Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1963 (7.6.1962)
- Date
- 1962-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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8 — Jueves, 7 de Junio de 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. I«t63 "1 j*' V & - -,• ■w,*í5 k'-fV PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 Ein jüdischer Staatsmann\,Ev„ic“£cv"Tf,iu±“ Barl Locker, der jetzt seinen 75. Geburtslag leierte, stand jahrzehntelang im Kampf um die Verwirklichung des Zionismus und der Ideen der sozialistischen Arbeiterbewegung. Für Generationen junger Zionisten vieler Länder Europas, Amerikas und Israels war er Lehrer und Erzieher zum politischen Denken. Anreger und Förderer ihrer ersten öffentlichen zionistischen Tätigkeit. Nur wenige Führer der jüdischen Arbeiterschaft haben sich in- und ausserhalb ihrer Parteien ein so grosses Mass von Liebe, Freundschaft und Vertrauen erworben, wie es Berl Locker während seines Wirkens entgegengebracht wurde, ein Vertrauen, das ihn schliesslich zu. dem höchsten Amt in der zionistischen Bewegung, dem Vorsitz der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, empertrug. Fast sechzig Jahre dieses Lebens waren dem Dienst am Zionismus und der jüdischen Arbeiterbewegung gewidmet. Es war ein langer und mühevoller Weg aus dem kleinen ostgalizischen Geburtsstädtchen bis in das Arbeitszimmer des Vorsitzenden der zionistischen Exekutive in Jerusalem und in die Knesset des Staates Israel Um diesem Leben wirklich gerecht zu werden, müsste man die Geschichte des Zionismus und der zionistisch-sozialistischen Arbeiterbewegung schreiben an deren Werden und Verwirklichung er so grossen Anteil hatte. ANFAENGE IN GALIZIE' Die zionistische politische und schriftstellerische Tätigkeit Berl Lockers reicht in die Frühzeit des Zionismus und der jüdischen Arbeiterbewegung zurück. Sie begann bereits auf der Schulbank des Gymnasiums in Seret, einer k'einen Provinzstadt der Bukowina, jener östlichen Ecke der Habsburger Monarchie, wo Oesterreich. Russland und Rumänien aneinander grenzten, und in der infolge ständigen Begegnung von Juden aus diesen drei Ländern der grossen jüdischen Massensiedlungen ein besonders reges jüdisches Leben herrschte. Dem jugendlichen Versuch der Gründung einer von den Schulbehörden verbotenen zionistischen Organisation der Schülerschaft folgte sehr bald, nachdem er seine Studien an der juristischen Fakultät der deutschsprachigen Universität in Czernowitz begonnen hatte, der Eintritt in die in Entstehung begriffene jüdische Arbeiterpartei Poale Zion und gleichzeitig eine lebendige Anteilnahme an den politischen und sozialen Kämpfen der aufstrebenden Arbeiterschaft Galiziens und der Bukowina. Im Jahre 1911 gehört Lokker schon zu den Führern der Polae Zion, die ihn veranlasst, seine Studien an der Universität abzubrechen, seinen Wohnsitz nach Lemberg zu verlegen, um dort die Redaktion ihrer angesehenen Wochenschrift „Der jüdische Arbeiter“ zu übernehmen. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges trifft ihn in Lemberg, wo er in den Jahren von 1914 bis 1916 die russische Invasion miterlebt. von S. ADLER-RUDEL Nach der im Jahre 1916 erfolgten Befreiung Lembergs beruft ihn die Poale Zion nach den Haag, um dort zusammen mit Schlomo Kaplansky s. A. des Sekretariat des “Jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion” zu übernehmen. Diese Arbeit brachte ihn schon während des ersten Weltkrieges in nahe Beziehung zu den Führern der sozialistischen Internationale. Im Jahre 