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Jüdische Wochenschau · 1962-06-22 · 1965 (22.6.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1965 (22.6.1962)
Date
1962-06-22
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Viernes, 22 de Junio de 1962 SEMANA ISRAELITA Afio XX11I. — No. 1965 — 9 Mi te. Aus aller Welt ¡Y on Juden in Unterfranken Helfer Eiclrmanns vor Gericht Frankfurt. — Vor dem Frankfurter Schwurgericht begann ein Prozess gegen den 51jährigen früheren Regierungsrat im Reichssicherheiishauptamt und engen Mitarbeiter Eichmanns Otto Hunsche. Die Anklage wirft Hunsche die Mitwirkung bei der Ermordung von 1.200 jüdischen Insas sen des ungarischen Lagers Kistarcsy vor, die am 19. Juli 1944 schlagartig nach geheimen Vorbereitungen von der SS nach Auschwitz verschleppt und dort vergast wurden. Die Zetrus-Ausfuhr Jerusalem. — Die Beamten des Ackerbau-Minisieri ums teilten mit, dass die Zitrus-Exporte sich in der nächsten Saison auf 12 Millionen Kisten im Vergleich mit 8 7 Millionen Kisten im Vorjahr belaufen werden. Angesichts dieser beträchtlichen Exportsteigerung sind Beratungen zwischen dem Zitrus-Ausschuss und Transportminister Israel Bar Jehuda im Gange, um die Möglichkeiten der Exporteu re und die Bereitstellung yon Schiffen zur Verladung dieser Menge zu erörtern. (ITA) London. — Der britische Innenminister erklärte, seine Regierung habe nicht die Absicht, eine Kundgebung der „nationalsozialistischen Bewegung“ zu verbieten, die unter dem Motto „Befreit England von der jüdischen Kontrolle“ angesagt worden ist. Die Versammlung soll am 1. Juli auf dem Trafalgar Square stattfinden, und der Abgeordnete David Weitzmann stellte die Frage, ob der Erteilung der Erlaubnis für die Abhaltung dieser faschistisch-antisemitischen Manifestation die nötige Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Lord John Hope erwiderte, es entspreche der „normalen Praxis“, einer jeden Organisation die Erlaubnis für ein Treffen zu erteilen, ohne nach ihren politischen, sozialen oder religiösen Zielen zu fragen, falls der Polizeichef keine Einwände erhebe. Er fügte hinzu: ,.lch bin sicher, dass er mir nicht ansteht, über die Erfüllung des Gesetzes hinauszugehen, was praktisch der Ausübung einer .politischen Zensur" gleiehkommen würde.“ (ITA) Neubau der Knesset London. — Dorothy de Rothschild, die Witwe des verstorbenen James de Rothschild, teilte dem Vorsitzenden der Knesset, Kadish Luz, mit, dass die Edmond-James-de - Rothschild- Memorial-Group beschlossen habe, für den Neubau des israelischen Parlaments in Jerusalem, für das James de Rothschild in seinem Testament sechs Millionen IL hinterlassen-liatte, noch weitere 1,7 Millionen IL zur Verfügung zu stellen. — (AWZ) Judenverfolgung in Russland Paris. — Das französische Rundfunkprogramm für Uebersee, das in 17 Sprachen übertragen wird, enthielt einen energischen Angriff gegen die offiziellen antisemitischen Manifestationen in SowjetTUssland, die in den Sendungen als „Politik der Diskriminierung" bezeichnet wurden. Dieses Programm, das von grossem Einfluss auf die internationale Nachrichtenübermittlung nach den HOTEL DAPHNE IHR HOTEL IN HAIFA - Israel VORHERIGE BESTELLUNGEN RATSAM HAIFA. Hadar Hakarmel, Nordaustr. i ►t HOTEL ARMON ISRAELS SCHOENES TOURISTENHOTEL Die beste Küche Angenehmer Aufenthalt \ Tel Aviv, Jarkonstr. 90 Tel. 2371 1 (Vorherige Zimmerbestellung ist unbedingt erforderlich) Dr. MAX FLESCH Berater für Investitionen and Finanzgeschaefte in Israel — Langnnd kurzfristige Anlagen — Auskünfte jeder Art TEL AVIV, Israel — 18, George Elliot Str. Von Juden aus Unterfrank?r. — The Rosenbaums «J Zell. A Study of a familiy by Berihold Sirauss, London 1962. Ein interessantes und eigenartiges Dokument über verborgene, wenig bekannte Entwicklungswege im deut sehen Judentum legt uns Berthold Strauss in seiner Studie über die Familie Rosenbaum aus Zell vor. Mit der Vehemenz des Nicht-Berufshislorikers, der sich jn; sein Subjekt verliebt hat, geh{ er den Schicksalen einiger Familienmitglieder während der letzten 150 Jahre nach, folgt ihren Spuren von Unterfranken bis nach Jerusalem und ihren Studien von Chumasch mit Rasehi bis zur Kabbala una Mystik. (Leider hat er es unterlassen, den berühmten Orientalisten Prof. A. E. Ya huda 1877—1951 zu