Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1966 (29.6.1962)
- Date
- 1962-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 29 de Junio de 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. 196« — I NAZIFASCHISTEN VERGREIFEN SICH AN E Protest der jüdischen Bevoelkerung - Bisher Taeter nicht ergriffen - Argentinische Presse in Verurteilung dieser Tot einstimmig — Bedeutende Perscenlichkeiten gehen allgemeiner Abscheu Ausdruck - Würdige Antwort der DAIA - Telegramm an Praesident Dr, 3VL Guido Auf dem 42. Polizeirevier in Buenos Aires erstattete die 19jährige, unverheiratete Argentinierin Graciela Narcisa Sirota. Studentin der Exakten Wissenschaften, folgende Anzeige. Sie wohne in der Strasse Guardia Nacional 2105, und als sie einige Tage zuvor um 9 Uhr morgens an der Ecke Guardia Nacional und Junta auf ein Verkehrsmittel wartete, um in die Fakultät zu fahren, stiegen aus einem Automobil mehrere Individuen aus, von denen ihr einer einen Schlag auf den Kopf versetzte, so dass sie die Besinnung verlor. Als sie wieder zu sich kam, lag sie in einem ihr unbekannten Raum auf einem Tisch, und um sie herum standen die gleichen Individuen, die sie für Studenten hält und identifizieren zu können angibt. Zuerst stiessen diese Beleidigungen gegen die Juden aus und hielten Lobreden auf den Nazismus, dann zogen sie ihr den Sweater hoch und ritzten ihr mit einem Taschenmesser ein Hakenkreuz in die rechte Brust. Ausserdem brachten sie ihr mit einer brennenden Zigarette Brandwunden bei. Nachdem sie sie noch eine ganze Weile lang beschimpften. schlugen sie sie nochmals mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf, so dass sie erneut in Ohnmacht fiel. Als sie aufwachte, ohne Der Ueberfall auf eine jüdische Studentin, über den von der allgemeinen Presse ausführlich berichtet wurde, hat überall grosse Erregung hervorgerufen, zumal immer noch nicht die Täter gefunden werden konnten. Die lange Serie der antisemitischen Ausschreitungen in Argentinien, die auch ihr entsprechendes Echo im Ausland gefunden hat, war nur möglich, weil die verantwortlichen Stellen nicht mit dar notwendigen Energie eingegriffen haben. Innerhalb der jüdischen Bevölkerung herrscht grosse Unruhe. Die Juden Argentiniens sind nicht gewillt, sich einem Terror, auch nicht einem von den verantwortlichen Stellen geduldeten Terror zu beugen. Der Proteststreik zeigte deutlich ihre Entschlossenheit, den Kampf um ihr Recht aufzunehmen. Auch die allgemeine Verleumdungskampagne, mit der die angeblichen Verfehlungen einzelner Juden oder Personen, die man für Juden hält, der jüdischen Allgemeinheit zur Last gelegt werden sollen, ist nicht geeignet, die Juden einzuschüchtern oder zum Verzicht auf ihre Rechte zu veranlassen. Die verantwortliche jüdische Führung erwartet, dass die jüdische Gemeinscnaft geeint und würdig diese kritische Stunde und die sich aus ihr ergebenden Verpflichtungen auf sich nehmen wird. Der Kampf um unser Recht wird in dem Bewusstsein geführt, dass der von den Nazifaschisten 1 anzierte Angriff keineswegs nur den Juden, sondern allen demokratischen Kräften gilt. Die jüdische Bevölkerung erwartet, dass Recht und Menschenwürde über die Kräfte des Hasses, der Intoleranz und der Verhetzung schliesslich doch triumphieren werden. die inzwischen verflossene Zeit angeben zu können, befand sie sich in der Nähe der Station Primera Junta in Flores. Die Behörden des genannten Polizeireviers haben einen Akt angelegt und eine Untersuchung eröffnet, um dieses schwere Vergehen aufzuklären. ERKLAERUNG DER DAIA Die DAIA hat der Presse folgende Erklärung hierzu übersandt: „Mit gleichem Datum hat die DAIA an den Präsidenten Argentiniens, Dr. Jose M. Guido, ein Telegramm geschickt, dessen Text wir Ihnen mit der Bitte