Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1961 (26.5.1962)
- Date
- 1962-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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1 4 — Sábado. 26 de Mayo de PH-2 SEMANA ISRAELITA Ano XXIII. — No. J%1 Ereignisse der Woche Mesa redonda“ der DAIA Die Dachorganisation der jüdischen Organisationen Argentiniens, DAIA, hat nunmehr ihre Veranstaltungen, bei denen bei einem Mittagessen Themen von allgemeinem Interesse behandelt werdsn. für das laufende Jahr wieder aufgenommen. Bei dem Essen, das vor einigen Tagen stattfand, viurde des 152. Jubiläums der Mai-Revolution und des 14. Unabhängigkeit ages Israels gedacht. Das Thema lautete „Die Völker und ihr Streben nach Unabhängigkeit“, das_ von Frau Dr. Margarita Argüas. Mitglied der Appellations-Zivilkammer und Professor des Lehrstuhls für internationales j Privatrecht der Fakultät | für Recht und Sozialwissenschaften der Universität Buenos Aires, sowie von Dr. i José Peco, Präsident der I Universität von La Plata; und Titularprofessor für! Strafrecht der Fakultät für ' Rechts- und Sozialwüssen- | schäften an dieser Hochschule, behandelt wurde. Der Präsident der DAIA, Dr. Goldenberg, begrüsste die um den Mittagstisch versammelten Gäste. Nach ihm ergriff der Israel-Botschafter General Awidar das Wort und betonte mit dem Hinweis auf die beiden Jahrestage, die Argentinien und Israel in diesem Monat begehen, dass diese dazu angetan seien, die hsrzlichen Beziehungen der beiden. die Freiheit liebenden Völker zu verstärken. Freiheit und Unabhängigkeit Als erste Rednerin zum Thema sprach Frau Dr. Argüas. Sie zitierte den holländischen Juristen Jitta. der in seinem Buch über internationales Privatrecht festgestellt hat, dass die Menschheit zwei Zielen, ei- 1 nem humanitären und einem j nationalen, zustrsbt. Diese . Tendenz sei ln jeder Epoche der Geschichte zu verfolgen, denn stets hätten sich die Menschen bemüht, mit den Bewohnern anderer Staaten friedlich zusammenzuleben . und im Innern ihres eigenen Landes die Achtung vor dan; Menschenrechte zu bswah-! ren. ,,Die Völker streben j nach Freiheit und Unabhän- , gigkeit“, betonte Dr. Argüas, wobsi sie auf den; Freiheitskampf der Vereij nigten Staaten und das heu-; tige Ringen der Volkers Asi- | ens und Afrikas um ihre; Unabhängigkeit hinwies, denn ..die Aera des Kolonialismus ist vorüber“. Gerechtigkeit und Menschenwürde Der Präsident der Universität La Plata, Dr. José Peco, sprach ohne Konzept. Er unterstrich eingangs die Bedeutung der Zusammenkunft von Vertretern eines kleinen, orientalischen, grossen Volkes mit Repräsentanten Argentiniens, das trotz seiner häufigen, doch vorübergehenden Krisen stest ein« grosse Nation ist. Er vertrat die Ansicht, dass die hier zur Debatte stehenden Elemene nicht die einzigen dartelien. welche bestimmend für die Unabhängigkeit eines Volkes seien, sondern die Freiheit des Individuums eine ausschlaggebende Rolle spiele. Er erinnerte an Ereignisse, die sich im Altertum in Rom zutrugen, im Mittelalter in Spanien, im zeitgenössischen England, um zu beweisen. dass der unbezähmbare Freiheitsdrang, den jeder Mensch in sich fühlt, zur Erlangung der nationalen ^Unabhängigkeit beiträgt. Er* erwähnte die „grossen Imperien“ unserer Zeit und sagte voraus, dass die gleichj Entwicklung sich in ihj nen vollziehen werde, wobei er die Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass Völker wie Polen und die Tschechoslowakei ihre Wiedergeburt erleben mögen. Dr. Peco bezog sich hier-! auf auf dieses Streben der; Völker Israels und Argentiniens in ihrem Kampf „für Freiheit, nieht für Liederlichkeit, welche zur Zerstörung der Demokratie führen muss.