Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1949 (2.3.1962)
- Date
- 1962-03-02
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9612947-9613073--1960-9613082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ISRAEL-WIRTSCHAFT Das neue Wirtschafts-Programm von Dr. KÜRT OTTENSOQSER (Israel) Mit der Abwertung des Israelpfundes. früher oder später, hatte man schon lange rechnen müssen. Das bisherige System mit den Dutzenden von verschiedenen Kursen <Mea Schaarim) war auf die Dauer natürlich nicht aufrecht zu erhalten, besonders nicht, wo Verhandlungen über eine Verständigung mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sich zu einer dringenden Notwendigkeit für Israel gestalteten. Die scharfen Dementis des Finanzministers Levi Eshkol, dass die Regierung an keine solche Massnahme auch nur denke, darf man ihm nicht übelnehmen, noch jeder Finanzminister hat solche Dementis bis zur letzten Stunde vor der Abwertung gegeben. Praktisch war die Kaufkraft des Israelpfundes bereits auf der neuen Basis angelangt, und dies erleichtert bis zu einem gewissen Grad die Umstellung. Sie wird aber dadurch erschwert, dass sehr viele langfristige Darlehen und Hypotheken, wie umgekehrt auch Regierungsanleinen, auf Dollarbasis abgeschlossen wurden, was jetzt eine Aufwertung dieser Verpflichtungen erforderlich macht. Davon werden viele kleine Leute getroffen, die zum Erwerb ihrer Schikun- Wohnungen solche Hypotheken auf Dollarbasis aufgenommen hatten. Man be. müht sich jetzt, durch Verlängerung der Zahlungstermine diesen Schuldnern die Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu erleichtern. Stark beti’offen sind auch die landwirtschaftlichen Siedlungen und die Kibbuzim, die eine wertgebundene Verpflichtung von mehreren Dutzenden von MilÜo nen haben. Das neue Wirtsehaftsprogramm, das die Regierung gleichzeitig mit dem Abwertungsbeschluss veröffentlichte, muss begrüsst werden, vorausgesetzt, dass es so durchgeführt werden kann, wie es geplant, ist. Es setzt sich die Hebung der Leistungsfähigkeit von unserer Landwirtschaft nid Industrie zum Ziel, damit diese im Import und Export konkurrenzfähig sein können, sowie die Stabilisierung der Wirtschaft und des Preisniveaus. Die bisherigen Exportprämien fallen nunmehr fort, was auch zu weitgehenden administrativen Vereinfachungen führen muss. Bei den Importen wird auf die zahlreichen Sonderzuschläge (Hetelim) zum grössten Teil verzichtet, und viele Zölle werden aufgehoben oder ermässigt. Ganz aufgehoben werden die Zölle auf Maschinen und Ausrüstungen, wie auch auf Ersatzteile, und die meisten Rohstoffe, während andere weitgehend ermässigt werden. Der Generaldirektor im Finanzministerium Dr. Arnon war zuversichtlich genug zu erklären, dass er nicht glaube, dass die Preise um mehr als 4 Prozent steigen werden, aber es scheint uns, dass dies viel zu optimistisch ist. Denn leider hat das Finanzministerium gleich am ersten Tag zwei böse psychologische Schnitzer gemacht. Es hat sofort die Preise für Treib- und Heizstoffe nicht unbeträchtlich erhöh! und liess ferner die Absicht erkennen, auf die bei Importeuren und in den Fabriken liegenden Warenbeständen eine Ausgleichssteuer zu erheben. Während zunächst das Publikum und die Wirtschaft die Abwertung ruhig hingenommen hatten und sich keine besondere Kaufbewegung