erwähnen). Die Strenge der Gesetzestreue hat natürlich nicht in gleichem Masse all« Familienmitglieder beherrscht, dafür aber in einigen eine religiöse Macht entwickelt die mit dazu beigetragen hat, das fränkische Judentum von Neuerungen und Lockerungen des jüdischen Lebens fernzuhalten. In naiver und darum für uns heute um so interessanterer Weise erzählt uns Strauss, wie Reh Mendel Rosenbaum (1782—1868) seine Handelsbeziehungen zu einflussrrichen Christen nutzte, um in Aschaflenburg die Einsetzung eines nicht orthodoxen Rabbiners zu hinter.reiben oder die Ausgestaliung des Gottesdienstes in Würzburg durch einen Männerchor zu verhindern und manches mehr von gleicher Wichtigkeit lür jene Tage- Die zur Erreichung dieses Zieles angewandten Mittel scheinen uns recht unwürdig zu sein. Andererseits war Mendel Rosenbaum bemüht, all seine Beziehungen spielen zu lassen, ja aufs Spiel zu setzen, um seine Juden von lästigen und entwürdigenden Zwangsauflagen der bayri sehen Regierung zu befreien. Und so wurdj er segar am bayrischen Hof einmal vorgelassen. Die Darstellung der Audienz beim König Maximilian II. an einem Schabbat und was ihr vorausging und was ihr folgte, gibt den Stoff einer Tragikomödie. Der Jude, der neben der für ihn vom Hof gesandten Kutsche einhergeht (Schabbat!), der Jude, der sich die Schuhe im Audienzsaal vom Schmutz der Strasse reinigt, der Jude, der das Geschenk des Königs wohl annimmt, aber nicht mitnehmen kann, all das schildert die Pragmatische Darstellung von Berthold Strauss. Ein anderes interessantes Kapitel des Bueh?s bringt den foicsia'ischen Nachdruck einer Broschüre des Enkels von Reb Mendel. Dieses interessante Werk nennt sich „Yaschern miio Debor“. Es erschien anonym 1880 in Würzburg und forderte nicht weniger als die Alija aller Juden nach Israel, die Gründung eines Fonds von 10.009 Mark (10.000 und nicht mehr!) una die Aufsicht der Rabbiner S. R. Hirsch (Frankfurt) M. Hildesheimer (Berlin), J. Lehmann (Mainz) u. a., um für gesetzestreue Arbeitsweise in Eretz Israel zu sor gen. Mit klarer Voraussicht entwickelt der Verfasser. Reb Hile Wechsler, eine Perspektive des fortschreitenden Verfalls des Judentums in Deutschland, der leider allzu sehr von der nachfolgenden Wirklichkeit bestätigt wurde: Verfall von innen und Verachtung von aussen. Darum folgt der Aufruf Reb Hile Wechslers: ,,Jude bleibt Jude beim Nichtjuden, mag er der Reform oder der Orthodoxie huldigen; wir wollen also bilden ein einig Volk von Brüdern nach innen, wie wir es ja auch nach aussen afrikanischen und hinter dem Eisernen Vorhang gelegenen Ländern ist, verwies auf die „Wiedereinführung des Antisemitismus in der Sowjetunion“. Die verhängten Todesstrafen wurden „flüchtige Vorwände“ genannt. um das wahre Ziel der sowjetischen Kampagne gegen die Juden zu verschleiern- und „zu beweisen“, dass die Juden ein „nicht zu assimilierendes Element in der sowjetischen Gesellschaft“ darstellen, „unfähig, sich dem sozialistischen Program anzupassen, aus der Mode gekommene kapitalistische Tendenzen vertreten und unnütze Parasiten sind.“ — HOC Einwanderer im Jahre 1961 Melbourne. — Im vergangenen Jahr nahm Australien 1100 jüdische Einwanderer auf. Damit stieg dis Zahl der in Australien lebenden Juden auf 65.000, das sind 35.000 mehr als im Jahre 1946. (AWZ) In den Senat berufen Amsterdam. — Dr. Mavrits Trostnyk, der an leitender Stelle in der Stadtverwaltung von Groningen tätig ist wurde jetzt in den niederländischen Senat berufen. Er ist ein Vertreter der Sozialisten und das dritte jüdische Senatsmitglied. Die anderen beiden, ebenfalls Sozialisten, sind der frühere Justizminister Professor Dr. I. Samkalden und Professor D. A. Querido. (JTA) Sportspiele in Djakarta To] Aviv. — An den Asiatischen Sportspielen, die vom 24. August bis zum 8. September 1962 in der indonesischen Hauptstadt- Djakarta stattfinden sollen, werden 30. Leichtathleten aus Israel teilnehmen, »u. a. auch eine Tischtennis- und eine Volleyball-Mannschaft. Schulbesuch in Israel Jerusalem. — Die schulpflichtige Bevölkerung Israels beträgt 600.00, von denen 40.000 Araber sind, wie Erziehungsminister Abba Eban auf einer Kabinettssitzung mitteilte. Gleichzeitig kündigte er an, dass für den 45. Jui eine Nationalkonferenz einberufen werden soll, um das Thema der höheren