Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1958 (4.5.1962)
- Date
- 1962-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Kaiser Heinrich IV, welcher in den Jahren 1073 80 den Dom von Speyer gründlich umbauen liess, bestätigte noch im Jahre 1090 die Rechte und Privilegien, die den Juden durch seine Vorgänger gegeben wurden und die durch schriftliche Urkunden durch den Juden Kakmymos und „Judenbischof“ aus Worms Salman, dessen Urkunde auch die Regensburger Juden hatten, ihm vorgelegt wurden, ja er verbesserte sie noch: „Es ist die Pflicht der Kaiserlichen Majestät, vom Recht wird es gebilligt und von der Vernunft gefordert, dass wir jeden unserer Getreuen, nicht nur den Verehrer der christlichen Religion sondern auch denen, die von unserem Glauben abweichend, nach den von ihren Vätern überlieferten Gebräuchen leben, das was ihnen zukommt, nach Massgabe der Billigkeit erhalten, ihren Gewohnheiten Dauer, ihren Personen und Gütern, Frieden gewähren.“ Mit strengen Strafen hat Friedrich I. z. B. gedroht, wer die Juden verfolgen wird. „Wer einen Juden anrührt und ihn verwundet, dessen Hand wird abgehauen und wer einen Juden umbringt, wird umgebracht.“ Es geschah auch zu Zeiten des ersten Kreuzzuges, als in Speyer die Juden überfallen und erschlagen wurden, dass der Bischof von Speyer den Mördern die Hände abschlagen liesss. Fürwahr, wie hätte man diese alte Geschieht« noch vor jüngster Zeit von der Kanzel aus in Erinnerung bringen müssen. Literarische Notizen 75. Geburtstag Kammersüngsr Benno Ziegler, der einer bekannten jüdischen Künstlerfamilie in München entstammt, beging in einem jüdischen Altersheim bei guter Gesundheit seinen 75. Geburtstag. An der Staatsoper Berlin feierte er Triumphe, ging mit der Berliner Oper unter Leo Blech auf Gastspielreisen in die USA und wirkte bis 1933 in Frankfurt a. M. Die Nazi- und Kriegsjahre verlebte er in London. Rolle vom Toten Meer Die Königliche wissenschaftliche Akademie der Niederlande erwarb die Rechte der Entzifferung und Veröffentlichung einer der Rollen vom Toten Meer, die die aramäische Uebersetzung einiger Kapitel aus dem Buche Hiob enthält. Eine Hundertjaehrige Die 1939 aus Schlüchtern in Hessen nach Amerika ausgewanderte Frau Sophie Wolf, geb. Oppenheimer, beging in Brooklyn, N. Y., ihren 100. Geburtstag. Subsidien Der Central British Fund hat im Jahre 1961 über 80000 Pfund an Kulturinstitutionen, Altersheime und philanthropische Anstalten freigegeben. Das Geld stammt in der Hauptsache aus dem erbenlosen Vermögen der britischen Zone in Deutschland. Lyrik einer deutschen Jüdin Gertrud Kolmar „Das Lyrische Werk“, Koesel-Verlag (München), 2. Gesamtausgabe. mit einem Nachwort der Schwester der Dichterin, 697 Seiten. * Aus Berlin stammte diese Frau, deren bürgerlicher Gertrud Chodziesner lautete. Als älteste Tochter eines um die Jahrhundertwende hochgeachteten Strafverteidigers wuchs sie in behütetem Elternhaus auf, ein verschlossenes Kind, ein spröder, in sich gekehrter Mensch — und wurde als Jüdin, in ihrem neunundvierzigsten Lebensjahr im Frühjahr 1943 nach Auschwitz, wie man annimmt, ins Nichts deportiert. Wenig war vorher von ihrer Dichtung bekannt geworden; was sie veröffentlichte, war viel zu eigenwillig und subtil, als dass es sich auf dem Jahrmarkt der literarischen Eitelkeiten Tagesrahm hätte verschaffen könuen. Nichts lag ihrem Wesen übrigens ferner als Streben nach irgendwelcher Publizität. Wie die ihr in manchem wahlverwandte Elisabeth Langgässer, die allerdings den jüdischen Glauben frühzeitig mit dem katholischen vertauscht hatte, schuf auch sie in der Ab- ¡eschiedenheit ihrer vier Vände, des Gartens der väterlichen Villa oder auf begnnlichen Reisen durch Stadt und Land der Gefilde, die sie als ihre heimatlichen triebt hatte, auch wenn ihr der jüdische Palästinagedanke immer wieder als das tigentlich erstrebenswertere Ziel vor Augen stand. Erst im letzten Jahrzehnt ist ihre Lyrik — postum — bekannt geworden — und nehr und mehr sind sich die Sachkenner im heutigen Deutschland wie anderwärts darüber einig, dass Gertrud Kolmars Lebenswerk dem lormrevolutionären