entwickelte, änderte sich das Bild schnell, als man von diesen beiden Schritten der Regierung Kenntnis nehmen musste. Dadurch wurde eine neue Unruhe in die Wirtschaft gebracht, die die Umstellung stört und hindert. KEIN UEBERTRIE- BENER ZOLLSCHUTZ Einer der Hauptpunkte des neuen Programms ist es. den bisher übertriebenen Schutz des heimischen Produkts fallen zu lassen. Dieser Schutz soll nur insoweit gewährt werden, als der im Welthandel übliche Satz dafür nicht überschritten wird. Uebergangsbilfe, besonders in Form verbillig ter Kredite soll gewährt werden, aber auch dies nur da, wo die Gewähr dafür gegeben ist, dass nach dieser Uebergangszeit solche Industrien die Konkurrenz mit dem Ausland aufnehmen können. Als Ausgleich dagegen werden allerdings die Zölle wesentlich ermässigt. In seiner Rede an die Bevölkerung forderte der Finanzminister, dass alle an der Produktion beteiligten Kreise Zusammenarbeiten sollen, um die Produktionskosten herabzudrücken. In nicht geringem Masse wird der Erfolg des neuen Wirtschaftsprogramms davon abhängen, ob diese Ermässigung der Produktionskosten sich als möglich erweisen wird. Die Regierung hätte dazu einen nicht unwesentlichen Beitrag zu leisten, indem sie die Industrie von Kosten befreit, die anderswo die Industrie nicht zu tragen hat. oder wenigstens nicht in diesem Ausmass. Leider zeigen die ersten Schritte der Regierung auf dem Wege der Durchführung dieses Prgoramms nicht das nötige Verständnis dafür, und dies löste schnell Ernüchterung und Enttäuschung aus, wie sie in der Knesset-Debatte über das neue Wirtschaftsprogramm sehr deutlich zum Ausdruck kam. ISRAEL UND DIE EWG Finanzminister Levi Eshkol erklärte ausdrücklich, dass es auch eines der Ziele bei der Abwertung und Aufstellung des neuen Wirtschaftsplanes ist, die Bahn zu Verhandlungen mit der EWG für eine Gesamtverständigung über die Handelsbeziehungen zwischen Israel und d3m Europamarkt freizumachen. Die Bedeutung der Handelsposition der EWG ist in den letzten beiden Jahren j ungeheuer gewachsen, wie! dies auch in dem Wunsch i der EFTA (Europäische! Freihandels Zone) - Länder, sich der EWG anzuschliessen, w'obei England an der Spitze steht, deutlich zum Ausdruck kam. Es war auch wohl kaum ein Zufall, dass die Abwertung bekanntgegeben wurde, während eine Delegation des Europäischen Parlaments als Gäste der Knesset in Israel weilte. Das EWG-Parlament stand schon seit geraumer Zeit den Wünschen Israels nach einer umfassenden Verständigung mit voller Sympathie gegenüber, wie erst kürzlich der Abgeordnete Dr. Avniel <Cherut), der als ständiger Beobachter im Auftrag der Knesset zusammen mit dem Abgeordneten Zadok <Mapai) diesem Parlament angehört, hervorgehoben hatte. Auch jetzt erklärten die Sprecher der erwähnten Delegation beim Abschied, dass sie ihrem Ministerrat ein baldiges Abkommen mit Israels als dringend erwünscht vorschlagen werden. Da die europäischen Länder die grössten Abnehmer für Israels Export darstellen — der Export der israelischen Zitrusfrüchte geht fast, ausschliesslich nach diesen Ländern —. ist eine solche Verständigung von ausschlaggebender Bedeu- Im Hafen Wir stehen auf dem Teil des haifaer I-Iafengebietes, der kürzlich aus dem Meere gewannen worden ist, indem man den Strand durch Ablagerung von Steinen und Erde hinausschob, das Meer zurückdrängte und