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Jüdische Wochenschau · 1962-04-19 · 1956 (19.4.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1956 (19.4.1962)
Date
1962-04-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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GEDANKEN UND GEDENKEN PESSACH Bl XI1 V\ f á~> i ot lino ii An. V a a w .— - . — . — . . _ . Nichts ist uns selbstverständlicher. als das Pessach- Fest nur und auschliesslich als das Fest des Gedenkens an den Auszug aus Aegypten zu begehen. Und doch ist diese uns so geläufige Vorstellung in der Bibel selbst nicht unwidersprochen geblieben. Sollen wir des Auszugs aus Aegypten gedenken, so als ob in der Zeit seit diesem wunderbaren Geschehen nichts mit Israel sich ereignet hätte, oder sind wir — von der Bibel selbst aus gesehen — nicht genötigt, gerade im Licht der Wunder des Auszugs aus Mizrajim, des vielleicht noch grösseren Wunders der Wieder - Einsammlung der Verstreuten ..jetzt in unvon SCHALOM BEN-CHORIN die uns in der heiligen Schrift gezeigt wird? Fragen wir die Bibel selbst! Im 23. Kapitel des Buches Jeremia finden sich harte Scheltworte gegen die ungetreuen Hirten des hebräischen Volkes, die das ihnen anvertraute Amt missbraucht haben und die Herde Gottes zerstreuten und sie dem Untergang preisgegeben haben, statt sie zu sammeln. Und nun Kommt die seltsame. heute so ungeheuer aktuell gewordene Prophezeiung (Jer. 23. 7—8), die wir in dieser Seder-Naeht nicht überhören sollen: seren Tagen” ganz besonders zu gedenken? Ist das eine moderne, politische Profanierung, die das Geschehen der Zeitgeschichte über das ewig Gültige der Ueberlieferung stellt, oder isf es am Ende gar diejenige Art der Betrachtung, ..Darum, siehe kommen Tage, ist des Ewigen Spruch, da wird man nicht mehr sagen: .Es lebt der Ewige, der die Kinder Jisrael aus dem Land Mizraim herausgeführt hat’, sondern: .Es lebt der Ewige, der herausgeführt und gebracht hat den rr OLAMENU rr I t TEL AVIV POB 3002 ISW*EL Herausgegeben von HUGO GOLD Prof. Dr. H. Sternberg : NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Kart. 3 - Prof. Karn ilo Lamhnann: Israel und die Juden der Welt Kart. 2 — SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Gewidmet dem Andenken von Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener luden. ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen.$ ^15.- Nach Erscheinen. $ 20.- Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv, P.O.B. 3002 (Israel zu richten. Die Preise sind in USA-Dollar angegeben. Samen des Hauses Jisrael aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe, dass sie auf ihrem Boden wohnen«.” Im 18. Jahre des Königs .Tosia von Juda *627 v. d. g. Z.) wird Jirmijahu zum Propheten berufen. Ueber 2.500 Jahre ist also diese Prophezeiung alt. Und heute hat sich die Schrift vor unseren Augen erfüllt. Die Rettung, die hier vorausgesagt wird, gleicht der, die einst Israel im Schmelzofen Aegyptens erfahren hat. Das Wunder der Rettung, das der Prophet hier vorausschaut, überschattet noch das Wunder von einst. Und wir, die Zeitgenossen dieser erfüllten Prophetie, sehen wir eigentlich das, was mit uns und um uns geschieht. mit den Augen des Propheten, oder sind unsere Augen nicht stumpf geworden, sodass wir das längst Vergangene, das uns traditionell überlieferte Gut oft klarer erkennen als die noch wenig entschlüsselte Gegenwart? Der Glaube der Propheten tut sich in dreifacher Dimension kund. Der Prophet spricht aus der Gegenwart, blickt in die Vergangenheit des Volkes zurück und er schaut das Künftige. Im Licht der prophetischen Berufung wird die Zeit durch Ewigkeit aufgehoben, sodass der Prophet gleichzeitig in seiner ihm aufgegebenen Gegenwart steht, mit der Vergangenheit lebt und die Zukunft greifbar nahe erlebt. Das ist uns nicht im gleichen Masse gegeben, aber wenn, wie es im Talmud heisst, die späten Geschlechter auch keine Propheten mehr kennen, so sind wir doch ,.Kinder und Enkel der Propheten” und sollen versuchen, ihre Schüler zu werden. Heute erleben wir die veile Erfüllung solcher Prophezeiung, zugleich aber hat eine oft beängstigende Taubheit und Blindheit