Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1950 (9.3.1962)
- Date
- 1962-03-09
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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LA SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No. 1950 8 — Viernes, 9 de Marzo de 1962 Der 20. Januar 1942 war i der schwärzeste Tag für die J Juden Europas. An diesem j Tag trafen sich fünfzehn hohe und höchste Beamte des! Dritten Reiches als Vertre-[ ter ihrer Minister oder Be-1 hördenehefs auf einer Konferenz zur Organisierung und Koordinierung der vom! „Führer'’ beschlossenen biologischen Vernichtung der j europäischen Juden. Die Mi! nisterien waren durch ihre Staatssekretäre, Unterstaats-! Sekretäre oder Ministerial-; direktoren vertreten. SS- | Obergruppenführer Rein | hard Hevdrich hatte zur ’ Sitzung einberufen und er-1 schien mit fünf Beamten' seines Machtbereichs, dar-: unter den Befehlshabern der j Sicherheitspolizei und des SD in den besetzten polnischen und russischen Gebiej teil. Vom Reichssicherheits-' hauptamt. der „federführenden“ Behörde nahmen SS- ‘ Gruppenführer Heinrich Müller vom Amt TV und i sein Fachreferent für Ju-j denfragen. SS - Obersturm-; bannführer Adolf Eichmann | an der Konferenz teil | Das Reichssicherheitsj hauptamt hatte für diese j Konferenz — sie sollte schon im Dezember 1941 stattfinden. war aber wegen Pearl Harbcur verschoben worden — ein Poüzeiquartier in Berli.vWannsce in der Strasse „Am Grossen Wannsee“ gewählt, in der das deut sehe Büro der Interpol untergebracht war. i?ner beim Fangen von Scheckbetrügern. Hochstaplern und kleinen Verbrechern so ausgezeichneten internationalen Polizeikommission, die je doch beim Fangen von Mas senmördern wie Eichmann und Komplizen leider des Halb versagt, weil sie sich, nicht mit „politischen" Straftaten belassen darf. Das Schieksalshaus am Grossen Wannsee 56—58, hat übrigens den Krieg überdauert und wurde später nach russischer und amerikanischer Besetzung ein Schul heim für berliner Kinder. Nach Eichmanns Erklärung beim Kreuzverhör in Jerusalem dauerte die Kon-j ferenz, in deren Verlauf Kognak gereicht wurde, - nicht sehr lange. Auf Vor-; halt des Generalstaatsanwalts Gideon Hausner er-1 zählte Eichmann: ,, . ich, weiss noch, dass im Anj Schluss an diese Wannsee-j Konferenz Heydrieh, Müller j und meine Wenigkeit an einem Kamin gemütlich sassen, dass ich Heydrieh da zum ersten Male habe rauchen sehen, Zigarette oder Zigarre, und dachte noch, heute raucht Heydrieh, was ich sonst nie sah Er trank Kognak . und wir sassen also friedlich zusammen, nicht um zu fachsimpeln, sondern um uns nach den langen anstrengenden Stunden der Ruhe hinzugeben...” Was war in den langen anstrengendne Stunden geschehen? — Wenn wir nur auf die Aussagen Eichmanns und seiner Komplizen, die an der Konferenz teilnah men. angewiesen wären, wüssten wir nur Verlosenes und sehr Fragmentarisches 'her diesen Schicksalstag "’es .iüdischen Volkes. Aber die Verbrecher hatten ver v«n ROBERT M. W. KEMPNER, gessen. sämtliche Spuren zu , beseitigen, so dass im Lau-I fe des von mir als US An-1 klage Vertreter geführten Wilhelmstrassenprozesses in! Nürnberg unsere Mitarbeiter in den Akten des Ribi bentropschen Auswärtigen Amtes eine Ausfertigung des Geheimprotokollsvom 20. 1 Januar 1942 fanden. Der' entscheidende Absatz dieses; Protokolls, der das Schicksal des jüdischen Volkes be-: siegeln sollte, lautet wört-1 lieh: . Unter entsrechender Lei-1 tung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in ge-j eigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In grossen Arbeitsko- ■ lonnen, unter Trennung der : Geschlechter, werden arj beitsfähige Juden Strassen-! bauend in diese Gebiete ge-' führt, wobei zweifellos ein j Grossteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstel lend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist. (Siehe die Erfahrung der Geschichte.!” Das Urteil gegen Eich mann, in Jerusa!?in, dadie Wannseekonferenz als eines der Hauptereignisse in der Geschichte der Endlösung hervorhebt, erklärt zu diesem Passus: „Der Sinn, der sich hinter dieser verschrobenen Sprache verbirgt, ist ganz eindeutig und einfach: die Vertreibung der Juden Europas nach dem Osten, ... Tod der Schwachen durch Arbeit und Ermordung der Widerstands fähigen." Das wörtliche Protokoll dieser historischen Konfe renz ist in einem Buch ..Eichmann und Komplizen” veröffentlicht. In dem Protokoll