Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1962-08-10 · 1972 (10.8.1962) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1972 (10.8.1962)
Date
1962-08-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9612947-9613380--2264-9613386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

TR AVER VAR TROST I ITTD A TI TD und RRSLSAftÇ Von SCHALOM BEN-CHORIN S3S5 STKrÄ Li 1 LlV/l 1 UIV »"ü Die Trauer des 9. A\v wird mit der Verlesung der Klage lieder „Echa“ (Threnii eingeleitet, wobei der Brauch in Israel es vorschreibt, auch diese Rolle aus einer handschriftlichen Megilla vorzutragen und darüber «len Segen „Al-Mikra-Megi- ]a“ (wie über das Buch Esther) zu sprechen. Es schliessen sich sodann die Kinot, die Klagelieder, an. Der Ursprung der Kina ist biblisch. Zum ersten Mal begegnen wir der Kina im 2. Buch Samuel I. 17, in der Kina (Klagelied) Davids auf Saul und Jonathan. Auch dem Feldherrn Abner widmet David eine Kina, die wir im 2. Buch Samuel 3, 33 linden. Der älteste Schriftprophet Arnos. 8, 10. kündigt an. dass jeglicher Gesang zur Kina verwandelt werde und Jechesk.l spricht des öfteren von Kinot. Die Kina des Jeremias auf den Tod des Königs Josia finden wir 2. Chronik 35, 25 vermerkt und Raschi erläutert diese Stelle: ,,Wie am 9. Aw, wo man Kinot sagt über die, welche in den Verfolgungen unserer Tage getötet wurden. so soll man auch den Tod des Josia betrauern.“ Unter den Kinot nimmt die grosse Zionide des Jehuda Halevi einen besonderen Platz ein: ,,Zion halo ischali lischlom assirajich!“ (Zion fragst du nicht nach dem Los deiner Gefangenen...). Franz Rosenzweig bemerkt in seinem Kommentar zur Grossen Zionide, dass Jehuda Halevi diese Gattung geschaffen hat, die bis auf Reim und Metrum und die Anfangsworte häufig nachgedichtet wurde. — Am volkstümlichsten wurde aber die letzte Kina in der Sammlung unserer Klagelieder ,.Eli Zion weare ha“, deren Melodie auch im Schabbat- Chason (vor dem 9. Aw) der Rezitation des „Lecha-Dodi“ zugrunde gelegt wird. Viele der Kinot berühren nicht mehr unmittelbar den Untergang des Tempels, sondern beweinen die zerstörten Gemeinden der Kreuzzugszeit und anderer Verfolgungen. Es wäre daher nur sinnvoll und die Tradition weiter führend, wenn wir, Zeugen und Ueberlebende der grössten Judenverfolgungen aller Zeiten, neue Kinot über die Zerstörung der Gemeinden in Deutschland, Polen, Ungarn. Rumänien usw. einfügen würden, denn Tischa Beaw ist nicht allein der Tag der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels. Die Tradition weist darauf hin. dass Jahrhundert in die Liturgie des Tischa Beaw wäre. Hebräische und jiddische Dichter haben dieser Katastrophe bereits Ausdruck verliehen, und es käme nur darauf an, einige von diesen modernen Kinot unserer synagogalen Kinot - Sammlung einzureihen. Die Klage ist aber nicht das letzte Wort des Judentums. Ernst Simon nannte NAECHTE DES GHETTO Wenn der Wind um die Dächer des Ghetto fegt, Raunt er vergessne Legende-: Ein Frösteln sich über die Seelen legt, Von des Ewigen Anhauch schauernd bewegt Heben sich betende Hände. Das Volk des Ghetto schaut in die Nacht. Es betet und büsset und harrt Und hält des versunkenen Tempels Wacht Un^j hat der grossen Vergangenheit acht Das Volk ohne Gegenwart. Wenn der Wind um die Dächer des Ghetto rasi, Raunt er vergessne Legende-- Durch die Stuben schreitet ein heimlicher Gast Und wer den Messias am Mantel fasst, Der weiss um Ende und Wende. S. B. C. am 9. Aw über das Wüstengeschlecht verhängt wurde, dass es nicht ins Gelobte Land kommen dürfe. Am 9. Aw ist auch die Festung Bethar gefallen. An diesem Unglückstage wurde auch die Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 