Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1965 (22.6.1962)
- Date
- 1962-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Viernes, 22 de Junio de 1362 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. No. 3365 Joachim Prinz 60 Jahre „Dialog“ in Jerusalem von Di. MAX NUSSBAUM Es ist schwierig, sieh Joachim Prinz als einen 60jährigen vorzusteilen — denn es ist unmöglich sich ihn als ,.nicht mehr jung“ vorzustellen. Erfreulicherweise braucht man das auch nicht zu tun — denn Prinz ist innerlich jung geblieben und wird weiterhin jung sein, zumal er jugendliches Temperament in reinster Form besitzt. Der Mann, dem heute unser Gruss gilt, ist seit jeher in der Geschichte unserer Generation ein bemerkenswertes Phänomen gewesen — und ich benutze diese Bezeichnung mit voller Absicht. Es hat andere Rabbiner mit grossen Qualitäten gegeben — ganz ähnlich den seinen — und viele von ihnen sind durchaus erfolgreich gewesen. Aber keiner seiner Kollegen kann in Eezug auf Ansehen, das wie von einer Aura von etwas ganz Besonderem. Einzigartigem umgeben zu sein scheint, auch nur annähernd mit ihm verglichen werden. Was ist das Geheimnis von Prinz’ ausserordentlichem Werdegang? Ich glaube, es liegt in der Kombination der seltenen Bestandteile seiner schillernden Persönlichkeit: er begann seine rabbinische Laufbahn in Berlin 1925 und war vom ersten Augenblick an eine Attraktion. Er war jung und gut aussehend, sinnvoll, mutig und .ein brillanter Redner. Er war der erste Rabbiner in Deutschland, der falsche Frömmelei von der Kanzel fernhielt, der eine Sprache sprach, die seine Gemeinde verstand, und der Probleme berührte, die seinen Zuhörern nahegingen. Wenn ich auf diese Zeiten zurückblicke — ich kam nach Berlin während der letzten zwei Jahre seines Rabbinats in Deutschland und bevor er von der Gestapo vertrieben wurde — so ist es mir heute klarer als während meiner europäischen Zeit, da3 Prinz der erste europäische Rabbiner war. der von einer Kanzel des alten Kontinents nach amerikanischer Art predigte — Predigten aktuell in ihrem Inhalt, oft politisch in ihrer Art, immer volkstümlich im Stil, in denen Anschauungen ohne Furcht klar gemacht und Ueberzeugungen mit Mut verteidigt wurden. Das Resultat seines plötzlichen Erscheinens auf der Szene in Deutschland war, dass Tausende zu seinen Gottesdiensten strömten, dass es in seiner Synagoge niemals einen leeren Sitz gab, und dass die einfache Ankündigung, Joachim Prinz werde sprechen, genügte, um den grossen Saal zu füllen. Alter das ist nicht alles und das allein würde nicht erklären, was Ich das ,,Phänomen“ unsere« Freundes Joachim Prinz nenne. Er war ein liberaler Rabbiner und — etwas Unerhörtes in Deutschland zu dieser Zeit — ein glühender, überzeugter und aktiver Zionist, der es wagte, Zionismus von der Kanzel zu piedigen. Wenn er gegen die anströmende Flut des Nationalsozialismus polemisierte, so analysierte er gleichzeitig rücksichtslos die jüdische Position, drängte auf unmittelbare Auswanderung der europäischen Juden von Deutschland nach Palästina, riss in sarkastischer Form die Maske von der Flachheit der Assimilations-Idee und setzte sich wieder und wieder für eine Identitizierung der deutschen Judenheit mit der ew;gen Quelle des jüdischen Volkes und mit dem Neubau seines alten Heimatlandes ein. ,,Zu allen Zeiten hat man uns zerbrochen — wann immer wir unsere Identität vergessen haben. Wir wurden jedesmal ausgeliefert, wenn wir unsere Geschichte ausgaliefert hatten. Unsere Lebensberechtigung wurde uns verneint, wenn wir unser Jüdisebsein verneinten. Aus dieser Verneinung entwikkelte sich der Hass der Juden gegen ihr eigenes Volk. Andere haben vielleicht