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Jüdische Wochenschau · 1962-05-11 · 1959 (11.5.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1959 (11.5.1962)
Date
1962-05-11
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Viernes, 11 de Mayo de 1962 SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. 1959 — 7 Wird In Israel an einer Atombombe gearbeitet? Diese Frage warf Leonard Breaton als Mitarbeiter des »Manchester Guardian” in einem Artikel auf, der weithin Aufsehen erregt hat. und in dem es u. a. heisst: Israel rangiert mit an vorderster Stelle in der Liste jener Länder, denen von ihren Gegnern (aber nicht nur von ihnen) unterstellt wird, dass sie sich mit dem Bau von Kernwaffen befassen. Und das ist kein Wunder. Man hat es in Israel mit einer entschlossenen und sogar rücksichtlos auf ihre Ziele bedachten Nation zu tun. die über ausgezeichnete Wissenschaftler und eine Fülle von Feinden verfügt. Nicht nur im kairoer Sender wird behauptet, dass die Israelis heute insgeheim an „militärischen Ueberraschungen” so arbeiten, wie die Hagana Panzerwagen im Jahre 1948 herstellte, ohne dass es jemand wusste. Und was diesen Argwohn noch verstärkt hat, war der Aerger der amerikanischen Regierung darüber, dass ihr PELZE ENGROS BRUNO STERNBACH S. R. L. ★ JETZT i Suipacha 927II T. E. 32 8960 j: mit noch groesserer Auswahl und den neuesten Modellen kein reiner Wein über den Atomreaktor eingeschenkt worden war, der in Dimona, im Negew, errichtet wird. Eine Woche Jang unterhielt ich mich in Israel mit Forschern, Militärs, Regierungsbe-mten, prüfte alles, was mir an Dokumenten zugänglich war, und kam zum Ergebnis: diese Befürchtungen eilen der Entwicklung voraus, wenn sie überhaupt berechtigt sind. Die Israelis verstehen, jedenfalls momentan, sehr gut, welche Gefahren es für den Nahen Osten mit sich bringen würde, wenn dort Nuklearwaffen in Erscheinung treten würden. Dennoch, das Misstrauen wird weiterhin unvermeidlich sein; denn dies Land hält die Technik des Geheimhaltens hoch, schon weil sich die Israelis sagen, das sie um so sicherer fahren, je mehr sie von den Arabern gefürchtet werden. Nach dem jetzigen Stand der Technik muss man, um Kernwaffen herzuste.len, entweder Uranium anreichern oder sog. »natürliches' Uranium in einem Atomreaktor zur Herstellung von Plutonium verwenden. Den zweiten Weg gehen die meisten kleineren Länder nach dem Vorbild Fra-kreichs; sie brauchen dazu Atommeiler entsprechender Grösse und, wie gesagt, „natürliches Uranuim”. Israels erster Reaktor, in Nachal Sorek, den die Amerikaner gebaut haben und unter sorgfältiger Kontrolle halten, hat für die Konstruktion von Kernwaffen nur insofern Bedeutung, als die israelischen Techniker dort lernen, mit spaltbaren Elementen umzugehen. Dieser zweite Reaktor ist allerdinsg viel wichtiger. Als im Neg.-w mit seinem Bau angefangen wurde, begannen die Amerikaner, den Israelis Fragen zu stellen, was damit bezweckt sei, und erhielten sieben verschiedene Antworten, von denen keine stimmte. (Die bevor zugte Erklärung war, es handele sich um eine Textil-Fabrik.) In Wirklichkeit hatte der Israel-Ausschuss für Atomenergie beschlossen, einen Forschungs-Atom- Organización Riegner V ersieh erungen Bmf. MITRE 430, 3er. p. T. E. 33-527« 46 1037? 46-1115 3 Casa „HARRY FABRICACION DE ALHAJAS FINAS JOYERIA, RELOJERIA Y REGALOS H. ZIMMEKSPITZ JUNIN 342 T. E. 48-7316 í W.%*.V.V^iV%W.W«VS; PHIBRO s.A. DI METALES COM.IND. y FIN ANC. \ ^Sucesores de Esteban Felsenstein y Cía. S.R.L. ftviU. fu. R. S. PERA S4€ meiler von beträchtlich grösseren Ausmassen als den von Nachal Sorek zu errichf.en, und darüber den Kontakt mit behördlichen Stellen in Grossbritannien und Frankreich aufgenommen. Die Engländer hatten einen weit gröseren Reaktor als die Franzosen vorgeschlagen, aber eben darum wurde dem französischen Plan der Vorzug gegeben. Möglicherweise spielte dabei auch der Faktor der Kontrollen mit, die in den Offerten vorgesehen waren. Auf alle Fälle kam es zwischen den zwei Regierungen Frankreichs und Israels, zum Einverständnis und zur Unterzeichnung eines Vertrags, der niemals veröffentlicht und den Behörden in London und Washington nicht zur Kenntnis gebracht worden ist. Nach diesem Abkommen geht es um den B_u eines Reaktors mit einer Kapazität von 24 megawatt (Thermal), nach dem Muster des Atommeilers in Brest; sein „kritisches Stadium” wird er im Jäher 1954 erreicht haben. Sollte dieser zweite Atommeiler Israels dann militärischen Zwecken dienstbar gemacht werden, würde er bei einer jährlichen Erzeugung von zwischen vier und sechs Kilogramm von Plutonium ausreichen, in jedem Jahr eine Atombombe herzustellen — sofern die israelischen Atomtechniker hinreichende