Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1951 (19.3.1962)
- Date
- 1962-03-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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it* •** -a*»«*’'«.- -* •o->: \ Viernes, 16 de Marzo de 1962 LA SEMANA SRAELITA Afn XX/H. Ns. 1951 Pl'A P "V ¿7* 11 fCt 1 IL- ÎÛ mißtfi h a. a A ol. ¿nSa^v Mexico CiV.'— Ueben dis Auswirkungen der sozialen Revolution auf die jüdischen Gemeinschaften sprach Dr- Nachiim Geldmann, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, auf einer Konferenz dieser Organisation, die zu einer dreitägigen Sitzung hier zusammentrat. Auf dieser Tagung, .der ersten dieser Art. die in Mexiko einberufen wurde, sollte über die Gründung eines zentralamerikanischen Büros beraten werden. Zu den Teilnehmern gehörten j u. a. Mark Turkow, der Leij ter der südamerikamischen I Exekutive des JWK, Bef-1 nardo Boruchowitz «Costa I Rica), Bruno Philipp (Dominikanische Republik), Eugenio Liebes «El Salvador), Enrique Engel «Guatema« la). Matalón (Jamaica), i Laszlo Weisz und Alfredo« Storper (Nicaragua), Moisés j Mizraji (Panama), sowie | Dr. Emanuel und Dr. E.! Robles (Surinam). An der Spitze der mexikanischen. Delegation stand Dr. Bibring. Dr. Goldmann führte aus, dass die soziale Revolution i und die Assimilation heute | das Ueberleben der Judenj heif ernstlich bedrohen und j die jüdischen Gemeinden ¡ von Lateinamerika dazu be-! rufen seien, im Kampf gegen diese Gefahren eine fiih- ¡ rende Rolle zu übernehmen. Er stellte fest, dass -sich ein erheblicher Wandel in der jüdischen Position seit dem 19. Jahrhundert voll-1 zogen habe. Damals waren I drei Tragen zu lösen, erj stens die Bekämpfung des Antisemitismus und die Verj Weigerung von Rechten, zweitens sei es notwendig gewesen, das Elend von Millionen Juden zu lindern, | und drittens habe man für die Errichtung, des jüdi-| sehen Naticnalheims "kämpfen müssen. Die Emanzipation der Juden sei in fast ■ allen Ländern durchgeseizt! Worden, und obwohl auch, heute noch Antisemitismus 1 herrsche, so habe dieser viel von seiner Virulenz verloren und stelle heute nicht mehr eine Gefährdung des Judentums dar. Die Mehr-! heit der Juden lebe nicht mehr in Armut, seit sich die Wirtschaftslage in den ■ meisten Ländern zur Zufriedenheit gebessert hat, und was den Kampf für das jü-, dische ‘ Nationalheim an-! geht, so habe dieser mit der Gründung des Staates Israel sein Ende gefunden: Anstelle dieser Probleme jedoch, so setzte Dr. Gold- « mann - fort, seien neue Schwierigkeiten aufgetaucht, \ die die Lage der Juden j nicht leichter gestalten. ' Statt des Antisemitismus er-; hebt sich jetzt die Gefahr der sozialen Revolution. Viele Juden seien z. B. aus Kuba ausgewar.dert. so dass sich die jüdische Gemeinde dieses Landes von 10.000 •mt 5.000 Seelen verringert habe. Ein anderes Beispiel liefere die Situation der sowjetrussischen Juden, die zwar offiziell in keiner Weise bedroht seien., sich aber behindert sehen, ihren jüdischen Charakter zu wahren. Die grösste Gefahr liegt nach Goldmanns Ansicht in der Assimilation. Um diesen Problemen zu begegnen. forderte Dr. Goldmann alle Sektoren des Judentums zur Mitarbeit auf. ERSUCHEN AN DIE INTERPOL Mexico City. — Die internationale Polizei-Organisation Interpol wurde aufgefordert, die