Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1957 (26.4.1962)
- Date
- 1962-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Jueves, 26 de Abril ¿c 1902 JÜDISCHE WOCHENSCHAU AB« XXIII. — No. 1957 Tendenzen—Theorien—Tatsachen (Schluss von Seite 1) «ein. Der Stellungswechsel vom „glühenden Stalinisten” zum erbarmungslosen Zerstörer des Stalin-Mythos ist reichlich krass- Dabei sollte man nicht Obersehen, dass es noch kein Fehler sein muss, seine Meinung zu ändern. An sich müsste es doch der Westen begrüssen. wenn Krutschew seine Auffassung über den einstjnals „unfehlbaren” Stalin so radikal geändert hat. Hierdurch könnte vielleicht einer Annäherung zwischen Ost und West gedient werden. Denn Stalin war doch jener unerbittliche Feind des Westens, der jeglichen Ausgleich mit der kapitalistischen Welt verhinderte. Von unserem westlichen Standpunkt ist aber auch diese allgemeine Formulierung nicht zutreffend. Sie ist in ihrer Generalisierung eines historischen Tatbestandes fehlerhaft oder ungenau. Stalin hat zweimal seinen Pakt mit dem Westen geschlossen. Das erste Mal war es der Vertrag zwischen dem hitleristischen Deutschland und der Sowjetunion, das zweite Mal seine Allianz mit den angelsächsischen Westmächten. Hierbei muss man zu nächst nachdenken, ob das Dritte Reich als ein westlicher Staat bezeichnet werden kann. Wenn man die Zweiteilung der Erde in Ost und West zugrunde legt, ge hört Deutschland zum Westen, auch ln jener düsteren Zeit, in der es kein Rechtsstaat gewesen ist. Auch wenn der Westen es wollte könnte er Deutschland s.eibst nicht für die hitleristische Epoche aus dem Westen ausklammern, selbst weil dies für die westliche Welt angenehmer wäre und besser zu den Vorstellungen gehört, die sich der Westen von sich selbst macht. Gibt es doch auch heute noch Recht entgegenhalten muss, reich.ich spät auf diese Idee gekommen, zumal er selbst einer der treuen Herolde seines Meisters war und sich als solcher hat feiern lassen. Dass selbst der tote Stalin ihn störte, ist kaum anzunehmen, obwohl „westliche” Länder, die in \ sein Kampf gegen die alten FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1» izq. " nachm. .16—19 Uhr i REAL PEN: Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 ihrer verfassungsmässigen Position erheblich vom geistigen Bild einer westlichen Demokratie abweichen, in der wenigstens ein Minimum politischer Rechte und Freiheiten des Bürgers gewahrt sein müssen. (Ganz gewiss weist keines dieser Länder derartige Tiefpunkte auf, wie sie das Dritte Reich gezeigt hat, in welchem die Menschenwürde geschändet worden ist, und von dem Verbrechen begangen worden sind, die von keinem anderen Land bisher vollbracht wurden). — Der unerbittliche, radikale Stalin also ist in seinen politischen Schritten viel weiter gegangen, als dies bisher Krutschew getant hat. Wir haben Stalin als Verbündeten gesehen, bevor er zum Bundesgenossen Roo sevelts und Churchills geworden ist. Man soll nicht sagen, dass Stalin zu diesen Schritten unbedingt gezwungen war. Einen Pakt mit Hitler zu sehliessen, war vielleicht ein geschickter politischer Schachzug, obwohl man auch hieran Zweifel haben kann. Eine unabwendbare Notwendigkeit war es nicht. Krutschew führte seinen Feldzug gegen den toten Stalin nicht etwa deshalb, weil er die kommunistische Linie durch seine Pakte mit westlichen Ländern gebrochen hatte, sondern weil er einen „Persönlichkeitskult” getrieben habe, der mit den sowjetischen Prinzipien unvereinbar ist. Gewiss ist Krutschew, was man ihm mit Í JUDITH } ■: SCHENKOLEWSKI;! J KULTUSSTICKEREIEN < Schabbosdecken TaMls-JJ ■« beutel - Käppchen Mazv S zot-Taschen - Hand- und J % Masihinensticker -; von? Bett und Tischwäsche S Dr. P. I. RIVERA 2585 5 (fr. Bebedero) J T. E. 