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Jüdische Wochenschau · 1962-03-30 · 1953 (30.3.1962) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1953 (30.3.1962)
Date
1962-03-30
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Die Felsen von Aderet ..Warum nach Aderet? Dort gibt cs nichts als Felsen", sagte unser Fahrer. Das war nicht seine Vorstellung von einem Ausflug für Touristen oder von dem, was das israelische Verkehrsbüro als einen ..aufschlussreichen Querschnitt Israels" bezeichnete. Unser erster Blick auf Aderet, ein weitläufig angelegtes Dorf im Adullamgetoiet nicht weit von Jerusavon DEBORA OFFENBACHER Schwester und ein handfester Polizist der Grenzwache (Aderet liegt nahe der transjordanischen Grenze), der auch Inoffiziell als Dolmetscher dient und den Mut der Neuankömmlinge aufrecht erhält. Bei der üblichen Tassee Tee betrachteten wir diese Gruppe von Veteranen, die ihr Heim in anderen, grüneren Gegen- \ * > « iS SiiSxSS Das Verwaltungsgebäude der neuen Siedlung im Adullam-En. wicklungsgebiet. lern, war wirklich deprimierend. Eine Anzahl kleiner Häuser vor einem Hintergrund von Sand und Steinen, eine kleine Sl/nagoge, die auch als Versammlungsraum dient, ein kleiner Laden. Kein Baum, kein Grashalm, keine Felder, kein Vieh. Nur ein kleiner gelber Köter empfing uns mit seinem Gebell. DAS FACHPERSONAL Wir machten uns auf die Suche nach interessanterer Gesellschaft und befanden uns bald in einem hübschen Wohnzimmer bei dem .Fachpersonal’ des Dorfes. Da war der örtliche Vertreter der Jewish Agency, gleichzeitig Verwalter und landwirtschaftlicher Instrukteur, seine Mitarbeiterin, die sich sowohl als Fürsorgerin wie als Beraterin für Hauswirtschaft und Gemüsebau betätigt, eine junge Kranken- NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES 0LÀMENU" rr TEL AVIV POB 3002 ISRAEL Prof. Dr. H. Sternberg: Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Kart. 3.— . Prof. Kamilo Lanthmmn: Israel und die Juden der Welt Kart. 2- SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD Gewidmet dem Andenken ven Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener Juden. ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen Nach Erscheinen 15.- 20,- Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv, P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind in U$A-Dollar angegeben. wird es zusätzliche Arbeit in den nahen Industriebetrieben geben. Vorläufig arbeiten alle ..mit Steinen", wie man allgemein die öffentlichen Arbeiten der Bodenverbesserung nennt, die vom Jüdischen Nationalfonds mit Zuschüssen der Jewish Agency für die Löhne der Siedler, durchgeführt werden. Es ist wirklich nicht anders als die Anfänge hundert anderer Siedlungen. ..Waren Sie kürztich in Dimona? Dimona hat genau so angefangen und viele andere Orte auch. Es dauert nur seine Zeit. „Wieviel Zeit?” wollten wir wissen. „Vier oder fünf Jahre, wenn aljes pianmässig geht. Falls wir Wasser bekommen falls wir die nötige Finanzierung erhalten.” Ein Blick umher, allgemeines Kopfnicken und ein verwird ihnen klar, dass sie in der Stadt nicht solche Wohnungen haben können wie hier und dass sie schliesslich ebenso viel verdienen werden wie woanders. Die Schwierigkeit ist, dass sie leicht den Mut verlieren, denn Os geht hier alles sehr langsam vorwärts. Wir sind dabei, die ersten Hühnerställe zu bauen, das kann viel