unsere jüdischen Zeitgenossen, befallen. Sie merken einfach nicht, dass und wie wörtlich sich an uns vollzieht, was geweissagt im Tenach steht. Freunde und Gäste, die von draussen kommen, sind darüber oft nicht wenig verwundert. Erst vor kurzem besuchte mich ein evangelischer Theologiestudent aus dem Eisass, der ein Studienjahr an der Hebräischen Universität in Jerusalem absolviert, um hier noch tiefer in Geschichte und Archäologie des Bibel-Volkes einzudringen. Und mit einem gewissen Befremden stellte er fest, dass seine Studienkollegen meist garnichts von dem Ausserordentlichen des Geschehens verspüren, das sich in und mit diesem Land und seinem heimgeholten Volke vollzogen hat. Es ist dies vielleicht ein perspektivisches Problem, versuchte ich dem .jungen Theologen zu erklären: Wenn man einem Bild oder Bauwerk zu nahe steht, sieht man eigentlich garnichts. Erst auf einem gewissen Abstand wird das Ganze des Kunstwerks sichtbar. Diese Distanz aber haben Freunde Israels im Ausland, Freunde ausserhalb des Judentums, oft in stärkerem Masse als die Israelis selbst, die mitten im Wunder stehen und leben — und es daher nicht mehr als Wunder erfassen. Aber wir lesen ja die Bibel. Sie sollte uns nicht nur ein Reiseführer durchs Land und ein Handbuch der Archäologie sein und auch nicht nur die Quelle der Tradition, sondern der Schlüssel zum Zeitgeschehen, in das wir einbezogen sind. Das Wort des Jeremia ist an uns W'ahr geworden: das AVunder in den Augen der Welt ist nicht mehr der Auszug aus Aegypten, sondern die Heimholung aus allen Ländern der Zerstreuung. Das ist der Erweis des lebendigen Gottes in der gelebten Geschichte dieser Tage. Heisst das, dass wir des Auszugs aus Mizraim nicht mehr gedenken sollen? Das sei ferne! — Esmeint vielmehr, dass wir Gedenken und Gedanken miteinander verbinden müssen. Nur des Vergangenen gedenken ist Stagnation und Routine. Nur das Heutige sehen wollen ist jene Oberflächlichkeit, von der Goethe warnend sagte: Wer sich von dreitausend Jahren Nicht mag Rechenschaft zu geben, Bleibt im Grunde unerfahren Mag von Tag zu Tage leben... WTr als das Volk des ,,Sikkaron”, des Gedenkens, wollen uns von dreitausend und mehr Jahren Rechenschaft geben, aber darüber das Heute im Lichte dieser langen Geschichte nicht vergessen. Das Gedenken muss zusammen gedacht werden mit dem Neuen. Dieses Neue ist nicht nur in Worten, sondern in gewaltigen Taten kundgetan worden, und wir dürfen und müssen es einbeziehen in unser Chag Hacherut, uns.er Freiheitsfest, wie Pessach genannt wird. Unsere Weisen haben ja auch ihrerseits das Fest nicht nur als eine Rückerinnerung aufgefasst, sondern von Pessach Heatid gesprochen, vom Pessach der Zukunft, der grossen Befreiung, die den Kreis schliessen soll, der mit dem Exodus beginnt. Das sind die Gedanken, die wir in das Gedenken einfleehten sollen, damit das Vergangene und das Künftige sich in dieser grossen Gegenwart — mitten im Herzen des Menschen — treffen können. Dankbar sollen wir, die Geretteten, erkennen. dass wir nicht nur eine heilige Geschichte und eine messianische Zukunft haben, sondern mitten in der geschehenden Geschichte stehen. LUiCH — (KALENDER) 15. Nissan Donnerstag, den 19. April 1. Tag Pessach Freitag, den 20. April 16-. Nissan 2. Tag Pessach — 1. Omer-Tag Sonnabend, den 21. April 17. Nissan Shabbos CHOL HAMOED PESSACH — 2. OmerTag Sonntag, den 22. April 1K Nissan 2. Tag Chol Hamoed — 3. Omer-Tag Montag, den 23. April 19. Nissan 3. Tag Chol Hamoed — 4. Qiper-Tag Dienstag, den 24. April 20. Nissan . 