Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1970 (27.7.1962)
- Date
- 1962-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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AUF DER FAHRT NACH ISRAEL Ich kannte ihren Namen nicht. Ich werde sie wahrscheinlich niemals Wiedersehen. doch ich werde nie vergessen, wie ich in dem grossen Flugzeug neben ihr stand, als die Stimme des Piloten über den Lautsprecher ertönte: „Wir werden bald in Lydda landen“ Es war etwas, auf das dis Israelis wirklich stolz sein können. von HELEN BENJAMIN Wegs nach Israel hindurchgegangen war, um geheilt und erneuert 7 werden. SYMBOL ZERSTOERTEN LEBENS Ich traf sie zuerst in einem der Transitlager, die die Jewish Agency fiir Einwanderer nach Israel unterhält. Sie stand an der Schwelle der alten Baracke, eine magere Gestalt, mit ungekämmtem Haar und ausdruckslosen Augen. Ihre knochigen Hände umklammerten eine abgenutzte Tasche und ein unförmiges Paket, das mit Schnürenden ungeschickt zusammengebunden war. Es war etwas Unpersönliches an dieser aufrechten, schlechtgekleideten Frau, wie ein Symbol all des zerstörten Lebens, das durch diesen Ort auf dem Um sie herum hatte sich eine Gruppe von Einwanderern gebildet, die eifrig in einer mir unverständlichen Sprache diskutierten. Ein ordentlich gekleideter, höflicher Mann in den Vierzigern, der, wie sich heraus stellte. Ingenieur war, diente als Dolmetscher.Die Frau war am selben Vormittag mit einem Transport angekommen. Niemand wusste etwas über sie. und sie selbst schien nicht imstande zu sein, über sieh Rechenschaft zu geben. Aber zum zweiten Mal in wenigen Stunden versuchte sie, das Lager zu verlassen, und murmelte, dass sie in eine Strasse in einer weitentfernten Stadt gehen müsse, um ihren Sohn zu sehen. Sie verstand nicht, warum die andern versuchten, sie zurückzuhalten. Sie sagtees wäre gleich um die Ecke herum und sie könnte gut zu Fuss gehen. Dan. der kräftige junge Israeli, der das Lager leitet führte sie ruhig zum Speisesaal zurück. ,,Wir haben in den letzten Tagen eine ganze Anzahl solcher Menschen bekommen“, sagte er. „Ich glaube, sie sind da drüben froh, wenn sie sie los werden. Sie geben ihnen ihre Papiere und setzen sie in den Zug“. Und. wie einen nachträglichen Einfall, fügte er hinzu: „Wir sollten vielleicht dankbar dafür sein. Wenigstens werden sie in Israel anständige Pflege erhalten.“ Ich fragte ihn nicht was er mit ,.da drüben“ meinte, denn ich hatte schon gelernt, dass keinerlei Information über die Herkunft der Einwanderer gegeben werden durfte. DOKUMENTE-URKUNDEN CHRONIKEN-LILDER über die Geschichte des ehemaligen deutschen Judentums sammelt das LEO BAECK-INSTITUT -★- PUBLIKATIONEN DES I.EO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN W:ii* Book 17 I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN; BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen bei Herrn CURT WILK, Moreno 2256, und im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1. izq. (83/2613) - ' v. ..■L'Üt/:,' r Mvl ‘ Stärkere an den Rand ihrer Kräfte gebracht hatte. Wir werden es niemals erfahren. Wir wussten nur. dass sie da war. ein schiffbrüchiger Mensch in dem grossen Einwandererstrom der Alte und Junge, Gesunde und Kranke bringt. Glücklicherweise sind die Gesunden in der Mehrheit. Es war nicht möglich, ihre Personalien aufzunehmen. Dan schrieb nur eine Notiz auf die Liste, die ich nach Israel mitnehmen sollte: ..Sofortige Pflege erforderlich“. Dann sass ich mit ihr im Speisesaal bis es Zeit war, in den Autobus zu steigen. der uns zum Flugplatz brachte. SORGE UM DEN FREMDEN MENSCHEN Die Frau folgte Dan wie ein gehorsames Kind. Vielleicht glaubte sie, dass er ihr Sohn sei. Vielleicht hatte sie nie einen Sohn gehabt. Vielleicht war sie seit langem geistesgestört. Vielleicht war sie unter dem Druck zerbrochen, der Jüngere und EINZIGES LAND DER WELT Als mir meine Uhr sagte, dass bald das Signal: „Sicherheitsgürtel umschnallen” erscheinen würde, ging ich nach vorn, um mich von meinen Mitreisenden zu verabschieden. Ich stand neben der kranken Frau, als die Stimme des Piloten ankündigte, dass wir uns Israel näherten, dem einzigen Land der Welt, das bereit ist, geistesgestörte, alte Menschen aufzunehmen, ohne finanzielle Garantien, ohne Fragen zu stellen, ohne irgend etwas über sie zu wissen, als dass sie Juden sind, die eine Heimat brauchen. „Der Schatten Harry Goldens“, dachte ich. „Es wäre an der Zeit, dass jemand das Buch „Nur in Israel” schriebe.