verhängt, und endlich bringt man den Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit diesem Datum in Zusammenhang. Der 9. Aw wurde so der grosse Volkstrauertag Israels. Wenn man nach würdigen Formen gesucht hat, der sechs Millionen zu gedenken ur.d in dem „Jad- Waschem“ - Institut hierfür einen nationalen Ausdruck finden w-ill, so darf betont werden, dass sozusagen die selbstverständliche Form des Gedenkens die Einbeziehung der grossen Katastrophe des Judentums im 20. rr OLAMENU rr TEL AVIV POB 3002 ISRAEL NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES Prof. Dr. H. Sternberg : Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Kart. 3. Prof. Kamilo Landmann: Israel und die Juden der Welt Kart. 2 — SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD Gewidmet dem Andenken von Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener Juden. ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen Nach Erscheinen $. 15- 20.— Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv» P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind in U$A-Dollar angegeben. diese Konzeption des Judentums die „Dialektik des Trostes“. Auf die Klage folgt der Trost, auf Tischa Beaw folgt der Schabbat Nachamu, das „Tröstet, tröstet mein Volk“ des Exilpropheten im zweiten Teil des Jesaja-Buches. Der Monat der Katastrophe selbst, der Monat Aw, wird Menachem Aw genannt, der „Tröster Aw*-“, da nach der taimudischen Tradition der Messias gerade am 1. Aw geboren wird und den Namen Menachem — Tröster — tragen wird. In der Zeit des falschen Messias Sabbatai Zwi (1626 bis 1676) spielte diese Tradition eine grosse Rolle, und man beging den 9. Aw als Geburtstag Sabbatais bereits als Freudentag. Viele Zeitgenossen fragen sich, ob wir den Tischa Beaw noch unverändert begehen sollen und dürfen? Das Oberrabbinat hat oft und oft die Errichtung der Medinat Israel als „Atchalta de Geulla“ (Anfang der Erlösung) gepriesen, und in dem amtlichen Text des Gebetes zum Wohl des Staates Israel wird dieser als „Reschit Zemichat G^ulathenu“ (Beginn defe Erblühens unserer Erlösung) gefeiert. Wir lesen in Echa 5, 18: „Der Berg Zion liegt so wüst, dass die Füchse darüber laufen...“, aber gerade der (traditionelle) Berg Zion ist in unserer Hand und liegt nicht mehr wüst, sondern wurde ein neues Heiligtum, wie immer man dazu stehen mag. Man müsste sinnvollerweise daher auch der netlen positiven Situation in unserer Tischa - Beaw - Liturgie neuen Ausdruck verleihen. Wenn wir einerseits gewiss auch freier wurden, als , es unsere Väter je waren, so sind wir andererseits ärmer geworden, als es die Generationen vor uns waren. Nie fehlte es, gerade zu Tischa Beaw, an Betern an der Klagemauer. Bis 1936 ging man durch den arabischen Bazar der Altstadt zum Kothel Hammaaravi, später auf dem neun Treppenweg, der dorthin führte. Tausende schritten stumm zu diesem letzten Rest unseres Tempels: fromme und freie, Chaluzim und Bürger, alte und junge .. und jetzt... ,,Ach wie liegt so verlassen. ..“ Der Vnschrigig? Artikel 4 im Rhodos-Abkommen, der uns denfreien Zugang zur -.lagemauer verbürgen sollte, wurde von Transjordanien niemals eingehalten und der UN-Beob achterstab hat keinerlei Anstrengung/gemacht, um den Juden wenigstens zu Tischa Beaw den Zugang zu ermöglichen, so wie den Christen aus Israel zu Ostern der Zugang zur Grabeskirche in die Altstadt und zu Weihnachten der Zugang zur Geburtskirehe in Bethlehem gewährt wird. Trauer und Trost, die beiden Elemente des Monats Aw, sollten von uns in lebendiger Fortführung * der Väter-Tradition gwissermassen aktualisiert werden: wir haben allen Grund zu trauern, denn das furchtbarste Gericht ist über unsere Generation