4. Tag Chol Hamoed — 5. Omèr-Tag Mittwoch, den 25. April 21. Nissan 7. Tag Pessach — 6. Omer Tag Donnerstag, den 26. April 22. Nissan 8. Tag Pessach — Y1SKOR — 7. Omer-Tag Freitag, den 27. April 23. Nissan 8. Omer-Tag Sonnabend, den 28. April 24. Nissan 9. Omer-Tag EIN LEHRBUCH JUEDiSCHE Ven ARIEH NEWMAN, in Zusammenarbeit mit der und -Kultur ii der DW*1 Die Haggada. diese antike Sammlung von Texten, Liedern und Anweisungen für die Feier des Sederabends, die uns die Geschichte der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei erzählt, enthält Spuren jeden Zeitalters der jüdischen Geschichte. TISCHGEBRAEUCHE SIND SYMBOLE DER FREIHEIT Die Anweisimgen der Haggada spiegeln die sorgfältig festgelegten Tischgebräuche des Altertums wider, die uns aus den klassischen Schriften bekannt sind. Bei jedem königlichen und aristokratischen Festmahl wurden zuerst Wein und Leckerbissen gereicht, um den Appetit anzureizen «.die römische gusfatio). Das Hauptgericht wurde eingenommen, indem die Speisenden auf der linken Seite auf einem Ruhebett lagen und die Schüsseln in der rechten Hand hielten. All diese Tischgebräuche der Mächtigen wurden in der Haggada als Symbole jüdischer Freiheit verewigt. Sie verkörperten mehr geistige Werte als kulinarische Genüsse. Aber das Hauptgericht war nicht der Wein oder die Salate, sondern das Pessachopfer, das unzerteilt auf einem Bratspiess zur Tafel gebracht wurde. DIE VIER FRAGEN biner die Abschaffung dieser Vorschrift forderte. Er sagte: „Welche Freiheit symbolisiert es? Im Gegenteil, es ist die Haltung eines Kranken.“ Wenn wir den Text der Haggada sorgfältig durchsehen, können wir auch andere Einflüsse der Zerstö- *, E< is* *"le i ¿ Vorbei Fremden cwter vhheio öfiiDthch bei «id!*• dem'- Ï Lebens » Ira voller forte ausgesf Bräuche ändern sich, und auch die Geschichte des jüdischen Volkes nahm eine andere Wendung. Der Tempel wurde zerstört, die Juden mussten in die Zerstreuung gehen. All dies fand in der Haggada seinen Niederschlag. Betrachten wir als erstes die vier Fragen, die von dem jüngsten Tischgenossen vorgetragen wurden. Ursprünglich fragte das Kind: „Warum essen wir an diesem Abend 1. nur Matza; 2. bittere Kräuter; 3. gebra^ tenes Fleisch statt gekochtem; 4. tauchen wir zwei mal ein statt einmal?“ Die beiden ersten Fragen brauchten nicht geändert zu werden, da diese Unterschiede noch von dem Kind bemerkt werden konnten. Aber nach der Zerstörung des Tempels wurde kein Pessachlamm mehr geopfert und gebraten — es war sogar verboten, das Lamm auf dieselbe Weise zu braten. wie es im Tempel üblich war. Stattdessen wurde ein Knochen und ein Ei auf den Tisch gelegt zur Erinnerung an die früheren Opfer. Daher erübrigte sich die dritte Frage. Ebenso hatten sich die Tischgebräuche geändert. Das Eintauchen bei den Mahlzeiten war nicht mehr üblich. Um jedoch das traditionelle Vierermotiv der Haggada zu bewahren — die vier Fragen die vier Söhne, die vier Gläser Wein“ — wurde die eine Frage ein wenig verändert und eine neue hinzugefügt. Heutzutage , fragt das Kind: ,.Warum tauchenwir ah diesem Abend zwei mal ein, während wir an anderen Abenden gar nicht eintäuchen?“ Die neue Frage bezog sich auf das Anlehnen auf dem Ruhebett. Zur Zeit des Tempels war dies die übliche Form des Speisens und brauchte nicht erklärt zu werden. Doch später wurde es als altertümlich betrachtet und rief Verwunderung hervor. „An allen andern Abenden essen wir. wie es uns beliebt, entweder angelehnt oder sitzend, aber an diesem Abend nur angelehnt“. Im Mittelalter wurde in Europa das Anlehnen als fremdartig empfunden, sodass ein Rabrung des Tempels und der Verbannung finden. In der alten Methode des Bibelstudiums, die in der Haggada bewahrt worden ist — erst das Lesen eines Verses, dann die Auslegung jedes einzelnen Satzes — bemerken wir, dass die letzten Worte der Bibelstelle „und brachte uns zu diesem Ort und gab uns dieses Land“ bezeichnenderweise ausgelassen wurden. Andererseits wurden Rabbi Akibas Zu- -sätze zu dem Segen, mit dem wir Gott für die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei danken, in di* Haggada aufgenommen. Diese Zusätze enthalten die Bitte um Wiedereinrichtung des Tempeldienstes und den Wiederaufbau Jerusalems Man wird sich erinnern dasi Rabbi Akiba ein Anhängei Bar Kochbas war. GUTE UND BOESE ZEITEN IN DER DIASPORA Das goldene Zeitalter de: babylonischen Judenheit vot der Zerstörung des Te’T*Pe*s bis zum frühen Mittelalter, als die jüdische Gemeinschaft unter ihrem eigenes Exilarch autonom war, spie gelt sieh im ersten Abschnitt der Haggada — Ha Lachnu — wider, der in dem von innen gesprochenen »rann* >- sehen Dialekt gescbrie&ea T«Ktckjii Buch?!“ km T( hitaos, „ dure Eskir * '»itrios : %

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