Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1948 (23.2.1962)
- Date
- 1962-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Am Rande der Kulturgeschichte von EKIU1 GOTTGETEKE Beim Schmökern in einem alten Zeitungsband aus ■Frankfurt am Main fand ich ejnen Hinweis auf eine ..jüdische deutsche Schauspielergesellschaft'’, die im Jahle 1794 in Amsterdam aufgetreten ist. Sie wird in der theatergeschichtlichen Literatur nicht vermerkt, lohnte aber sicher den Versuch der Nachforschung. Der vollständige Titel des Blattes, das die Truppe erwähnte. lautet „Frankfurter Staats-Ristretto, oder kurzgefasste Erzählung der neuesten und merkwürdigsten Nachrichten und Begebenheiten der europäischen Staaten, wie auch der Wissenschaften, der Künste und nützlichen Erfindungen". Die Zeitung war 1771 von Gymnasiallehrer Benedikt Schiller gegründet worden, erschien viermal wöchentlich und brachte Berichte aus vielen Ländern, ausserdem ausführliche Buchanzeigen. so dass die Publikation einen gewissen Ruf als eine der frühesten deutschen Buchhändlerzeitungen erhielt. Ausserdem scheint es, dass Herr Schiller fortschrittliche Tendenzen mit einer feinen humanitären und toleranten Grundeinstellung propagierte — darin ähnlich seinem grossen Namensvetter aus Marbach, mit dem ihn jedoch keine verwandtschaftlichen Beziehungen verbanden. Der Bericht über die Theatertruppe erschien in Nummer 68 des 23. Jahrgangs (am 2. Mai 1794) unter der sachlichen Ueberschrift: „Auszug eines Schreibens von Amsterdam, vom 28. April” und lautet: „Unsere jüdische deutsche Schauspieler - Gesellschaft macht hier erstaunliche Fortschritte und hat den besten Einfluss auf unsere arme und vergessene Nation. Die meisten von denen, die bisher Welt und Moral bloss als menschliches Bedürfnis kannten, lernen sie jetzt von Seifen ihrer Schönheit kennen. Menschen aber, die durch Gefühl und Geschmack sich bilden, ziehen Gefühl und Geschmack überall an sich, und gewinnen das nur zu lang abgewandte Herz ihrer christlichen Mitbrüder, auch wird bereits ihre Bühne von den vornehmsten Christen in beträchtlicher Menge fie'ssig besucht. Wer aber kann sieh des Bewunderns enthalten beim Anblick junger Menschen, die nie zu einer einzigen Art von Kenntnissen angehalten worden sind, von ihnen jetzt dis meisten Menschenrollen meisterlich spielen zu sehen! Den Demoisellen Snitzeler, vier Schwestern, wird ein hoher Schauspielerverdienst allgemein zuerkannt. Mamsell Luise Schnitzeier ist eine bewundernswürdige Sängerin Zions, aber man darf vorzüglich von ihrer jüngeren Schwester Mamsell Marianne frey behaupten: sie sey eine mit der vornehmsten Schauspielerinnen Deutschlands. Ihre tiefe Einsicht im inneren Menschen, ihre treffende, Nachahmungskunst. das Leben und Sprechen ihrer Augen und biegsamen Muskeln, und ihre schmelzende Silberstimme verdienen mehr als Lob. Der Herr J. Dessauer, der einzige gebohrne Deutsche unter ihnen, ein junger Mann von blühender Einbildungskraft und nachforschendem Geiste. der sich den Menschen zu seinem beständigen Studium macht, entspricht in seiner Kunst jeder Erwartung. Der Herr M. Hovy. ein Mann von Geist und Talenten, verspricht ebenfalls den vollkommenen Schauspieler. Wenn ich von Herrn B. Bras seinen Bravourgesang und fortschreitender Selbstbildung, von den Feinheiten, dem Gesänge noch einiger junger liebreichen Schauspielerinnen, und eines jeden