Schulbildung zu behandeln. UTA) KWUNSCH FUER CURT WILK ZU SEINEM 65. GEBURTSTAG Sind es schon wieder fünf Jahre her, seitdem ich Ihnen zum 60- Geburtstag Glückwünsche schriftlich niederlegen konnte. Es ist in den fünf Jahren allerhand geschehen. Freunde sind fiir immer von uns fortgegangen. Persönliche Ereignisse wechselten sich mit einschneidenden Zeitgesehehrissen ab. Menschen schworen ab, was sie gestern noch angebetet und verherrlicht haben. Andere werden gleichgültig, vergessen, was einst ihnen Wert und Sinn des Lebens gewesen. Viele trotten ihre Wege dahin, sehen nicht nach rechts noch nach links. Und dann freut man sich, wenn man einem Gesinnungsfreund begegnet, der sich, der uns treu geblieben ist. Nach wie vor sind Sie für uns „das historische Gewissen“, erinnern uns zur rechten Zeit an Menschen und Ereignisse, die eine Kette unserer Geschichte darstellen. Zur rechten Zeit bringen Sie uns vergessene Daten aus der Geschichte dem Leben und Wirken jüdischer, aber auch nichtjüdischer Persönlichkeiten in Erinnerung, zeigen uns die Zusammenhänge, die ja nur aus der Vergangenheit zu deuten sind. Soll ich Ihnen sagen, dass Ihr Leben ein volles jüdisches Leben ist? Ihr Wort entspricht Ihrer Haltung. So sollte es überall sein. Nach wie vor dienen Sie in Treue und Schlichtheit Ihrem Ideal das Religiöse und Nationale zu einer kraftvoll :n Einheit zu verschmelzen. Man muss es leben. Hans Silber Dr. Gad George Kaipern gestorben Jerusalem. — Kürzlich verstarb der Ehrenpräsident der Bank Leumi, Dr. Gad George Halpern im Alter von 83 Jahren. Er war ein alter Zionist und einer der Gründer des Keren Hajessod. Dr. Halpern, der aus Russland stammte, hat vom Zweiten Zionistenkongress an allen Kongressen beigewohnt. Er war eng mit dem ersten Präsidenten Israels, Dr. Chaim Weizmann, befreundet und Mitglied des Aktionscomitds. (ITA) sind.“ Diese kurze Probe zeigt schon den literarisch mit Assoziationen geladenen Stil dieses Büchleins, das nur noch in einem Exemplar vorhanden war. In der Literaturgeschichte, in der zionistischen Vorgeschichte wird es nicht erwähnt, scheint aber doch wert zu sein, als Abbild des Ausdrucks, was im Judentum in Deutschland vor sich ging, der völligen Vergessenheit entrissen zu werden. Wer vor der Staatsgründung die Altstadt Jerusalems besuchte, hat auch den Deutschen Platz kennen gelernt; dort befand sich das Hospital Misgaw le dach (Zuflucht für den Gedrückten), eir,e der ersten modernen Sozial-Institutionen der Altstadt. An diesem Piatz wohnten die Chassidim, am Streimel und Kaftan im Strassenbild stets erkenntlich. Einer von ihnen war Reb Schlomo Wechsler (1863 bjs 1954), der Sohn von Reb Hile Wechsler, also ein Urenkel von Reb Mendel aus Zell. Seine Sprache war Deutsch; Hebräisch war die Sprache der heiligen Bücher. Er lebte im Kreis seiner Chassidim. Es war für den Touristen wunderlich, aus einem der Häuser klares Deutsch zu hören und den Sprecher im Kaftan zu sehen. Sein Urenkel ist jetzt acht Jahre alt. Er spricht hebräisch. Dieses hier besprochene Buch von Berthold Strauss ist im Selbstverlag des Verfassers erschienen. Warum haben unsere Institutionen, die sich mit der Darstellung des „Erbes des deutschen Judentums“ befassen, nicht diese Gelegenheit benützt, um jene anti-assimilatorische Linie, die wenn auch unbeachtet im deutschen Judentum existierte, aufzudekken. Mögen erfahrene Historiker exakter die Darstellung meistern, die Proportionen besser erkennen als ein Laie, der aus Begeisterung zur Feder greift, aber das Thema ist wert, angepackt zu werden. Leo Baeek strebte immer danach, eine Geschichte der Juden Deutschlands nach ihren Landschaften zu schreiben. Hier ist wertvolles Material zu diesem Unternehmen zusammengetragen worden. In Südamerika, wo aus jenen bayerischen konservativen Gemeinden sieh viele Nachfahren befinden, weiss man sehr wohl den Wert der LTeberlieferungen dieser kleinen Zirkels als aufbauendes Element zu schätzen, das den Fortbestand der jüdischen Gesellschaft sichert. Mabil Industrial & Comercial Bank (ISRAEL - LATIN AMERICA) Ltd. T E L A V I V 65, Allenby Road NEUE HUEROS IN BUENOS AIRES Av. CORRIENTES II45 T. E. 35-3463 (GALERIA DEL OBELISCO) IN CO B INVESTMENT & TRUST Cia. Av. CORRIENTES II45 T. E. 35-3463

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