helfen. Wir werden bald auch ein paar Musterfarmen haben. Man muss ihnen das Gefühl geben, dass wir wirklich etwas für sie tun. dass wir nicht nur reden. Aber wir sind nicht das einzige Dorf in dieser Gegend. und wir haben nicht die Gelder, um so schnelle Fortschritte zu machen, wie es wünschenswert wäre.” Vir schüttelten allen die Hände und gingen zu unserem Wagen. Es gab noch etwas anderes in Aderet als Felsen. Es gab Mut, Pladen des Landes verlassen hatten, um beim Aufbau und der Entwicklung Aderets zu helfen. Was hält diese Menschen, die alle nicht mehr jung und über jugendliche Romantik längst hinaus sind, an diesem öden Fleck, wo der Verkauf einer Kiste Apfelsinen in dem kleinen Kramladen ein grosses Ereignis ist? EXTWICKEUNGSPLAENE Die Antwort, scheint es, ist einfach für jemand, der mehr Erfahrung hat als ein Tourist. Aderet hat seinen Platz in dem allgemeinen Entwicklungsplan Israels. Es sind Pläne für die landwirtschaftliche Entwicklung des Dorfes und für industrielle Unternehmen in erreichbarer Ferne vorhanden. Man wird mit Hühnerzucht beginnen, dann Kühe anschaffen und später Obstgärten anlegen. Ausserdem Die Kinder der Einwanderer schaffen bald freunrischaftlich-e Beziehungen zwischen den Siedlerfamiiien. legenes Lächeln. Eine schwierige Sache, diese Finanzen. „Wie haben sich die Siedler in der neuen Umgebung eingelebt?” .Wenn sie den ersten Schock überwinden, geht es sehr gut”, meinte der Instrukteur der Jewish Agency. „Der Ort gefält ihnen, und sie sehen seine Entwicklungsmöglickeit. Es DEUTSCHES THEATER Aus zuverlässiger Quelle verlautet, dass in der Spielzeit die Leitung des Deutschen Theaters wieder von dem seinerzeitigen Gründer und jahrelangen Leiter dieser Bühne, Paul-Walter Jacob. übernommen werden wird. Jacob war bekanntlich vom Jahre 1950 bis 1961 Generalintendant der Städtischen Bühnen in Dortmund. Durch seine Regie- Tätigkeit im Bildfunk und als Dirigent in Frankreich und Spanien wurde er in Europa in weitesten Kreisen bekannt. Wochenlange Verhandlungen führten zu dem oben erwähnten Resultat. H. D. nung und Vertrauen auf die Zukunft. Aber das konnte man durch einen blossen Blick auf den Ort nicht in Erfahrung bringen. ZEIT. GEDULD, .GELD Als wir im Begriff waren, abzufahren, holperte ein Lastwagen mit vier Neueinwandererfamilien die Strasseherauf. Die Männer sprangen schnell herunter, sahen sich um und stockten. Wir sahen, w'ie das Verwaltungspcrsonal das Ortes zu dem Wagen eilte, die Neuankömmlinge begriisste und auf die glänzend weissen Häuser oben auf dem Iliigel deutete, aber die Ankömmlinge rührten sich nicht. Wir sassen lange in unserem Wagen und beobachteten diese Szene. Als w-ir schliesslich auf die Landstrasse hinausfuhren, sassen die Frauen noch immer in dem Lastwagen. Eines Tages w'ird. Aderet ein Dorf sein w'ie viele andere, die ebenso begannen — ein paar Häuser zwischen Felsen. Aber es w'ird Zeit, Geduld und Geld erfordern. Je weniger Geld, desto mehr Zeit und Geduld. Das ist die Rechnung in den Einwandererdörfern Israels. L U A C H (KALENDER) f Freitag, den 30. März 24. Adar II Sonnabend, den 31. März 25. Adar II Parschat SCHMINI 3. B. M. IX 1 — XI 47 und in der zweiten Torarolle 2. B. M. XII 1 — 20 Haftara Ezequiel XLV 16 — XLVI 18 SCHABAT HACHODES Neumondankündigung Nissan Sonntag, den 1. April 26. Adar II i Montag, den 2. April 27. Adar II j Dienstag, den 3. April 