“ EbeschHesungen in Israel Tel Aviv. — Ein Drifte] der 5000 Eheschliessungen Israels wurden im vergangenen Jahre in Tel Aviv vollzogen. 690 Ehen. d. h. fast jede siebente Ehe wurden zwischen Aschkenasim und Sefardim geschlossen. Sportdtplome für jung« Afrikaner Tel Aviv. — Auf dem Wingate-Sportplatz von Natania erhielten 22 junge Afrikaner aus sieben Ländern ihre Diplome, in denen bezeugt wird, dass die Empfänger einen zehnmonatigen Kursus für körperliche Erziehung in Israel absolviert haben. LITERATUR Das Ende eine Den etwa sechzig Einwanderern wurden im vorderen Teil des Flugzeuges Plätze angewiesen. Ein älterer Mann mit freundlichen Augen hinter einer Hornbrille bot sich an, neben der Kranken zu sitzen. „Man kann nichts für sie tun“, sagte er, „aber als Arzt fühlt man die Verpflichtung, sich um die Menschen zu kümmern. Ausserdem verstehe ich ihre Sprache. Sie versteht wahrscheinlich nicht, was man ihr sagt, aber die vertrauten Laute werden ihr mehr Sicherheit geben“. Ich kehrte zu meinem Platz zurück und wunderte mich, dass Menschen, die selbst so viel durchgemacht hatten und die jetzt voller Ungewissheit über ihre Zukunft in einem fremden Land sein mussten, so rücksichtsvoll und besorgt um einen fremden, kranken Menschen sein konnten. Die Motoren begannen zu dröhnen, und wir fuhren ab. Von Zeit zu Zeit stand ich auf und ging zu den Einwanderern hinüber. Jedes Mal, wenn ich vorbeikam, streckte die Kranke die Hand aus und klammerte sich an meinem Arm oder Rock fest und versuchte, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als Antwort legte ich meine Hand auf ihre Schulter und sagte auf Hebräisch: „Keine Sorge, es wird alles gut werden“. Ich wusste, dass sie kein Hebräisch verstand, aber es schien das Passendste zu sein, was ich sagen konnte. Mit Bruno Waller ist in wahrstem Sinne ein Zeitalter ins Grab gesunken — er war der letzte grosse Zeuge eines Glaubens an das Gute und Schöne im Sinn der Humanität des 19. Jahrhunderts, das in seinem Scheiden noch eine grossartige Blüte mitteleuropäischer Kultur als sein Vermächtnis hinterlassen hat. Es war vielleicht eine Illusion denn schon ertönte der ferne Donner der zur Vernichtung ausholenden Mächte, bald darauf begann der Untergang; aber durch wenige Fäden sind wir noch mit jener Zeit verknüpf^ gewesen, ihre Botschaft war noch hörbar. Sie lebte, solange Bruno Walter lebte. In seiner Autobiographie erinnert Walter daran, dass Alfred Kerr das Kulturleben im Berlin der zwanziger Jahre als das „neue Perikleische Zeitalter“ bezeichnete. Was Theater- und Kunstbegeisterung betrifft, stimmt Walter diesem Urteil zu. Er war selbst ein berliner Kind, hier war er als Bruno .'alter Schlesinger am 15. September 1876 geboren, aber entscheiden* geformt wurde seine künstlerische Persönlichkeit in Wien, wohin ihn Gustav Mahler 1901 berufen hatte. Diese Zeit vor dem Ersten Weltkrieg begründete auch seine geheimnisvolle innere Beziehung zu Mahler, eine Art Jüngerschaft, der er sein ganzes Leben verhaftet blieb. Es kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, auch nur annähernd ein Bild von Bruno Walters Wirken als Dirigent und als Operndirektor zu geben. Diese Daten findet man in seinen fesselnd geschriebenen autobiographischen Schriften, die auch eine lebensvolle Schilderung der Fülle des geistigen und gesellschaftlichen