ist auch erwähnt, dass über „verschiedene Arten der Lüsungsmögliehkeiten" gesprochen wurde. Eichmann erklärte dazu in Jerusalem: „Es sind eben die verschiedenen Tötungsmöglichkeiten besprochen worden.” Bereits vor Jahren habe ich in der Presse die Frage aufgeworfen, was eigentlich aus den verschiedenen Teilnehmern der Wannsee-Konferenz geworden sei. Inzwischen haben sich verschiedene Staatsanwaltschaften in Deutschland mit der Wannsee-Konferenz beschäftigt. Ein eigentlicher Prozess um die Wannsee-Konferenz hat aber, abgesehen vom Eichmann-Prozess in Jerusalem und dem Wilhelmstrassen - Prozess in Nürnberg bisher nicht statt - gefunden. Er muss jedoch in Deutschland stattfinden, wenn die Staatsanwaltschaft der Meinung ist. dass die überlebenden Teilnehmer an dem Gesamtplan zur Ermordung der Juden durch ihre Anwesenheit in Wannsee und Mitwrikung an weiteren organisatorischen Schritten ihrer Behörde an diesem ,,Meisterplan” vorsätzlich beteiligt waten. Zu den überlebenden Teilnehmern gehört der ehemalige Reichsamtsleiter Georg Leibbrandt vom Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, dessen Chef Alfred Rosenberg in Nürnberg wegen Mordes hingerichtet wurde. Ferner gehört dazu der damalige SS-Oberführ?r und spätere Staatssekretär Gerhard Klopfer des in Nürnberg in absentia zu Tode verurteilten, aber noch nicht aufgetauchten Reichsleiters Martin Bormann; gegen Klopfer ist bereits, wie mitgeteilt wurde, ein Strafverfahren in Ulm anhängig. Von den weiteren Teilnehmern der Konferenz ist vielleicht noch Eichmanns Vorgesetzter. der SS-Gruppenführer Heinrich Müller am Leben, bisher allerdings unauffindbar; der SS-Siurmfiihrer Fritz Lange von der Sicherheitspolizei in Lettland soll flüchtig sein: Otto Hoffrnann vom Rasse- und Siedlungshauptamt der SS wurde in Nürnberg in anderem Zusammenhang verurteilt, aber in zwischen entlassen. Die anderen Teilnehmer sind umgekommen, wis Reinhard Heydrieh, der einem Attentat in Prag erlag; Roland Freister, der im Bunker seines mörderischen Volksgerichtshofes umkam; Wilhelm Stuckart, der nach seiner Entlassung in Nürnberg mit dem Auto tödlich verunglückte, etc. Keiner der Konferenzteilnehmer hatte sich, wie das Urteil gegen Eichmann in Jerusalem feststem, während der Konferenz auch nur mit einem Wort gegen den Mordplan gewandt, trotzdem wird der deutsche Prozess um die Wannsee- Konferenz vor einer schweren Aufgabe stehen, denn die früheren hohen Funktionäre des Dritten Reiches werden zu ihrer Verteidigung behaupten, dass ihr Name „Hase” gewesen sei und sie immer gegen die Juden Vernichtung Stellung genommen hätten, obwohl sie ihnen eigentlich so gar nicht recht bekannt gewesen sei. I I Johnson reist nach Mittelost UN. — Dr. Joseph E. Johnson, der Präsident der Carnegie-Stiftung für den Weltfrieden, wurde neuerlich zum Sondervertreter der Sehliehtungs Kommission für Palästij na ernannt. Dr. Johnson wird eine zweite Reise in den Mittelosten unternehmen im Bemühen, eine Lösung für das Flüchtlings-Problem zu finden. (ITA) erschiedene Man hat Israel mit einem Sehmelztiegel verglichen. Aber im wirklichen Leben geht es nicht so einfach zu. Man kann Menschen nicht im Handumdrehen umwandeln. Ihrer Kulturstufe nach scheinen die Neueinwanderer oft durch Jahrhunderte getrennt — sie kommen aus dem 12.. dem 16., dem 20. Jahrhundert. Manche haben ein Handwerk gelernt — die meisten nicht. Manche haben eine Ausbildung genossen — anderi sind Analphabeten. Es kommen Gesunde, und es kommen Kranke. Israel nimmt sie auf — wie koennte es anders: Man kann nicht pruefen und waehlen und wdll es auch nicht. Aber all diese Bruchteile in ein Ganzes umzuschmelzen. ist eine Aufgabe, deren Loesung nicht nur grosse Geldmittel verlangt, sondern auch Verstaendnis — Geduld — und grenzenlose Hingabe. EINWANDERUNG NACH ISRAEL 15. Mai 1948 — 31. Mai 1961 E Herkunjtslaender Ankoem mlinge % E'l Osteuropa. 408 000 41 Ei Moh am medanisch e Laetuler Ei Xordafrika. 239 000 24 Irak. 124 000 12 Jemen. 49 000 5 E Verschiedene andere Laender 95 000 10 E 507 000 51 E Westliche Leader E Europa und. 32 or.o . ) E Andere Laender 53 000 5 E 85 000 3 i Insgesamt. 1 000000 * 100 — . .. - -- - - .. ---- ■ -- * Am 31. Mai 1001 war die genaue Ziffer 998 G13. ÍF'gk-i \ > - •Ai?*. Ä: iÜi $tm ‘ •.w'vrry--' lila?iiminiiniinniHH»HHimimminiii»nmHHnnnnmnnuiHnnmuimn»ninimimmiiimiinii TiiiiiiiiuniiRiRJiHinniiiHiiiiiiiüiiiJiHuiiumiiiiiiimmmiiuumiiuiumimiiiímnmíH* Nt