Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1967 (6.7.1962)
- Date
- 1962-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
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Talmudstaette Erreicht man endlich den Gipfel des Karmels nach einer mühsamen Klettorpartie die zerklüfteten Felswände und die schwindelerregenden Abhänge seiner Ostsrite entlang. dann erblickt man hart an einer scharfen Wendung eine imposante Tafel mit der hebräischen Inschrift: Ramat-Wiznitz. die das erreichte Ziel verkündet. Darunter ist eine zweite Tafel ■welche kurz aufzählt, was es in Ramat Wiznitz zu sehen gibt: — Talmudhochschule und Internat ,,Iachel Israel“ (Hoffe. Israel!). — Talmudschuls ..Sichron Menaehem“ (Erinnerung an Menachem). — Synagoge ..M'kor Baruch“ (Quelle des Segens). — ,,Mischkan Israel“ (Genossenschaft ssiedlung). Und man sieht sich plötzlich inmitten eines malerischen Panoramas, wie es die Schweiz nicht majestätischer bieten kann. Im Westen. tief unten, umspült das Meer die steilen Felswände; im Norden erstreckt sich in gewagten Zickzacklinien das junge Karmelviertel N'wei Sc-haanan; im Osten ragen die kalten Felszacken des historischen Berges, zu welchen sich schmale Treppen hinaufwinden; westwärts führt eine kühne, asphaltierte Chaussee in halsbrecherischen Serpentinen hinunter ins Herz des modernen Haifa, des Handels- und Touristen-Zentrums am Hadar Hakarme] um die brausende Herzlstrasse herum. Der schaubegierige Wanderer, der den anstrengen- Aufstieg nicht gesch3ut hat. atmet erleichtert auf und rastet eine Weile vor der Tafel. Bevor er die weitere Wanderung durch die merkwürdige Siedlung antritt. möchte er vor allem die Frage beantwortet wissen, warum gerade ein so schwer zugänglicher, wild romantischer Bergrücken zum Sitz für die Siedlung und ihre Anstalten auserkoren wurde. Auf diese Frage wird ihm später der Rektor der Talmud - Hochschule, Rabbiner Naftali Adler, die aufklärende Antwort erteilen. Eben darum —, wird der Rabbi antworten, — weil es hier so weltfern und aßgeschieden ist, hat der ehrdiirdige Rabbiner Baruc-h Hager (ein Sohn des weltbekannten Wiznitzer Rebben s.A.) bald nach seiner Ankunft in Israel in den ersten Nachkriegsjahren beschlossen. diese Einöde in eine Stätte der alten Lehre und des religiösen Wissens zu verwandeln. Die jungen Schüler, die sich dem Studium der Thora, des Talmud und der rabbinischen Literatur widmen sollen, dürfen nicht vom Getriebe und Lärm der Grosstadt abgelenkt und von ihren oft verderblichen Reizen auf Irrwege gelockt werden.Hier sagte sich der energische und zielbewusste Gelehrte, soll in die massigen Felswände eine Strasse gemeisselt werden und auf dem Rücken des stolzen Berges, hoch oben in Wolkennähe, sollen die Bauten entstehen, wo die alte Lehre zu neuem Leben erwachen wird. Und der Rabbi setzte seinen Willen durch. Er gewann für seinen kühnen Plan eine Reihe von Gönnern im In- und Ausland, nicht gerade Magnaten mit vollgestopften Geldsäcken aber Menschen mit Herz und Sinn für geistige Werte, die freiwillig gaben und wieder gaben, mehr als sie konnten, damit das Werk gelinge. Das Werk gelang. Am 3. Tamus des Jahres 5714 (1954) legte Rabbi Baruch Hager mit eigenen Händen den Grundstein zum ersten und imposantesten Bauwerk der Siedlung, dem prachtvollen, vierstöckigen Monumentalbau der die Talmudhochschule, das Internat mit den Küchenanlagen und Speisesälen, sowie die im gothischen Stil gehaltene, geräumige und originell ausgestattete Synagoge beherbergen sollte. Und schon nach ungefähr einem Jahr konnte die Stätte