Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1962 (1.6.1962)
- Date
- 1962-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Zehn Jahre Wüstenfahrt von SCHALOM BEN-CHOR IN Vierzig Jahre dauerte die Wiislentahrt der Kinder Israels. Zehn Jahre befiinrt nun Israels Verkehrskooperalive ,,Egged“ die Wüste des Negew, von Beer Schema bis Elat. Am 1. November jährte sich genau diese Dekade aber erst einige Monate später fand eine Jubi- Jiiumsfahrt von ,,Egged“ nach Elat statt, die die Entwicklung der Wüstenfahrt demonstrieren sollte. O Um den Kontrast so recht vor Augen < und durch den Magen) zu fuhren erwartete uns in aller Herrgottsfrühe ein uralter Autobus, eine Wackelkiste letzten Ranges aus der „guten alten Zeit“ Mit diesem ehrwürdigen Marterinstrument hoppelten wir munter los, um Erinnerungen aufzufrischen. In meinem Fall war das ei' gentlich nicht nötig, da ich mich trotz allgemeiner Vergesslichkeit noch der ersten Pressefahrt nach Elat (11. bis 13. Juli 1951) so gut erinnerte, dass ein verbaler Hinweis genügt hätte, aber die jüngeren Journalistengeneration sollte die Schrekken der „antiken“ Wüstenwanderung auch noch verkosten.Er st gründlich durchgeschüttelt sollten wir den neuen Standard erleben. WIEDERSEHEN MI'"' BEER SCHEWA Zum vierten Male sah ich Beer Schewa, die Wüsten stadt Abrahams, wieder. Unvergesslich der glühende Mittag 1946, wo wir mit UN- SCOP, der letzten internationalen Untersuchungskommission, die das Palästina- Problem zu studieren hatte, hier eintrafen und als jüdische Journalisten vor dem arabischen Rathaus stehen mussten, da man uns nicht eintreten liess. Zwei Jahre später durfte ich als Kriegsberichterstatter der siegreichen Zahal- Armee nach Eeer Schewa folgen, wo nun im ehemaligen arabischen Rathaus ein israelischer Militärkommandant residierte. Zum dritten Mak. sah ich Beer Schewa. das Tor des Negew, wieder, als wir unseren Truppen im Zuge der Sinai-Aktion bis El-Arisch folgten. Diesmal aber war unser Besuch weit friedlicher. Das wunderbare hochmoderne Volkshaus und Gemeindezentrum, das den irreführenden Namen ,,SHE- WER“ - Community Centre“ trägt (Schewer - Bruch, aber von Bruch kann hier gar keine Rede sein) war die letzte Station: Station voller Zivilisten, ehe sich die Wüste vor uns auftat in ihren unendlichen Räumen. STATIONEN DER ERINNERUNG Auf dem alten Wege geht es nun „he darome le Ejlath“ auf gen Süden nach Elat. Von Kfar Jerucham aus klettert die Strasse zur Skorpionen - Höhe Maale Haakrabim empor, wo sich noch 1954 ein furchtbares Blutbad ereignet hat: Ueberfall auf einen Egged-Autobus, wobei alle Passagiere mit Ausnahme eines kleinen Mädchens, ums Lieben kamen. Man hat aus dieser blutigen Lektion gelernt: heute verläuft die neue, ausgezeichnete Strasse nicht mehr so nah der transjordanischen Grenze. Unser Autobus aber, der historische Wege einschlägt, ist doppelt gesichert. Jizschak Levy, einer der Sprecher der „Egged“-Gesellschaft, hat vor sich im Wagen ein Maschinengewehr aufgebaut; einige besonders martialische Korrespondenten werden mit Usis bewaffnet und über uns kreist ein Militärflugzeug unseren Transport bewachend. Die „Steige Akrabim“ wird schon im Buch Josua 15.3 bei Beschreibung der Grenzen und Städte des Stammes Juda genannt; von hier aus blickt man auf die Berge Edoms und jenen Eerg Hör, auf dem Ahron. der Hohepriester, den Bergtod starb. In Chazera werden — endlich — die in prächtige Cargal-Kartons eingepackten gebratenen und gesottenen Köstlichkeiten verspeist und aus einer Eistonne kühle Getränke verabreicht. «Das war weniger stilecht, denn vor zehn Jahren war die Verpflegung weit frugaler, aber niemand bestand hier auf der historischen Wahrheit. ..) Ueber Ayn-Chussub und Ayn-Jahab geht's ganz hart an der Grenze weiter