nazistischen Kriegsverbrecher auf ihre Suchlisten zu setzen. Der Leiter der nordamerikanischen Exekutive, Jehuda Ebstein, unterstrich, dass die Weigerung der Interpol, nach diesen Verbrechern zu fahnden, ihnen ein Gefühl der Sicherheit verliehen und sie sogar ermuntert habe, die Verbindung mit änderen Nazis aufzunehmen und ihre Tätigkeitder Aufreizung zu Gewalt und Hass fortzusetzen. Botschafter in Moskau Jerusalem. — Der jetzige Israel-Botschafter in Brasilien, Josef Tekoa, ist mit dem gleichen Rang nach Moskau versetzt worden, wie jetzt angekündigt wird. Er wird der Nachfolger Von Arie Harel sein, der diesen Posten bis 1961 in Moskau bekleidete. Botschafter Tekoa ist 37 Jahre alt und war von 1958 bis I960 der zweite Chef der israelischen Delegation vor den UN. Vorher stand er an der Spitze der Abteilung für Waffenstillstände des Äussenministeriums. (ITA) Dr, Ezra Chalut gestorben Tel Aviv. — Hier verstarb im Alter von 58 Jahren Dr. Ezra Chaiut der ehemalige Attaché für Arbeiterfragen an der Israel-Botschatt in - Washington und während der. letzten 11 Jahre "Direk- .or dei politischen Abteilung der Histadrut. Dr. Chaiut studierte in Kanada, bevor er sich im Jahre 1934 in Israel niederliess. Der Verstorbene wurd, in der Ukraine geboren. ( ITA i Alte juedische Druckereien Von der Erfindung der Buchdruckerkunst haben die Jiden schon nach 35 Jahren U475) Gebrauch gemacht. Sie nennen sie „die Krone aller Wissenschaften”, bezeichnen sie ebenso wie das Schre:ben der Thorarollen als heilige Kunst und sehen voraus, dass durch sie die Erde voller Erkenntnis sein werde” (nach Jesaja 1L9). Das Druckwesen übte tiefen Einfluss auf die Gestaltung j des jüdischen Buches, auf j das Studium de» Talmud, I auf den synagogalen Ritus,! auf" die kulturelle Entwick-1 lung und auf das ganze jüj dische Leben aus. I Noch vor dem Jahre 1500 wurden ganze Bibelausgaj ben, manche mit Komrhenj taren, gedruckt Diese Wer-! ke Vor 1500 nenm mar. In- : kunabeln < Wiegend, ucke). Schon in der ersten Hälfte - des 16.- Jahrhunderts würde : das so umfangreiche Werk des babylonischen Talmud I in Venedig gedruckt, ferner! der Talmud Jeruschalmi, die lnlachisthen Werke des Ir-aac Alfassi. des Maimcmides und des Jakob Ben Ascher. VERBRINGEN SIE HDS IM MODERNSTEN ‘«CO HOTEL M. FLAMM CHASCOMUS — Cordoba 38 — T. E. 2910! 1 QUADER VOM SRAND; AI1« Zimmer mit Privatbad — Alle Bequemlichkeiten - i , Telefonische Auskünfte in Bs. Aires: 76-2312 u 70-5805 f : . Rechtzeitige Anmeldung erbeten bis 11. April | ntrr Verbringen Sie die Pessachfaisrtap-e IRl nr:: HOTEL LAGO RIO CEBALLOS — CORDOBA Casilla Correo 34 Bekannt durch seine Küche und aufmerksame Bedienung — Anmeldung erhetin ♦ i Auch in Deutschland sind schon im 16. Jahrhundert in manchen Orten jüaische Bü. eher gedruckt worden. Es ist das Verdienst des kürzlich verstorbenen Bibliograpl en Dr. Pinchas Jakob Kolm, dass er in seinem Standardwerk ,,Ozar Habiu- ’im w’Haperusch.m” «London 1952) alle nur erreichbaren Werke registriert hat, die sich mit der Erklärung des Talmud und mit den religionsgesetzlichen Entscheidungen' der Geonim, der früheren und späteren Posskim befassen. Aus diesem fast lückenlosen Werk ersehen wir. dass sieh in vielen Orten Deutschlands jüdische Druckereien befanden. Da sind nicht nur