um Veröffentlichung zugehen lassen, da wir angesichts der Schwere des darin behandelten Vorkommnisses der Ansicht sind, dass dieses unverzüglich zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht werden muss. In ihrer Eigen schaft als repräsentative Körperschaft der jüdischen Gemeinschaft appelliert die DAIA an den Präsidenten der Republik und setzt ihn gleichzeitig von einem Geschehnis in Kenntnis, das wir nicht zögern, als entsetzlich zu bezeichnen. Eine 19jährige Studentin ist von einer Gruppe von Individuen entführt worden, die ihr mit einer Rasierklinge oder einem anderen scharfen Instrument in die rechte Brust ein Hakenkreuz eingeschnitten und ihr au- Kundgebungen des Abscheus Der brutale und feige Ueberfall, den neonazistische Elemente vor einigen Tagen auf eine jüdische Studentin verübten, hat in ausgedehnten Kreisen der öffentlichen Meinung Argentiniens die energischsten Proteste ausgelöst. Führende Persönlichkeiten des politischen Lebens haben sich einstimmig gegen den vandalischen Anschlag ausgesprochen, der Hitlerdeutschlands würdig wäre. Dr. Carlos AJrogu6 er klärte: „Selbstverständlich kann ich diesen Vorfall nur strengstens verurteilen. Man muss sich fragen, warum es beute noch derart irregeleitete Menschen gibt, die in diesen Antisemitismus verfallen, welcher durch Geschehnisse von dem Ausmass, wie sie sich im Zweiten Weltkrieg ereigneten, aus der Welt verschwunden schien. Was vorgefallen ist, ist bedauerlich, bedauerlich als Ausdruck des Totalitarismus. Und ich glaube, man muss energische Gegenmassnahmen ergreifen.“ Silvano Santander äusserte: ,Das gegen die Studentin Sirota verübte Attentat hat mich zutiefst empört, und ich schäme mich als Argentinier. Ich sah voraus, dass nach der Hinrichtung Eichmanns diese Attentate zunehmen würden, denn die argentinischen Nazis stehen im Einvernehmen mit dem alten deutschen Nazismus.“ Comodoro Giiiraldes äusserte sich wie folgt: „Diese Akte des Barbarentums und der Sektiererei beleidigen das argentinische Empfinden. und auch nichts kann dem christlichen Geist ferner liegen. Andererseits entbehrt dieser Anschlag des Zusammenhangs mit dem traditionellen Mannesmut der Argentinier, denen es genügt, wenn sie anderer Meinung sind oder eine andere Ansicht bekunden wollen, dies offen zu tun. Ich ziehe vor zu glauben, dass dieses verwerfliche Vorgehen geistig irregeführten Individuen zugeschrieben werden muss.“ Rodolfo Martinez sagte: „Meiner Meinung versetzt dieses vandalische Attentat nicht nur die Familie sondern das Gewissen der Bürger des Landes in Trauer, denn in ihm hat sich die Ideologie des Hasses gegen ein junges Mädchen gekehrt. Dies ist ein jenseits des Menschlichen liegender Impuls.“ Acuna Anzorena erklärte: „So wie ich stets den Standpunkt vertreten habe, dass dem Kampf der Ideen die grösste Freiheit eingeräumt werden muss, so bin ich der Ansicht, dass mit der äussersten Strenge vorgegangen werden muss, wenn der Versuch unternommen wird, eine Ideologie mit Gewalt durchzusetzsn. Wenn dieses gewaltsame Vorgehen im weiteren bedeutet dass die elementarsten Prinzipien der Menschenwürde verleugnet werden, so verdient es die einstimmige Verurteilung durch alle jene, die an den Menschen, an ein Zusammenleben und an die Freiheit glauben.