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Jüdische Wochenschau · 1962-06-01 · 1962 (1.6.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1962 (1.6.1962)
Date
1962-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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I J f I V 2 — Viernes. 1" de Junio de 1962 JÜDISCHE WOCHENSCHA U NACHZÄHLUNG: 100.000.- DM. Am» XXIII. — No. 1962 (Schluss von Seite 1) Regierung am 20. Juli 1932 — dem Papenstreich — schuf er die Voraussetzungen der Terrorherrschaft, die am 30. Januar 1933 endgültig etabliert wurde. Zum Lohn wurde Papen Vizekanzler und später ausserordentlicher Gesandter in Wien mit dem Auftrag, den Anschluss Oesterreichs vorzubereiten. Anschliessend diente Papen seinem Führer als Botschafter in Ankara. Von der bayerischen Spruchkammer wurde Papen in die Gruppe der Belasteten eingestuft. Acht Jahre Arbeitslager wurden gegen ihn verhängt. In das Ar beitslager wurde Papen nie eingewiesen, denn durch die Untersuchungshaft des Internationalen Gerichtshofes in Nürnberg galt die Strafe als verbüsst. Schon im Jahr 1953 forderte Papen eine Pension als Major des ehemaligen kaiserlichen Heeres. Jetzt hat ihm das Verwaltungsgericht in Mannheim diesen Anspruch zugebilligt. Papen wird nicht nur eine Pension, sondern eine Nachzahlung von rund 100.000 DM erhalten. Als vor vier Jahren die Pensions - Forderungen des Herrn von Papen in der Presse diskutiert wurden, schrieb der „Vorwärts“ in bitterer Ironie: „Wenn Henker und Henkersfrauen heutzutage Pension erhalten, warum nicht auch die, die lediglich die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass jene zu Henkern wurden?“ Heute bescheinigt FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1* izo. nachm. 16—19 Uhr T. E. 83-2613 ♦ S REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 der Verwaltungsgerichtshof ( Herrn Papen, dass er sich nicht gegen den Rechisstaat vergangen habe, denn im Jahre 1933 hätten „zahlreiche Politiker von untadeligem Ruf“ durch die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes die „damals herrschende Rechtsüberzeugung“ (bestätigt und bekräftigt. — Soweit der Bericht der Zeitung. Die Aufregung ist wirklich überflüssig, denn die Bundesrepublik hat doch einen Mann zu ihrem ersten Präsidenten gewählt, der auch für das Ermächtigungsgesetz, zumindestens aber nicht dagegen gestimmt hat. Es ist schwer, in diese chaotische Welt Ordnung zu bringen. Der Hitlerismus hat alles durcheinander gewürfelt. Zu viele Menschen waren in dieses Elend verstrickt. Ein von Papen, der als einer der wichtigsten Steigbügelhalter Hitlers angesehen werden muss, wird jetzt hoher Pensionsempfänger der Bundesrepublik werden, ohne dass ein Hahn danach kräht. Und warum soll von Papen nicht die Pension erhal ten, die andere, viel grosse re Nazi§ als er, seit Jahren bekommen. W’enn der höchst« Staatsanwalt am Volksgerichtshof Pension bezieht, wenn der nazistische Justizminister Dr. Schlegelberger sie bekommt, warum also nicht von Papen auch? Das Geld wird schon eingespart. Dafür sorgen die Entschädigungsämter. allen voran München. Die Opfer zu entschädigen ist bereits unmodern. Jetzt sind wieder die Nazis an der Reihe, unter ihnen auch von Papen, Vizekanzler. Parteimitglied, Opportunist sogar erfolgreicher Opportunist. Nachzahlung: einhunderttausend Deutsche Mark. Dafür be- JUDITH? SCHENKOLEWSKI % KULTUSSTICKEREIEN ij Schabbosdecken - Tallis- \ J beutel - Käppchen - Mnz-i 5 zot-Taschen - Hand- und 1 % Maschinensticker'-i von J Bett und Tischwäsche t Dr. P. I. RIVERA 2585 i (fr. Bebedero) J T. E. 73-9155 Jaime Liebling s. A. : SPERRHOELZER J HOELZERj DIAZ VELEZ 5224 : Tel.: 89-9349. 