die bekannten grossen Gemeinden Berlin, Breslau, Danzig, Frankfurt am Main, Frankfurt an der Oder, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Leipzig, Mainz, München und Stettin. Da gibt es zum Teil ganz entlegene unbekannte Orte wie Jesnitz im Anhalt, Mahlow, kleine Orte, in denen man niemals eine jüdische Druckerei vermutet hätte, wie z. B. Homburg vor der Höhe, Köthen, Neuwied, Pasewalk. Es werden ferner die bekannten Orte angeführt, in denen Talmudausgaben hergestellt wurden, wie Wilhelmsdorf bei Nürnberg. Dyhernfurth bei Breslau, Sulzbach, Grenzstädte, deren Erzeugnisse wohl für die damals zu Russland gehörenden polnischen und litauischen -Gebiete bestimmt waren, wie Thorn, F.vdtkuhnen, Lyck, Johannesburg. Manche anderen Druckorte fehlen, wie Memel (wohl auch für Litauen bestimmt). Gotha oder Isny in Württemberg, das einer besonderen Betrachtung wert ist. Wichtig ist auch die Erwähnung einiger Orte, in denen zwar nicht talmudische, aber andere jüdische Lileratur, zum Teil wissenschaftlicher Art, gedruckt wij.de, und Orte, in denen die bekannten Ausgaben des Sidur hergestellt wurden. Rcedelheim im We-1 sten und Krotoschin im Osten. Die Betrachtung des Werkes stimmt nachdenk-! lieh" und wehmütig, denn es zeigt, wie vi.'les geschaffen.- wie vieles zerstört wurde. Rabbiner Dr. S. Neufeld Tunis, Miiie Februar Meldungen zufolge soll die algerische nationale Befreiur.gsf.ont (FLN> bei c.en | Fricdensvcrliandlungea mit! Frankreich die Forderung* : es seien die algerischen Juj den automatisch als Bürger | des neuen Algerische.l Staa- [ tes zu betrachten, fallen gcj lassen haben. . Dies den et! auf eine heue Phase in den : Beziehungen zwischen Juj den und Mohammedanern « hin. : Beinahe 290.000 algerische | Juden, .die zum eu.opäi- ’ sehen Kulturkreis gehören, sind jetzt französische Staatsbürger. Das Dekret Cremieux aus dem Jahre 1870 bestimmte, dass alle algerischen Juden, die gewillt waren, auf die von der Religion hergeleiteten. Gesetzesbestimmungen zu verzichten, naturalisiert würden und fortan vor ccm Gesetz als französische Staatsbürger gelten sollten. Die mohammedanischen Nationalisten, die der FLN angehören, hatten immer wieder betont, die Algerier jüdischen Glaubens hätten die selben. Rechte und Pflichten wie die Mohammedaner. Nun aber scheint es, dass die FLN bereit ist. zuzugeben, dass die Mehrheit der in Algerien geborenen Juden schon seif längerer Zeit verlangen, als Europäer anerkannt zu werden. Mit Ausnahme einiger weniger Intellektueller, die seit sieben Jahren der Auf- : Standsbewegung angeschlosj sen sind, glauben nur weni- | ge in Algerien geborene ■ Juden, dass sie sich in ei- I ner mohammedanischen Ge-! meinschaft wohlfühlen könn; ten. Die meisten algerischen i Juden sind Nachkommen | von spanischen Juden, die 1492 von Ferdinand und Isa- I bella vertrieben wurden,! teils auch von Berbern, die zum jüdischen Glauben übergetreten waren. Der Rassenkampf zwischen algerischen Mohammedanern und Juden nahm während des ganzen algerige von Algier vor. einer algerischen Meute g:sLiirm; und geplündert wurde, ra rädern anscheinend europäische — nicht i 'Ciisch-e — Tcr.oristen darin Zuflucht gesucht haltrn. Im Jahre 1231 kam es zu. weiteren Ausschreitungen in Oran, das die grösste jüdische Gemeinde Algeriens