Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1962-03-02 · 1949 (2.3.1962) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1949 (2.3.1962)
Date
1962-03-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9616703-9612947-9613073--1959-9613081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

8 — Viernes,, 2 de Marro de 1962 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIII. — No 1949 Unser Mann im In einem Land, dessen Zukunft hauptsächlich im Süden seines Gebietes hegt, hat Mordechai Eikajarn eine unglückliche Liebesgeschichte mit dem nördbchen Teil Israels. Jedes Mal. wenn er so weit nördlich wie Tel Aviv gelangt, findet sich sicher jemand, der beschiiesst, dass es eine wichtige Aufgabe im Negew gibt und dass Mordeehai Eikajam der richtige Mann liier für ist. Der grauhaarige, kräftige Elkajam wurde im N--gew geboren, dort kämpfte er und leitet dort die Absorptions-Abteilung der Jewish Agency, wo zur Zeit etwa ein Drittel aller Neueinwan derer angesDdelt werden. Wenig Menschen haben so lange und so intensiv die erstaunliche Umwandlung einer Wüste miterlebt. DAMALS UND HEUTE Elkajam kann sich an die Zeit während des ersten Weltkrieges erinnern, als seine Eltern sich mühsam ernährten, indem sie eine gewisse Art kleiner Melonen von den Negew-Beduinen kauften „und an jeutsebe pharmazeutische Firmen verkauften. Die Einwanderer, denen er heute bei ihrer Ansiedlung hilft, verdienen ihr Brot mir weniger romantischen Beschäftigungen. Sie arbeiten in landwirtschaftlichen Siedlungen, neuen Textilfabriken, den Timna-Kupferwerken, dem Hafen von Elar — kurz, in einer erstaunlichen Reihe verschiedener Unternehmen, von denen sich niemand etwas träumen liess zu jener Zeit, als es im Negew nur Zelte und Kamele gab und Mordeehai Elkajam ein kleiner Junge in Gaza war. Von den langen Jahren in der Hagana und in der Israel-Armee hat Elkajam eine breite Narbe auf seiner Stirn zurückbehalten, ebenso einen leidenschaftlichen Ei fer für wirksame Verwaltungsmassnahmen und eine ausserordentliche Geschicklichkeit, seine Untergebenen , anzuspornen. Dies sind un-) schätzbare Eigenschaften I für einen Menschen, der j sich mit den Schwierigkeiten der Einordnung von Einwan derern in grossem Masstab | bei einem ständigen Mangel I : an den notwendigen Geldern!! und ausgebildetem Personal , beschäftigen muss. | WICHTIGE GRUNDSAETZE ’ Trotz der alltäglichen stürmischen Vorgänge in ■ seinem Büro hält Elkajam j ■ unumstösslich an zwei wich- ' : tigen Grundsätzen fest. Je- , | der Einwanderer muss all das erhalten, was ihm zuj i kommt, und jeder Einwan- |! derer muss beweisen dass j er bemüht ist, sich selbst: zu helfen. Jeder bedürftige; Mensch erhält alle nur mög j liehe Hilfe von der Jewish I Agency, aber jeder Antrag- 1 steller muss sich bei dem j örtlichen Arbeitsnachweis eintragen, um zu arbeiten, sobald Arbeit für ihn vorhanden ist. Da er nicht überzeugt ist, dass seine ungeschulten und; überarbeiteten Mitarbeiter j die ganze Prozedur der Einordnung der Einwanderer im Kopf haben, hat Elka-! jam eine Liste verfasst, die i alles enthält, von der Ge-1 päckabfertigung, Zuteilung; von Wohnung und Arbeit bis I zu medizinischer Betreuung j und Erziehung. Jede neue j Einwandererfamiiie wird; von einem der Leute Eikajams besucht und über ihre Rechte und Pflichten als neue Bürger Israels unterrichtet. Wenn bei einer Familie besondere Probleme vorhanden sind, wie Krankheit, beschränkte Arbeitsfähigkeit wegen fortgeschrittenen Alters, Schwierigkeiten bei den Kindern usw., wird dies dem Hauptbüro gemeldet und der Fürsorgebeamte der Jewish Agency am Ort oder eine andere zuständige Stelle benachrichtigt. Elkajam und sein Stab geben sich alle Mühe, um Menschen, die sich nicht selber helfen können, auf die Beine zu stellen. Den Hunderten von