Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 23 (1962)
- Issue
- 1939 (16.1.1962)
- Date
- 1962-01-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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It. LOWENTHAL: SYNAGOGE IN WORMS 1034 von den gleichen Männern erb„ut wie die Mittelalterlichen Kirchen der Stadt, 1175 erneuert, dann oftmals „bei S’.adtbränden und Verfolgungen” wie es auf einer Inschrifttafel hei-st, zerstört, immer wieder aufgebaut, am 8.—9. November 1938, mitten im Frieden, ein Opfer mutwillig angelegten Feuers und 1941 durch Sprengung mittels Oeldruckpressen vollends vernichtet: das sind die wesentlichen Daten der Gesehichfe der über 900 Jahre alten, ehrwürdigen Synagoge von Worms, die, stilgerecht in der überlieferten ausseren und inneen Form aufgebaut, am 3. Dezember 1961 wieder eingeweiht wurde — mit. der „Frauenschul” und der als Raschikapelle bekannten »Teschiwa. Als im Juni 1934 die Neunhundertjahrfeier dieser für Deutschland ältesten Synagoge stattfand, sprach die Reichsvertretung der deutschen Juden (Berlin) von dem geschichtlichen Platz, ,.den die Verbundenheit mit einem Bönen und die Verbundenheit mif einem Oist zu einem Eigentum haben werden lassen”. Der Name Raschis, der aus dem franzo. sischen Troyes kam. dieses sagenumwobenen Talmud- und Bibelexperten. i-t auch!m Raschi-Tor der alten S adtmauer, das einst ins Ghetto führte, durch alle Leiten hindurch verewigt geblieben. In seiner Zeit war \Vcims. einst der Schauplatz «,e- Nibeiungensage später oer mit dem Kaiserdom des '1. Jahrhunderts gezierte Tagungsort mittelalterlicher Reichstage zu einem geistigen jüdischen Zentrum c.e- Abendlandes, zu einem 'tuen, kleinen Jerusalem“ geworden. Worms, das zu Anfang unseres Jahrhunderts eine 1200 zählende jüdische Gemeinde hatte, im Zeitpunkt der Neuhundertjahrfeier 900 umfasste und 1939 etwa noch 600. hat jetzt keine eigene jüdische Gemeinde m;h:\ Einzelne dort ansässige Juden gehören zu der benachbarten Jüdischen Gemeinde Mainz. Ob es viele «,'uden waren, die sich nach Kriegsausbruch noch in die Freiheit retten konnten, erscheint zweifelhaft. Bekannt ist jedenfalls ein „namentliches Verzeichnis der in Worms gewesenen Juden, welche mit einem Transport am 23. 9. 1942 aus dem Staatskreis Worms nach Theresienstadt deportiert wurden (123 Namen i", ein Dokument, das, 1960 von der Polizeidirektion Worms zur Verfügung gestellt, sich im Besitz des Jn.ernationalen Suchdienstes in Arolsen (Waldeck) befindet. Von 1910 an hatte 25 Jahre iang Dr. Isaac Holzer als Rabbiner in Worms gewirkt; er ist 1951 in Amerika gestorben. Sein Amt übernahm von 1935 bis 1937 Dr. Manfred Meir Rosenberg (jetzt Buenos Aires) und. nach ihm, bis 1939 Dr. Helmut Frank (jetzt in USA'. Seit mehr als 20 Jahren hat Worms keinen eigenen Rabbiner mehr: heute unterstehen die Wormser jüdischen Altertümer, zu denen auch der musterhaft gepflegte älteste jüdische Friedhof Europas gehört, kultisch der Obhut des Landesrabbinats von Rheinland Pfalz, Mainz. Der Wiederaufbau der Alten Synagoge in Worms, seit mehr als 10 Jahren lebhaft, zeitweise heftig erörtert: bejaht, bezweifelt, verworfen. verlangt, in der jüdischen und in der Wormser Oeffentlichkeit, hat seine eigene Problematik gehabt. Ist es wünschenswert, dass in einer judenleeren oder judenarmen Stadt wieder eine Synagoge errichtet wird? Sollte man nicht den früheren Synagogeuplatz im