traditioneller Gelehrsamkeit ihre Tore „OLAMENU TEL AVIV POB 3002 -! ♦ ISRAEL $ NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES \ ♦ Prof. Dr. H. Sternberg: ♦ Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Prof. Kamilo Landmann: Israel und die Juden der Welt SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG; Kart. 3 — < Kart. 2—! GESCHICHTE DER JUDEN : IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD Gewidmet dem Andenken von Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der? Geschichte der Wiener Juden. J ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: $ VOR Erscheinen.S 15- Nach Erscheinen. $ 20.— Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv, P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind in U$A-Dollar angegeben. Karmel - Gipfel den wissensdurstigen Schülern aus aller Herren Ländern weit öffnen. Weitere moderne Blockhäuser folgten in den nächsten Jahren im rapiden, israelischen Tempo; sie dienen als Wohnstätten für die Mitglieder der Genossenschaft thoratreuer Juden ..Mischkan Israel“. Der ganze Komplex erhielt den wohlklingenden Namen „Ramat Wiznitz“ zur Erinnerung an die ehemalige Heimatstadt am wilden Czeremusch in den Bukowiner Karpathen, dem Stammsitz der berühmten Rabbinerd.vnastie. Die Talmudhochschule wurde „Jachel Israel” genannt, zur Verewigung des Wiznitzer Rebben weiland Israel Hager, der in Bne Brak seine letzte Ruhestätte fand. Die Siedlung befindet sieh in einer Phase steten Aufschwungs. Dank der bereitwilligen Hilfe des Bürgermeisters von Haifa. Aba Chuschi, und des Knessetmitglieds Jakob Katz, wurde in den letzten Monaten ein weiterer vierstöckiger Monumentalbau auf einem Felsvorsprung, der die Anhöhe überragt, im modern sten Stil errichtet. Dort werden die Hörsäl-e für die Kurse weltlicher Wissenschaften Platz finden. Die Eröffnung des palastartigen Prachtbaus steht knapp bevor. Der Bau einer Reibe mehrstöckiger Blockhäuser für Neuansiedler ist für die nächsten zwei Jahre vorgesehen. Tritt man in die gepflegten Alleen der Siedlung, dann glaubt man sich in ein exotisches Zauberland aus ferner Vergangenheit versetzt. Ueberall wimmelt es von Schülern der Lehranstalten, in der traditionellen, altjüdischen Tracht, Gestalten wie aus alten Holzschnitten emporgestiegen, mit gekräuselten Schläfenloeken und Bartflaum in schwarz, braun und rot, alle in schwarzen Gewändern, mit wallendem Kafian und mit schmucken Käppchen auf den Köpfen. So sind sie alle, von den jüngsten der Jungen, die sechs Lenze zählen, bis zu den „alten Semestern“ — Hörer der obersten Klassen, die schon knapp vor dem Studiumsabschluss stehen und in Kürze ihre auf Pergament in stilisierten Buchstaben gemalten Rabbiner- oder Schächtcrdiplome feierlich erhalten werden. Nicht weniger als 176 Schüler beherbergt diese Stätte der alten Lehre, davon 141 in den unteren Klassen, der Talmud Thora, und 35 in der eigentlichen Talmudhochschule, der Vorstufe für die Erreichung der Diplome. Nach Herkunftsländern setzen sich die Schüler wie folgt zusammen: Israel 44; Oesterreich 3; Bukowina 21; Ungarn 46; Polen 3; Czechoslowakei 5; Altrumänien 51: Italien 3. Die Schüler sind kostenlos im Internat untergebracht, in geräumigen, mit allem Komfort ausgestatteten vierbettigen Zimmern. Die volle Verpflegung ist gleichfalls unentgeltlich. Die mit mechanisierten Apparaten ausgestatteten Küchenanlagen beschäftigen ein neunköpfiges Personal und es gibt dort reichlich Arbeit. Gilt es doch, viermal täglich eine nähr- und schmackhafte Mahlzeit für mehr als 200 Menschen — Schüler. Lehrer, Dienstpersonal — herzustellen und in den geräumigen. geschmackvoll eingerichteten Speisesälen zu servieren. In zehn Lehrsälen erklingen vom frühen Morgen bis zur Mittagspause die eigenartigen, traditionellen, in Moll gehaltenen Klänge des Thoralernens und 176 junge Menschen vertiefen sich, nach Leitung von geübten Schriftgelehrten, in die Mysterien und verzwickten Probleme der alten Schrift Im Ramat Wiznitz werden aber nicht etwa weltfremde Asketen herangebildet, die auf fernen Planeten dahinwandeln und für die Probleme der Wirklichkeit kein Interesse bekunden. Im Gegenteil. Die Nachmittagsslunden sind dem Studium profaner Wissensfächer gewidmet. Volks- und Mittelschullehrer aus Haifa unterweisen die Talmudjünger in allen Gegenständen des Elementarunterrichts, wobei der Stoff der unteren acht Klassen durchgearbeitet wird. Nach Jahresabschluss werden regelrechte Zeugnisse über das betreffende Studienjahr ausgefolgt. Ueberdies gibt es dreijährige Buchhaltungs- und Beamten-Kurse für Absolventen des achtjährigen Elementarunterrichts. Derzeit sind diese Kurse von 21 Schülern besucht. Es besteht auch der Plan, eine Abteilung zur Ausbildung von Graphikern (Buchdruckern, Litographen, Gra veure, Zeichner) mit gediegener, religiöser Vorbildung zu errichten, die in der graphischen, der religiösen Literatur gewidmeten Industrie Verwendung finden sollen. Es besteht eine starke Nachfrage nach solchen Kräften. Leider haben die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem Pariser ,.ORT“ bis jetzt noch kein Resultat gezeitigt. — Alles recht schön —. frage ich den Rektor de: Anstalt, Rabbiner N. Adler — aber wie steht's mit je ner gewissen Kleinigkeit die den verhängnisvolle) Namen „Budget“ trägt? . . Das abgeklärte, durchgei stigte Gesicht des Gelehr ten verdüstert sich für ein» Weile, hellt sich aber rascl 10. LUACH — (KALENDER) Freitag, den 6. Juli 4. Tamus Sonnabend, den 7. Juli 5. Tamus Parschat KORACH 4. B. M. XVI 1 — XVIII 32 Haftara I Schmuei XI 14 — XII 22 Sonntag, den 8. Juli Montag, den 9. Juli Dienstag, den 10. Juli Mittwoch, den 11. Juli Donnerstag, den 12. Juli Freitag, den 13. Juli Sonnabend, den 14. Juli Parschat CHUKAT-BALAK 4. B. M. XIX s Haftara Micha V 6 — VI 8 Sonntag, den 15. Juli Montag, den 16. Juli Dienstag, den 17. Juli Mittwoch, den 18. Juli Donnerstag, den 19. Juli Fasten SCHIWA ASSAR Freitag, den 20. Juli Sonnabend, den 21. Juli Parschat PINCHAS 4. B. M. Haftara Yirmiyahu II — II 3 Sonntag, den 22. Juli 20- Tamus Todestag von Theodor Herz] 1904—5664 Montag, den 23. Juli 21. Tamus 6. Tamus 7. Tamus 8. Tamus 9. Tamus Tamus 11. Tamus 12. Tamus 1 — XV 9 13. Tamus 14. Tamus 15. Tamus 16. Tamus 17. Tamus BETAMUS 18. Tamus 19. Tamus XV 10 XXX 1 LITERATUR * Wissenschaft des J Die Wissenschaft des Judentums war zu Anf-ng des vorigen Jahrhunderts an die Seite der ausschliesslich rabbinischen Gelehrsamkeit getreten und sah ihre wesentliche Aufgabe darin, alle Zweige der jüdischen Literatur, alle Entwicklungsphasen der jüdischen Religion und alle Epochen der jüdischen Geschichte zu erforschen. Diese Wissenschaftsform wurde durch Gelehrte wie Leopold Zunz, Abraham Geiger, Zacharias Frankel, Heinrich Graetz, Moritz Steinschneider, Nachman Krochmal, Juda Rapoport, S. D. Luzzato u. a. geprägt. Und dann, beginnend etwa mit den 50er Jahren, entstanden Lehranstalten, Hochschulen, Rabbinerseminare zur Pflege und Lehre der Wissenschaft des Judentums, die, ihrem Ziel, Ruf und Niveau nach, gleichsam an die Stelle von an den Universitäten fehlenden Fakultäten oder Lehrstühlen für