Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1951 (19.3.1962)
- Date
- 1962-03-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Die Revisions-Verhandlungen werden sicher nicht das weltweite Echo finden wie der Prozess, zumal niemand — und das trifft auf Deutschland zu — an eine Aenderung der Urteilsfindung oder gar des Strafmasses glaubt. Die deutsche Oeffentlichkeit hat dem letzten Teil der Verhandlungen erheblich mehr Interesse zugewandt, als zu erwarten war. Trotz der relativ kleinen Zahl von deutschen Berichterstattern ln Jerusalem, vergleicht man sie mit der ersten Phase des Prozesses, haben alle deut sehen Zeitungen über Urteil und Strafmass ausführlich und auf der ersten Seite berichtet. Und dies ist noch höher zu bewerten, wenn man bedenkt, dass die Berlin-Krise in unverminderter Härte andauerte, die Verhandlangen der drei Westmächt« in Paris von einiger Bedeutung für das deutsche Schicksal waren, und dass wahrhaftig auch auf der internationalen Ebene kein Mangel an Stoff für die deutsche Presse bestand. Berichtertsattung und Kommentare waren eigentlich einhelliger und positiver als während der ersten Phase des Prozesses. Der Grund ist klar: es gab und gibt in Deutschland viele Stimmen — und es handelt sich hierbei durchaus um gutwillige Menschen — die die Entführung Eichtnanns aus Argentinien als einen Bruch des internationalen Rechts verurteilten und gleichfalls lieber einen internationalen Gerichtshof mit der Aburteilung Eichmanns betraut hätten. Und schliesslich war während der gesamten Dauer des Prozesses stets die Gefahr, dass Dinge ans Licht gezerrt würden, die für die Deutschen nichts Gutes verhiessen. Das Urteil und das Strafmass aber Hessen solche Bedenken nicht mehr aufkommen. Uebereiostimmend fand in der deutschen Presse die Prozessführung Bewunderung, und viele Kommentatoren waren der Ansieht, dass diese faire und objektive Verhandluugsweise dazu beigetragen hat, leicht mögliche Angriffe auf das neue Deutschland zu verhindern. In gleichen hohen Tönen pries man das Urteil, das ebenso klar und unmlssver stündlich war und auf zweifelhafte Tatbestände verzichtete. Einige Kommentare knüpften Betrachtungen daran, wie z. B. in der „Süddeutschen Zeitung", dass das Urteil die Grenzen aufzeigte, wo Menschlichkeit und Verantwortungsbewusstsein nicht mehr durch Befehl und Gehorsam ersetzt werden können. Die „Stuttgarter Zeitung" stellte das Urteil als eh» Urteil gegen den Mann Eichmann dar, hielt es aber nicht für eine Sühne der Verbrechen gegen das jüdische Volk. Diese Ansicht wurde von den meisten deutschen Zeitungen geteilt. Die „Stuttgarter Zeitung” fragt auch, ob nicht gerade die Durchführung des Todesurteils Veranlassung zu dem gefährlichen Gedanken gäbe, dass mit Eichmanns Toi die Verbreche« gegen die Juden gesühnt wäre*. Die Fragen nach der Durchführung des Todesurteils nahmen in der deutschen Presse überhaupt weiten Raum ein. wenngleich auch die Mehrzahl der Stimmen die Ansicht aussprach, dass ein Rat der Deutschen; MALERARBEITEN •■■Ur SitfN, N. IU»Mtfc*jft LEANDRO N. ALEM 2530 MUNRO T. E.: 795-8718 wad 749-IM5 <> - - ii Teppichhaus - M. Höchberg < I UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTOPPTEN < TBPPICfMCH IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN <> EUER JEDES QEMtf ETLICHE HEIM. <► | Btfono Fabrikation — Unvochindlioho Vorfahr*«« «>;; Auf WtHtsch ZahhmsaerieicktePMeei M A SCmNEN TEPPICHE IN ALLEN FARBEN IHN» OROESSER. AUSLESEN VON APPARTEMENTS MIT REIH WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Santo« w»4 **t—Irg vo» 9—19 (Ihr tat Ausatelluagshau« Calle ANDONAEGUI 2083 4 Quader rer SteUoa Ur^uiea; Mumcs Walehmcuuv >»0 00000*0 00 00000»»»< t V- , MODERNE WOWN- UND SCHLAFZIMMER I EINRICHTUNG*N — SRSSEI,GARNITUREN : SARMIENTO 1147 •AMIDt 774? AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO* BEÑO HUTSCHNBCKES Avd*. CONSTITUYENTES 4902 T . E. 