Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1961 (26.5.1962)
- Date
- 1962-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Sábado, 26 do Mayo de 1962 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXIII. — No. 1961 GEBT IHKEtt GLEICHE RECHTE (Schluss von Seite 1) Wie sie üblicherweise im Westen gegen den Osten lanziert wird. Moskau ist daran interessiert. mit diesem Hinweis, das Verlangen des Jüdischen Weltkongresses sei nur ein Teil der bekannten sowjetfeindlichen Propaganda, wie sie im Westen betrieben werde, die Forderung auf Gleichberechtigung abzudrehen. Mit einer Handbewegung ist damit diese Frage für den Kreml erledigt: Es handle sieh um feindliche Propaganda. Eine weitere Erklärung wird meistens nicht gegeben. Die Lage der russischen Juden bleibt die gleiche, wie sie vordem gewesen ist. III. Ein Dichter In der Reihe der jungen Dichter unserer Zeit nimmt der Russe Eugen Ewtuschenko (auch Jewtuschenko geschrieben) einen besonderen Platz ein. Er ist nicht nur ein neuer Mann, sondern vertritt ganz offensichtlich auch eine eigene Linie. Aus seinem Werk spricht ein Suchen nach Menschen, nach Gedanken, nach neuen Wegen. Aber dadurch allein hat Ewtuschenko noch nicht die Aufmerksamkeit in seinem Vaterlande und in der übrigen Welt hervorgerufen. Im September des letzten Jahres veröffentlichte der Dichter in einer Moskauer Literatur- Zeitung ein Gedieht unter dem Titel ,,Baby-Yar“, „Die Schlucht der guten Frauen“. Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1* izq. naehm. 16—19 Uhr T. E. 83 2613 Dieses Gedicht berührt unmittelbar ein Thema, das auch ein eminent jüdisches ist: denn Baby Yar ist der Name eines Tales in der Nähe von Kiew, wo die Deutschen im September 1941 siebzigtausend Juden, Männer, Frauen, Kinder ermordet haben. Ilja Ehrenburg, bekanntlich ein sowjetischer Parade-Schreiber, hatte vor einigen Jahren eine Pilgerfahrt dorthin unternommen, worüber er in seinen Memoiren berichtete, wo es heisst: „Ich hatte keinen Verwandten unter denen, die dort umgekommen sind. Aber nirgends und niemals fühlte ich mich so beängstigt, so verwaist, wie im Sand von Baby-Yar.“ Nun gibt es dort keinen Grabstein und kein Monument, das 'von den Massakern kündet, die zu den schrecklichsten gehören, die von den Nazis während des zweiten Weltkrieges begangen worden sind. Die Juden der Ukraine waren nicht die einzigsten, wie uns berichtet wird, die sich über diesen Mangel an Respekt gegenüber ihren Toten beklagten. (Vergleiche hierüber auch den ausgezeichneten Artikel in den „Frankfurter Heften“ Heft 2, 1962). — Die Behörden von Kiew haben im Jahre 1959 ein Projekt verfolgt, das Terrain von Baby-Yar zu nivellieren, um einen Volkspark und ein Stadium an dieser Stelle zu errichten. Hierge gei.#polemisierte und protestierte Viktor Nekrassow in einer Literatur - Zeitung: „Wie konnte man, so schrieb er, daran denken, diese dreissig Meter tiefe Schlucht aufzuschütten, um auf dem Schauplatz jener unermesslichen Tragödie eine Stätte des Vergnügens und der Erholung zu schaffen Man REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling! S. A. SPERRHOELZER H O E L DIAZ VELEZ Tel.: 89-9349. 33-9305; JUDITH Î SCHENKOLEWSKI Í KULTUSSTICKEREIEN? Schabbosdecken - Ta’lis- \ S beutel - Käppchen - Maz-? 5 zot-Taschen - Hand- und % Í » Mase hinenstickerri von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9153 OPTICA darf das nicht dulden. Wenn ein Mensch stirbt, dann beerdigt man ihn mit Anstand und errichtet ihm einen Grabstein.