73-9155 < Stalinisten, die seine entschiedenen Gegner sind, hierfür sprechen würde. Wenn er aber gegen jeglichen Persönlichkeitskult ist, so wird man fragen müssen, aus welchen Gründen er sich selbst in ähnlicher Weise feiern lässt, wie es vor ihm Stalin getan hat. Auch Krutschew duldet keinen Widerspruch. Er vereinigt in seiner Hand die gleichen Aemter, die auch Stalin innehatte, er nimmt dieselben Schlüsselpositionen ein und verfügt über die gleiche unbeschränkte Macht. Ein Diktator ist an die Stelle des toten Vorgängers getreten. Das Volk hat nicht mehr Rechte erhalten. Schauprozesse sind an der Tagesordnung, die Unterdrückung der Minderheiten hat keine Erleichterung erfahren, auch dis Haltung gegenüber den Juden ist ni-ht geändert worden. Das Volk wird nicht von einem gewählten Parlament vertreten; es gibt nur eine Partei, und es gibt nur einen Mann, der bestimmt; Krutschew. An diesem System mit starren historischen Materialismus widerlegt. Es drängt sich eine weitere Frage auf. Gibt es eine innere Gesetzmässigkeit für dieses Phänomen, dass gerade in der Welt, in der nun einmal — wenigstens theoretisch — der historische Materialismus zur Grundlage der Geschichtsbetrachtung und damit der Weltanschauung gemacht wurde, das „Führerprinzip” gültig ist? Wir können diese Erscheinung doch nicht nur in Russland beobachten. Selbst in Satellitenländern wird nach diesem Grundsatz regiert. Ein Beispiel unter anderem ist Tito, der seine Laufbahn als Vasall des Moskauer Systems begonnen hat. Ein noch stärker! ausgeprägtes Bild finden wir j in Rotchina, in dem der Prä- I sident oder Sekretär oder Führer — die Bezeichnung ist «gleichgültig — der zentrale Punkt, die allein entscheidende Autorität, der Diktator ist. Man soll nicht auf die marxistische Lehre von der Diktatur des Proletarits hinweisen, die Marx in seinen wissenschaftlichen Studien und Zukunftsvisionen als ein Uebergangsstadium zur klassenlosen Gesellschaft beschrieben und gefordert hat. Denn die Diktatur des Proletariats ist nirgends von ihm als die Alleinherrschaft eines Mannes gedacht worden. Andererseits wird man auch zugeben müssen, dass alle diese kommunistischen I Diktatoren wirklich starke den von ihm geschaffenen . Männer gewesen sind, denen $ IJaime Liebling! S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E Ri DIAZ VELEZ 5224 TeL: 89-9349. 33-9305Î ■ *■ * ♦ ♦♦ t OPTICA Tatsachen ändern auch die alten kommunistischen Doktrinen nichts. Dabei spielt es keine Rolle, wie man diese Weisheiten charakterisiert oder bezeichnet. Aus dem marxistisch - leninistisch - stünistischen Sozialismus wurde das ..stalinistisch” zwar gestrichen, aber die Theorien sind die gleichen geblieben. Das „Führerprinzip” hat sich nicht in eine demokratische Staatsform verwandelt. Aber nichts dürfte mit der kommunistischen Lehre vom historischen Materialismus in einem schrofferen Widerspruch stehen, wie dieses Ein-Mann-Regime, das ideologisch betrachtet vielleicht ein Ergebnis der diametral entgegengesetzten Geschichts - Auffassung sein könnte, dass nämlich „Männer es sind, die die Geschichte machen”. Lenin, Stalin, Krutschew waren bzw. sind Männer, von denen man sagen kann, dass sie Geschichte machten. Damit hat zugleich -die Wirklichkeit den doktrinären. es kraft ihrer Persönlichkeit gelungsn ist, sich an die Spitze ihrer Völker zu stellen. Sie brachten hierzu die erforderlichen intellektuellen Fähigkeiten n^ben den sonstigen Eigenschaften für die Ausübung eines Zwangsregiments mit. Bedeutet unter solchen Umständen der Kommunismus eine Entstellung der sozialistischen Forderungen. die doch eine ausschlaggebende Beteiligung des Volkes an seinem Schicksal und an seiner Entwicklung verlangten. Hiervon kann doch heute selbst hei einer noch 90 wohlwollenden