1917 wurde däs Sekretariat des Poale-Zion- Verbandes nach Stockholm verlegt. Hier war er an der Formulierung der Friedensziele des hoLändisch-skandinavischen Comités der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung beteiligt, in denen zum ersten Mal in der Geschichte der International der Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina und eine internationale Lösung der Judenfrage proklamiert wurde. Der Tätigkeit in Stockholm folg e im Jahre 1919 die erste offizielle Beteiligung der Poale Zion an der Konferenz der Internationale in Bern, die viel zur Verstärkung seiner persönlichen Beziehung in zu den Führern der internationalen Arbeiterbewegung b'itrug. Zwischendurch war er in den Jahren von 1921 bis 1928, verübergehend als Sekretär und Redakteur der Parteipresse der Poale Zion in Polen tätig, wo er den Kampf gegen das Eindringen des Kommunismus in die jüdische Arbeiterbewegung zu führen hatte und für die Sicherung, Erhaltung und Ausbreitung des sozialistischen Zionismen eintreten muss'.e, der, wie die gesamte Arbeiterbewegung jener Zeit, in „Rechte und Linke“ gespalten war. Es hat ihn Jahre der Anstrengung und Müh» gekostet, um die Folgen dieser Spaltung zu über winden und c.ie Massen der jüdischen Arbeiterschaft der zionistischen Bewegung zu erhallen. In den Jahren von 1928— 1931 ist Berl Locker Redakteur und Sekretär der Poale Zion in Amerika.Am 17. Zionistenko.igress in Basel, der 1931 stattiand. wurde er der bereits seit 1323 dem zionistischen Aküonscomi.é angeh'rie, zusammen mit Chaim Arlosoroff als Vertreter der Arbeiterschaft in die zionistische Exekutive ge wählt, und die L.itung des Organisations-Departements wurde ihm über,ragen. Seine Aufgabe war es, das durch die Auseinandersetzung mit dem Revisionismus geschwächte Gebäude der Zionistischen Weltorganisation zu Lstigea und eine strengere zionistische Disziplin innerhalb der Bewegung wiederherzustellen. Die von ihm formulierte Disziplin verpflicht ung jedes Schekelkäufers war hierfür eine zwar umkämpfte, aber wichtige Neuerung. Nach dem Zionistenkongress in Luzern ging er 1935 nach Palästina, wo er bis zum Jahre 1938 in der Leitung der Histadrut arbeitete. Sodann wurde er auf ausdrücklichen Wunsch von Dr. Weizmann, dessen besonderen Vertrauens er sich erfreute, und mit Zustimmung der palästinensischen Arbeiterschaft in die Leitung der politischen Arbeit nach London berufen wobei er gleichzeitig auch die politische Vertretung der Histadrut in London übernahm. IN LONDON Mit der Uebersiedlung nach London beginnt die vielleicht wichtigste Periode l seines politischen Lebens. Das Wüten des Vorkriegs- Hitlerismus Hess die Bemühungen um d e Verwirklichung des Zionismus dringlicher als je werden. Die Wandlungen im politischen Leben Englands und die wachende Bedeutung der englischen Arbeiterpartei machten London zum wichtigsten Kampfplatz der zionistischen Bewegung. All dies führte zu einer rastlosen Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten. Gewinnung von führenden Menschen der Labour Partei, ihre Einführung in die komplizierten Probleme des arabisch - jüdischen Gegensatzes, Einwirkung auf die Politik und Haltung der Labour Partei, Mitarbeit an dem Ausbau und der Entwick lung der zionistischen Bewegung Englands und ein.» umfangreiche redaktionelle und publizistische Arbeit stellen fast übermenschliche Anforderungen an die Arbeitskraft dieses äusserlich so zart wirkenden Menschen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vergrösserte noch den Umfang seiner Arbeitslast. Der