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Jüdische Wochenschau · 1962-01-23 · 1941 (23.1.1962) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1941 (23.1.1962)
Date
1962-01-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Martes, 23 tí* R«*r« ó* 1962 JÜDISCHE WOCHENSCHAU a«« rain. — «*. im diges Vergessen gefordert (Schluss von Seile 1) M die Gräber und die Toten Jeder Deutsch? verstellt das. Und wenn er es nicht vo steht, so hat er doch seiest das Empfinden, dass uie Beziehung zwischen den Deutschen und den Jud?n von der Vorgangeiheil beschattet ist. Dieser Schatten wi d noch eine lange Zeit nicht weichen, denn seine Farbe ist nicht schwarz, sonde >n blutig rot. Niemand viirde sich mehr als das deutsche Volk wunden, wenn die Juden „gnädig verge-son" wurden. Ein derartiges Verlangen kann nur aus politischen Motiven aufgestellt werden. Moralisch ist ein solches Vergessen von keinem, auch nicht vom leligiösen Standpunkt aus zu. lechtfertigen. Dass es vi?le . Deutsche geben mag. die für ein „gnädiges Vergessen" plädieren. können wir verstehen; gewiss wäre es diesen Herrschaften lieb, wenn antlere vergessen würden. Aber wir haben keine Ver- I der Veranstalter stets in Gefahr. politisch miss- | braucht zu werden: sie würden dem Ansehen der Justiz und der historischen Wahrj heit schaden. Das jedenfalls ■ ist die Meinung Kranzbühlers. der sicherlich nicht nur | für sich, sondern vielen „aus dem Herzen" spricht. Die Argumentation ist typisch, | weil sie durch ihre unklaren Formulierungen und die Wiedergabe von Halbweisheiten mit dem Nimbus ernster und aufrichtiger Ansichten verbunden wird. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass .historische’ Prozesse Gefahr laufen, politisch j missbraucht zu werden. Das stimmt. Das beste Beispiel hierfür sind die Ausführungen von Rechtsanwalt Kranzbühler selbst, der post festum aus den historischen l Prozessen in Nürnberg poli- ' tisehes Kapital schlagen , will. Diese Prozesse haben i dem Ansehen der Justiz nicht geschadet. Sie haben im Gegenteil das zerrüttete Rechtsbewusstsein wiederhergestellt. Damit ist diese Bemerkung und Behauptung Léon Blum wurde diffamiert Jetzt kommen Menschen, stellen sich auf die Tribüne einer Katholischen Akademie — wohlgemerkt, weil i andere sie dazu auffordern, i — und schwingen grosse Reden über die Gefahr der \ politischen Ausnutzung ,.hi- : storischer'’ Prozesse, womit die gegen die Kriegsverbrecher gerichteten Verfahren gemein^ sind. Aber diese Leute sind dieselben, die noch wenige Jahre zuvor aktiv der Parteijustiz frönten. Mit einer Kaltblütigkeit werden alle geschichtlichen Tatsachen durcheinandergewürfelt, die Gerichteten schwingen sich zu Richtern auf, die Besiegten zu Triumphatoren, die einstigen Rechtsbrecher zu Hütern des Rechtes und der Gerechtigkeit. Führwahr, wir leben in einer tollen Zeit, in der solche kontroversen Er- ' seheinungen von der Oef- \ f?essen feptlichkeit ruhig hingenom- ' men werden! Paris. — Ein französischer Gerichtshof behanj delte die Klage, welche von der Familie des verstor- ' benen Sozialistenführers Léon Blum gegen die Her- I ausgeber der französischen Enzyklopaedie Larousse! angestrengt worden ist. Die Verwandten Blums und der Verein der Freunde Léon Blums verlangten zehn | Millionen Franken Schadenersatz wegen Verleumdung; des Namens des ehemaligen französischen Premier- , ministers. Gegenstand der Klage ist ein Artikel in der letzten Ausgabe des „Larousse", die im Jahre 1959 er- , schienen ist. Darin würd behauptet, der Name Blums j sei in Wirklichkeit I^eon Karfunkel gewesen. Die! Kläger vertreten den Standpunkt, diese Behauptung! stehe in Einklang mit dem abgenützten antisemiti 1 sehen Argument, dass Blum kein Franzose sendern „ein ausländischer Jude” gewesen sei. Als die En-! U SUMM BMEtlM Bisemanario — aparece lot Martes y Viernet. Editado por Estrellas Editorial Lleta. V erantwortlichj Dr. Hardi Swaraeaeky Pueyrredón 2190, 1? jzq, T. E. 83-2613 80-6930 A bono-Preise: Argentinien: i 10(i.