von allen übrigen Mitsehauspielerinnen besonderen Verdienstes und vorzüglich von ihrem Orchester reden wollte,' so würde ich kein Ende finden. Ihre Bereitwilligkeit, ja ihre Begierde jede Lehre anzunehmen, die zu ihrer Vervollkommnung leitet, macht ihrem Geiste so wie ihrem Herzen gleiche Ehre. O edele christliche Mitbrüder! nehmt Euch doch ferner unsrer an. und Ihr werdet bald im Juden — den Menschen erkennen!" * Leider ist der anonym erschienene Bericht alles andere als vollständig, er verzeichnet weder, wer der Direktor der Truppe war. noch macht er eine Andeutung über die Art der Stücke, die gespielt wurden — nur so viel kann man annehmen, dass es entweder Singspiele oder doch Schauspiele mit leichlichen Gesangseinlagen waren, wie sie in jener Zeit besonders beliebt gewesen sind. < In Frankfurt selbst muss damals, drei Jahre nach der Wiener Uraufführung, das grösste Erfolgsstück die im Staats-Ristretto häufig angezeigte „Zauberflöte" gewesen sein, die allerdings noch als Operette bezeichnet wird — lange bevor das Wort auf ein musikalisch leichteres Kom- (>ositions-Genre angewandt wurde'. Da die Amsterdamer Truppe als jüdische und deutsche bezeichnet wurde, wird es wohl zutreffen, dass sie tatsächlich aus dem deutschen Sprachgebiet nach Holland gekommen war. wie vorher schon nichtjüdische deutsche Künstler in den Niederlanden ein Publikum zu finden versucht hatten. Wir lesen beispielswiese in der Peiba’sehen „Galerie von Teutschen Schauspielern und Schauspielerinnen der älteren und neueren Zeit” (Wien 1783 > über Karl Friedrich Abt (1733 88», der die Galerie eröffnet: ,, . Nachdem er in Teutschlartd als Schauspieler und Prinzipal kein sonderliches Glück machte, entschloss er sich nach Holland mit einer Gesellschaft Teutscher Schauspieler zu gehen. Einen Unternehmer, dem das Glück in Teutschland nicht eben günstig war. musste der Vorteil freilich anlokken, dort für ein Publikum zu arbeiten, unter welchem die Kenner Teutscher Art und Kunst sehr selten sind.” Aber das hat nicht viel genutzt, fährt der Artikel fort: die Holländer zogen vor, einheimische oder französische Künstler zu sehen, und Herr Abt musste Holland „mit Hinterlassung beträchtlicher Schulden” den Rücken kehren. Unsere jiidisehdeutsche Schauspielergesellschaft. obschon sie doch auch nicht in der Landessprache spielte, scheint da zunächst; mehr Anklang gehabt zu haben. # Eine wesentlicher Faktor für den Erfolg der Truppe der vier Damen Schnitzler (die Kritik im „StaaL-Ristretto” variiert die Schreibweise des Namens) war offensichtlich die Freiheitsstimmung, die durch die Ereignisse der französischen Revolution in vielen Teilen Europas entfacht war — oder jedenfalls das Freiheitssehnen und Wunschträumen vieler liberal eingestellter Europabürger, die, wenn sie schon nicht Throne stürzen konnten, wenigstens damit beginnen wollten, im Juden „den Menschen zu sehen” und seine Emanzipation zu erleichtern. ..Seht im Juden den Menschen!” — das muss damals eine häufig gehörte Parole gewesen sein — besonders nachdem 1779 Lessings „Nathan der Weise” die geistigen Ghettotore aufgestossen hatte, wenige Jahre nur, bevor sie sich auch in der Realität öffneten. 