“ Er verteidigte die wahre Freiheit als bestimmend ..für den Dienst an der Menschheit und der Völker in ihrer Mission, Gerechtigkeit und Menschenwürde zu erkämpfen.” Von der Kampagne Das argentinische Judentum wird erhebliche Anstrengungen machen müssen, um seinen Verpflichtungen gegenüber sich selbst, gegenüber Israel und der Kampagne gerecht zu werden. In diesem Jahr wird eine erhebliche Einwanderung nach Israel kommen. Bereits der letzte Monat stellte einen Höhepunkt seit langer Zeit dar. Es kommen vorwiegend Juden aus Ländern, aus denen sie auswandern müssen, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Leider gehen Juden nach Israel nur, wenn sie müssen. Wenn sie können, kommen sie nicht, und wenn sie wandern wollen, war es bisher meist zu spät. Das ist ein Reflex der jüdischen Tragödie, — mit wenigen Worten ausgedrückt. Das argentinische Judentum muss die Einordnung von 500 einwandernden Familien übernehmen. Das ist nicht viel für eine Gemeinde von mindestens 500.000 Seelen, die von den Gefahren und Auswirkungen des letzten Krieges verschont geblieben ist und bisher in Ruhe gelebt hat. Das ist Die naechsten Kurse finden statt, am MONTAG, DEN 4. JUNI, UM 20 UHR 30 IM GEMEINDEHAUS (RAMER 2060 1. Kurs: BIBELKUNDE: Dr. Meir Rosenberg (BEGINN 20 UHR 30 pktl.) 2 Kurs: GEGENWARTSKUNDE: Dr. Swarsensky 2. «BEND: DER KAMPF UMS RECHT (Geistige Lage der Juden zwischen den Zeiten) (BEGINN 21 UHR 20) 3. HEBRAEISCHE KURSE: 1. Jahr: Montags: 18 Uhr 30 und Mittwochs: 19 Uhr 15 2. Jahr: Dienstags und Donnerstags: 17 Uhr 3. Jahr: Montags: 17 Uhr und Mittwochs: 17 Uhr 50 Alle Kurse finden in der Cramer 2060 statt nicht viel für eine Gemein- | schaff, die es zu einem gewissen Wohlstand gebracht j hat. und es noch nicht ein- | mal viel in dizsem Augen- 1 blick einer wirtschaftlichen , Krise.! Ausserdem ist es Zeit ge- , worden, dass die Juden in j Argentinien aus ihrem egoi- I stischen Dornröschenschlaf I aufwachen. in ihrem eigenen Interesse. W-inn andere sie wecken, wird es ein grosses Erschrecken geben. Es gibt Umstände, die selbst die argentinischen Juden erkennen lassen, dass ihr Beitrag zur Einheitskamnagne in erster Linie der Festigung ihrer eigenen politischen und vielleicht auch wirtschaftlichen Position gilt. Jeder Jude, der für Israel gibt, gibt in erststcr Linie für sich selbst! Diesen Satz sollte sich jeder als Leitsatz seines Handelns auch dann gut einprägen, wenn er im Augenblick von seiner Richtigkeit nicht überzeugt sein sollte. Möglicherweise werden ihn äussere Umstände schneller überzeugen, als uns lieb ist. Die Mindestgrenze Die Konvention der Einheitskampagne hat die Mindestgrenze der Beisteuerung für das Jahr 1962 auf 2.500; argentinische Pesos heraufgesetzt. Dieser Beitrag stellt einen Minimalbeitrag dar. Am Tag der Konvention bedeuteten diese 2.500 argentinische Pesos 25 Dollar. Man hat viel darüber debattiert, ob man nicht einen höheren oder tieferen Mindestbeitrag ansetzen sollte. Für jede dieser Auffassungen lassen sich gewichtige Argumente anführen. Man verständigte sich dann auf 2.500.