“ — Aber die damals ermordeten Juden haben keinen Grabstein. „Keine Stele über Baby-Yar, nur einen Steilhang statt jedem Grabstein“, so beginnt Ewtuschenko sein Gedicht. Was eine Bestürzung oder Ablehnung des Gedichtes Baby-Yar h-ervorrief, bleibt eigentlich unverständlich. Der Nichtjude Ewtuschenko verurteilt den Massenmord,- die Verfolgungen, den Hass, aber er wendet sich auch gegen den Gleichmut der Heutigen, die Baby-Yar vergessen wollen. Er ruft empört gegen die Antisemiten: „Aber die Antisemiten hassen mich mit sturer Wut. — Als ob ich ein Jude wäre, und darum bin ich ein wahrer Russe.“ — Ewtuschenkos Gedicht ist nicht in seiner ursprünglichen Fassung erschienen; die Stellen sind gestrichen worden, die sich gegen das Ueberleben des Antisemitismus richten. Die Kritiker Ewtuschenkos werfen ihm vor, dass ihm beim Anblick von Baby-Yar nur das Thema des Antisemitismus eingefallen sei, das er seinem Gedicht zugrunde gelegt hat. Obwohl in Baby-Yar nur Juden ermordet wurden, so hätte der Dichter nach der Ansicht seiner Kritiker zugleich der übrigen Opfer des Nazismus gedenken müssen... IV. Eine Erklaerung Der Dichter Ewtuschenko befindet sich auf einer Reise durch westliche Länder. Er war in New York, wo er von einer Televisions-Gesellschaft interwiewt wurde Er sprach über sein Gedicht Baby-Yar, das zu unberechtigten Interpretationen und Schlussfolgerungen geführt habe. Man habe seinem Gedicht im Westen einen anderen Sinn und andere Absichten unterstellt als diejenigen, dis ihn bewegten, als er diese Verse schrieb. Es sei ein Kuriosum, dass sowjetische Dogmatiker die gleichen Auffassungen über ihn und sein Epos vertreten hätten. Ewtuschenko, der die Existenz solcher sowjetischer Dogmatiker bedauerte. spricht hierbei von einem „Kuriosum“. Vielleicht ist es aber kein Zufall, dass 4 4 4 ZER* 5224; r.4 PROPIEDADES ■ FRANKENBERG; berät Sie kostenlos und;! anverbindlich beim Kauf , oder Verkauf von 1 1GESCHAEFTEN! I WOHNUNGEN i HAEUSERN I Manuela Pedraza 2530 j 1 pl b. Dp. B i! T. E 70-7244; DIPL. OPTIKER \! 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In keinem Fall sei es die Absicht des Dichters gewesen, das russische Volk wegen einer oder seiner antisemitischen Haltung anzuklagen. Denn das russische Volk sei nicht antisemitisch, so rief der Dichter aus. Umgekehrt sei es sein Ziel, den Unterschied zwischen dem russischen Volk und den Antisemiten aufzuzeigen. Sicherlich gäbe es auch in Russland Antisemiten. Aber die überwiegende Mehrheit des Volkes, vor allem die Jugend, kenne keinen Antisemitismus; sie seien der sozialistischen Lehre treu. Schliesslich meinte der Dichter; „Die sowjetische Fahne ist von vielen schmutzigen Händen angefasst wor den. aber darauf kommt es nicht an. Worauf es an kommt, ist die Fahne selbst. Wir wollen die letzten Schandflecke von unserer Fahne entfernen." — Dass diese Stellungnahme sehr klar ist, kann man wohl nicht behaupten. Dass es Antisemiten im Westen und im Osten gibt, hat niemand bestritten. Wir sind sogar der Meinung, dass nicht Russland, sondern der Westen der Herd des Antisemitismus war und geblieben ist. Wenn die Erklärung des mutigen Dichters von Baby-Yar richtig ist, so dürfte es umso unverständlicher sein, aus welchen Gründen den russischen Juden die allen Bürgern gewährt« Gleichberechtigung