jüdische Theologie traten: in Breslau, London, Paris, Berlin, Budapest, Cincinnati, Wien, New York Florenz und Philadelphia. Daneben gab es, um von Deutschland zu sprechen Bestrebungen zur Schaffung von Lehrstühlen für jüdische Geschichte und Literatur; diese Bemühungen führten aber erst 1924 zu dem Lehrauftrag für Religionsphilosophie, den Martin Buber an der Universität ron Dr. E. G. LO^E Frankfurt a. M. erhielt und, später, als Honoraprofessur bis 1933 innehatte. Heute, nach der Judenkatastrophe, ist namentlich unter den Christen in Deutschland, das Interesse ¿.n der Erforschung des Judentums, über die in den theologischen Fakultäten der Universitäten gelehrte Alttestamentswissenschaft hinausgehend, beträchtlich gestiegen, und es ist auch manches geschehen oder, zumindest, angebahnt, so an den Universitäten Berlin, Frankfurt a. M., München und Wien, um solchen Wünschen Rechnung zu tragen. Mit der Frage der Schaffung von „Lehrstühlen für die Wissenschaft vom Judentum“ beschäftigt sich der Philosophieprofessor an der Freien Universität Berlin, Dr. Michael Landmann, im Januarheft der „Deutschen Universitätszeitung“ (Verlag Die Deutsche Universitätszeitung, Frankfurt a. M.). Er begründet darin die Notwendigkeit, diese Wissenschaft zu betreiben, umreisst die Hauptaufgaben der Judaistik (jüdische Geschichte, hebräische Sprache und Literatur, jüdisches Schrifttum, der jüdische Beitrag zur Kultur der Umwelt, Spiegelungen des Judentums in anderen Völkern und Kulturen) und gedenkt sslich der wj« sie si 1850—1°4* Es verste Landina» . kleinen ‘ die deutsei nerhalb de: besonder :it der Gei ■hen Juden ird. „Es i! nschaft, di irer Eben» id von ein n von dei;mal di< Mähren, 137.00Í wakei und 103.0 , thorussland an; ad verschied grachen hatti auf. Und mit fester Stimme erklärt er: — Wir vertrauen auf Gott und auf die unerschöpfliche Energie unseres geistigen Führers, des greisen Rabbiners Baruch Hager, der jetzt wegen seiner angegriffenen Gesundheit — eine Folge der transnistrischen Lagerepoche — in Davos weilt, bald aber zurückkehren dürfte. Die Ausgaben der Anstalten sind horrend. Mehr als 90 % wird durch Mäzene aus allen Schichten beigestellt. Der geringfügige Rgst findet Deckung aus Subventionen einer Reihe öffentlicher Institutionen und Körper schäften, wie Unterrichtsministerium, Joint, Verband der Jeschiwot, Zentrum für soziale Fürsorge und Stadtverwaltung Haifa. Mit anderen Worten: Man lebt von der Hand in den Mund, aber wir verzagen nicht und hoffen vielmehr, die Anstalten beträchtlich zu erweitern. Vor Eröffnung des gegenwärtigen Studienjahres mussten 42 Kandidaten wegen Platzmangels zurückgewiesen werden. Soweit die von bewundernswertem Optimismus durchdrungenen Worte des Rektors. Wir verlassen den Empfangsraum und treten ins Freie, können uns aber schwer einen Weg bahnen zwischen den Scharen lärmender und fi d? trotz Kä Schlsfenlocken Inders als ai gebärdet, wen jwsum zu E man der Schult Alle stürmen gedeckten Spei ja besseren 1 ster oder in ei erhaschen und drale Mittagsr lieh zu geniess Der Besuch an, sagt m ''erlassen der lehre in Ra: -Auch hier wiri Beit geleistet, i Israel. Auch hi Brachland zu «weckt... Gab es in Hitler-De auch gute I Gab es Menschen, di« n„stan(j Zivilcourage? Gab tt Mensch menschen geholfen haben? Wer sind sie?W Wenn sie am Leben aber nicht mehr leben joii(en werden, denn sie haben Ehre der Deutschen Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse mit Menschen, ty u, fen haben. Wir bereiten eine große Dokumentär VERLAG AG, 8000 Mönchen 8, Lucile-Grahn-Str«e 37