“ Juan Antonio Solari gab folgende Erklärung ab: „Vor einem so ungeheuerlichen Vergehen ist jeder Protest überflüssig. Wir haben hier eine totalitäre Organisation — gleich welcher Art oder welcher besonderen Ideologie —, die mit wachsender Verwegenheit verbrecherische Taten begeht und mit jedem Tag eine grössere Gefahr darstellt. Ihre Verbrechen nehmen in dem Maas der Straflosigkeit zu, deren sie sich bisher erfreut hat. Das Attentat gegen eine junge Studentin, das anderen kiirzüchen Anschlägen folgt, ohne die Vorfälle in der Rechtsfakultät zu vergessen, kann und darf nicht nur den natürlichen Abscheu und den energischen Protest eines jeden normalen Menschen erregen, sondern es verlangt eine sofortige exemplarische Bestrafung durch die Behörden. Worauf wartet man? Dass sich die Herde der Anstekkung und des Verbrechertums ausbreiten und die Urheber weiter ihre Attentate durchführen und das schon gefallene Prestige des Landes vor der zivilisierten Welt weiter herabwürdigen? Die Polizei hat ohne Zweifel die Mittel zur Untersuchung in ihrer Macht, um die Verbrecher ausfindig zu machen, und dies umso mehr, als bekannt ist, dass nicht wenige von ihnen in Universitätskreisen ihr Unwesen treiben.“ Armando March äusserte: „Aus Temperament und Ueberzeugung bin ich ein Gegner der Rassenlehre und daher verurteile ich dieses Attentat aufs energischste. Doch ferner bedauere ich, dass man sich an schutzlosen Menschen vergreift. Angesichts der Wiederholung ähnlicher Vorfälle ist es not wendig, die energischsten Massnahmen zu verfügen, bevor die Bürger des Landes aus eigenen Mitteln zu anderen Massnahmen greifen.“ ERKLAERUNG DES PRAESIDENTEN Das Pressesekretariat der Präsidentschaft Argentiniens gab folgendes Communiqué bekannt: ,,In Kenntnis des barbarischen Attentats, dessen Opfer die junge Studentin, Fräulein Graciela Narcisa Sirota wurde, gibt die Regierung ihrem energischen Abscheu vor dieser Tat Ausdruck, die der argentinischen Tradition zuwiderläuft. Sie bekundet ihren Entschluss, mit aller Strenge des Gesetzes Manifestationen dieser Art zu unterdrücken, die die soziale Struktur des Volkes schwer schädigen.“ sser diesem blutigen Mal mit Zigaretten sieben Brandwunden verursacht haben, wie die untersuchenden Aerzte feststellen konnten. Als das junge Mädchen am Donnerstag, den 21. Juni, ihr Haus verliess, bemerkte sie, dass ihr eine graue „Estanciera“ folgte, in der drei junge Leute sassen. Als sie diese ansah, erinnerte sie sich, sie bei antisemitischen Provokationen in der Medi zinischen Fakultät bemerkt zu haben, weshalb sie es vorzog, in ihre Wohnung zurückzukehren, von der sie sich drei Strassen weit entfernt hatte. Als sie umkehrte, fühlte sie, dass sie einen Schlag auf den Kopf erhielt, worauf sie das Bewusstsein verlor. Als sie ihre Sinne wiedererlangte, befand sie sich in einem unbekannten Raum Um sie herum standen die drei Jugendlichen, die ihr ein Mal in die Brust brannten. Sie konnte nur höien, dass ihre Entführer sagtert, dies sei eine Rache an den Juden, denn infolge des Schmerzes schwanden ihr erneut ihre Sinne. Es war ungefähr zwei Uhr, als sie wieder zu sich kam und erkennen konnte, nachdem sie aus ihrer Betäubung erwachte, dass sie sich in der Nähe von Primera Junta befand. Ihre Lehrbücher lagen neben ihr. Am gleichen Abend erstattete der Vater des Mädchens auf dem 42. Polizeirevier Anzeige. Diese wurde jedoch erst 2 Tage später endgültig zugelassen, nachdem am Sonnabend, den 23., der Polizeiarzt des 38. Reviers das Vorhandensein von Wunden festgestellt hatte. Hierauf wurde der Polizeiakt eröffnet. Dies ist in schlichten Worten die Darstellung dieses unerhörten Ueberfalles.“ DAS TELEGRAMM AN DEN PRAESIDENTEN Der Wortlaut des Telegrammes, das die DAIA an den Präsidenten Dr. Guido richtete, ist folgender: „Wir gestatten uns, Eurer Exzellenz anzuzeigen, dass drei Individuen am Donnerstag, den 21.. an der Ecke Guardia Nacional und Junta ein jüdisches Mädchen entführten, ihr Brandwunden beibrachten und mit einem scharfen Instrument ein Hakenkreuz einschnitten. Diese Tat unerhörten Barbarentums setzt eine Reihe früherer, unbestraft gebliebener Attentate fort.