle, dem sehr wenig heilig ist. hat sich nicht getraut, auch .den Wiener Diaordentlichem Können, und das (Auditorium konnte sich nicht genugüber die ergiebige Tragfähigkeit seines jede mechanische Hilfe verschmähenden Instruments verwundern. Castro führte die Komposition zum Triumph. Die drei Abende brachten ihm, seinen Solisten und Untergebenen rauschende Beifalls kundgebungen. e-n TEATRO COiON Sábado 25 a las 17.30 hs.: Recital extraordinario (Mozarteum Argentino): Duo de Piano Gorini-Lcrenzi en colaboración con el conjunto “Ritmus“. A la's 21 horas: 9a. función del abono a sábados nocturnos: “Macbeth“, ópera de Verdi. Dir. de Orqu.: Fernando Previtaii. Regisseur: Ernst Pöttgen. Lunes 27 a las 21.30 hs.: 7a. función de] abono a 8 conciertos sinfónicos. Orquesta Filarmónica de Bs. Aires. Dir, Andrés Vandernoot. Solistas: Dúo de piano G’erini Lorenzi. Juevos 30 a ais 21 horas: Función extraord.: “Macbeth“ de Verdi. iekt zu parodieren! Sonst wird alles in Wort und Lied „verhonepipelt“, immer witzig, nicht immer mit Geschmack .(„Der jüdische Cowboy" war schon 1922 überflüssig und ist es 1962 erst recht!). Dafür sind die wie so Vieles bei den Beiden politisch gefärbten Witze, auch die der sogenannten „semitischen Abteilung“, hervorragend und hier noch neu. Man lacht viel und lacht oft, wie man hier sagt „de muy buena ley“. Als legitime Nachfolger des alten beliebten Wiener Kabaretts brachten sie ein sehr beifällig aufgenommenes Chanson von Leopoldl, ganz zu schweigen von den vielen nicht eigens benannten Anklängen. Die Zuhörer waren begeistert und dankten mit reichem Beifall. Speziell die vielen Wiener waren ganz aus dem Häuschen. O. O. Buch über Kess London. — Ein neues Euch über den Flug des Stellvertreters Hitl srs, Rudolf Hess, ist jetzt in London veröffentlicht worden. Das Buch von 'James Leasor mit dem Titel „The Uninvited Envoy" (Der ungebetene Gesandte) stellt in eingehender Analyse der politischen und persönlichen Motive des sensationellen Fluges fest, dass Hess mit Wissen und Billigung Hitlers nach England flog, um vor dem deutschen Angriff im Osten einen Frieden mit England abzusehliessen. Der „Guardian“ nennt das Buch „faszinierend". (AWZ) TEATRO MITRE •CORRIENTES 5424 T. E. 54 9049 2. Premiere der Saison Sonnabrnd um 22 Uhr Sonntag 18 und 22 Uhr Täglich bdi 22 Uhr Gastspiel dee berühmten Operetten-Star» SOFIA LERER mit dem israelischen Sänger" INO TOPER in der musikalischen Kcmödie ¡MADAME FRAEULEIh Rsgie: DAVID LICHT i Dcutfdißs IMor Ü'üDX03 AIRES MAX FRISCH Eine Romanze in 5 Akten Regie; KLAUS JAEGEL In den Hauptrollen: Emely Schiller, Klaus Jaegel, Wolf Schlamminger Premiere: DIENSTAG» 28. AUGUST, 19.30 UHR Teatro Gdscn, Esmeralda 367 — T.E. 45*3581 Kartenverkauf von 10—12 und 14—19 Uhr