Kampf gegen das von der englischen Regierung im Jahre 1939 veröffentlichte ,,Weissbuch“ die Verhandlungen um die Schaffung einer jüdischen Armee, die Verbindung mit den in London sitzenden Exilregierungen der von den Nazis besetzten Länder. Bemühungen um Hilfe und Rettung der Naziopfer, Aufgaben, die er in Zusammenarbeit mit Prof. S. Brodetzkv, Louis Namier und Blanche Dugdale, der Nichte Lord Balfours, erfüllte, beanspruchten alle seine Kärfte. Der Erfolg dieser weitverzweigten Tätigkeit bleibt zunächst nicht aus. Es gelingt ihm die Sympathie führender Männer der Labour- Partei für die zionistischen Bestrebungen zu gewinnen., bei den Parteitagen der LabourPartei dem Zionismus günstige Resolutionen zu erlangen Er war natürlich machtlos, als die zur Regiei rungspariei gewordene Labour-Partei ihre Versprej chungen unt;r dem Einfluss Bevins nicht hie: und die Schaffung des jüdischen Staates gegen England und nicht mit seiner Forderung erfolgen musste. Die Ge- | schichte dieses letzten Kapi- | ß tels des Kampfes um den | Judenstaat ist trotz der um- I ß fangreichen Literatur, die | bereits erschien, ist noch nicht geschrieben. Berl Lokker ist der letzte Ueberiebende des Kreises um Dr. Weizmann, der an diesem Kampf aktiv beteiligt war. Aufsätze, die er in der letzten Zeit veröffentlichte, zeigen. dass er sich der historischen Verpflichtungen bewusst ist hierüber zu berichten. Er hat zur Aufhellung der politischen Situation des jüdischen Volkes in jenen Jahren noch einen besonders wichtigen Beitrag zu leisten. Auf dem Kongress des Jahres 1948 wird Berl Lokker zum Vorsitzenden der Exekutive gewählt und bei den Wahlen des Jahres 1956 von der Arbeiterpartei in die Knesset entsandt. Wenige Jahre später zog er sich von der aktiven politischen Tätigkeit zurück u: i sich historischen Arbeiten widmen zu können. Dieser unvollständige biografische Abriss, der hier versucht wurde, sagt wenig über den Menschen Locker, der. ohne sich darum zu bemühen ,fast von Beginn seiner Arbeit an ais Führerpersönlichkeit anerkannt war. Aus allem, was er tat und sagie, klang der tiefe Glaube an die Idenn, denen er sein Leben weihte. Er war einer der geachtetslen und verehrtesten Führerder jüdischen Arbeiterschaft und der zionistischen Bewegung in der Gola und wirkte nicht nur durch die Echtheit und Wärme seiner Beredsamkeit, sondern vor allem durch sein gediegenes allgemeines und jüdisches Wissen durch seine gründliche Bildung, die in einer ausserordentlich umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit ihren Niederschlag fand. Unter den fast tausend Titeln der Bibliographie seiner Arbeiten finden wir eine grosse Zahl ven bereits klassisch gewordenen Studien zur theoretischen Begründung des sozialistischen Zionismus, zur Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung zur Geschichte der Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina, sowie zu vielen politischen und wirtschaftlichen Problemen der Juden in den Ländern ihrer Massensiedlung. Wer das Glück hatte, durch seine Schule zu gehen und mit ihm zusammenzuarbeiten, w:-iss, wie ernst er jede Aufgabe nahm und weich grosse Anforderungen er an sich und andere stellte. Er verlangte vor allem Klarheit und Ehrlichkeit in der Politik und Mut zur Vertretung eigener Meinungen, eine Haltung, die ihn oft in Gegensatz zu führenden Messchen seiner Partei brachte Die Fülle seiner Begabung und seine grosse Erfahrung prägen ihn zu einem jüdischen Staatsmann eigener Art, dessen weiser Rat auch BEVORZUGUNG VON EIN-1 aufgenommen. Seit der