den Quai verlängerte, so dass hier Schiffe bis zu 32.000 Tonren anlegen können. Der Direktor des Hafens. Amos Landmann, seufzt darüber, dass es so schwer war, genug Steine dafür heranzuschaffen, um dieses Stück Gelände aus dem Meere zu gewinnen. Wir vertrauen uns seiner autoritativen Führung an. und er betont, dass die an den Hafen gestellten Anforderungen jährlich durchschnittlich um 10 Prozent steigen. I und dass sich die Um-1 Schlagsleistung im H-.fen j jetzt auf eine halbe Million Tonnen belaufe. Allein an Zitrusfrüchte werden jetzt 9.5 Millionen Kisten exportiert, davon befinden sich momentan fein säuberlich gestapelt 120.000 Kisten in den Hafenmagazinen und 80.000 noch in Eisenbahn- Waggons. In sieben Jahren wird der Export-Umfang 24 Millionen Kisten Zitrusfrüchte umfassen, und selbst wenn dann der neue Hafen in Aschdot die Hälfte versorgen kann, bleibt für Haifa immer noch 12 Millionen Kisten pro Saison zu verladen. Ueberhaupt wird für Haifa genug Arbeit bleiben, auch wenn der Hafen von Asehdod voll in Betrieb sein wird, denn auch jetzt gelten 60 Prozent des Imports im haifaer Hafen dem nördlichen Teil des Landes, nämlich 1 Million gegenüber 1.6 Millionen t Gesamtim- Dr. MAX FLESC Berater für Investitionen und Finanzgeschaefte in Israel — Lang- und kurzfristige Anlagen — Auskünfte jeder Art « > TEL AVIV, Israel — 18, George Elliot Str.; Industrial & Comercial Bank (ISRAEL - LATIN AMERICA) Ltd. T E L A V I V 65, Allenby Road NEUE BUEROS IN BUENOS AIRES A y. CORRIENTES 1145 ^GALERIA DEL OBELISCO) T. E. 35-3463 ENCOBA INVESTMENT & TRUST Cía. »V. CORRIENTES 1145 T. E. 35-3463 i Stimmen zur Waehrungsrelorm New Yo:k. — Welche möglichen Auswirkungen kann die Abwertung der israelischen Währung auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Israel haben? Diese Frage wird von den amerikanischen Firmn geprüft, die mit Israel Handel treiben. Die nordamerikanischen Exporte nach Israel sind in zwei Kategorien geteilt. Die eine betrifit Agrarprodukte, die von der ÜSA-Regierung an Israel als Ueberschüsse verkauft werden, weiche in israelischen Pfunden zahlbar sind. Die entsprechenden Beträge verbleiben in Israel und bilden einen Teil der nordamerikanischen Beiträge zu ve:schi?denen israelischen Ent. Wicklungsprojekten. Diese Kategorie des amerikanischisraelischen Handels wird von der Abwertung wenig berührt. _ , , . Was die Verkäufe nordamerikanischer Industrie- Ausrüstungen und Rohmaterialien an Israel betrifft, so glaubt man, dass diese Preise steigen werden, obwohl der Wert des israelischen Pfundes gegenüber dem Dollar abgenommen hat. Diese Annahme gründet sich auf die Ankündigung vonseiten der israelischen Regierung, die Zolltarife zu senken, um den Unter schied zwischen den beiden Währungen auszugleichen. Die USA-Unternehmen. die mit Israel Geschäfte machen, sind nicht über die Abwertung beunruhigt, da sie ihre Investitionen zumeist auf einer an den Dollar gebundenen Basis vorgenommen haben, um sich gegen jede etwaige Eventualität zu schützen, die jetzt auch eingetreten ist. Man glaubt in nordamerikanischen Geschäftskreisen, dass die Abwertung Invesütionen in Israel heute anziehender gestalten dürf t.e, da man in Israel augenblicklich mit dem gleichen Dellarbetrag viel mehr unternehmen kann. Im weiteren wird hervorgehoben, dass die neuen, mit Dollar