vorenthalten wird. Hierauf hat auch Ewtuschenko keine Antwort gegeben. Beinahe zur gleichen Zeit, als Ewtuschenko in einer Fernseh-Sendung über die Reste des Antisemitismus in Russland als einem Schandfleck sprach, durch welchen die russische Fahne beschmutzt wird, erklärte Gideon Hausner, der israelische Generalstaatsanwalt und Hauptankläger im Prozess gegen Eichmann und den Nazismus, der sich zufällig zur gleichen Zeit in Nordamerika befindet, dass es auch in Deutschland noch „Reste von Judenhass“ geben würde. Er würde noch immer zahlreiche Briefe erhalten, in welchen ihm von Deutschen versichert wird, sie hätten von den grauenhaften Vorgängen nichts gewusst, aber es seien noch mehr Briefe, in denen das Loblied der Nazis für ihren Massenmord an den Juden gesungen werde. Gewiss wird man sich über den Inhalt der einen wie der anderen Briefe nicht sonderlich wundern dürfen. Wer hat geglaubt, dass wenig mehr als ein Jahrzehnt ausreichen werde, um jene furchtbare Krankheit zu überwinden, von der das Dritte Reich befallen war? Wenn man heute jedoch die Bilanz zieht, wird man zur U SEMANA ISRAELITA Bísemanario — aparece .os Martes y Viernes, Editado pot Estrellas Editorial Ltda. Vjrantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190. 1’ izq. T. E. 83-2Gi3 80 6930 Abono-Preise: Argentinien: * 190.— pro Quartal Ausland $ 600 — jährl PRAKTISCHER ARZT Dr. J. P. Kroll Bieber 3 DE FEBRERO 2030 Mo.. Miti Freit. 15—20 Uhr. — T. E. 76-0266 PRIVAT 52-7734 Feststellung gelangen, dass der Antisemitismus in Deutschland wahrscheinlich noch viel verbreiteter als in Russland ist, dass aber die Regierung in Bonn ganz im Gegensatz zur sowjetischen Führung keinen Antisemitismus praktiziert. Das jüdische Volk wäre zufrieden, wenn die kommunistische Welt die gleich Haltung zur jüdischen Frage einnehmen würde, die heute von der bundesdeutschen Regierung vertreten wird. Das Problem, mit dem wir uns hier beschäftigen, hat keinen theoretischen Charakter. Es wäre für die russische Regierung sehr einfach, das Odium antisemitischer Einstellung durch die Gewährung der vollen Gleichberechtigung der Juden als Individuen wie als Gemeinschaft zu beseitigen. Russland wie Deutschland sind Länder von grossem Einfluss: sie erklären, nicht antisemitisch zu sein. Die Amerikaner werden die gleiche Position für sich in Anspruch nehmen. Warum unternehmen sie nichts dagegen, den wachsenden Antisemitismus, z. B. in Lateinamerika, aufzuhalten und die alten, immer wieder proklamierten Ideale der Freiheit. der Gleichheit und der Brüderlichkei aller Menschen. gleich welcher Nation. Religion , Rasse oder Farbe endlich zu garantieren. rSHIIIREliSaHlHSSIIS Dr. B.Sdiwaru ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52 8214 : RAYOS X : PARADENTOSE TELEF. ’ VORANMELDUNG Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 ■ JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037. 4j. B. Í 46 1716 und 48-2ir.4 Í NERVEN n. GEMÜTS- % KRANKHEITEN t Dr. M. J. KUHN V III prov. RIVADAVIA 2625 Tel. 48-7524 Mont., Mittwoch, Freitag 17_20 Uhr. Tel. Anniel- , i düng erbeten. : H, ROSENZWEIG I TAILOR HENRY •TUCUMAN 563 piso 1 - T.E. 32-0913 l Groesste Auswahl in imp. u. hiesigen Stoffen Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría Conde 2020 76.0286 4 BERNARDO STERN Ausfuehrung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. 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