WANDERERSIEDLÜNGEN Gründung des Staates haben im Rahmen der Jugendali- Bei dem Ausschuss der Histadrut zur Förderung des Mittel- und Hochschulstudiums wurden 4.500 Gesuche eingereicht. Aus Histadrutkreisen verlautet, dass Gesuchstellern aus Eiuwandererstädten, Entwicklungsgebieten und Armenvorstädten der Vorzug gegeben wird. Aus Einwanderungssiedlungen sind 1000 Gesuche eingetroffen. Bekanntlich besteht ein ähnlicher Stipendienfonds auch in der Absorptions - Abteilung der Jewish Agency, deren Budget aus Keren Hajessod-Geldern gespeist wird. TEMPORAERE UNTERBRINGUNG Der Prozess der Auflösung der Maabarot (Uebergangslager für Einwanderer) und provisorischer Wohnstätten geht in unvermindertem Tempo weiter. Im Jahre 1952 erreichte die Zahl der Maabarotinsassen und der provisorisch Untergebr achten 250.638 Seelen. Diese Zahl verringerte sich ständig im Lauf der Jahre und fiel bis auf 35.246 im November 1961. JUGENDALIJA Das Budget für die Jugendali.ia beläuft sich in diesem Jahr auf 10.831.000 IL. Im laufenden Budgetjahr hat die Jugendalija 3600 Jugendliche in ihre Betreuung neu ja 65.000 Kinder und Jugendliche Erziehung und Ausbildung erhalten. Die Zahl der Zöglinge der verschiedenen Anstalten der Jugendalija beträgt heute 13.000. EINWANDERER AUS SUEDAM ERIKA Einige Dutzend Einwandererfamilien aus Südamerika, die dem Mittelstand angehören, sind im Begriff, sich in Atlia niederzulassen. Die Gesellschaft “Rassco“, zu deren Aktionären der Keren Hajessod gehört, plant in Atlit fiir diese Familien sowohl Wohnbauten als auch Fabrikgebäude zu errichten. In den letzteren sollen Betriebe der Leichtindustrie unterg-bracht werden, in denen die Einwanderer ihren Unterhalt finden könren. Im allgemeinen ist jetzt in Atlit eine grosse Bautätigkeit für Neueimvanderer zu verzeichnen. Im Augenblick nähern sich 120 Wohnungen in zweistöckigen Häusern ihrer Vollendung. In 50 fertiggestellten Wohnungen sind brreits Einwandererfamilien eingezogen; 150 weitere Wohnungen befinden sich im Stadium der Planung. F IN WANDERUNG AUS AMERIKA Im November 1961 trafen 110 Einwanderer aus den USA in Israel ein. Wichtige Beschlüsse des A. C. Jerusalem. — Eine Resolution, die sieh an alle Länder richtet, welche noch heute die Auswanderung der Juden nach Israel verbieten, und sie auffordert, dieser Verweigerung „historischer Rechte“ ein Ende zu setzen, wurde vom Aktionscomite der Zionistischen Weltorganisation angenommen. Unter namentlicher Nennung der Sowjetunion unter den Ländern, die die Juden nicht nach Israel auswandern lassen, werden die diskriminierenden Länder ersucht, diese Rechte der Juden anzuerkennen und ebenfalls dem heute poch grösste Beachtung verdient. Mögen ihm noch viele Jahre vergönnt sein, diese wichtig Funktion zu erfüllen. humanitären Aspekt der Vereinigung der Familien Rechnung zu tragen. Andere Resolutionen empfehlen die Stärkung aller zionistischen Aktivitäten in der Welt und ersuchen um die Erweiterung der Bemühungen zur Absorption dei Einwanderer in Israel angesichts des Anwachsens der Alija. Dr. Nachum Goldmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, verwies auf die Notwendigkeit, grössere Anstrengungen zur Steigerung der jüdischen Auswanderung aus den Vereinigten Staaten zu unternehmen. „Eine Einwanderung von 10.000 nordamerikanischen Juden im Monat würde dramatischer sein als ein Sieg auf dem Schlachtfeld“. führte er aus. (ITA) ’OB, T&. WB VI VI VI Í TGL i Man erwartet von uns, dass wir die ersten sind, die ihre Pflicht gegenüber der Einheitskampagne erfüllen! 9999992