1788, neun Jahre nachdem Nathans weise Worte zum ersten Mal gehört wurden, leitete auf der Berliner Bühne der (christliche) Schauspieler Johann Friedrich Ferdinand Fleck eine Aufführung des „Kaufmanns von Venedig”, in der er selbst den Shylok spielte, mit einem Prolog ein in dem es hiess: ,Nun das kluge Berlin die Glaubensgenossen des weisen Mendelssohn höher zu schätzen anfängt; nun wir bei diesem Volke — dessen Propheten und erste Gesetze wir ehren — Männer sehen, gleich gross in Wissenschaften und Künsten — wollen wir nun dieses Volk durch Spott betrüben?... Nein, dies wollen wir nicht .. Im Nathan dem Weisen spielen die Christen die schlechtere Rolle: Im Kaufmann Venedigs tun es die Juden . ’ Aber es wird überliefert, dass Fleck den Prolog doch nur ein einziges Mal gesprochen und bei späteren Aufführungen wieder weggo’assen hat; den einen missmiel wohl die Apologetik, den andern die Navitiäf des Prologs. manchen beides, und der. Juden im Parkett des Berliner Nationaltheaters hat er wohl die Befangenheit der N-euzugelassenen kaum nehmen können. * Am 14. Juli 1789 wurde die Bastille gestürmt. Am 23. und 24. Dezember desselben Jahres diskutierte die französische Nationalversammlung — ich zifiere die „Vossische Zeitung” aus jenen Tagen — „die wichtige Frage, ob die Protestanten und Juden zu öffentlichen Aemtern. Stellen. Deputationen etc. gewählt werden könnten”, wobei beschlossen wurde. .. dass die Nichtkatholischen zu allen Civil- und Militärämtern ebenso fähig sind als alle übiigen Bürger, ohne hierbei etwas Nachteiliges in betreff der Juden andeuten zu wollen, über welche die Nationalversammlung den Ausspruch künftig tun wird”. Der erfolgte dann am 26. September 1791. als den Juden Frankreichs alle Rechte aktiver Bürger zuge«tanden wurden — gegen die Stimmen weniger Mitglieder der Nationalversammlung und — nach der „Voss’ — gegen den Einspruch einiger orthodoxer Juden. In einer anderen Nummer der „Voss” von 1791 (der vom 8. April) finden wir die folgende Meldung aus Frankfurt am Main: „Neulich erhielt auf der Universität zu Freiburg zum ersten Mal ein Mediziner Jüdischer Nation, Dr. Hochheimer aus Würzburg, den Doktorhut.” Und im Januar 1793 meldet die „Voss” aus Mannheim, wie die Juden aus Neustadt an der Haardt aus Anlass der Feiern zum fünfzigjährigen Regierungsjubiläum des Kurfürsten nach Beendigung des Gottesdienstes in der lutherischen Kirche, dem auch viele Katholiken beiwohnten, ihre christlichen Mitbürger einluden, nun auch ihren Gottesdienst durch Anwesenheit zu ehren. „Dies geschah wirklich”, berichtet die „Vcss”, „und sehr viele hörten mit Vergnügen die Lob- und Dankrede, welche einer der Aeltesten in deutscher Sprache hielt.” # Auch Vertreter der 40.000 holländischen Juden hatten sich beim Pflanzen eines Freiheitsbaumes beteiligt. BUCHHANDLUNG G. Kaplansky beehrt sich, ihren werten Kunden, Freunden und Institutionen mitzuteilen, dass sie von CORRIEN¬ TES 2883 in ihr eigenes geräumiges I>okal in der Pueyrredón 451 umgezogen ist. Merken Sie bitte vor PUEYRREDON 451 ein halber Quader von Corrientes 2800 NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES „OLAMENU" TEL AVIV POB 3002 ISRAEL Prof. Dr. H. Sternberg: Zur Geschichte der Juden in Czernowitz Reich illustriert Kart. 3.— Prof. Kamilo Land mann: Israel und die,Juden der Welt SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG: Kart. 2 — GESCHICHTE DER JUDEN IN WIEN Herausgegeben von HUGO GOLD Gewidmet dem Andenken von Prof. Dr. Zwi Perez Chajes Unter Mitarbeit der hervorragendsten Kenner der Geschichte der Wiener Juden. ERMÄESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: VOR Erscheinen . Nach Erscheinen . $ 15.