Kenntnisse darüber haben werden, wie diese Bomben zu konstruieren sind. Aber es ist anzunehmen, dass sie darüber Bescheid wissen werden. Mit absoluter Sicherheit lässt sieh allerdings nicht sagen, ob der Reaktor in Dimona zur gegebenen Zeit in den Dienst der Herstel iung von Atomwaffen gestellt werden wird. Das hängt neben dem — wie gesagt geheim gehaltenen — Text des Abkommens vor allem auch davon ab, woher die Israelis das „natürliche Uranium” beziehen können. In den USA ist die Meinung vertreten worden, dass die Franzosen diesen Atomreaktor dazu benutzen wollen, sich für ihr eigenes atomarisches Rüstungsprogramm Plutonium zu beschaffen, und den „Brennstoff’’, also dies Uranium den Israelis eben deshalb zur Verfügung stellen. Es klingt verständlich; aber in Israel wird es autoritativ bestritten, dass man sich Frankreich gegenüber zu überhaupt nichts verpflichtet habe. Gelegentlich wird auch davon gesprochen, dass es möglich sei, oder auf alle Fälle in den Jahren 1963 und 1964 möglich sein werde, „natürliches Uranium” ohne sonderliche Schwierigkeiten auf den Weltmärkten zu kaufen. Doch spricht dagegen vielerlei; vielmehr wird es vermutlich auch weiterhin nötig sein, dieserhalb Abschlüsse mit der einen oder anderen der grossen, atomarische Kraft erzeugenden Mächte zu tätigen. Fest steht auf jeden Fall, dass der Prozess zur Herstellung von Plutonium zu den entscheidenden Schwierigkeiten des Ganzen gehört, wie darin ja auch die inassgebende Schwierigkeit der Atombomben-Produktion in Frankreich besteht. Wenn alle diese Hinweise zutreffen, die von berufener Seite in Israel vorgetragen wurden, so wird die militärische Bedeutung von Dimona noch viele Jahre lang belanglos bleiben. Dennoclv fehlt es an schlüssigen Antworten auf folgende Fragen: würde ein Land wie Israel sich auf ein derart kostspieliges Projekt einlassen, ohne sich hinreichende Lieferungen von „natürlichem Uranium” vorher gesichert zu haben? Würde Israel die Sache sonst mit Schleiern solcher Geheimnisse umgeben? Und werden die Franzosen nicht bereit sein, dies Uranium ihren israelischen Freunden zu liefern, ohne einschränkende Bedingungen daran zu knüofen? Man hat das Problem in den grösseren Rahmen der israelischen Aussenpolitik und Verteidigungspolitik zu stellen, um die Frage zu be antworten, ob mit der Hilfe des Dimona-Reaktors nach so und so vielen Jahren jährlich eine Atombombe hergestelt werden wird. Würden solch3 Bomben in der strategischen Planung dann gleichsam an die Steile der israelischen Armee treten? Mit anderen Worte*-): würde die Drohung, mit Kern - Waffen anzugreifen, nicht ausreichen, um den Arabern in Kairo, Bagdad und Damaskus die Idee, Israel durch Ueberfälle „auszulöschen”, so auszureden, wie die glänzend geschulten jüdischen Reservisten den Ueberfallskrieg von 1948 und auch den Sinai-Krieg von 1956 entschieden haben? Die Araber sind davon überzeugt, dass die Israelis nichts scheuen werden, um die Fortdauer ihres Staates und seiner Bevölkerung zu sichern; und was könnte sie in dieser Uebsrzeugung mehr bestärken, als Atomwaffen im Besitz der Gegenseite? Zwar könnte man fragen, ob ein Staat wie Israel, der j beim Ankauf von Tanks! mittlerer Grösse auf solche j Schwierigkeiten stösst und nicht einmal imstande ist, „gelenkte Projektile” für Flak - Batterien von den Grossmächten zu erwerben, all die Apaprate, Ersatzteile usw. von ihnen geliefert bekommen wird, ohne die Atombomben nicht abgeschossen werden können. Nur in besonderen Zwangslagen würden solche Lieferungen vermutlich erfolgen. Andererseits sind die israelischen Behörden aber davon überzeugt, dass Kernwaffen russischer Produktion irgendwie nach Aegypten gelangen, und dass sie selber dann militärisch entsprechend im Nachteil sein werden. Doch gerade darum stehen sie auf dem Standpunkt, dass es im Interesse des jüdischen Staates liege, solche Waffen dem Nahen Osten weiterhin fernzuhalten. * Da man in Israel indessen nicht Voraussagen kann, was die Araber künftig einmal gegen den jüdischen Staat unternehmen werden, und ob dieser seine jetzige, auf dem Rüstungsstand mit „konventionellen Waffen” beruhende militärische Ueberlegenheit für die Dauer aufrechterhalten kann, leuchtet die Schlussfolgerung ein: man betrachtet in Israel die Möglichkeit, Kernwaffen früher oder später herzustellen, als eine Art „Reservestellung”, als Bürgschaft gegen diese unbekannte Zukunft. So gesehen, werden die Grossmächte das, was Israel milihärisch unter Ein- . chluss jenes Atomreaktors möglicherweise vorhat, weiterhin gewiss sorgfältig verfolgen, auch wenn für sie im Augenblick kein Anlass zu besonderer Unruhe besteht. i ROSCAMETAL S.R.L. 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