— Pesos. In unserem Sektor dürfte es nur sehr wenige Ausnahmen geben, dass dieser Steuerbetrag für Israel nicht bezahlt werden kann. Bei uns haben die meisten, die früher über keine Mittel verfügten, ihre Entschädigungen erhalten. Es dürfte nur eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Juden, die ihre Entschädigungen bekommen haben, einen würdigen Beitrag zur Kampagne leisten, und nicht etwa nur den Mindestbeitrag. Denn ohne Israel und ohne die Zionistische Weltorganisation unter Führung ihres Präsidenten Nachum Goldmann hätten die Deutschen niemals Entschädigungen gezahlt, und die Juden hätten niemals Gelder bekommen. Aber auch ohne diese Reparationsleistungen dürften die meisten imstande sein, den Mindestbeitrag zu geben. Die Comités sind angewiesen, Zahlungen unter dem Betrag, der von der Konvention angenommen wurde, nicht zu akzeptieren. Die neue Leitung Die auf der Konvention der Einheitskampagna gewählte neue Leitung besteht aus: Ehrenmitglied: Dr. Gregorio Topolewsky, früherer Botschafter Argentiniens in Israel. — Präsidenten: Eseribano Abraham Maler und Dr. Hardi Swarsensky. — Vizepräsidenten: Pedro Pechersky, León Cayani, Numo Wertheim, Salomon M. Gutman. Jacques Misrahi und ein Repräsentant der DESA, Organisation sefardischer Juden. — Generalsekretär: Dr. Le¬ ón Lapaco. — Sekretär für das Landesinnere: Saul Patrich. — Prosekretäre: Moisés P?ist und ein Repräsentant des Comités für Gross-Buenos Aires. — Tesoreros: Naum Aizenberg, Israel Ovsejevich und Miguel Wetsztein. — Protesorero: León Rabinowich. — Ferner eU Beisitzer, unter 10. OSFA - Kongress Mit beschleunigt?m Tem-i po verstärkt die OSFA ihre Vorbereitungen für die Abhaltung ihres 10. Landeskongresses. Innerhalb ihrer stets höhsr gesteckten Ziele beendet diese grosse Organisation wieder eine Periode ihrer fruchtbaren Arbeit, die in unseren Kreisen weithin bekannt und geschätzt ist. Delegierte aus 27 Bezirksabteilungen, welche die Tausende von Mitgliedern aus dem ganzen Land repräsentieren, werden an diesem Kongress teilnehmen, dessen Eröffnung der Präsidentin, Dra. Hadasa K. de Grinberg, obliegt und am 28. Mai um 21 Uhr im Teatro Astral stattfinden wird. S. E. der Botschafter Israels. General Joseph Awidar, wird die Veranstaltung mit seiner Anwesenheit und seinem Wort ehren. I Die israelische Sängerin 1 Alizä Kashi wird ein inter-' essantes künstlerisches Programm bieten. Am Dienstag, den 29. Mai, wird der Kongress mit seiner praktischen Arbeit beginnen. In den verschiedenen Arbeits-Kommissionen werden die in dieser Periode erzielten Errungenschaften analysiert werden, um eine bessere Planung d?r künftigen Arbeit zu erzielen, die sich in dem Geiste, der auf der XIV. WIZO-Konferenz herrschte, und im Sinne seiner Resolutionen gestalten soll. Innerhalb der verschiedenen Kommissionen werden die Delegierten Gelegenheit haben, über ihre Erfahrungen zu berichten, ihre Meinungen und Vorschläge zu äussern, die zur Ausarbeitung der Resolutionen dienen werden, welche vor ihrer Annahme im Kongress zur Debatte gestellt werden. Während der Arbeitspausen werden die Delegierten, zur letzten WIZO-Konferenz über diese Tagung sowie über das Werk der WIZO und ihre Eindrücke im Lande berichten. Der Kongress wird mit einem Cabalat Schabbat geschlossen werden, bei dem Herr Dr. Leon Dujovne das Wort ergreifen wird. Es steht zu hoffen," dass der Erfolg dieser Konferenz sich in erneuter Energie auswirken, wird, die einen positiven Antrieb zu künftiger Arbeit liefert. ihnen der bisherige Präsident der Vereinigten Kampagne, Don Julio Levin. — Bereits zwei Tage nach der Konvention haben die Mitglieder der neuen Leitung ihr Amt übernommen. Comisión ética Mit den Fällen, wo Juden ihre Verpflichtungen gegenüber der Kampagne nicht erfüllen, wird sich die „comisión ética“ beschäftigen. Niemand