28. Adar II j Mittwoch, den 4. April 29. Adar II ■ Donnerstag, den 5. April 1. Nissan j Rosch Chodesch NISSAN | Freitag, den 6. April 2. Nissan . Sonnabend, den 7. April 3. Nissan Parschat TASR1A 3. B. M. XII. 1 — XIII. 59! Haftara 2. B. Könige IV, 42 — V, 19 Sonntag, den 8. April 4. Nissan i Montag, den 9. April 5. Nissan ] j Dienstag, den 10. April 6. Nissan j LITERATUR * Aus dem Leben eine! Israel Jacobson war einer der markantesten und einflussreichsten Hofjuden um die Wende des 19. Jahrhunderts. Er hätte gewiss voller Unmut die Titulierung als „Hofjude” zurückgewiesen; denn nur die höchste Charge, die ihm einer der deutschen Kleinstaatfürsten verliehen hatte, wünschte der Geheime Finanzrat als An>-ede zu vernehmen. „Warum aber”', so W'andte sich Jacobson einmal an den Grossherzog von Mecklenburg, „nennt man mich einen ins Land gekommenen Juden ohne Beifügung mei. nes Namens, wie wenn man von einem Landstreicher spräche? Warum vorenthält man mir den von Ew. Königlichen Hoheit schon im Jahre 1803 mir Allergnädigst verliehenen Ehrentitel eines Geheimen Finanzrats, worauf ich ein Recht ha- be?” Hier soll nicht das Lebensbild dieses einst so mächtigen Finanziers, religiösen Reformers, Politikers und Schtadlans nachgezeichnet werden. Wer es kennen lernen will, der greife zur einschlägigen Literatur, wie etwa dem elften Band der „Grätz'schen „Geschichte der Juden” und dem achten Band von Dubnow ..Weltgeschichte des jüdischen Volkes”, mit grösserem Gewinn aber nach dem 1950 in Philadelphia erschienenen Werk von Selma Sfern: „The Court Jew, A Contribution to the History o£ the Period of Absolutism in Central Europa”. Uebertroffen durch reichere Benutzung von bisher unveröffentlichtem Quellen -'Material wird es heute von dem in drei Bänden vorliegenden Werk: „Die Hoffinanz und der moderne Staat” von Heinrich Schnee (Duncker u. Humblot, Berlin 1954) das leider nicht immer frei ist von Bemerkungen, die von jüdischen Lesern als peinliche Verallgemeinerungen empfunden werden müssen. Nur einleitend seien hier in Kürze einige biographische Daten übet Israel Jacobson mitgeteiit. Er wurde 1768 in Halberstadt geboren. In seinen Lernjahren eignete er sich die Kenntnisse an, die ihn befähigten, entweder sich dem Handel oder — dem Rabbinertum zu widmen. Er wusste beides miteinander zu vereinigen. Im Jahre 1806 bekleidete er folgende Würden: Herzoglich- Braunschweigischer Kammeragent; Landgräflich Hessisch-Darmstädtischer Kommerzienrat; Markgräflich Badenscher Hofagent; Meeklenburg-Schvvf rinischer Geheimer Finanzrat; Oberrabbiner des Weserdistriks im Königreich Westfalen. Im Jahre 1804 wurde Jacobson naturalisiert, und ein Jahr später erhielt er das volle Bürgerrecht in Braunschweig. Bei all seiner Inanspruchnahme durch die Höfe vergass er nicht, sich um die Verbesserung der Lage seiner Glaubensgenossen zu bemühen. Er erreichte die Aufhebung des Judenleibzolls in Braunschweig und Baden, die. Einführung der vollen Gleichberechtigung in dem kurzlebigen Königreich Westfalen, und*wohl als Bedeutungsvollstes die Herausgabe des preussischen Emanzipationsedikts durch Hardenberg. Nach dem Zusammenbruch des Königreichs Westfalen übersiedelte Jacobson nach Berlin, wo er 'seine Reformversuche, welche er als „Präsident des Konsistoriums der Israeliten in Cassel” begonnen hatte, in einem privaten Betsaal von Dr. S, ’N fortführte, bis infolge des Einspruchs frommer Kreise seine Bemühungen ein Ende fanden. 