hereingebrochen, aber wir wurden auch gewürdigt, die ersten Gnadenboten des Trostes zu sehen. Unsere Trauer und unser Trost sollten den Kinot und dem „Nachamu“ der jüdischen Geschichte eingefügt werden, denn Judentum ist fortwirkend in der Zeit im Hinblick auf die Endzeit und geschichtsbildend im Hinblick auf die Heilsgeschichte. Betrachtungen zu Tú Die national-religiöse Trauer, der „drei Wochen“ erreicht mit dem Unheilstag des 9. Aw ihren Höhepunkt. Fünf unglückliche Ereignisse verbinden sich nach unserer Ueberlieferung mit diesem Tage: An einem 9 Aw wurde über das aus Mizrajim herausgeführte Geschlecht jene Strafe verhängt, nach der die Generation des Auszuges in der Wüste zugrundegehen sollte. Die Zerstörung des Ersten (586 v.d.g.Z.) wie des Zweiten Tempels (70 d.g.Z.) zu Jeruschalajim erfolgte am 9. Aw; am gleichen Tage (135 d.g.Z.) fiel die Festung Betar nach heldenmütiger Verteidigung (Bar Kochba- Aufstand) in die Hände der römischen Unterdrücker, und schliesslich soll die Umwandlung des Tempelplatzes von Jerusalem in ein Akkerfeld am 9. Aw durchgeführt worden sein. Am Tischa B’aw des Jahres 1492, dem gleichen Tage. da Christoph Columbus mit seiner Flotte eine Reise antrat, in deren Verlauf er eine neue Welt entdecken sollte, waren die Juden Spa- „DIE MAUER" IM BURGTHEATIR Eine besondere Erwähnung verdient die Tatsache, dass das Bayerische Staatstheater mit „Die Mauer“ von Millard Lampell auf Gastspielreisen geht, genau wie die „Deutsche Oper, Berlin“ mit Moses und Aaron die grössten Städte Europas auf einer ausgedehnten Tournee besucht. Wir sahen diese Inszenierung unter der vorbildlichen Regie von Kurt Meisel in der Wiener „Burg", dem fast repräsentativsten Theater deutscher Sprache, das heute durch mustergültige Aufführungen seinen alten Ruf wiedergewonnen hat. — München spielte in Wien ein Stück von d<=r Tragödie des Untergangs der Juden im Warschauer Ghetto! Wir wissen nicht, wer von den Darstellern Jude ist. es waren rund 15 Menschen, die auf der Bühne standen, als Menschen der verschiedensten Berufe, Charaktere, al te und junge, Männer und Frauen, Menschen wie wir alle. Sie leben und sprechen wie wir; es ist gespenstisch, wie die Einfachheit ihres Daseins langsam immer mehr durchtränkt wird mit der sich immer stärker steigenden Tragödie. Wie viele waren es. die nicht glauben wollten oder konnten, dass auch sie nicht diesem Verhängnis entgehen würden! Aber was sie miteinander sprechen, das geht dem Zuschauer an die Kehle. Es legt sich wie ein Panzer auf seine Brust, es stellt ihn einem Schicksal gegenüber, dessen Unpersönlichkeit oft für ihn unfassbar bleiben muss. Hier ist der grosse Riss im Zuschauerraum zwischen dem, dessen Herz schon offen und wund ist von dem Geschehen vor 15 Jahren, oder wer erst hier mit etwas konfrontiert wird, was ihm bis heute nur ein dunkler, unverdauter Alptraum Die BARMIZWAH unseres Sohnes DANIEL RUBEN findet um 9 2319, s. G. w. am Sonnabend, den 18. August 1962, Uhr in der Chaim Weizmann Synagoge, Arcos statt. MAX WEISSFELD und Frau GERDA geh. SALOMON Santa Fe 5065, Dep. 2 Buenos Aires war. Es ist das grosse Verdienst des Autors, dass er ohne jede Uebertreibung die stärkste Wirkung schafft. Eine meterhol.e Mauer um schliesst das Ghetto, vier lange Jahre dauert dieses Grauen, bis es zu Ende geht. Der Regisseur Meisel hat mit schonungsloser Offenheit und Vermeidung jeder Schwarz - Weissmalerei verstanden, warmes Menschentum der entmenschten Todesmaschinerie gegenüber zu stellen. Da ist kein Ton „aufgesetzt“, keine Geste dieser einfachen Naturen muss durch Interpretation unterstrichen werden, um zutiefst zu erschüttern. Alles wirkt so selbstverständlich, und daher