Lebens jener Zeit geben, die dann durch die Schrecken der Nazi-Barbarei und des Zweiten Weltkrieges abgelöst wurden und Bruno Walter in einen Flüchtling verwandelten. (Bruno Walters autobiographische Schriften sind in deutscher Sprache bei S. Fischer, Frankfurt a. M., erschienen. Eine vorzügliche englische Uebersetzung von Paul Hamburger erschien unter dem Titel „Of Musie and Music-Making“ bei Faber & Faber. London 1961). Bruno Walter wird von der ganzen Welt als einer der grossen Juden dieser Zeit betrachtet. Es wäre interessant zu untersuchen, inwieweit diese ehrende Hervorhebung des Judentums erst eine Folge der Nazi- Aera ist. in der die Nazis das Wort Jude — im Sinne der Abstammung — als Schimpfwort benutzten, wodurch es automatisch in den Augen der Kulturwelt zu einem Ehrennamen wurde. In den zwanziger Jahren galt es als unhöüich, auf die jüdische Abstammung einer Person hinzuweisen, und dies bezog sich auf die zahlreichen jüdischen Künstler, Literaten und Musiker, die damals besonders in den grossen Hauptstädten wie Wien und Berlin eine führende Rolle spielten. Bruno Walter hat aus seiner jüdischen Abstammung nie ein Hehl gemacht. Er schildert in rührender Weise sein jüdisches Elternhaus in der Nähe des Alexanderplatzes, in dem „Friede, Güte und Anstand“ herrschten, und auch seine ersten Eindrnkke in dem reformierten Tempel in Berlin, dessen feierliche Orgelmusik auf "«ein kindliches Gemüt wirkte. Am eindrucksvollsten war für ihn der Sederabend, bei dem er selbst auch Ma‘nisehtane gefragt hat. Die Melodien der Sedergesänge waren seine ersten musikalischen Eindrücke, zusammen mit den Opern-Arien. die sein Vater vor sich hin zu trällern pflegte, wie das so viele jüdische Väter jener Zeit getan haben. Ungeklärt bleibt aber in seiner Autobiographie sein künftiges Verhältnis zum Judentum. Er spricht nicht darüber, aber es ist bekannt, dass er in ähnlicher von ROBERT WELTSCH Gustav *8dgt>d bl ski êeBC' “ i^i e¡B fliM?ÀnstellUng a ¿trachteten » * tiS Dies «^de'ii auf« ne: Kiflsen :: Zeit in c. des jüdisch* getms als eine tmesiose Formaiiti iueien. Als veltbii gesenter der Runs geheuer Mensch, (iil sieh über kirchlich < ne Religion erhaben Brno Walter eithis von den sehn neten Kämpfen 1 nuebt tu haben, dk iim nahestehende Gustav eifassten: dessen Teligi°s,e ihs’immer wieder Die BARMIZWAH meines Sohnes MARTIN PABLO findet s. G. w. am Samstag, den 4. August, um 9 Uhr in der Leo Baeck-Synagoge, Vidal 2049, statt. RUTH BRANDT geb. GÜNTZBURGER tboischea Erlosun; trieb und ihn trotze zveiiein liess, ode Sehönberg. der zwa: re nach Mahler ein se Bekehrung zum tut erlebte. Viellei das daran, dass Br ter. wie er selbst sä mssikalisch sehö Begabung in sich fi das ihm alles , fiel". Es ist nicht ob Mer nach den t enden Erlebnis Zti Konsequenzen ad seine formell« rigkeit zum Juden g® hat. Dies ist laant, denn unte gffltömlichen Var der post-Xazi-Aaer sonders in Xordai nicht leicht zu e welcher Heise sic ehe Stellungnahm hätte ausdrücken Manchmal sehe ob Walter sich ei tigen Versagens b wesen wäre, g Kriegsbeginn gelai nach Xordamerik kommen, wo er na r-«r grossen Zahl Emigranten begeg er aus Eropa kar unter war auch Habermann, den 1 der: wegen’ seine J}t der Organis: Palästina - Orches wü er neben seit Mschen Wirken g® Wort und Verhalten jm wie öffentü ««d getan hat, wo demokratische in Gefühl der 1 Ortung für das IV heu Empfang: Sonntag, den 5. August, von 17- Confiterfa Danubio, Pampa 2447. verpflichtet -20 Uhr, ^»Walter fa. STATT KARTEN Dr. RÜBEN J. CUCCHI SUSANA E. SOMMER de CUCCHI VERMAEHLTE Empfang: Samstag, 11. August 1962, 17—19 Uhr Warnas 4112 (Hoehe Parana 3300) Olivos Wir gratulieren unseren lieben Eltern HEINRICH HOEFLICH und THEKLA geb. WINTER herzlichst zu ihrer GOLDENEN HOCHZEIT BERT LEVI und ILSE, geb. HOEFLICH, EGON BROSTO und MARGOT, geb. HOEFLICH Empfang nach dem Gottesdienst Caseros 1450, Florida Roca 829 LtMci 28. Juli 1962