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Jüdische Wochenschau · 1962-08-10 · 1972 (10.8.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1972 (10.8.1962)
Date
1962-08-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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* — Vierter, 10 de Agosto del962 SEMANA ISRAELITA A fi« XXIII. — No. 1972 Interessanter „Mann im Zylinder”, MUSIK IN BUENOS AIRES Das Deutsche Theater brachte „Der Mann mit dem Zylinder“, eine sehr angenehme Komödie von Scheu und Nebhut mit einer einschmeichelnden Musik von Scheu. Das Titellied mit unüberhörbaren Anleihen von Schumanns» ..Grenadieren” ist sogar mehr. Unter Verzicht auf Chor und Ballet schrieben die Autoren eine wirklich witzige Komödie, die mit einigen Liedern untermalt und von zwei zu laut spielenden Flügeln begleitet wurde. Die Handlung spielt kurz vor dem Staatsstreich Luis Napoleons, obwohl die ge- Teatro Mitre Im Teatro Mitre findet ein Gastspiel der israelischen Schauspielerin Sofia Lerer und'‘des Sängers Ino Toper statt, die -ie bekannte Operette ,Oh ist das eine Susi“ in der freien Bearbeitung der Komödie „Arm wie eine Kirchenmaus“ an der Spitze des Künstlerensembles des Jüdischen Thsaters Milre aufführen. Die Regie führt der bekannte Regisseur David Licht. Die Künstlerin Sofia Lerer ist uns aus früheren Gastspielen in Argentinien, wo sie seit ihrer Kindheit tm Jüdischen Theater mit den berühmtesten jüdischen Schauspielern spielte, gut bekannt. Sofia Lerer spielt seit Jahren in Israel, wo sie eine angesehene Rolle im israelischen Theater einnimmt. Die Schauspieler sprechen ein für die deutschsprechenden Juden leicht verständliches Jiddisch das von uns bekannten und beliebten Operetten - Melodien untermalt ist. j schichtliche Echtheit sich | seitens der Autoren mit dem schwarz lackierten Bart be-! gnügt. Sieht man davon ab,! so ist die Handlung wirklich amüsant und sogar mit ak- I tuellen heutigen Bemerkun- ■ gen gespickt. Zw^i Ehepaare. Napoleon und seine | Braut, die spätere Kaiserin Eugenie einerseits, ein revo- I lutionärer StrassensängCr! und seine Napoleon ebenso ' glühend hassende Frau an- deinerseits. Wie diese beiden, | die innig miteinander vereint sind, gelegentlich auch übers Kreuz. . ist interessant und lustig gestaltet. Wächter als Regisseur nutzte Haberls schönes Bühnenbild geschickt aus und rollte die Komödie mit flottem Tempo ab. Er selbst spielt überlegt und klug den Polizeichef, der im Grunde nur eine neue Abart des seit Schillers Hofmarschall von Kalb ständig im deutschen Lustspiel spukenden Trottels darstellt, der sich weise dünkt und alles falsch macht. Der Spottlieder singende Boubou, dessen brillar.t gebrachtes Lied vom ..Mann mit dem Zylinder“ mit stets neuen Strophen wiederholt wird, war eine Bombenrolle, aus der Klaus Jaegel wirklich alles herausholte. Jolie. seine Frau, erklärt seine Erfolge bei Frauen, weil er doch ,,so sympathisch“ sei. Jaegel war es wirklich! Ein kluger Naturbursche, der seine bissigen Bemerkungen brillant und wirkungsvoll hinsetzte. Die grosse Ueberraschung des Abends bildete Lilly Wiehert. die man in so