51 - 2S0S (Eck« Mor roe) in diösem Zusammenhang gänzlich fehl am Platze sei. „Die Welt” schlug allerdings dennoch vor, die deutsche Bundesregierung möge die Israelis von einer grossen Sorge befreien, in dem sie sich bereit findet. Eichmann bis an sein Lebensende in einem deutschen Gefängnis zu bewahren. Die ..Rheinische Post” äusserte die Ansicht, dass der Prozess vielen Deutschen, die bisher abgelehnt hatten, an die Verbrechen der Hitler-Diktatur zu glauben, die Augen geöffnet habe. Niemand könne mehr behaupten, er wisse nichts von den Verbrechen. Viele Menschen pflegten auch bisher zu sagen, stellte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung” fest, sie seien unschuldig, da sie nur Befehlen gehorchten. Die Verbrechen, die im Eichmann-Prozess zutage kamen, lassen diese Entchuldigung nicht mehr zu. Zwei Fragen, so sagte die „Stuttgarter Zeitung”, die sich wohl am intensivsten mit dem Prozess auseinandersetzte, hat der Prozess und das Urteil nicht beantwortet: Wie konnte das altes am helliehten Tage geschehen, und warum war es gerade das deutsche Volk? Die Zeitung versuchte, in einer eine Seite umfassenden Analyse eine Antwort darauf zu geben, ha dem sie aus der deutschen Geschichte schloss, dass Eichmann ein typischer Deutscher ist. Die Deutschen wurden stets zu Gehorsam erzogen, ihnen fehlte der Instinkt für persönliche Freiheit, und sie setzten an seine Stelle de« Nationalismus. Gehorsam dürfte allerdings nicht unbedingt zum Mord führen, sagte die Zeitung, verwies jedoch auf die Niederlage von 1918, die die Deutschen eigentlich nie verwunde« hätten und die Hitler auszuwetzen versprach. Eine ähnliche Ansicht vertrat Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer, der dazu meinte, die Deutschen hätten die Maxime des Römischen Rechtes, Genorsam und Pflichtbewusstsein vor alles andere gestellt. Kr glaubt auch kt Kants Thesen Grundlagen für diese Geisteshaltung der Deutschen zu finden. „Es ist wahrhaftig schmerzlich für einen Deutschen, zugeben zu müssen, dass sich dieser Sehweirehund (Eichmann) auf Kant berufen konnte, wenn auch der Kategorische Imperativ, den Eichmann zu seiner These macht, von ihm falsch ausgelegt wurde”. Um dies auszumerzen gilt es, der deutsche« Jugend WHMRiHRMRRMMMIimP immer richtig «gezogen mit CARLTOM- KLEIDUNG Um UeMkrWritw Erett Ifpptl MerreRkeklei4«af Maip« 4*4 I T.E. 31-7845 HerreMRMtAttuf SM T. E. 31-MS? eine neue 'Erziehung angedeihen zu lassen. Und dabei, sagte die „Frankfurter Allgemeine”, könnte das Urteil von Jerusalem sozusagen als Leitfaden für die deutsche Jugend dienen, die von den Eltern keine Auskunft über die Vergangenheit erhält. Denn das Urteil habe ethische Werte, die unter dem Terror begraben lagen, wieder zutage gefördert: nämlich die Verantwortung des einzelnen für seine Taten. Deutsche Staatsmänner — Bundespräsident Lübke, Bundestagspräsident Ger stenmeier, Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer — äu. sserten ebenso einhellig ihr Einverständnis mit Urteil und Strafmass. Es bleibt dabei die ehrliche Haltung spürbar, die Buadestagspräsident Gerstenmaier am Beginn des Prozesses in die Worte kleidete: „... für uns bleiben die Untaten, die 3ich mit dem Namen Eichmann verbinden, eine schreckliche Qual und Last bis an unser Lebensende.” UND DOCH: VERGEBEN UND VERGESSEN Kürzlich starb in Bonn der Vorsitzende der Bonner Synagogengemeinde, ein alter Herr von 79 Jahren, angesehen in der Stadt, damals in den alten Zeiten wie auch in den letzten Jahren, Mit glied zahlreicher Vereine, Frontkämpfer d?s Ersten Weltkrieges und — vom Dritten Reich ias KZ geschickt. Am Grabe dieses Mannes wurden Reden gehalten, schöne und würdige und ernste Reden. Das Schlichteste und das Schönste sagte Dr. Daniels, der Oberbür germeister der Stadt Bonn. Er bat alle Juden, die noch in Bonn leben und mit am Grabe standen (es waren nicht sehr viele) um Vergebung für alles, was