hat. NACH" ISRAEL UND FRANKREICH Das zionistische Auswanderungsbüro entfaltet seit zwei Jahren eine ausserordentliche Tätigkeit, hat aber besonde.s seit sechs Mona ten alle Hände voll zu tun. Man schätzt, dass 10.000 bis 50.000 Juden nach Israel ausgewandert sind. Viele Juden haben sich auch in Frankreich niedergelassen. Es wurden aber auch Flugblätter verteilt von einer sogenannten „jüdischen OAS”, und in der Tat sind einige OAS-Terro.isten, die von der! französischen Regierung , festgenommen wurden, al- | gerische Juden. Die OAS ihrerseits bezeichnt jeden Nicht-Mohammedaner, der das „Mutterland” verlässt, als einen Verräter, zerstört oft das Eigentum der Leute, . die das Land verlassen, und . hat in vielen Fällen die an! gehenden Auswanderer um-1 gebracht. Eine jüdische Fa- | milia aus Oran verbrachte | vor kurzem ihre Habseligj keiten in den Hafen zur Verschiffung nach Israel. Die; OAS sprengte das Lager-; : haus in die Luft.. j , Solche Aktionen sowie die i Machtverschiebung zu Gun-', j sten der 10 Millionen Mohammedanern. die in Algej rien die Mehrheit bilden, : haben doch viele Juden, die! im Lande bleiben wollen, j nachdenklich gestimmt. Die; FLN scheint hingegen ihre ursprüngliche Ansicht, es! würden viele Juden algerij sehe Bürger werden wollen, I geändert1 zu haben. Sie stimmt jetzt stillschweigend I ihrer Abreise oder dem s-e- I paraten Status von Europäern zu. I AUSWANDERUNG sehen Krieges nie ernste AUCH AUS MAROKKO Formen an, bis im Dezem-! ber 1960 die grosse Synago- 1 Es scheint nun, dass auch König Hassan II. von Marckko, zufällig oder nicht, zur gleichen Zeit die offizielle Auffassung, wonach Juden Staatsbügec mit allen Rechten und Pflichten sind und deshalb nichi zur Auswanderung ermuntert werden sollten, fallen gelassen hat. Sein Land geh rt der arabischen Liga an und unterstützt eifrig axle anti-zionistischen und anti-israelischen Bestrebungen. Sehen ver Hessen viele Juden Marokko auf Schleichwegen, um sich nach Algerien zu begeben, und wohl an dir 40.000 wohnen jetzt in der Gegend von Oran. Aber seit dem 1. Dezember letzten Jahres haben Juden in stets grösserer Zahl und auf legalem Wege Marokko vei lassen.' Offiziell werden Kanada und Frankreich als Reiseziele angegeben, aber die marokkanischen Juden behaupten, das endgültige Reiseziel sei eben doch Israel. Präsident Bourguiba von Tunesien ist der einzige arabische Führer, der sich der Ausreise der einheimischen Juden nie ernstlich widersetzt hat, obschon Tunesien eigentlich auch Mitglied der, arabischemLiga ist. Die Fol-* ge davon war, dass — wohl dank einer seltsamen Auswirkung der Psychologie der Massen — verhältnismässig wenige Juden das Land verliessen und die tunesischen Juden sich im grossen und ganzen recht gut mit den Verhältnissen im Lande abfinden. Keine Zeit für Ehrenmal Essen. — Auf unerwartete Schwierigkeiten ist der Plan gestossen, ein grosses Ehrenmal für die Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der Essener Innenstadt zu errichten. Mehrere deutsche Bildhauer, die um Entwürfe gebeten wurden, zeigten kein sonderliches Interesse, teilte der Essener Baudezernent, Professor Dr. Hollatz, mit. Alle hätten „Arbeitsüberlastung” angegeben. (AWZ) NO SOLO DESDE LA) PLATEAU! 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