bis in die nächste Nähe der gefähi-lichen Zauberstadt Petra, wo der „Sela Haadom“, der rote Felsen lockt, ein Lorelei-Felsen der Trockenheit der junge Schwärmer ins Verderben riss. Wir steigen empor zu jenem Mahnmal, das an drei romantische Burschen und zwei junge Mädchen erinnert, die dem Wüstenrausch folgend, den AVeg nach Petra wagten und nicht mehr heimkehrten. Mörderische Beduinen, denen die Regierung Transjordaniens einen blutigen Kopflohn von zehn Pfund pro Mord bot, knallten diese jungen Israelis nieder, die es nach der alten Wunderstadt Petra mit ihrer grandiosen Felsenarchitektur getrieben hatte. Wir älteren Semester können diesen romantischen Todesrausch kaum verstehen aber wo wäre Jugend, wenn sie Jugend ist, je vernünftig gewesen? Wir stehen vor dem Mahnmal im kühlen Abendwind der Wüste und blutrot erglühen im Licht der scheidenden Sonne die Felsen Edoms, des Roten. Und rot war das unschuldige Blut, das am roten Felsen vergossen wurde... Symphonie in Rot .. Still gehen wir zum Wagen zurück, nur einer summt das heute im Radio verbotene Locklied „Hassela Haadom“, das Lied vom Roten Felsen. ELAT Letzte Station vor Elat ist Newe-Midbar, eine Benzinstation mit winzigem Rasthäuschen mitten in der absoluten Leere der Sandwüste, die ihren Staubregen über uns ergossen hat und selbst die Jüngsten „ergrauen“ liess. Zwei Studenten aus Jerusalem leiten die Wüstenherberge und verdienen sich so die nächsten Semester. Man hat auch Zeit zum Studieren in dieser Einsamkeit... Manchmal ziehen Kamele hier vorüber, die bekanntlich kein Benzin benötigen, aber natürlich fehlt es nicht an Kraftwagen, die nun die neue Strasse befahren, auf die wir — am Ende einer fast zwölfstündigen Expedition — jetzt einbiegen. Die Lichter von Elat grüssen aus der kalt - klaren Nacht, und vom anderen Ufer des Golfs blinken die Lichter von Akaba. Wir sind angelangt an der Vier-Länder-Ecke, wo Israel, Transjordanien, Aegypten und Saudi-Arabien so nahe aneinander grenzen. Was ist in Elat eigentlich? Eine ganz junge oder eine uralte Stadt? Niemand weiss das genau. Diese Hafenstadt am Nordende des Golfs von Akaba wurde den Edomitern wohl durch David entrissen (2. Sam. 8,14). Salomo baute sie zum Stapelplatz für seine Ophir- Schiffe aus (1- Kön. 9.26; 2. Chr. 8.17). Die Edomiter holten sich in den vierziger Jahren des 9. Jahrhunderts v.d.g.Z. Elat wieder zurück, aber König Usia eroberte es abermals <2. Kön. 14,22; 2. Chronik 26.21; allein schon um 735 geriet es unter Ahas wieder an Edom und die Juden wurden vertrieben (2. Kön. 16.61, bis es sich die letzteren 1956 wieder holten, wobei es bis heute nicht ganz geklärt ist, ob dieses Elat nicht eigentlich mit dem älteren Ezeon-Gever identisch ist, das bereits in den beide,, letzten Büchern der Thora erwähnt wird. Jedenfalls sieht man nichts von alten Edomitern im heutigen Elat, wo die jungen Marokkaner dominieren. Französisch ist neben Hebräisch die meist gesprochene Sprache im Hafen Salomonis... AKTION LOHENGRIN Die müden Glieder konnten wir, nach üppigem Mahl im prachtvollen Hotel Elat ausruhen. Hier empfand ich den Fortschritt der letzten zehn Jahre besonders stark: Damals hausten wir im Hotel Schilfmeer „Malon Jam- Suph‘ das besonders an die dritte der Zehn Plagen «Kinnim — Läuse.. ) erinnerte; jetzt aber ist hier ein elegantes, modernes Strandhotel entstanden, in welchem kein Komfort und Luxus fehlt. Mir genügt das... Andere verkosten noch das Nachtleben in der berühmten Bar „Soph Haolam“ (Weitende), die trotz ihrem eschatologischen Namen nach zwölfstündiger Sehiitteltour für den Wüstenfahrer keine Attraktion mehr bieten konnte. Ein Bad im Roten Meer, das durchaus blau ist. bildet den Auftakt für Sportler (gemässigtere Gäste ziehen dennoch im Januar eine warme Dusche