ihnen i« der Stadt Bonn zugefügt wurde. Und am selben Tag, wahrhaftig an genau demselben Tage, teilte die Stadt Bonn der Oeffentlichkeit mit, dass dem früheren Nazi - Oberbürgermeister der Stadt Bonn eine Pensions- Nachzahlung von 54.000 Mark ausgezahlt werden musste. Es war der Ober hürgermeister, in dessen Amtszeit <19*3 bis 1945) alles das geschehen ist, wofür der Oberbürgermeister von die Lebenden, die Uebriggebliebenen um Vergebung bat. LA SEMANA ISRAELITA BISSMANARiO INDEPENDIENTE «•. Ateea - PUEYRREDOR 2198, 1* te«. - T. E. WJtla 18. Mitra 1982 18. Adar II 5722 Um FreiiRMERj TM HlU München. — Die rechtsradikale Jugendorganisation; „Wiking - Jugend” hat in : mehreren nordbayerischen Städten Flugblätter verteilt, in denen die Freilassung des noch in Berlin-Spandau inhaftierten ehemaligen Stellvertreters Hitlers, Rudolf Hess, gefordert wurde. Hess war im Nürnberger Kriegs Verbrecherprozess zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Gegen die Verteiler der Flugblätter laufen polizeiliche Ermittlungen. (AWZ) Safc*t«£* 1 Jerusalem. — Sieben israelische Araber wurden in Galiläa unter dem Verdacht verhaftet, syrische Saboteure. die in der Nähe der staatlichen Wasserleitung Minen legten, unterstützt und versteckt zu haben. Die Verhaftungen wurden vorgenommen, nachdem mehrere Minen auf den Feldern des Kibbuz Beeri explodierten, als die Siedler den Boden mit Traktoren bearbeiteten. Die israelischen Beobachter sehen diesen Fall von Sabotage als äusserst ernst sr,. (ITA) Religioese greifen Polizei an Tel Aviv. — Nach dem Zwischenfall bei dem zehn Polizisten verwundet wurden, herrscht wieder Ruhe in der Stadt Bne Brak. Das Handgemenge entstand, als Polizisten die Leiche eines Mannes, der auf offener Strasse ohnmächtig geworden und hierauf verschieden war, fortschaffen wollten. Wie die Polizei später ankündigte, wurde keiner der Demonstranten verhaftet. Eine Gruppe von Jeschiwa-Schülern wollte die Polizei daran hindern, die Leiche zur Autopsie in ein Hospital zu schaffen, weil die Religiösen sich der Praxis der Autopsie widersetzen. Religionsminister Zorach Wahrhaftig und andere religiöse Führer ersuchten den Polizeiminister Bechor Shitrit, dem Institut für Gerichtsmedizin Anweisung zu erteilen, die Leichenöffnung nicht vorzunehmen. Der Tote war von den Polizisten schliesslich mit Gewalt in dieses Institut geschaft worden. (ITA) Das W#rt „Ntzi” vtrkttt« Ricnmond (Virginia) — Die Deputiertenkammer von Virginia nahm mit 45 g--gen 37 Stimmen ein Gesetz an, das sie an den Senat weiterleitete Darin wird der n&rdamerikanischen Nazipartei von George Rockwell, ebenso wie irgendeiner anderen Gruppe, die Erlaubnis entzogen, das Wort .Nazi" oder ..natiunalsozialist.sch ’ zu gebrauchen. Allerdings würoe der politischen Betätigung RockweHs durch die Annahme dieses Gesetzes im Senat kein Ende gesetzt werden, denn der Entwuri lässt die Möglichkeit offen, einen neuen Antrag auf Zulassung der Partei unter einem anderen Name« zu stelle«. — (ITA) K«scfc«r« Kücfci Readlng (Pennsylvania) — Eine Küche die 8.000 Dol. ltr gekostet hat und der. jüdischen Patienten koscheres Essen liefern wiid, wurde wurde im hiesigen St. Josephs-Hospital, das von katholischen Schwestern geleitet wird, offiziell eingeweiht. Rabbiner Joseph Sefsei wurde die Oberaufsicht übertragen, die er in strerger Uebereinstimmung mtt den jüdischen Speisegesetzen führen wird Wie die Leiterin des Hospitals, Oberschwester Roberts mittellte, wurde diese Massnahme getroffen, damit ölt Patienten, die an koscheres Esse« gewöhnt sind, ein ruhiges Gemüt naben können”. Dies würde nach den Worten der Oberschwester dazu beitre-gen, ihre Heilung zu beschleunigen. — ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE IM MONAT MAERZ VERREIST (T«W. Auskünfte werden NICHT ertsilt) -★- Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. PUETRREOOR 2190 liq A». LAS HERAS — T. E. 83-2613