33-9305 ♦ : OPTICA ♦ ♦ £ DIPL. OPTIKER I Sarmiento 829 ILE. 35 - 7356 j kommen die Opfer der Konzentrationslager fünf Mark pro Tag! — Eine Schande. IV. Mordanklage Der Oberstaatsanwalt in Flensburg hat Mordanklage gegen den früheren SS-Führer Martin Fellenz erhoben, der zuletzt als Kaufmann in Schleswig tätig war. Wie die Justiz - Pressestelle in Flensburg mitteilte, wird Fellenz vorgeworfen, im Sommer 1942 im Distrikt Krakau an Judenvernichtungs - Massnahmen mitgewirkt zu haben. Ihm wird dabei im einzelnen zur Last gelegt, fünf Judenaussiedlungen organisiert und geleitet zu haben. Bei diesen Aussiedlungen seien die Juden entweder an Ort und Steile getötet oder mit der Eisenbahn in die Vernichtungslager bei Lublin gebracht worden. Fellenz war erst nach dem Kriege nach Schleswig gekommen. Er hatte dort geheiratet und war Geschäftsführer in der Bäckerei seines Schwiegervaters. Als Schleswiger Ratsherr der Freien Demokraten hatte er sich in der Oeffentlichkeit grosses Vertrauen erworben. Di« Ermittlungen gegen Fellenz waren von der Zentralstelle der Landesjustizverwaltung in Ludwigsburg in Gang gesetzt worden. Im Juni 1960, kurz bevor die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Flensburg einen Haftbefehl erliess, war Fellenz als offizieller Stadtvertreter von Schleswig zu einem Besuch der englischen „Freundschaftstadt“ Hayes and Harlington bei London delegiert worden. Nach der Rückkehr von der Auslandsreise stellte sich dann Fellenz freiwillig. Seit dieser Zeit sitzt er in Flensburg in Haft. Wieder ein Mörder, der es zu hohan Ehren gebracht hat; die FDP ist nämlich Regierungspartei. Die Möglichkeiten, sich vorher über das Leben eines Parteikandidaten zu erkundigen, sind offensichtlich nicht vorhanden. Uebrigens konnte auf eine Rückfrage, wie wir unterrichtet sind, die hei der FDP gehalten worden ist, von der Partei nicht gesagt werden, ob der unter Mordverdacht verhaftete frühere Ratsherr noch in der Mitgliederkartei geführt werde. Es wurde aber versichert, dass die Partei mit diesem Mar.n seit seiner Verhaftung PROPIEDADES FRANKENBERG berät Sie Kostenlos und | unverbindlich beim Kauf •. oder Verkauf von; GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 * MARTHA \ \CHAPEAUXI HUTSALOr Jetzt in X BELGRANOj, J MOLDES 2561 *, T. E. 73 9229 i, 73-9155 > M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 I T. E. 76-6784 n. 76-2312 i JACOB LAPIDUS Í Í dipt. Mohel i \ NEUE ADRESSE $ VIAWONTE 2037. 4j. B. Î 46-1716 und 48-2ir,4 Í „keine Fühlung“ mehr habe. Das ist überzeugend, aber daran dürfte weniger der Willen der genannten Partei als die Gefängnisverwaltung die Schuld tragen. Der Verhaftete dürfte kein „kleinerer“ Verbrecher sein, denn immerhin werden ihm fünf „Judenaussiedlungen“ vorgeworfen. Das Wort „Aussiedlung“ kann im Deutschen nur durch Massenmord ersetzt werden. In Wirklichkeit war „Aussiedeln“ nur eine Irreführung. Es handelte sich um Liquidierung. Schleswig ist nach dem nazistischen Zusammenbruch ein Nazi-Paradies geworden. (Es war dies auch früher, was der Ordnung halber festgestellt sei). — Die lange Kette der dort gefundenen und lebenden, sogar Pensionen empfangenden Grössen des Dritten Reiches ist durch diesen Herrn Fellenz „bereichert“ worden. Wie viele dürften dort noch unangetastet leben? Flucht nach Aegypten Der Wegen politischer Straftaten gesuchte Feinoptiker Peter Bernau aus Berlin ist auf dem Flughafen in Frankfurt verhaftet worden. Die Westberliner Justizpressestelle teilte dazu mit, dass Bernau bereits die Flucht nach Aegypten gelungen war. Auf der deutschen Botschaft in Kairo hatte er mit der Behauptung, er habe seinen Reisepass verloren, die Ausstellung eines neuen Passes beantragt. Die Botschaft, die von dem in Ber lin gegen Bernau ergangenen Haftbefehl Kenntnis erhielt, veranlasste den Flüchtigen unter bisher nicht bekannt geworde-en Umständen zum Rückflug nach Frankfurt, wo die Polizei ihn in Empfang nahm. Wann, mit wessen Unterstützung und w?lchen Papieren der Flüchtige nach Aegvpten entkommen war, ist bisher rio^h nicht geklärt. Der Haftbefehl war von PRAKTISCHER ARZT Dr. J. P. Kroll Bieber 3 DE FEBRERO 2030 Mo., Mitt. Freit. 