- $ 20- Alle Zuschriften u. Anfragen sind ausschliesslich an den Verlag, Tel Aviv, P.O.B. 3002 (Israel) zu richten. Die Preise sind in U$A*Dollur angegeben. LITERATUR 4 Ein Museum fuer M Aus bescheidenen A -längen und mit dem Einsatz mühsamer und hingebungsvoller Arbeit entstand üi Jerusalem ein Museum für Naturkunde, das kürzlich dem Publikum zugänglich gemacht, wurde. In dei ersten Jahren nach der Staatsbildung war es nichts als eine kleine Sammlung von Arten der einheimischen Flora und Fauna für die Jerusalemer Schulen. Später kamen Laboratorien und Versuchsstationen hinzu; es entstanden einige Kulturfilme, die in den Schulen gezeigt wurden. Vor drei Jahren wurde der Entschluss zur Gründung eines einheitlichen Museums gefasst. Das Geiände gehört zum Fortbildungsinstitut für Lehrer und steht unter dem Schutz des israelischen Ministeriums für Erziehung und Kultur und der jerusalemer Stadtverwaltng. Das Museum hat die Aufgabe übernommen, dem Besucher das einheimische Pflanzen- und Tierleben zu zeigen und ihn über die Notwendigkeit ihres Schutzes und ihrer Erhaltung zu _belehren — Dinge, denen erst von HANNAH PETOR seit der Staatsgründung Beachtung geschenkt wird. Wir wissen zum Beispiel, dass viele Arten durch den Raubbau der früheren Jahrhunderte, besonders in türkischer Zeit, ausgestorben sind; viele Steinbock- und Gaze.lenarten und andere Tiere konnten frei gejagt werden und sind verschwunden. BETRAECIITLICHE .SAMMLUNG Das Museum besitzt bereits eine beträchtliche Sammlung vieler heimischer Schlangen und ReptVien, ebenso Muscheln und Insekten in den verschiedenen Lebensphasen, wie auch im Negew und anderswo vorkommende Mineralien. Diese Dinge vermitteln dem Laienpublikum eine Grundidee der Landschaft Israels und dienen gleichzeitig als Forschungsmaterial für die Entwicklung der israelischen Industrie und Landwirtschaft. Da ist ein Saal für die in der Bibelerwähnten Tiere, „* aU'g«to:Wn eiten in <*» 5fhrS„,Lr judaiä Ï «““S' Z flaubvog«1 jeine Samm^ Tierarten. m studiert 'vP In der W»"f. jng gedeiht bered « Reihe b«m.» und Strauchartei ¡bsichtigt, eine » chhiWtmg des i „„legen, die dm nmenden rtiere und -m ¡Sen soll- «einem Anschaui ul und Laborati das Institut » Aufgabe m UUUg -ht Heber Die Taenzerin Rachel Nadav Die jemenitische Tänzerin Rachel Nadav ist klein von Statur und hat wunderschöne ausdrucksvolle Hände, „tanzende Hände”, mit denen sie ihre Tänze und Bewegungen reizvoll unterstützt. Im sagenhaften Land der „Königin von Saba” geboren. kam sie schon in frühester Jugend nach Israel. Die bekannte Tanzlehrerin und Choreographin Rina Nikova war ihre Lehrerin Sie wurde nach einigen Jahren der Ausbildung die Solotänzerin der Gruppe, die vorwiegend biblische Tänze zur Aufführung brachte und grosse Erfolge im Lande hatte. Im Jahre 1938 reiste Rina Nikova mit ihrer Tanzgruppe nach Europa, wo sie in Paris sieh die Gunst des Baron de Rothschild erwarb, dort auch wohnte und zwei Jahre in den europäischen Ländern von Erfolg zu Erfolg reiste. Die Jahre gingen dahin, Rachel Nadav gab viele Tanzabende in den Siedlungen und den drei Städten. Die Gruppe tanzte vor der britischen Armee im Kriege, und manch ein Scb.Her ging ins Ausland und hatte Erfolg. Auch Rachel Nadav fuhr in die USA. und wo sie hinkam. war sie eine Botschafterin Israels