aufgehört uns zu hassen, aber wir haben uns weiterhin selbst gehasst. Unser alter, heiliger starker Baum beugte sich nieder und züchtigte seine eigenen weitausgebreiteten Wurzeln als seen sie völlig verrottet. Wir Juden Beduinen, Helden. Könige, Propheten, Dichter seit altersher, vergassen uns seiest unser Sein und unseren Glauben, wurden zertrümmert durch dieses Vergessen und entwickelten uns zu dem grossen schmerzlichen Problem der Nation. Unsere warme, oft sehnsüchtige und tragische Liebe für die Nationen konnte die Wunden nicht heilen. Wir Juden suchen unsere Freiheit.“ So war der bitter-ernste Inhalt seiner Botschaft, die er resolut und ohne zu zögern in diesen kritischen Tagen der Nazizeit predigte. Er störte den Selbstzufriedenen auf, versetzte den Assimilanten in Wut und regte die junge Generation dazu an, ihr Leben auf neuen Grundlagen aufzubauen. So wurde das ..Phänomen“ eine Sensation. Aber sogar diese Charakteristika hätten ihn nicht zu der eigenartigen Persönlichkeit gemacht, die er gewesen ist. Bei all seiner höchst wirkungsvollen Aktivität von der Kanzel und eindeutigem Nichtkonformismus, sinnvollem Schreiben und brillantem Reden, war entscheidend. über all dem, die Menschlichkeit seines Charakters; das tiefe Verständnis für menschliche Schwächen; die offene Tür zu allen, die seine Hilfe brauchten; vor allem aber die Wärme des Herzens, die zu Einzelpersonen wie Gruppen gleichermassen sprach — und mit gross?r „hitlahavuth“ — Worte, die .um unsere Rabbis zu zitieren ,,vom Herzen kommen und zu Herzen gehen.“ Er war der erste Rabbiner unser?r Ge neration, der die Steifheit des rabbinischen Berufes durchbrach und die Kluft überbrückte zwischen der Kanzel und den Problemen der Masse. Kurz: hinter der brillanten Aussenseite stand immer der echte, warme, ja sentimentale Mensch. Das war Joachim Prinz aus Deutschland. Und alle diese seine grossen Qualitäten haben sich verlieft und sind gereift während seiner ähnlich erfolgreichen Laufbahn in den Vereinigten Staaten. Es ist deshalb, dass er so schnell zu einem der wesentlichsten Führer innerhalb der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft wurde. Er ist weiterhin ein dynamischer junger Mann, und wir können weiterhin Vieles von seinem Geist und seiner Feder erwarten. Wir, seine Freunde fühlen geburtstägliche Festesfreude und beten zu dem Gott des Lebens dass er Joachim Prinz mit einem produktiven langen Leben und einer schöpferischen Zukunft begnade. Zukunft der alaerischen Juden Tel Aviv. — Die Juden Algeriens hab?n die Wahl, im Lande zu verbleiben oder nach Israel auszuwandern. wie Dr. Nachum Goldmann auf einer Sitzung der israelischen Exekutive des Jüdischen Weltkongresses erklärte. Er bezweifelte allerdings die Möglichkeit, dass die Juden in Algerien eine Zukunft hätten, obwohl ihnen aufgrund des zwischen der französischen Regierung und der mohammedanisch-algerischen Freiheitsbewegung in Evian abgeschlossenen Uebereinkommens, Garantien gegeben worden seien. Goldmann wies darauf hin, dass dieses Abkommen den Juden den gleichen Status sichert, der für die anderen Europäer in einem unabhängigen Algerien vorgesehen ist. Dr. Goldmann gab abschliessend seiner Meinung Ausdruck, dass sich Algerien unter der „geschickten und realistischen Führung“ der mohammedanisch-algerischen Freiheitsbewegung im Laufe von ein oder zwei Jahren zu dem bedeutendsten arabischen Staat entwickeln dürfte. (ITA) Jüdische Wochenschau in Montevideo/Uruguav Einzelnummer 7% Centesimo* Jahresabono 45.