— pro Quartal Ausland $ 600 — jährl. zvklopädie irh Jahre 1959 auf den Buchmarkt. gelangte. entfesselte der Fall einen Sturm von Protesten aus jüdischen und liberalen Kreisen. Die Herausgeber führten zu ihrer Verteidigung an. der Artikel sei von einem jungen und unerfahrenen Akademiker geschrieben worden, der inzwischen als „unfähig” entlassen wurde. Das Urteil wird am 24. Februar ergehen. tITA) anlassung. irgendjemanden | über die Wirkung der Nürn darum zu bitten, gnädig unsere Vergangenheit zu vergessen. Im Gegenteil! Wir \ fordern alle Menschen. Kinder aller Völker, auf, sich in unsere jüdische Vergangenheit zu vertiefen. Nichts ' ist gnädig zu vergessen. ' Nichts ist zu verbergen, j Das Leben eines Volkes mit seinen Höbe- und Tiefpunkten kann für manche ande-; je Lehrmeister und Richtschnur werden, wie auch : wir, immer bereit zu Ler-. nen. aufnahmefähig genug I sind, um aus dem Beispiel 1 der anderen für unsere eigeberger Prozesse völlig fehl am Platz, Was dem Ansehen der Justiz schadet, ist die Politisierung der Richter und die Verletzung ihrer Unabhängigkeit. Hier aber begegnen wir einer der zentralen Fra gen des Nationalsozialismus mus und des Dritten Reiches. jener Gewaltherrschaft, in der die Justiz zur Befehlsempfängerin ihres „Führers” geworden war. Die „Justiz”, das sind die zur Wahrung und Verteidigung des Rechtes berufenen Organe, die Richter, die --- . organe, aie meiner. ne Haltung die Konsequenj staats- und die Recht zen zu ziehen. Aber all das hat mit „gnädigem Vergessen” nichts zu tun, eine Parole, die sich nett an hört, aber nur den Sirenenklängen gleicht, die für ihre Opfer neue Gefahren heraufbeschwören X. „Historische Prozesse” seien auch bei bestem Willen Br. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219« 1’ izq. nachm. 16—19 Uhr ♦ i ♦! sanwälte, hat sich den Wünschen der alles beherrschenden Partei untergeordnet und wurde damit zur Handlangerin eines Unrechtsstaates. Unverhohlen und aynisch verkündete Hitler die neuen Rechts - Prinzipien: Recht ist. was dem deutschen Volk dient. Da nach nationalsozialistischer Auffassung die Partei das deutsche Volk bildete, wurde dieser neue Grundsatz auch in der abgewandelten Form „Recht ist. was der Partei nutzt” gebraucht. rw" ¡I M0HEL N. PLAKSiN;!;i Superi 2719 jÿ T. E. 76-6784 u. 76-2312 y \ JACOB LAPIDUS ♦ i> 4. . .. ... a i Í «tipl- Mohel : Jaime Liebling; jv neue adresse s. a. : v SPERRHOELZER; HOELZERJ DIAZ VELEZ 5224 :;;Tel.: 89-9349, 33-93051 * REAL PEN? Füllhalter * REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 . .«*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ I ♦ I??! UAMONTE 2037, 4o. ß. •, 46 1716 und 48-2124 \ MARTHA I \CHAPEAUX\ XI. Um seine Ausführungen zu krönen, berief sich der Redner auf ein W'ort Churchills: ..Ueber Schlachtfelder wächst Gras, über Galgen nie!” — Dieses missbrauchte Churchill-Wort, zitiert zum Plädoyer des gnädigen Vergessens, rief den Widerspruch der anderen Teilnehmer an dieser Auseinandersetzung in der Katholischen Akademie hervor. „Das war den meisten Teilnehmern doch eine allzu relativierende und verharmlosende Betrachtung, vor allem, wenn damit angedeutet werden sollte, dass es auf der einen Seite die Schlachtfelder und auf der anderen Seite die Galgen gegeben hätte”, schreibt der Berichterstatter der Frankfurter Allgemeinen wörtlich. Wir neigen zu der Auffassung, dass es im Gegensatz zu der Meinung der übrigen