vor); und dann ging's auf jenes berühmte Glasboot, das mich in der Prospekt - Beschreibung immer an ältere Inszenierungen des Lohengrin erinnerte, der in gläsernem Boot, vom Schwan gezogen, im rechten Augenblick bei Elsa landete.Aber das Glasboot von Elat ist keineswegs so märchenhaft: es ist ein ganz gewöhnliches kleines Motorboot für Touristen, dessen Boden teilweise durch Glasplatten ersetzt wurde, durch die man nun die wahrhaft märchenhafte Korallenwelt und Fisch-Bevölkerung des Schilfmeeres bewundern kann. KUPFER KOMMT VON ZYPERN Das Wort Kupfer kommt von Zypern, erklärt Mosche Tsur, unser nimmermüder Reiseführer, vor den Kupferminen von Timna. Heute kommt Kupfer nicht nur von Zypern, sondern wird auch in Israel gewonnen, wo 24 Millionen IL in diesen Werken investiert sind, so dass also Gold in Kupfer verwandelt wird, um sich auf dem Exportweg wieder in Gold zu verwandeln .. aber ich will dem Wirtschaftskorrespendenten nicht vorgreifen, der mit von der Partie war. Die Kupfergewinnung in diesem neuen Industriezentrum in der Sandwüste — mit Scheidewasseranlagen, in welchen riesige Apparaturen rotieren — schliessen, nach Nelson Glück, an die Kupferminen Salomos an, nach welchem auch die riesigen roten Steinsäulen, seltsame Naturgebilde, genannt werden. Die Natur selbst hat hier modelliert: eine Sphinx, von natürlicher Erosion gebildet, und andere Merkwürdigkeiten starren den Besucher an, der von magischer Gewalt angezogen seinen Namen in den Felsen ritzt. Wenn das so weiter geht, werden wir hier bald eine Felsenfiliale des „Mirscha-vi Hathosehawim“, des Bevölkerungsregisters, haben .. Durchs gerade zehnjährirr OLAMENU" TEL AVIV POB 3002 ISRAEL Herausgegeben von HUGO GOLD Prof. Dr. H. Sternberg: NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Kart. 3.— Prof. Kamilo Landmann: Israel und die Juden der Welt Kart. 2 — SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Gewidmet dem Andenken von Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener Juden. ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen.$ 15. Nach Erscheinen.$ 20. Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Avivi P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind in USA-Dollur angegeben. LITERATUR * Die “Grosse jüdische Hatioi Was in der stillen Klausur einer kleinen Mitwohnung in Ramat Gan geleistet wird lässt sich schwer mit wenigen Y/orten umreissen.Während keiner Minute der eineinhalb Stunden, die unser Gespräch dauerte, verblasst der starke Eindruck, den ich schon beim Betreten dieser Studienstube empfing. Von der schöpferischen Leistung eines einzelnen, ist die Rede, von der während eines Menschenalters entstandenen „Grossen Jüdischen Nationalbiographie“, die der Lexikograph Salomon Wininger unter schweren Opfern erarbeitet hat. Der Gelehrte weist auf den mit Folianten, Akten und Schreibmaterial beladenen Tisch, mit Zehntausenden jüdischer Namen, deren Träger und Trägerinnen der Welt ihre Tribute dargebracht haben. Neben den Tannaim und Amoraim sind es die Lehrer der Mischna und Bauer des Judentums, neben den jüdischen Philosophen des Altertums, Mittelalters und der Neuzeit, die Schöpfer der Kabbala, des Chassidismus und des Freidenkertums; aber auch das Unzerstörbare beispielsweise im Werk Heinrich Heines, der politische Genius eines Benjamin Disrae- 11 «denn auch getaufte jüdische Persönlichkeiten wurden in die JNB aufgenommen) gelangten hier zur Würdigung. Herr Wininger erwähnt zwei markante Beispiele aus seinem Werk: Erstens: „Vor einigen Wochen tauchte in einer hiesigen Zeitung die Frage auf: „Hat es einen Papst jüdischer Abstammung gegeben?“, worauf jemand antwortete: „Ja, den Sohn des Rabbi Simon Elchanan im 11. Jahrhundert, der unter dem Namen Andreas den Stuhl Petri innehatte.