15—20 Uhr. — T. E. 76 0266 PRIVAT 52-7734 VORANMELDUNG r NERVEN u. GEMÜTS¬ KRANKHEITEN Dr. M. J. KUHN prov. RIVADAVIA 2625 UI Tel. 48-7524 Mont.. Mittwoch, Freitag 17—20 Uhr. Tel. Anneli düng erbeten. der Zweiten Grossen Strafkammer des Westberliner Landgerichts erlassen worden. Der jetzt 23jährige Bernau ist angeklagt, als „Stabsführer“, der durch Beschluss des Westberliner Senats verbotenen ..National-Jugend Deutschlands“ verfassungsfeindliche Geheimbündelei und neonazistische Propaganda getrieben zu haben. Er hatte Haftverschonung erhalten und war dann zum Gerichtstermin nicht erschienen. Die Tatsache, dass es wieder einmal einem Nazi gelungen ist, nach Aegypten zu entfliehen, dürfte ebenso alarmierend sein wie darauf hinweisen, dass es ehe Organisation gibt, die den „Gefährdeten“ hilft und ihnen bei ihren Fluchtversuchen Vorschub leistet. Es ist merkwürdig, dass die zuständigen Behörden nicht imstande sein sollen, die Hintermänner zu finden. Sicherlich ist hieran ein objektives Inte.-esse vorhanden. Man braucht nicht etwa anzunehmen, dass die obersten Behörden solche Leute decken. Aber sie haben nicht die ausführenden Organe, die zuverlässig genug sind, um die Spuren zu entdecken, die sie nicht finden wollen. Man braucht nur an die Enthüllungen 2U denken, die vor einigen Monaten von einer deutschen Staatsanwältin gemacht worden sind, die offen erklärte, dass man kein volles Vertrauen zu den Polizei-Instanzen haben dürfe, weil dort noch zu viele Ehemalige sässen. Noch! 1962. Der Vorfall ist aber darüber hinaus auch lehrreich, weil er zeigt, dass es nicht nur alte Nazis gibt, sondern auch neue, die in der Zeit des Dritten Reiches noch kleine Kinder waren. Wer sind ihre Lehrmeister? Vielleicht wollte der junge Nazi dort in Aegypten von jenem Schulmeister weitere Instruktionen erhalten, der vor ihm mit grösserem Erfolg und ebenfalls mit der Hilfe U SEMANA ISRAELITA Bisemanario — aparece .os Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Virantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190, Io izq. T. E. 83-2613 80 6930 Abono-Preise: Argentinien: í 190.— pro Quartal Ausland $ 600 — jährl seiner Gesinnungsgenossen nach Kairo entfliehen konnte. VI. Viele Symptome Ohne die Sachlage zu übertreiben, gibt es zahlreiche Hinweise für ein Wiederaufblühen des Nazismus. Die faschistische Internationale ist viel aktiver als dies manche Kreise wahrhaben wollen. Hinter den meisten ,.Zwischenfällen“ stehen die alten Kämpfer, die Morgenluft wittern. Meistens ohne es zu wollen, wird diesen Bestrebungen durch eine kaum zu übersehende Fülle von Fehlentscheidungen Vorschub geleistet. Es war schon einmal die Justiz, die den rechtsradikalen und antisemitischen Gruppen auf diesem Wege half. Rentenempfänger Papen ist ein anregendes Beispiel für alle Gleichgesinnten, sich nicht stören zu lassen. Warum sollte sich nur der papsnsche Opportunismus in bare Münze verwandeln? Die geschäftlichen Aussichten für diese Herrschaften sind trotz der entgegengesetzten Beteuerungen und sicherlich auch trotz der guten Absichten der höchsten Regierungsstellen nicht schlechte. Höchste Regierungsstellen? Auch das kann man nur mit starken Einschränkungen behaupten. Denn Globke ist immer noch im Amt... Dr. B. Schwanz : ZAHNARZT } ESTOMBA 2283 52 S214 RAYOS X PARADENTOSE 4 TELEF. I ¡¿'lïl-lSÎSSiSSBiiHIliliaiiiiïïîJSâïSiïlHliSSSBSitïïSiiâüsSiIM | Dr. BERNARDO GOLDSTEIN |! MEDICO g S , jjj : Cardiología — Hospital Fernández s! 5 i Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme ■ m g I CUBA 2141 — T. E. 73-8782 n. 73-6817 s « “ fl ™ M J i Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr S! Sonnabend: 14—16 Uhr ■ « S ■»Sïir3S*5ïïIÏÏMiïIÎSï5Sli**ï*ïS**S'H“******S18**3s,*,eaS1,'JS ¡ VARICES-ULCERAS ¡ i DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS; Dr. SAUL UMANSKY f Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 g ■a 5 m 5 i H ROSENZWEIG : TAILOR HENRY •TUCUMAN 563 piso 1 - T.E. 32 0913; Groesste Auswahl in imp. u. hiesigen Stoffen *: »*fälES*SIHMSSESilE2SS*S*vg*Siiä5i*I*SlS**SHSSNi3SI*«a*SJE»i,!i)r. 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