— $ »ruf. LUFTPOST-VERSAND DURCH „PLUNA" ABONOS — AVISOS — COBRANZA Sra. L Löblowitz Paraguay 1164, piso 2, apt. 9 Distribuidor: KIOSK TUREK Constituyentes 1757 Tel. 42-640 Die Einwanderung aus Nordamerika New York. — Die AÜja der nordamerikanischen Juden nach Israel ist im Steigen begriffen, wie aus den Ziffern hervorgeht, welche die Jewish Agency kürzlich veröffentlicht hat. Vom 1. Januar 1961 bis 30. April 1962 wanderten 1.714 Juden aus den USA nach Israel au«, während die betreffende Zahl in der gleichen Zeit davor nur 1.034 betrug. Hiervon waren 1.075 Chaluzim der Jugendbewegungen, 360 Akademiker, 250 gingen in einen Ulpan, 60 gehörten der Mittelklasse an, und 180 wa ren pensionierte ältere Leute. Die Neueinwanderer in Israel deklarierten eine Kapi- Jerusalem. — Erziehungsminister Abba Eban, der nach lljähriger Dienstzeit in den Vereinigten Staaten ein guter Kenner der dortigen Verhältnisse ist, verwies darauf, dass sieh die jungen Israelis und die jüdische USA-Jugend immer weiter voneinander entfirnen. Eban war einer der Hauptredner bei dem „Dialog“, der hier zwischen 500 Vertretern des Amerikanischen Jüdischen Kongresses und führenden Israelis stattfindet. Eban betonte. Israel müsse in seinen Beziehungen mit der Welt judenheit und im besonderen mit den amerikanischen Juden erst einmal seine unreife und illusorische Haltung des absoluten Selbstvertrauens aufgeben, die die Jugend Israels zur Schau tragt. Statt dessen solle es den unvollendeten Stand seiner wichtigsten Probleme unterstreichen. „Alle Handlungen und Erklärungen Israels“, sagte Eban, „müssen darauf gerichtet sein, die von Israel und der Diaspora zu gleichen Teilen notwendige Zusammenarbeit zu fördern. — Wenn Israel der Weltjudenheit für praktische Zwekka bedarf, so braucht es diese noch stärker auf dem Gebiet des Geistes und der Kultur.“ Minister Eban ersuchte Israel, die nordamerikanischen Juden in einer neuen Weise zu betrachten und sie nicht immer wieder über die Unsicherheit in den Vereinigten Staaten belehren zu wollen. Was Israel besorgt machen müsste, sei nicht der „Wunsch der USA-Judenheit. sich in israelische Angelegenheiten .einzumischen“, sondern die Anzeichen von Interessemangel und Apathie, die sich unter ihnen gelegentlich bemerkbar machen“. — „In Israel und in den Vereinigten Staaten wachsen Generationen heran“, bemerkte er. „die sieh voneinander entfernen und einander entfremden, die keine gemeinsamen Erinnerungen teilen und kein gemeinsames Ideal haben.“ „Neue Dinge sind auf beiden Seiten vonnöten,“ fuhr Eban fort. „Wenn sich das jüdische Bewusstsein bei den nordamerikanis.’hen Juden vertieft, so v.ird das natürliche Ergebnis eine gewir Einwanderung in Israel sein. Doch eine solche Immigration wird nicht durch anm essende Beschwerden über ihr Nichtvorhandensein oder durch eine Herabsetzung der historischen Bedeutung des amerikanischen Zionismus zustande kommen. Die amerikanische jüdische Jugend wird nicht im magnetischen Feld der jüdischen Solidarität verbleiben, wenn sienicht durch enge Bande an die israelische Kultur geknüpft wird.“ Auch er würde gern eine grössere Einwanderung von Juden aus Nordamerika sehen, so fügte Eban hinzu, und dies besonders aus den Kreisen der jungen Chaluzim in USA. Aber ein solcher Einwanderungsstrom werde nicht von allein zu fliessen beginnen, sondern er sei nur möglich, wenn man sich bemühe, die jüdische Jugend Nordamerikas für ein jüdisches Schicksal und in jüdischem Stolz zu erziehen, was zu der Vielfalt der Kulturen, aus denen die amerikanische Gesellschaft geformt ist. nicht im Widerspruch stehe. AUSFÜHRUNGEN BEN GURIONS Als nächster Redner ergriff Israels Ministerpräsident Ben Gurion das Wort. Er führte aus, dass die Differenzen zwischen der nordamerikanischen und der israelischen Judenheit sich mit dem Fortschritt Israels auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet weiter vertiefen und sich das Problem der Beziehungen zwischen den Juden innerhalb und ausserhalb Israels noch schwieriger gestalten dürfte. Ben Gurion verwies auf das Ideal der jüdischen Wiedergeburt in Israel und in der Welt als Grundaulfassung des Judentums und betonte, Israel werde niemals eine Kontroverse mit einem Land haben, das Frieden und Gerechtigkeit sucht, und ebensowenig mit den Juden eines solchen Landes. „Israel ist ein Staat für das ganze jüdische Volk, und die israelische Politik trägt den Interessen der anderen jüdischen Gemeinschaften Rechnung“, sagte Ben Gurion und fügte, wie er dies gewöhnlich zu tun pflegt, dia Bemerkung hinzu, dass wenn alle Juden Zionisten wären und das Beispiel der zionistischen Führer nachahmen würden, „dia nicht nach Israel kommen“, der jüdische Staat niemals Wirklichkeit geworden wäre. Die ersten Kolonien seien z. B. gegründet worden, bevor es eine zionistische Weltbewegung gegeben habe. Auf diese Aeusserung entgegnete sofort Dr. Joachim Prinz, dar Präsident des Amerikanischen Jüdischen Kongresses, der den Premierminister und alle Israelis aufforderte, sich mit der „Wirklichkeit“ vertraut zu machen, dass dia nordamerikanischen Juden nicht nach Israel auswandern würden und das Hebräische nicht zu ihrer zweiten Muttersprache werden könne. Rabbiner Prinz erklärta sich mit Ben Gurion einer Meinung, dass es nur in Israel möglich sei, ein volles jüdisches Leben zu führen. Gleichzeitig jedoch, so setzte Prinz hinzu, sei es an der Zeit zu verstehen, dass sieh die Beziehungen Israels mit der Judenheit in USA „auf die bestehenden Realitäten gründen müsse“ und unterstrich die Entschlossenheit der nordamerikanischen Judenheit, ihr Judentum auf der von Ben Gurion gezeigten Basis zu bewahren, indem sie die Jugend Nordamerikas veranlassen, in Israel zu studieren und einen verstärkten kulturellen und persönlichen Austausch zwischen den beiden Judenheiten zu pflegen. Theater Soieil Im Jüdischen Künstlertheater finden am Freitag, Sonnabend und Sonntag die letzten vier Vorstellungen von „Wenn man lebt, erlebt man“ mit Max Perlmann und Gitta Galliner in den Hauptrollen statt. In der nächsten Woche findet die dritte Premiere der Saison „Das Damenschneiderl“ von Meier Margalit mit MAX PERLMANN in der Hauptrolle mit Gitta Galliner und dem Ensemble des Soieil statt. Die Musik ist von Ben Dorri, und die musikalische Einstudierung liegt in Händen des bewährten langjährigen Dirigenten des Jüdischen Künstlertheaters, Herrmann Ludwig. talzufuhr von 2.650.000 Dollar und einen jährlichen Eingang an Sozialversicherungen und Pensionen von 480.000 Dollar. (ITA) Erhoehte Flugpreise Tel Aviv. — Als Folge der Herabsetzung des Wertes des Israel-Pfundes sind die Flugpreise in Israel bis um 20 Prozent gestiegen. Ein Flug Lydda—New York— Lydda kostet nunmehr 2901 IL anstelle von 2428, nach London und zurück 1390 (13,76) und nach Athen und zurück 648 (561) IL (AWZ) Dia BAR MIZWA unseres Sohnes N0RBERT0 FEDERIC0 findet s. G. w. am Sonnabend, den 30. Juni, um 9 Uhr in der Synagoge Lamroth Hakol, Caseros 1450, Vicente Lopez, statt. SIEGFRIED HESS und Frau FRIEDA geb. WINTER Empfang im Hause, Acassuso 1861, Olivos, von 17—20 Uhr (Tel.: 791-3429) STATT KARTEN Dia HOCHZEIT unserer Kinder MARIO und SUSI findet s. G. w. am Sonnabend, den 30. Juni um 20 Uhr im Tempel Libertad statt, wozu wir alle Freunde und Bekannte einladen. Familien: JULIO AISINSCHARF MENDEL KULIGOVSKT Lavalle 2574, 2o, dp. E. IVAN R. DRESSNER EVELYN M. DRESSNER geh. GRUNEBAUM VERMAEHLTE Die Trauung findet am Sonnabend, den 23. Juni, um 21 Uhr in der Chaim Weizmann-Synagoge Arcos 2319, statt Maure 2818 Buenos Aires