vielen Rollen gesehen hat und die wohl noch nie so gut war wie als Eugenie von Montijo. Entzückend anzusehen THEODUR FUCHS — JOHANNA MARTZY Es spricht nicht nur für die Tragik, sondern auch für den immer grösser wer- ■ denden Namen unseres Theodor Fuchs, dass man ihn stets dann unvorhergesehen und schnell ruft, wen irgend ein weltberühmter Kollege plötzlich ausfällt. Fuchs erfreut sich in unserem Mui sikleben eines soliden Na- ' mens, er hat den Ruf nicht ■ nur des guten Musikers, sondern auch des gediegenen Könners, und der schlagende Beweis für seine : Kuns^ ist der, dass wir ihm bei vier völlig verschiedenen Anlässen kürzlich auf I | im Kostüm der Zeit, war sie wirklich ganz grosse Dame,; überlegen und stets auf der ' Höhe der Situation. Dabei; mit warm menschlichem j Ton sprechend, mitunter : leicht parodistisch, manchi mal etwas mütterlich, aber j stets frauFch bis in die Fin- I gerspitzen. Eine sehenswerj te Leistung. j Emely Schiller, die eine j bezaubernde ..Ingeborg“ ge- ' spielt hatte, kam diesmal j ganz anders. Als leichtlebige ' Frau aus dem Volke wiri beite sie singend und tan- | zend temperamentvoll durch | das Stück und gewann alle! Herzen, das ihres Boubou, | das Napoleons und die der; Zuschauer. Wolf Schlamminger war : schon wieder die „undank- | bare“ Rolle beschieden.! Trotzdem war er allen ein! völlig gleichwertiger Part- I ner, der den ihm, seinen 1 Kollegen und dem lustigen : Werke gespendeten reichlichen Beifall vollauf verdiente. Dr. Karl Kost Jüdisches Lehrhaus Die naechsten Kurse finden statt, am MONTAG, DEN 13. AUGUST, UM 20 UHR 30 IM GEMEINDEHAUS (RAMER 2060 1. Kurs: BIEELKUNDE: Dr. Meir Rosenberg DAS BÜCH YIRMEYAHU (BEGINN 20 UHR 30 pktl.) Die Teilnehmer werden gebeten. VOR Beginn des Kurses zu kommen und eine Bibel mitzubringen. 2. Kurs: GEGENWARTSKUNDE: Dr. Swarsensky 7. ABEND: ZWISCHEN DEN WELTKRIEGEN (Die Katastrophe wird vorbereitet) (BEGINN 21 UHR 20) 3. HEBRAEISCHE KURSE: 1. Jahr: Montags: 18 Uhr 30 und Mittwochs: 19 Uhi* i 15 2. Jahr: Dienstags und Donnerstags: 17 Uhr 3. Jahr: Montags: 17 Uhr und Mittwochs: 17' Uhr 50 Der neue hebraeische Anfaengerkurs hat am Dienstag, den 17. Juli begonnen und wird DIENSTAGS und DONNERSTAGS von 18 bis 19 Uhr 30 statffinden. Alle Kurse finden in der Cramer 2060 stati ebensoviel Podien begegneten. Das 4. Abonnements-Konzert der ..Amigos de ]a Müsica” sah nicht nur Johanna Martzj. die in Ungarn geborene und in der Schweiz ansässige VioLnistin vor sondern auch Felix Prohaska als Dirigenten, der im letzten Augenblick seine Südamerika - Tournee absagen musste. Man rief Theodor Fuchs, der in den ganz wenigen ihm noch zur Verfügung stehenden Proben ein grossartiges Konzert „aus den Noten stampfie“, das mit der Blechbläser-Oktett- Sonate „piano e forte“ des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli (um 1600) begann, der die ,Sonata de torre“ von Johann Christoph Fezel riein halbes Jahrhundert später) folgte, ursprünglich ebenfalls für Blech gesetzt und vom Dirigenten als Erweiterung auf Holzbläser bearbeitet. Wie Fuchs schon vor Jahren auf demselben Konzertpodium bewies, gilt sein besonderes