1823 wurde Jacobson preussischer Staatsbürger. Der Höhepunkt seiner glanzvollen Laufbahn war damals überschritten. Im Jahre 1828 ist er — wie einer seiner Biographen schreibt — in stiller Zurückgezogenheit gestorben. Das von ihm hinteriassene Vermögen wurde auf mehr als eine Million Trier geschätzt. Leider versäumen es die Autoren einschlägiger Werke, die Relation zwischen Reichstaler und heutigen Geldwerten anzugeben. In Schnees Untersuchung an finden sich Andeutungen wie: Der Besitzer von 100.000 Talern war ein mehrfacher Millionär; oder: eine Unterschleife in Höhe von mindestens 100.000 Talern, das war mehr als eine Milion Mark u.a.m. Schreibt ein Historiker über die Erfolge der Hofjuden, so müsste er in glei-' eher Ausführlichkeit auch über die Gepflogenheiten berichten, welche damals bei den sie in Dienst nehmenden Potentaten und ihren Helfern üblich waren. Ohne die Sucht nach Verschwendung, nach Wohlleben und äusserem Glanz der absolut regierenden Landesherren, degrossen und der kleinen, aber auch ohne den Hang zur Bestechlichkeit und zu andern dunklen Machenschaften der Hofleute wären die Kammeragenten niemals zu ihrer Machtstellung ge- ’angt. Es trifft nicht die wenigen Ausnahmen der sparsamen, ehrlichen und gewissenhaften Männer, wenn hier als Beispiel zitiert wird, was Heinrich Schnee über die moralische Unzulänglichkeit etwa des Erzbischofs von Köln sagt: „Unter ihm wurde Kurköln mit Münster und Puderborn zu einem Eldorado der Hoffaktoren. was kein Wunder ist, wenn man berücksichtigt, dass Clemens August nicht weniger prunksiiehtig und verschuldet ,var als sein Vorgänger und Oheim; er konnte morgens in Stola und Mitra seinen geistlichen Pflichten nachgehen, uni am Abend in ausgelassener Freude hinter Maske und Domino prunkvolle Feste zu feiern. Ausserdem besass er zahlreiche Freundinnen, doch war er kein Wüstling, aber ein Freund schöner Frauen.” All das kostete viel Geld,' und der Hoffaktor musste es beschaffen. Das führte auf der einen Seite zu „huldvollster Gnade" und auf der anderen zu Liebedienereifortgesetztem Haschen nach Gunst, wie es uns auf Schritt und Tritt begegnet, wenn wir dem Gang der Dinge folgen. Eine der ersten Massnahmen Jacobsons „zur Beförderung der Moral der israelitischen Nation” <das Attribut ersetzte jetzt« jüdischen) war die Gründung der „Religions- und Industrieschule” in dem Harzstädtchen Seesen im Jahre 1801. Da sie von Anfang an auch christliche Zöglinge aufaahm. darf sie als erste Simultanschule in deutschem Gebiet gelten. Neun Jahre später wurde dem Institut eine Synagoge angefügt. der Jacobstempel. Zu der Einweihungsfeier läuteten die Kirchenglocken. Der Konsistorialp-äsident und Rabbiner Jacobson hielt von der Kanzel herab vor dem geladenen Publikum, zu dem eine Anzahl katholischer und protestantischer Geist lieber gehörte, ¡fiSp dem Gotte Is, ‘ “ ££ Gebetender«, Dank an denf* f {Ä6 ’SU 0» berichten, dass Gästen auch di des Herzogs schweig, die A Gandersheim < Hildesheirn* * Andere Forsche ¡¡¡es; es müsse i Feier gebändert vor dem Zusa des Herzogtur schweig staitgef tV,;r erfahren h heres aus eineir Abteirates von in dem leider des Jahres feh kein Grund v zweifiung vor, d tissin spricht sei zu ehrenden Te Es heisst darin Scha GüSl die

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