gegründeten Unternehmen von den erhöhten Expox-- ten israelischer Waren begünstigt werden, da diese Artikel auf dem internationalen Mark billiger angeboten werden. Auch die Touristen aus den Staaten werden von der Abwertung Nutzen haben, da sie mehr Pfunde für ihre Dollar erhalten, obwohl die is raelischen Hoteliers schon ihi'e Preise heraufsetzen. BORIS SMOLAR fung, und sicherlich räumte | die Abwertung und der Verzicht Exportprämien auf | der einen Seite, der auf . übertriebene Schutzzölle auf , der anderen, schwere Hindernisse für die Ausfuhr aus dem Weg. I Schon daran gemessen muss die jetzt durchgefühx’- \ (e Abwertung des Israelpiundes als ein Schritt auf i dem richtigen Weg begrüsst werden. Von der vernünfti- | gen Durchführung der geplanten Massnahme wird jedoch der Erfolg weitgehend abhängig sein. von Haifa Umfangreiche Investitionen Die Israel-American Enterprises, die grösste private Investitions - Gesellschaft, hat für das laufende Jahr Investitionen in Höhe von 20 Millionen Dollar geplant. Noch grössere Beträge sind von dieser Gruppe bisher schon in israelischen Entwicklungsvorhaben angelegt worden. Die in den letzten zehn Jahren erfolgten Investitionen erstreckten sich auf Hotels. gewerbliche Betriebe. Wohnungs- und sonstige Bauprojekte, Bank- und Finanzierungstätigkeit sowie Stadt- und Landesplanung. Export im Juni 1961 pori. Für Import und Exj port. zusammen wird noch jahrelang 3 Millionen t Warenumschlag in Haifa abgeferiigt. werden müssen, 1 selbst wenn Asehdod seine erste Million Tonnen Fracht ■ bewältigen kann. Wir spazieren den Hafenquai entlang. Hier liefert < die ,,Timna”, die aus West- Kanada kam. Getreide durch; das Dagon-Silo ab, das tag- \ lieh 5—6.000 t übernehmen i kann. Heute liegen 16 Scbif- 1 fe im Hafen, deren Fracht ' gelöscht oder auf die Exportware aufgeladen wird,! die Passagiere brachten! oder aufnehmen werden; j und weitere sechs Schiffe! warten noch ausserhalb auf Einfahrt. Es sind Schiffe , der verschiedensten Natio- 1 nen, aus dem Fernen Osten wie aus dem Norden Euroj pas, und man fühlt hier so ' richtig die Internationalität ’ der Hafen-Atmosphäre. Die alte Magazinhalle | \vird noch immer als Passa- ' giersaal benützt, obwohl «eit. j Jahren geplant ist, ein mo- ' Der Wert der exportierten Güter belief sich im Juni 1961 auf 16.500.000.— Dollar gegenüber 13.800.000,— Dollar im Juni 1960. Der Gesamtwert des Exports in der ersten Hälfte des Jahres 1961 war 137.500.000,- Dollar; verglichen mit 120.5 Millionen Dollar in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. derne«. neues Gebäude für die Abfertigung von Passagieren zu errichten, das in drei Stockwerken je 5.000 Quadratmeter. zusammen also 15.000 Quadratmeter umfassen soll. Dann würde die jetzige Passagierhalle zur Einlagerung von Waren verwendet werden können, wozu sie ursprünglich gebaut wurde und w’ofür sie dringend gebraucht wird. Leider fehlt es vorläufig an dem erforderlichen Investi tionsbetrag. und auch in diesem Jahr wird der Plan noch nicht durchgeführt werden können. HOTEL ARMON ISRAELS BEKANNTESTES TOURISTENHOTEL ELEGANTE ZIMMER — 4i.LE MIT KUEHLLUFT ANLAGE — ERSTKLASSIGE KUEi ilE - ANGE¬ NEHMER AUFENTHALT — LUFTIGE TEFRASSE AM MEER — ZIMMER AUCH MIT VOLLPENSION Tel Aviv, Jarkonstr. 90 Tel. 23711 (Vorherige Zimmerbest«* »ong» ist unbedingt erforderlich)