Impressionismus einer Else Lasker-Schüler gleichkommt, ja, dass sie von den deutschen Jüdinnen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wahrscheinlich als die weitaus bedeutendste zu bezeichnen ist. Anklänge an die Inner- Ickkeit der »Portugiesischen Sonette” einer Elisabeth Barrett-Browning, an die von Stefan Zweig kongenial übersetzte und 1927 im Insel-Verlag herausgegebene Posie der Französin Marceline Desbordes-Valmore, gewisse Anklänge auch an die Droste und an Ricarda Huch sind vorhanden, und insbesondere auch Einflüsse des späteren Rilke, der „Duineser Elegien” und der „Sonette an „Orpheus”. Auch die thematische Aehnlichkeit mit Schöpfungen Elisabeth Langgässers, von der schon die Rede war, ist hier und da unüberhörbar. Aber doch hat sich dieser zutiefst einsame Genius — und mit Bedacht sei das anspruchsvolle Wort Genius ausgesprochen — in souveräner Beherrschung mannigfachster Formen der Metrik und Rhythmik mit ausserordentlicher Gestaltungskraft hier eine völlig eigene Sprache geschaffen, ohne noch nie gewagte Bilder und Wortschöpfungen zu scheuen. Die Sammlung ihrer Gedichte, die als ihr „Lyrisches Werk’’ vorliegt, umfasst unter anderem so bezaubernde Farbigkeiten wie ihre „Tierträume” und eine herrliche Folge v.nte dem Stichwort „Kind” (Gertrud Kolmar war die Mutterschaft versagt). Weitere Dichtungen schliessen sich als „Bild der Rose“ an und rufen die Erinnerung an Rainer Maria Rilkes berühmtes Sonett ..Rose, du thronende” wach. Erstaunlich folgen dann Gruppen einer mitunter beinahe bälladesken Poesie unter dem Motto „Napoleon und Marie’’, und vor allem mit der Gesamtüberschrift „Robespierre”. Selten nur, will es mir scheinen, ist die Atmosphäre der Französischen Revolution von 1789. sind Wesen und Schicksal der Sturmgeister, die sich in jenen Jahren unsterblich gemacht haben, mit solcher dichterischen Kraft vergegenwärtigt worden. Robespierre: „Seine Rede über allem Volke / Seine Sohle auf des Berges Gipfel Um / sein Antlitz eine Weihrauchwolke...”. Danton: „Er war der Starke! War, den Lippen rühmen / Den edle Bücher loben / Der Wilden einer, jener Ungetümen / Die gross, gigantisch toben.” Marrat: „Du Tier, Du Dreck, Du zottelndes Geschlampe / Lurch, Schlüpfender, der feucht in Kellern haust.” Und nicht genug damit, widmete. Gertrud Kolmar Dutzende weiterer Gedichte den Wappen grosser und kleiner deutscher Städte. Wie sie dies- Heraldik deutet und ihre Deutungen formt; es ist von allem, was sie — eine Jüdin, immerhin — je niedergeschrieben hat, vielleicht das verblüffendste. Genug;im engen Rahmen unseres Berichtes kann mehr als dieser allgemeinste, unzureichende Hinweis auf eine Lyrik solchen Tiefgangs der Ideen und einer derart glühenden Pracht der Metaphern nicht gegeben werden, Sie ist unausschöpfbar. Doch seien, um wenigstens ein Zeugnis vom Schaffen Gertrud Kolmars abzulegen, einige Strophen aus ihrem herzbewegenden „Abschied” erwähnt, ohne Zweifel einem der wundervollsten Gedichte, die jemals — gleich in welcher Sprache — geschrieben worden sind: „Nach Osten send ich mein Gesicht: Ich will es von mir tun, Es soll dort drüben sein im Licht, Ein wenig auszuruhn Von meinem Blick auf diese Welt, Von meinem Blick auf mich, Die plumpe Mauer Täglich Geld, Das Treibrad Sputedich. Und wenn ich dann nur leiser Schlag An blasse Küste bin, So roll ich frühen Wintertag, Den silbern kühlen Sarkophag Des ewigen Todes hin, Darin mein Antlitz dünn und leicht Wie Spinneweben steht, Ein wenig um die Winkel streicht, Ein wenig flattert, lächelnd bleicht Und ohne Qual verweht." Hebraeischer Unterricht Wir beginnen im folgenden mit der Veröffentlichung von leichten hebräischen Testen, die wir mit deutscher und spanischer Uebersetzung publizieren. Wir weisen darauf hin, dass die Uebersetzung wörtlich und nicht literarisch angefertigt wird. Es ist beabsichtigt, mit Rücksicht auf die vielen Rückfragen, die wir erhalten haben, und das grosse Interesse, das der Kursus „Hebräisch ohne Lehrer hervorgeruien hat. diesen Kursus in einiger Zeit zu wiederholen. Es hat sich herausgestellt, dass diejenigen, die mit Sorgfalt, Interesse und Fleiss den Kursus „Hebräisch ohne Lehrer” verfolgt haben, über einen Wortschatz verfügen, der sie m die Lage versetzt, so-vohl leichte Texte wie leichte Gespräche zu verfolgen. Schneiden Sie sich auch die folgenden Veröffentlichungen des Hebräischen Unterrichts aus, um gegebenenfalls repetieren zu können. _ _ nn : r 11 n 2 £ m ob«) Vmfir-nna nrroa ^nan •qnsn nx xin5? w b'zw .nnirr t * : t v * : rrnn »rrn ,na nrnVi rrbx .trssn nnatfna man “ T -: * 2 T “5 nai nsVvxa tr-nn*n -: t •* 2 : v : " x*? rrnrix nixnxn nnn1 .. 