Neuankömmlingen, die sich bei ihm über die Schwierigkeiten des Lebens im Negew beschweren, könnte Mordechai Elkajam antworten, wie es andere Israelis tun: ,,Ich habe hier durchgehalten. als die Zustände roch viel schlimmer waren. Ich habe mein Leben für die Verteidigung dieses Gebiets eingesetzt. Du findest das Leben hier schwer? Du hättest vor zehn, zwanzig dreissig Jahren hier sein sollen!” Aber in seiner sachlichen, fast schroffen Alt ist Elkajam der Meinung, dass, was auch immer in der Vergangenheit war, jeder Einwanderer von neuem die „hevlei klita”, die Geburtswehen der Einordnung, durchmachen muss. Er hält keine Predigten aber fordert geduldig jeden Neuling auf, die Schwierigkeiten des Löbens im Negew zu mei stern. In erster Linie ist er ein Führer der ihm anvertrauten Menschen und erst in zweiter Linie ein Verwalter philanthropischer Fonds. VON FLUECHTLINGEN ZU PIONIEREN Man braucht Männer wie Mordeehai Elkajam, um Flüchtlinge zu Pionieren zu machen, denn auch heufe ist das Leben in den Entwicklungsgebieten des Negew hart und schwer. Der Negew braucht Einwanderer, und die Einwanderer ^rauchen die Expansionsmöglichkeiten des Negew, Aber das Zusammentreffen ist schmerzhaft, und der Weg ist nicht leicht. Es erfordert Glauben, Geduld und mutiges Unterdrücken des Mitleids, um Menschen auf diesen Weg zu bringen und der Zukunft entgegenzufiihren. Die Jewish Agenoy kann stolz darauf sein, da«s sie Mordeehai Elkajam „unsern Mann im Negew” nernen darf .Der Norden mag schönere Städte und grünere Gärten besitzen, aber im Negew muss ein Mann beweisen, was er ist. Mordechai Elkajam hat diese Probe bestanden. Debora Offenbacher SKERENKAYEMETH DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL Oie Apfelsinen, die für den Export in die verschiedensten Länder bestimmt sind, werden in einem riesigen Packhaus nach den modernsten Methoden in Kisten verpackt. WITWE EINES JUDENMOERDERS Bei der Behandlung des Komplexes Warschau im Kapitel der dort begangenen Naziverbrechen taucht immer wieder der Name Sammern-Frankenegg auf. Der in Salzburg in Haft befindliche Stabschef der „Aktion Reinhard”, Hermann Höfle, der bekanntlich die als .Aussiedlung’ getarnte Mordaktion gegen die Juden Warschaus leitete, unterstand dem SS- und Polizeiführer in Warschau, dem SS-Brigadeführer Dr, Ferdinand von Sammern-Frankenegg. Höfle musste täglich diesem SS-Führer Berichte über seine Fortschritte bei der „Umsiedlung” der Juden vorlegen. Schon vorher hat man den Namen Sammern - Frankenegg gekannt, da di« in Warschau mittels Plakatanschlags angeordneten Repressalien gegen die polnische und jüdische Bevölkerung seine Unterschrift getragen haben. Sammern- Frankenegg war es, der Himmler in das Warschauer Ghetto begleitet und mit ihm die Massnahmen zur Ausrottung der Juden besprochen hat, zu deren Durchführung man Höfle als Fachmann beorderte. Als im April 1943 Sammern-Frankenegg den noch verbliebenen kleinen Rest der Juden Warschaus liquidieren wollte, brach im Ghetto der Aufstand aus. Sammern-Frankenegg war durch diese Ereignisse überrascht, denn bisher hatte er leichtes Spiel mit den Juden, die man durch Plakate von der Aussiedlung in .Arbeitslager und in Gebiete, Touristen aus der Türkei Stambul. — Hier trafen 24 Israelis, darunter Beamte des israelischen Touristen-Büros mit einem Schiff ein und ga ben hiermit den Auftakt zur Erfüllung des türkisch - israelischen Abkommens über Fremdenverkehr zwischen den beiden Ländern, das vor einigen Monaten in Ankara abgeschlossen wurde. Zwei Schiffe werden den regulären Verkehr zwischen Haifa und Ankara versehen, und man erwartet, dass viele israelische und türkische Touristen von dieser neuen Einrichtung Gebrauch machen dürften. (ITA) wo sie zur landwirtschaftlichen Arbeit herangezogen werden” (so lautete der