soll glauben, dass er sich diesen Pflichten entziehen kann. Auch steht der Gemeinschaft das Recht zu, darüber zu entscheiden, welchen Beitrag der einzelne zu leisten hat. Die „comisión ética“ wird Normen ausarbeiten, deren Anwendung — wie wir hoffen — nicht erforderlich sein wird. Als erste werden die Vorstände aller Gemeinden und Organisationen in Argentinien ihre Kampagne-Pflicht erfüllen müssen. Diese Aktion wird in wenigen Tagen abgeschlossen sein. Jedenfalls sei auch an dieser Stelle daran erinnert, dass niemand Mitglied eines Vorstandes sein kann, der sei ner Kampagne-Pflicht nicht nachkommt. Hiervon sind erst recht nicht die jüdischen Funktionäre ausgenommen, mögen sie welches Amt auch immer bekleiden. Je höher und verantwortlicher die Stellung eines Menschen ist, desto mehr und desto eher ist es seine Pflicht — und zwar nicht freiwillige, sondern aus dem jüdischen Gesetz entspringende Pflicht —, seine Beisteuerung für Israel zu leisten. Es ist bedauerlich, hierauf überhaupt hinweisen zu müssen. Resolutionen Sobald der genaue Wortlaut der Resolutionen vorliegt. die vom Kinus gefasst worden sind, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen. Rabbi Goldstein Rabbi Israel Goldstein, der Präsident des Keren Hayessod in Jerusalem, wird im Laufe des Monats Juni nach Argentinien kommen, um hier wichtige Besprechungen mit dem Präsidium der Kampagne zu führen und an den ersten Arbeiten für die Kampagne 1962 teilzunehmen. Einzelheiten werden noch bekannt gegeben, sobald das Programm festgelegt wori den ist. — Eröffnung dxs Lehrhauses In einem kleineren Kreis wurde das Jüdische Lehrhaus eröffnet. Nur die veranstaltenden Organisationen haben die Bedeutung dieses Ereignisses verstanden. Ein Lehrhaus ist eine eminent dem Judentum eigene und eigenartige Institution, eine Art Volkshochschule, eine Stätte der Bildung, des Lehrens und des Lernens. Und gerade Juden haben zu allen Zeiten begriffen, was Lernen bedeutet, sich weiterzubilden. studieren, um Erkenntnis ringen. Es gab einmal eine Zeit, die noch nicht einmal zweihundert Jahre zurückliegt, da waren Juden vom Wissen um ihr Judentum erfüllt und blickten sehnsüchtig auf die Nachbargärten anderer Kulturen, bis es ihnen gestattet wurde, auch diese kennenzulernen. Am Ende dieser Entwicklung war der jüdische Garten verdorrt. Das Wissen um jüdische Dinge war gering, sogar sehr gering geworden, bis dann in unserer Generation der Willen lebendig wurde, das Versäumte nachzuholen, nicht nur andere, auch die eigene Kultur zu kennen. So entstanden die modernen jüdischen Lehrhäuser. Das ist auch die Aufgabe unseres Lehrhauses, das ein Mittelpunkt des Lernens und des Lehrens sein soll. Ein Lehrhaus ist eine Einrichtung für alle. Hier kommt es nicht auf Ueberzeugungen, sondern auf Wissen, nicht auf Meinungen. sondern auf Erkenntnis an. Das Lehrhaus muss deshalb ein Sammelpunkt, ein Zentrum, eine gemeinsame Plattform für alle sein und werden. Wir hoffen, es wird dies« Aufgabe erfüllen. Die erste Veranstaltung - C VT.: — Die am 16. Mai durchgeführte Eröffnungsveranstaltung des ins Leben gerufenen „Jüdischen Lehrhauses" litt unter einigen organisatorischen Fehldispositionen und wies deshalb nicht den erwarteten Zuspruch von Seiten der Mitglieder der beteiligten Organisationen auf, darf aber als ein sehr gelungener Abend bezeichnet werden. Dr. Hardi Swarsensky, der Initiator dieses Versuches, begrüsste die Erschienenen und wies auf die’Hoffnungen (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 8)