und errang mit ihrer Kunst viele Freunde. Nach äjähriger Abwesenheit gab sie nun in Tel Aviv ihren ersten Abend. Ihre Kunst ist reifer geworden, ihre Bewegungen weicher, ihr Ausdruck vom Ernst bis zur Schalkhaftigkeit ausdrucksfähiger. Das Spiel ihrer Hände unterstreicht jede ihrer Bewegungen, oo als Scheich, als Wasserträgerin oder als liebende Frau. Immer sind ihre Bewegungen anmutig. Oft singt sie zu ihren Tänzen mit der der, Jemeniten eigenen gutturalen Stimme, sie summt, sie singt die Lieder ihrer Heimat. Rachel Nadav ist glücklich. wieder in Israel zu sein. Sie wird ihre Tätigkeit als Lehrende wieder aufrehmen und weiter mit ihren Tänzen auftreten. Die Choreographie stammt meist von ihr oder von ihrer Lehrerin Rina Nikova. Die Kostüme sind farbenfreudig und sorgfältig ausgewählt. Lotte Ball-Senger, Tel Aviv weitergebet. Der Zwec eine bessere Kenntnis res Pfianzen- und T bens, und besonders menschlichen Körpers, sundheit und Hygiene MENSCHEN' l'XD WI Der Sinn der Aussti ist das Verständnis d< Ziehungen des Mensch der Veit, in der er lebt soil nicht durch unmc Methoden gruppenweis scheinungsformen un sser Mengen von A lungsmaterial gesi sondern durch Diagi transportable Exei Modelle u. a. Die zw, Anordnung des Mi mit sorgfältigen Be bnngen. Diagrammen grafien und Modellen für den Studenten un en interessant und rend gestalten. Die ausgeiiihrten Darbiet erzählen die Geschieh! Litemri Radioaktive Isotoi per Symbolisch begann die Emanzipationsbewegung in den Niederlanden u. a. damit, dass sich im Jahre 1794 eine Gruppe weltaufgesc'nlossener Juden (und Mendelssohn-Leser) unter Führung des Kaufmanns Moses Asser und des Arztes de Lemon dem von liberalen Christen gegründeten Club „Felix Libertate” anschloss — eine Vereinigung, in der wir vielleicht einen der ersten Vorläufer der „Liga für Menschenrechte” sehen dürfen. Kein Zweifel, dass die Leute um Asser und de Lemon, aber auch jene holländischen Freisinnigen, die den Club gegründet hatten, zu den Förderern unserer jüdisch-deutschen Schauspielergesellschaft gehört haben müssen — mindestens so sehr aus Prinzip wie Kunstbegeisterung. Ein Jahr später schien den Republikanern unter den Holländern, einschliesslich der „Felix Libertate”- Mitglieder, das Morgenrot einer neuen Freiheit zu leuchten als, im Bunde mit der französischen Besatzungsarmee, Wilhelm V. von Oranien vertrieben, die Niederlande in die Batavische Republik verwandelt und den Anhängern aller Glaubensbekenntnisse volle bür gerliche Gleichheit versprochen wurde. Auch dieses Kapitel der Emanzipation fand seinen Niederschlag in der deutschen Presse — u. a. in einer Buchanzeige in der „Staats- und Gelehrten- Zeitung des Hamburgischen unpartheyisehen Correspondenten” vom 4. März 1797, die uns gleichfalls wert erscheint. der Vergessenheit entrissen zu werden,- sie lautet: „Actenstiick zur Geschichte der Erhebung der Juden zu Bürgern in der Republic Batavien. Aus dem Holländischen Neustrelitz, bey dem Hofbuchhändler Michaelis. Broschiert 8 Gr.” — Jeder, den das Schicksal der Juden interessiert, wird diese merkwürdige Schrift nicht ungelesen lassen. Sie enthält die beste und authentischste Darstellung der Sache. die der Titel besagt. Der Herausgeber hat obiger Schrift statt der Vorrede folgende Worte des berühmten Herders drucken lassen: „Dies ist keiner von uns; dies ist ein Fremder!” So sprechen niedere See-