“ DELEGACION DE ASOCIACIONES ISRAELITAS ARGENTINAS (D.A.i.A.) PASTEUR 633 — T. E. 47-9442 A LA OPINION PUBLICA ARGENTINA El inaudito atentado contra la joven estudiante judía lleva al paroxismo el clima de violencia promovido por el terrorismo nazi. Pocos días antes en la Facultad de Derecho caía asesinada una joven cristiana. Argentinas las dos, muerta una. torturada la otra, su destino simboliza al del país todo al que se pretende dividir y desgarrar. La experiencia más cruel de la historia, que costó a la humanidad la segunda guerra mundial, no deja dudas de que el odio y la intolerancia, son las avanzadas del crimen, así como el antisemitismo es el anuncio cierto de que los derechos humanos peligran para la totalidad de la ciudadanía. Con exacto criterio ha calificado el Poder Ejecutivo de “atentado contra el cuerpo social“ a este episodio tremendo. La conciencia se subleva y la razón se desconcierta frente a hechos de esta índole. Pero en tanto, sus ejecutores, así como sus instigadores, siguen libres, creando las condiciones para los peores excesos. La colectividad judía no ha perdido la serenidad frente a la serie de agresiones que han. venido sufriendo sus instituciones, religiosas o educativas, algunos de sus diarios, así como locales frecuentados por sus miembros. El inconcebible secuestro y agresión contra una joven studiante colma la medida y señala el fin de todas las garantías, lo que afecta sin distinciones a todo el pueblo argentino. . ^a sensibilidad popular se ha manifestado dolorosamente herida en esta circunstancia, y el país todo se siente igualmente lastimado por esta ofensa a la dignidad humana, reaccionando solidariamente. El comentario generalizado en la opinión pública refleja la sorpresa y la alarma por la impunidad de que hasta ahora han gozado los responsables e instigadores de estos hechos, ya que en ninguno de los atentados se ha identificado a sus autores. Frente a esta circunstancia que no hace sino agravar el panorama existente, la colectividad judía, sin recogei las provocaciones manifiestas que los hechos gravísimos comportan, está sin embargo dispuesta a defender sus derechos y su efectiva unión con el resto de la comunidad, de la que es parte indivisible. Entiende que las agresiones de que es objeto, además de configurar delitos que deben reprimirse, constituyen un desafío al país todo, una burla a su historia, a sus ideales, a la vocación libre y democrática de todo su pueblo. Por esas razones, la colectividad judía ha resuelto el cese de actividades y el cierre del comercio para el día hoy, jueves 28 de junio, desde las 14, en el cual se invita a .participar sin distinciones de ninguna índole a todos aquellos que deseen asociarse a esta expresión de protesta, que tiene el significado de una acción de apoyo a la plena vigencia de las garantías constitucionales que las bandas armadas vuelven irrisorias. Es unánime convicción de la opinión pública que la resuelta voluntad de las autoridades a dar fin a estas actividades. desbarataría rápidamente a las organizaciones terroristas cuyo ensañamiento es proporcional a sus inmunidad. El Poder Ejecutivo ha respondido ciertamente sin dilación al requerimiento que se le formulara, pero es evidente que la extrema gravedad de las circunstancias no puede resolverse sólo con declaraciones, y así lo ratifica el reiterado intento de distorcionar en comunicados radiales la magnitud del hecho indignan.e, que a través de versiones de incierto origen se pretende disminuir en su gravedad. Ello obliga a todos los que sienten el imperativo de una militancia democrática a intensificar una acción categórica, hasta una real y efecnva proscripción de los elementos antisociales cuya peligrosidad es para todos evidente. Dr. Abraham Gorbatt - secretario (C. I. 3091458) Dr. Isaac Goldenberg - presidente (C. I. 1056213)