Text auf den Plakaten mit der Unterschrift Sammern- Frankeneggs), verständigte, Als die Kampfmittel, die Sammern-Frankenegg gegen die Ghetto-Kämpfer einsetzte, sich als untauglich herausstellten, weil er die Widerstandskraft der Juden Warschaus unterschätzt hatte, wurde er, als er nach einigen Tagen noch keine Erfolgsmeldungen zustande bringen konnte, abgesetzt. Erst seinem Nachfolger, dem SS-Obergruppenführer Jürgen Stroop. ist es gelungen, nach einigen Wochen den Aufstand niederzuschlagen. Stroop wurde bekanntlich nach dem Krieg verhaftet, an Polen ausgeliefert, dort in einem Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. Sammern - Frankenegg wurde nach seiner Abberufung aus Warschau in Jugoslawien gegen Partisanen eingesetzt. Die Person des Dr. Ferdinand von Sammern-Frankenegg, der die Mitschuld an der Ermordung von mehr als 300.000 Juden Warschaus trägt, verdient, dass man sich näher mit ihr befasst. Der am 17. März 1897 geborene Sammern - Frankenegg war Oesterreicher, im Zivilberuf Rechtsanwalt in Peuerbach in Oberöster reich und schon sehr früh zu den Knappen Hitlers gestossen. Zusammen mit Kaltenbrunner gehörte er der 37. SS-Standarte Linz an, deren Standartenführer er eine Woche nach dem deutschen Einmarsch in Oesterreich, nämlich am 17. März 1938, wurde. Dieser SS- Standarte gehörte anfangs auch Adolf Eichmann an. Die 37. SS-Standarte war es auch, die in der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Linzer Tempel niedergebrannt und die Verhaftungen unter den iinzer Juden durchgeführt hat. Später kletterte Sammern- Frankenegg, der seinen Rechtsanwaltsberuf aufgegeben hatte, die SS-Leiter empor, bis er es zum SS- Brigadeführer brachte und als Generalmajor der Polizei am 20. September 1944 im Kampf gegen die Partisanen in Krasnicaluka in Kroatien gefallen ist. Auf diese Weise hat sich Sammern-Frankenegg der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Seine in Peuerbach lebende Witwe bezieht eine Pension von der Rechtsanwalts-_ Israeli von Aegyptern entführt Jerusalem. — Der erste Fall der Entführung eines Israelis durch die Aegypter seit dem Sinai- Feldzug ereignete sich kürzlich in Afikim, in der Nähe des Gaza-Streifens, wo ägyptische Soldaten einen Siedler dieses Dorfes entführten. Aus einem ägyptischen Militärfahrzeug, das die Grenze kreuzte, sprangen ägyptische Soldaten, die die auf den Feldern arbeitenden Israelis überfielen und Mosche Benschitrit entführten. Der Zwischenfall wurde erst jetzt bekannt, nachdem die israelischen Behörden anscheinend von den UN benachrichtigt wurden, dass Benschitrit sich in Händen der Aegypter befindet. (ITA) kammer in Linz und ausserdem eine Pension vom österreichischen Staat als Kriegswitwe. Wäre Dr. Sammern-Frankenegg am Leben geblieben. wäre er als Kriegsverbrecher verhaftet worden, sein Rechtsanwaltsdiplom wäre ihm wegen der Teilnahme an so vielen Verbrechen aberkannt worden. Dass er als Soldat anerkannt wurde, wirkt befremdend. Er führte in Warschau Krieg gegen wehrlose Männer und Frauen, gegen Kinder und Greise, die er im Einklang mit der Nazi-Ideologie der Vernichtung zugeführt hat. Sammern-Frankenegg hatte die SS-Nummer 292 792 und die Parteinummer 1.456,955, somit war er Illegaler und wäre nach dem Krieg in Oesterreich wegen Hochverrats unter Anklage gestellt worden. Wieso es daeu gekommen ist, dass seine Witwe als Kriegerswit. we anerkannt und ihr als solcher eine Pension zuerkannt wurde, ist nicht bekannt. Soziale Gründe waren es nicht, denn Sammern - Frankenegg hat in Peuerbach Haus und Liegenschaften zurückgelassen, die mehrere hunderttausend Schiling wert sind. (IPN) , : 1 IHR INSERAT in der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU bringt immer Erfolg Auskunft: 83-2613

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.