Verständnis den „Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart“, opus 132 von Max Reger. In analytisch - transparenter Form wusste er dem Auditorium die Schönheit des aus einem Thema von Mozarts a-dur Klaviersonate entstandenen monumentalen Opus nahezubringen, und die Schluss-Doppelfuge — eigentlich eine vierfache — gelang ihm mit dem klangschön spielenden, leider ein wenig zu dünn besetzten Orchester der Geselschaft ganz aussergewöhnlich. Im Mittelpunkt stand das Violinkonzert opus 53 in amoll von Antonin Dvorak, dessen inniger, kraftvoller Kantilene die weltberühmte Geigerin Johanna Martzy vollauf gerecht wurde. Die grosse Kü .stierin, in aller Welt in der ersten Reihe stehend, war hier wenige Tage zuvor ungeschickterweise in einem völlig leeren Rezital vorgestellt worden in dem sie nichtsdestoweniger sofort zeigte, auf welch hohem Niveau sich ihre Fähigkeiten bewegen, und der zündende Funke sprang bei dem wundervollen Dvorak- Werk sofort auf das Publikum über und riss es mit sich fort. Bei analoger Gelegenheit finden wir Fuchs als Dirigenten des Nationalen Rundfunkorchesters in der Rechtsfakultät, wohin man ihn direkt aus einer Probe mit den „Juventudes Musicales de la Argentina“ gerufen hatte, und dieses Beethoven- Festival (Leonore Nr. 3, opus 72a. 1. Symphonie c-dur opus.21 und die „Fünfte“ in c-moll, -opus 67) fand lediglich mit einer einzigen Probe statt, die alle anderen zu ersetzen hatte, denn Georges Pretre war plötzlich krank geworden. Fuchs schüttelte trotz naturgemässer Improvisation — man merkte sie überhaupt nicht Teatro Solei! i CORRIENTES 3150 » T. E. 86-2307 ■ PREMIERE ' 5 Sonnabend um 22 Uhr £ " Sonntag 18 und 22 Uhr t Gastspiel Herman | Jablokoff i in dem musikalischen “ Lustspiel i E „MEIN SOHN UNO | ICH“ l m ■ Musikalische Leitung: j» Kapellmeister 5 5 HERRMANN LUDWIG - Lilianette in der AC1BA So anmutig und graziös, wie sie ihren Narrten Lilianette komponiert hat, so charmant und „bechaint“ ist diese grosse Künstlerin. Nun bedeutet „Chain“ wohl all das: Anmut, Grazie, Charme, umfasst aber.mehr: Verstand, Begabung, die einem geschenkt, Gnade, die einem verliehen worden ,st. Wie Lilianette in jahrelanger Arbeit ihre Begabung entwickelt, was sie strebsam aus dieser Gnade geschaffen hat, macht die einzigartige Könnerin aus, die wir immer gern Wiedersehen. Die Diseusa Lilianette zählt heute, nicht nur in Südamerika. wo sie einmalig ist, zu den grossen Vertreterinnen ihre$ Fachs. Sie brachte diesmal in der 4CI- BA eine „Musikalische Illustrierte“, besser gesagt eine Eine-Frau-Revue. in der sie einen Sketch urd 13 Chansons zusammenfasste, und — ein vollendetes Konzert aus den Aermeln, und der jubelnde Beifall der aussergewöhnlich überfüllten Aula sprach Bände über sein Können, sein.: Beliebtheit und Qualität. Und „so zwischendurch“ leitete er das eben erwähnte Konzert der „Juventudes“ mit dem ,Orquesta de Cámara Juvenil“, von dessen jugendlichem Enthusiasmus, und dass es sein Fort- , bestehen hauptsächlich der ) aufopfernden Arbeit von j Fuchs verdankt, an dieser Stelle oft gesprochen wurde. Orchester und Solisten — Mario Benzencry, Abraham