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Pnir-oy arxn aas; ,nsiTxa aanna DE LA DECLARACION DE INDEPEN¬ DENCIA DEL ESTADO DE ISRAEL (COLUMNA DERECHA) En Eretz Israel se ha levantado el pueblo. Allí vive libre (1) y crea grandes obras. El pueblo de Israel dio al mundo el “Libro de los Libros, el Tanaeh” (2). El pueblo de Israel fué fiel a su país, Eretz Israel, también en la Galut (3). y no dejó de orar y esperar que retomará a él, y construya allí el Estado de Israel. Los judíos se esforzaron en cada generación de regresar a su madre patria. Muchos judías de las últimas generaciones retornaron a Eretz Israel. Los Jalutzim transformaron al país desierto en un país floresciente, hicieron de la lengua hebrea una lengua viva, construyeron pueblos y ciudades y vigilaron al país ante el enemigo. Al producirse la gran tragedia sobre el pueblo de Israel y millones de judíos fueron asesinados, vimos nuevamente la (COLUMNA IZQUIERDA) gran necesidad de un estado judío, hacía el cual cada judío podía inmigrar y vivir en él. Que se constituya este estado (4) en un miembro de la familia de las naciones. Los judíos, que fueron salvados en Europa, y judíos de otros países, inmigraron incesantemente (5) hacía Israel y no dejaron de exigir su derecho de vivir en Eretz (6). El 29 de noviembre de 1947 las Naciones Unidas proclamaron "el establecimiento de un estado judío en Eretz Israel”. Extendemos la mano de la paz hacia todos los pueblos vecinos y su habitantes (7). Llamamos al pueblo judío en el mundo entero para ayudarnos en la constucción del Estado. Firmado hoy, Erew’ Schabat, 5 de Lyar de 5708, 14 de mayo, 1948. EXPLICACIONES: 1) Literalmente: Vida de la libertad 2) * Biblia 3) »» Diáspora 4) *> y ella 5) no dejaron de inmigrar 6) en ella 7) * y los pueblos que viven allí. AUS DER UNABHAENG1GKEITSER- KLAERUNG DER D1EDINAT ISRAEL (RECHTE SPALTE) In Erez Israel hat sich das Volk erhoben. Dort lebt es frei (1) und schalft grosse Werke. Das Volk Israel gab der Welt das Buch der Bücher, den Ta.iach (2). Auch in der Galut (3) war das Volk Israel seinem Lande, Erez Israel, treu und hörte nicht zu beten und hoffen auf, dass es in es zurückkehren und in ihm den Staat Israel aufbauen werde. Zu jeder Generation bemühten sich die Juden in ihr Heimatland zurückzukehren. In den letzten Generationen kehrten viele Juden nach Erez Israel zurück. Die Chaluzim verwandelten das öd? Land in ein blühendes Land. Sie machten die hebräische Sprache zu einer lebenden Sprache, sie bauten Dörfer und Städte und bewachten das Land vor Feinden. Als das grösste Unglück über das Volk Israel kam und Millionen Juden getötet wurden, sah?n wir wieder die gro- (LINKE SPALTE) sse Notwendigkeit eines jüdischen Staates, in den jeder Jude einwandern und in dem er leben kann. Und der Staat sei ein Mitglied in der Völkerfamilie. Die Juden, die in Europa gerettet wurden, und auch Juden aus anderen Ländern wanderten ununterbrochen (5) nach Erez Israel ein und hörten nicht auf, ihr- Recht zu fordern, um in Erez zu leben. Am 29. 11. 1947 verkündeten die Vereinten Nationen die Gründung eines jüdischen Staates in Erez Israel. Wir strecken die Hand zum Frieden allen Nachbarstaaten und ihren Völkern (7) aus. Wir rufen das jüdische Volk in der ganzen Welt auf, uns beim Aufbau des Staates zu helfen. Unterzeichnet heute. Erew Schabbat. 5. Iyar 5708, 14. Mai 1948. ERKLAERUNGEN: 1) wörtl.: Leben der Freiheit. 2) „ Bibel. 3) „ Diaspora, Zierstreuung. 4) „ und sie 5) „ hörten nicht auf einzuwandern. 6) „ und sie 7) h und den in ihnen vorhandenen Völkern.