Teilnehmer an diesem Symposion vor der Katholischen Akademie tatsächlich nur, oder im wesentlichen nur diese Antithese gegeben hat. Wir akzeptieren sie: Schlachtfelder und Galgen. Das war die Alternative der Nazis. Gewalt in jeder Form, gegenüber den kleinsten Säuglingen, kranken Greisen und schwangeren Frauen: das war ihre Weisheit, ihr Schlachtruf, ihre alltägliche Praxis: Schlachtfelder und — wohlgemerkt nicht oder — Galgen! Warum verlangt man aber auf der Seite der Ehemaligen, dass ein .gnädiges Ver- ,♦♦♦♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ » ♦ -*~w X Dr. j ♦ ♦ ♦! ZAHNARZT J l ESTOMBA 2283 ■ 52 8214 t 4 P.AYOS X t PARADENTOSE * nPH'T i'!? ▲ VORANMELDUNG } als die neue Gesinnung an die Stelle des ständigen Denkens an die unüberwundene Vergangenneit treten solle, wenn man gleichzeitig fordert, dass die „politisch orientierte” Justiz der „historischen Prozesse” beiseitegeschoben werden solle? Andererseits bezieht man sich auf Churchill, der erklärt hat, dass über die Schlachtfelder Gras wach vergesst gefälligst, gnädig. Denn über die einen Galgen, an denen man die Hauptverantwo) fliehen henkte, wächst kein Gras, aber über die nicht zu übersehenden Reihen der von den Nazis aufgeriehteien Galgen lasst das „Gras des gnädigen Vergessens” ruhig wachsen. Die bewusst simplifizierende Darstellung durch die Berufung auf das Churchillsen könne, nicht aber über i Wort, über Schlachtfelder Dr. B. Sdiwarcz die Galgen. Da nach dieser Theorie oder Meinung über Galgen kein Gras wachsen könne, warum sol man dann „gnädig vergessen”? Irgendwo stimmen doch die neuen Weisheitssprüche des ehemaligen Marinerichters nicht. Oder begegnen wir bereits wüeder einem theoretisch verlangten Ausnahmerecht einer privilegierten Schicht? Die anderen sollen gnädig vergessen, und die einstigen und heutigen Nazis dürfen sieh darauf berufen, dass über Galgen kein Gras wachse, um die Revision der Nürnberger Richtersprüche zu fordern. Denn nur hierum geht es: das Rechtsbewusstsein der breiten Masse erneut zu verwirren, inaem die Nürnberger Gerichte angegriffen werden. Waren nämlich die dort gefällten Urteile von unzuständigen Gerichten diktiert worden, oder waren diese Gerichtshöfe, die eine Reihe historischer Prozesse abhandelten, der Gefahr politischer Beeinflussung unterlegen, na dann, so können diese Herrschaften schliesslich ausrufen, na dann waren die nazistischen Machthaber keine Verbrecher, und alles war nicht so schlimm. Und was wirklich schlimm war, das würde Gras wachsen, über Galgen jedoch nicht, beweist zur Genüge die Bereitschaft zur politischen Legenden- Bildung. Das Symbol des Dritten Reiches war der Galgen. Schon deswegen allein kann über diese Schmach Epoche niemals Gras wachsen, mögen auch die interessierten Kreise ei- JifAitck* Auswanderung aus Kuba Montreal. — Nach einem Bericht eines Vertreters des kanadisch - jüdischen Kongresses, der für die Juden in Kuba die Fürsorge organisieren sollte, ist die Hälfte der jüdischen Bevölkerung von 10.000 Personen bereits ausgewandert. Die meisten gingen nach den Vereinigten Staaten, wo für Kinder unter 16 Jahren und zur Vereinigung von Familien keine Visa erforderlich sind. Eine beträchtliche Zahl ging nach Jamaica, und etwa 200 flogen nach Israel mit einem Flugzeug, das von der Jewish Agenoy beschafft, worden war. ne noch so grosse oder geschickte Propaganda hierfür machen. In einem letzten Artikel „Was andere hierzu sagten", sollen die Stellungnahmen der weiteren Teilnehmer an der Diskussion in der Katholischen Akademie in München gewürdigt werden). * : *************************************,|:! MALERARBEITEN f I FACHMAENNISCHE AUSFUEHRUNG. 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