Beurteilung der Geschehnisse und Fakten im roten Machtbereich nicht gesprochen werden. — Wenn man c>e Verhältnisse in der östlichen Welt analysiert, wird man erkennen, dass die Zustände auch dort völlig verworren sind, dass auch dort verschiedene Strömungen bestehen, die das politische Wollen und die geistige Entwicklung beherrschen. Die Rotchinesen sind mit dem Kurs nicht einverstanden, den Krutschew eingeschlagen hat, der trotz seiner unberechenbaren und schroffen Aktionen gegen den Westen offenschtlich davon überzeugt ist, dass die feindlichen Lager zu irgendeiner Form des Zusammenlebens gelangen müssen. Krutschew nennt das nicht ungeschickt die „friedliche Koexistenz”. Nichts anderes will auch der Westen, und dies bereits aus der Erkenntnis, dass heutzutage jeder Krieg die totale Vernichtung der Menschheit bringen kann. Im Westen i glaubt man den Beteuerungen Krutschews nicht. Er hat seinen Willen zur friech liehen Koexistenz bisher kaum unter Beweis gestellt, sodass es tatsächlich schwer ist, auch nur eine Basis für Verhandlungen zu finden, ohne von Lösungen zu sprechen, die nach in weiter Ferne sind. Allmählich beginnt sich jedoch eine dritte Front zu öffnen. Diese Front bilden nicht etwa die „Neutralen”, die in Wahrheit garnicht neutral sind. Wie könnte man auch „neutral'’ bleiben, wenn die Schicksalsfragen der Menschheit zur Entscheidung stehen! Die dritte Front öffnet sich vielmehr innerhalb der östlichen Welt, die nur noch nach ussen hin eine Einheit darstellt. Die Linie der Chinesen ist vom Kurs der Russen schon nicht mehr graduell, sondern grundsätzlich verschieden. Die Haltung Maos steht in einem U SEMANA ISIAEIITA Bisemanario — ^parece ,os Martes y Viernes. Editado pot Estrellas Editorial Ltda. V-rantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190, Io izq T. E. 83-26 ¿3 80-6930 Abono-Preise: Argentinien; $ 100.— pro Quartal Auslaud $ 600 — jährl nicht zu vereinbarenden Gegensatz zur Richtung Krutschews. Denn Mao ist gegen die Koexistenz. Man kann aber nur für oder gegen die Koexistenz sein, einen Mittelweg gibt es hierbei nicht. Es gibt Anzeichen dafür, dass Krutschew und seine Leute die „chinesische Gefahr” ernster als die Schwierigkeiten oder Gegnerschaften mit dem Westen nehmen. Denn die kom munistischen Chinesen sind aggressiv, der Westen dagegen ist zufrieden, wenn man ihn nicht angreift. Er würde sich sofort mit Krutschew verständigen, wenn dieser ernsthaft und mit den erforderlichen Garantien die Stabilisierung der Verhältnisse im Status quo anbieten würde. Möglicherweise stehen wir am Beginn eines ganz neuartigen Angleichungsprozesses der westlichen und der bisherigen östlichen Welt, zu der man die Chinesen und ihre Satelliten — und sie haben solche — nicht rechnen kann. Diese Angleichung, die zu einem — wenn auch nicht völligen — Ausgleich führen kann, ist mitunter jetzt bereits erkennbar. Sie bringt ausserordentliche Gefahren und Probleme mit sich, die in ihrer vollen Schärfe vielleicht schon in allernächster Zeit erneut zu einer schweren Erschütterung des internationalen Lebens führen können. — PROPIEDADES FRANKENBERG p berät Sie Kostenlos und J ¡ inverbindlich beim Kauf \ oder Verkauf von J. ¡GESCHAEFTEN *, WOHNUNGEN J HAEUSERN. Manuela Pedraza 2530 ¡ pl. b. Dp. B 1 T. E. 70-72« ♦ DIPL. OPTIKER Sarmiento 829. 1T. E. 35-7356: 4 t < ... r T .< MARTHA \ CHAPEA UX\ HUTSALON \ Jetzt in É BELGRANOj MOLDES 2 5 6 1 í T E. 73 9229!¡ 73-9155 J! MOHE Confitería NIZA Servicios de lunch de cate^o^a Conde 2020 76.0286 M0HEL N. PLAKSIN Super! 2719 T. E. 76-6784 n. 76-2312 PRAKTISCHER ARZT Dr. J. P. Kroll Bieber 3 DE FEBRERO 2030 Mo., Mitt. Freit. 15—20 Uhr. — T. E. 76-0266 PRIVAT 52-7734 JACOB LAPIDUS dipl. 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