doppelt stark. Wenn wir von den vielen Darstellern einige herausgreifen sollen, dann bedeutet das nur eine subjektive Wertung, da alle auf derselben Stufe der Eindringlichkeit standen. Ursula Lingen ergriff uns besonders durch die scharfe Herausarbeitung ihrer Ruth Apt, die - klar sieht und aktiv ihren Mitmenschen zur Seite steht, auch wenn oft der Gram und die Verzweiflung über ihr unentrinnbares Schicksal sie fast zu zerreissen droht. Erschütternd war auch der Rabbiner von Heinz Leo Fischer, der mit seinem festen Gottesglauben all das vereinbaren muss, was ihn fast zu ersticken scheint. Seing Grösse am Schluss der Tragödie ist ein einziger Aufschrei; seine eigene Tragik will er immer noch negieren, und die endliche Ergebenheit in den unerforschlichen Willen Gottes ist ein Moment, den keiner, der unterrim Parkett sass, je vergessen kann. Am Schluss der Vorstellung, als die Lichter langsam aufflammten, drang kein Laut aus dem Zuschauerraum; lange, bange Minuten vergingen, und dann erst setzte nach und nach der verdiente Beifall für diese grossartige Aufführung sein. H. D. Hebraeischer Unterricht Aus technischen Gründen kenn der „Hebräische Unterricht“ leider erst in der nächsten Ausgabe der Jiididischen Wochenschau fortgesetzt werden. i niens gezwungen, das Land zu verlassen, in dem sie fast anderthalb Jahrtausende gelebt und so grosse Kulturwerte geschaffen hatten. Alle diese Geschehnisse machten es begreiflich, dass der 9. Aw zum nationalen Trauertag wurde, für dessen Durchführung die alten Lehrer unseres Volkes die gleichen strengen Fastenvorschriften ergehen liessen, die den Jom Hakipurim kennzeichnen. An einem 9. Aw. der im Jahre 1914 auf den 1. Auvor wenigsn storbene sagte hierzu. Î?! krieg eigentlx* gebnisse gezeibg eine Hoffnung Menschheit blI(i' Schaffung . Heimstätte m four - Deklaration Errichtung o«s des. Der Sieg der AH 2. Weltkrieg über ten Feind des judi ke.s und der gesa lisiarten Jünschbe DIE ZERSTOERl'NG V gust fiel und wegen des Schabbat am daraufolgenden Tage begangen wurde, begann der 1. Wel'krieg. der das jüdische Volk besonders hart traf, weil es auf beiden Seiten das Blut seiner Söhne vergiessen musste. Nach seiner Beendigung konnten Sieger und Besiegte des Lebens nicht mehr recht froh werden, weil die Folgezeit immer neue Erschütterungen und Umwälzungen brachte. Ein bedeutender britischer Staatsmann, der uns Juden mit de des dritten Feile; Brüder und Schwe er bezahlt wordei Propcrtion reicher luste keines Staat jüdischen heran, die Errichtung d< Israel musste unte steil Opfern erkäi den. Wenige Tage r.er Proklamation (.15. Mab des Jahr den Tagen zwische und 28. Mai, Hesse einten britisch-; L U A C H (KALENDER Freitag, den 10. August Sonnabend, den 11. August Parschat WA’ETCHANAN 5. B. M. 111 23 _ Haftara Yischayahu XL 1 _ 26 Schabat NACTIAMU Sonntag, den 12. August Montag, den 13. Augu t Dienstag, den 14. August Mittwoch, den 15. August TU BE'AW Donnerstag, den 16. August Freitag, den 17. August Sonnabend, den 18. August Parschat EKEW 5. B. M. VII12 Haftara Yischayahu XLIX 14_LI 3 Sonntag, den 19. August Montag, den 20. August Dienstag, den 21. August Mittwoch, den 22. August Donnerstag, den 23. August Freitag, den 24. August Sonnabend, den 25. August Parsehat RE'K 5. B. M. XI26 Hafiara Yischayahu LIV 11. b;Lv 5 Neumondankündigung ELt’L Sonntag, den 26. August Montag, den 27. August Dienstag, den 28. August Mittwoch, den 29. August Donnerstag, den 30. August 1. Tag Rosch Chodesh ELU^ Freitag, den 31. August 2. Tag Rosch ChodeschElp^ Sonnabend, den 1. September Parschat SCHOFTIM 5. B. M. XVl jg _ Haftara Yischayahu LI 12 jjj *• ******

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.