“ Hier handelt es sich aber um eine Legende. Dagegen existierte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein Papst namens Anacletus II. (früher Petrus Leonis), dessen Vorfahre Baruch ein reicher, in Rom sesshafter Jude war (Band I. S. 122 23 der „Jüd. Nationalbiographie“). Zweitens: War Kolumbus jüdischer Abstammung? Ich lasse Herrn Wininger sprechen: „Unzählige Schriften, für und wider, sind darüber erschienen. Ich hielt es für richtig, in meiner Nationalbiographie III. S. 501 06 die Lebensgeschiehte des Entdeckers aufzunehmen und das wichtigste Quellenmaterial zum Beweis seiner jüdischen Abstammung erstmalig umfassend anzuführen.“ Er fährt fort: „Wann ich diese Arbeit begann, wollen Sie wissen? Das ist schon lange her.Im Jahre 1897 war ich ein junger Student in Wien, um die gleiche Zeit, als Theodor Hsrzl dort bekannt wurde und einige von uns sich um seine Fahne scharten. Es gab damals in Wien eine recht beschämende Tatsache. Viele junge Juden schämten sich ihres Judentums und Judeseins. In ihnen herrschte ein starker Minderwertigkeits- Komplex, der auch mich, der zwar nicht einem orthodoxen aber einem doch echt jüdischen Hause entstammte, zu befallen drohte,“ fasste ich. no ¡¡jähng. . dessen ' mich mein ndurch l*5, ich wW« d ph. was jüdis ,d Frauen o mderte. in a Erde gele. d noch ¡eis , mir. e‘K aibiographie d jeh habe di gehalten, ti Weltkriege, I i Emigratio iel Arbeit l h muss sic v achig und h soll diese edem einzel lt-Les ngehc Bän terfi 1er! dopi .Anerkennungen g jeder Zeit. Ganz frü lilill schrieb mir ii Ssm Max Nordau; dis Original. Scho IS! war nach fiin/z: gtr .Arbeit meine Sa st weit gediehen, , es mit finanzieller 1 ge Jotwata, Wüsten-Kibbuz und grünender Beweis der Kolonisationsmöglichkeit, in dieser absolut wirkenden Oede, fährt unser Autobus durch die Wüste auf neuer Bahn. Und welch ein Autobus ist es nun. Ein hochmoderner Touristen-Bus mit bequemen verstellbaren Sitzen, ganz wie im Flugzeug. Der Unterschied von vor zehn Jahren wird nun am eigenen Leib er-fahren! Nächstes Ziel ist Mizpe Ramon, hochgelegener Ausflugsort mit der Nabatäer- Kneipe „Miphgaseh - Nabatim“ wo man ausgezeichnet speist und ausserdem noch Kunstgewerbe, sozusagen frisch vom Fass, erhält. Ein Künstler bemalt hier Negew Gestein und verkauft es — zu mässigen Preisen — als Broschen und Nadeln. Das Geschäft blüht, denn wer wollte nicht zusätzlich zum bereits traditionell gewordenen Fläschchen mit rotem Elat-Sand noch allerlei Negew-Krimskrams mit nach Hause bringen? Das Restaurant nennt sich bereits nach jenem verschollenen Volk der Nabatäer, jenen Nachkommen Ismaels, die erstmalig in der Genesis genannt werden (Gen. 25,13; 28,9). IM SCHATTEN DER NABATAER Gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. d. g. Z. werden die Nabatäer im Gebiet des alten Edom östlich und südlich des Toten Meeres sesshaft. Die Residenz ihrer Könige war jenes heute so gefahrvolle Felsenheiligtum Petra. Durch Strabo wissen wir, dass sie einem Sonnenkult huldigten, nicht ver- LUACH — (KALENDER) Freitag, den 1. Juni 28. Iyar 43. Omer-Tag Sonnabend, den 2. Juni 29. Iyar Parschat BAMIDBAR 4. B. M. I 1 — IV 20 Haftara 1. B. Sehmuel XX 18—42 Neumondankündigung SIWAN 44. Omer-Tag Sonntag, den 3. Juni 1. Siwan 45. Omer-Tag Rosch Chodesch Siwan Montag, den 4. Juni 2. Siwan 46. Omer-Tag Dienstag, den 5. Juni 3. Siwan 47. Omer-Tag Mittwoch, den 6. Juni 4. Siwan 48. Omer-Tag Donnerstag, den 7. Juni 5. Siwan 49. Omer-Tag Freitag, den 8. Juni 6. Siwan 1. Tag SCHAWUOT Sonnabend, den 9. Juni 7. Siwan 2. Tag SCHAWUOT — Yiskor Sonntag, den 10. Juni 8. Siyan Montag, den 11. Juni 9. Siwan Dienstag, den 12. Juni 10. Siwan Mittwoch, den 13. Juni 11. Siwan Donnerstag, den 14. Juni 12. Siwan Freitag, den 15. Juni 13. Siwan