Rojze und Carlos Laredo (Violinen) und Nina Weil (Violincello) — waren dank der magistralen Führung in bester Form. ■Während dieser Sisyphas- Arbeit scheute sich Fuchs nietft, noch ein völlig neues Kammerorchester (von „LR 3 Radio Belgrano“) aus der Taufe zu heben, dessen allsonntäglicher Zyklus in der Aula der Medizinischen Fakultät absolviert ,.ird. In einer dieser in Anbetracht der soeben ersLerfolgten Gründung auf solider Grundlage stel^nden Matinees traten die Schwestern Sylvia und Estela Kers nbaum (Klavier) auf, die das reizende Mozart-Konzert es-dur KV 365 für zwei Pianos und Orchester sicher und ohne Lampenfieber meisterten. Bei allen diesen Gelegenheiten wurde nicht nur die Kunst von Theodor Fuchs, sondern auch seine wachsende Popularität offenbar, was der Kritiker mit besonderer Genugtuung berichten kann^ e-n deren dürftigen roten Faden sie in umfang- und geistreichen Conferencen weiter ausspann. Sie mixte aus klugen Bemerkungen, aktuellen Glossen und teilweise sogar neuen Witzen ein amüsantes Potpourri, das vom Publikum mit zufriedenem Schmunzeln, herzlichem Lachen und reichlichem Beifall aufgenommen wurde. Herrmann Ludwig war der anschmiegsame Begleiter, dessen unfehlbarem Ohr sich jeder Sänger beruhigt anvertraut. Er hat einige Chansons in Musik gesetzt unter bewusster, mitunter parodistischer Zuhilfenah- I me weltbekannter Melodien.! Wenn Lilianette sich umzog, | phantasierte er am Flügel. ¡Grossartig. Speziell das Pot- 1 pourri, in dem er mitten im! Takt von einem Walzer zum! anderen hinüberglitt, war ■ unnachahmlich. Mehr als 2 Stunden ohne Souffleur allein auf der Bühne zu stehen, dauernd zu singen und zu sprechen, schon rein physisch eine unerhörte Aufgabe, wird bewundernswert. wenn es mit solcher Meisterschaft und so amüsant wie von Lilianette getan wird. Da sage noch jemand, Frauen sollten nicht unaufhörlich soviel reden! O. O. . TEATRO MITRE CORRIENTES 5424 T. E. 54 9049 Täglich um 22 Uhr Sonntag 18 und 22 Uhr Gastspiel des berühmten Operetten-Stars SOFIA LERER mit dem israelischen Sänger INO TOPER in der musikalischen Komödie „OH IST DAS EINE SUSI“ 'Bearbeitet nach der Komödie „Arm wie eine Kirchenmaus) Regie: DAVID LICHT t- Deuffches Theater i» JUST SCHEU — ERNST NEBHUT „DER MANN MIT DEM ZYLINDER Musikalische Komödie in 3 Akten Rogie: MAX WAECHTER Musikalische Leitung: PAUL LUKAS Mitwirkende: Emely Schiller — Lilly Wiehert — Klaus Jaegel Wolf Schlamminger — Max Wächter WIEDERHOLUNGSVORSTELLUNGEN: FREITAG, DEN 10. AUGUST UM 19.30 UHR SONNTAG, DEN 12. AUGUST, UM 15.15 UHR „TEATRO ODEON", Esmeralda 367. TE. 45 3591 Kartenverkauf werktäglich (ausser Samstag) von 10—12 und 14—19 Uhr sowie an den Aufführungstagen an der Abendkasse. Vorverkauf für Nordstrecke: „Cucaré“, Av. Libertador General San Martin 15.335, Acassuso, T. E. 743-7663. Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Kalkulieren Sie Zugverspätungen und Parkschwierigkeiten ein! Nach Beginn der Vorstellung kann mit Rücksicht auf das übrige Publikum bis zur Beendigung des 1. Aufzuges kein Einlass mehr gewährt werden. 3

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