Zustand der vollständigen Zertrümmerung belassen, als Mahnmal etwa? Oder: besteht hier eine menschliche, moralische Pflicht? Sollte hier nicht vielleicht ein Akt moralischer Wiedergutmachung vollzogen werden? Demgegenüber, vom kulturhistorischen und denkmalpflegerischen Standpunkt: wäre es nicht die selbstverständliche Aufgabe, der Stadt, die die Wormser jüdidischen Monumente und Dokumente stets als Teil der Stadtkulturgeschichte betrachtet hat, die Synagoge so wiederaufzubauen, wie sie war? Solche und ähnliche Fragen wurden aufgeworfen, bis, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Männern wie dem hochverdienten, mutigen Dr. Friedrich M. liiert, dem früheren langjährigen Direktor der Wormser Kulturinstitute und treuen Bewahrer auch der oftmals gefährdeten jüdischen Altertümer, und dem jüngst in New York im Alter von 90 Jahren verstorbenen Isidor Kiefer, dem unermüdlichen Verfechter der Erforschung und Erhaltung des jüdischen Worms, Bund. Land und Stadt gemeinsam zuerst die Enttrümmerung und sodann den Wiederaufbau der Alten Synagoge in der Judengasse beschlossen und am 27. September 1959 dafür feierlich den Grundstein legten. Die wiedererstandene Synagoge. wie es der damalige Bundesinnenminister Dr. Gerhard Schröder ausdrückte. eine Stätte des Gedenkens für die Opfer der Verfolgung und zugleich ein sichtbares Zeichen des von Regierung und Volk getragenen Willens sein, geschehene Untaten soweit wie möglich wiedergutzumachen. Nach der Grundsteinlegung war im Wormser Rathaus eine Woche lang u. a. ein Modell des neuen jüdischen Gotteshauses ausgestellt. Am 3. Dezember 1961, dem ersten Chanukkatag des Jahres 5722. wurde die Wiedereinweihung offiziell vollzogen, verbunden mit einer Gedenkfeier für die Wormser jüdischen Märtyrer des Mittelalters und die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Als der Festakt begann, war die wie früher 300 Plätze fassende Synagoge dicht besetzt. Es waren nicht nur Vertreter der Behörden und der jtidi sehen Gemeinschaft ir. Deutschland zugegen, sondern u. a. auch zahlreiche ehemalige Wormser Juden aus dem europäischen und sussereuropäischen Ausland erschienen. Für Worms sei dieser 3. Dezember, so betonte Oberbürgermeister Heinrich Völker in seiner einleitenden Ansprache (auch namens der Jüdischen Gemeinde), ein lange herbeigesehnter. denkwürdiger Tag, „ein Meilenstein in der Geschichte der Stadt”: er sprach die Hoffnung aus, hier bald wieder eine lebendige jüdischen Gemeinde zu wissen. Bevor er die Ehrengäste begrüsste. dankte er vor allem Dr. liiert für die von ihm geleistete unermüdliche und wertvolle Vorarbeit. Er verlas ein Telegramm des am Erscheinen verhinderten Bundestagspräsidenten Dr. Eugen Gerstenmaier. Diö stattliche Reihe der Ehrengäste, die nach der formellen Schlüsselübergabe an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mainz, Isidor Wenger, im feierlichen. durch Posaunenklänge WIR BITTEN nsere Leser tu{ diesem Wege« ven der Moeglichkeit direkter Ueberweisung der faeiligen Abono-Gebühren frdi. Gebrauch machen zu wellen Direkte Einsendung des Abono-Betr*ges in SCHECK — GIRO — BONO POSTAL LA SEMANA ISRAEUTA Pueynreddn 2190, 1® ixq. Capitol Hierdurch überweise ich Ihnen den Betrag von min . aus naehsteh-nder Abrechnung. In Erwartung Ihr Quittung begrüsse ich Sie I. ». 2. Quartal 1962 m ». 200.— Jabr 1962: ... » n. 400.— (Name) 4 (Adresse) N. B.: Wir bitten. Einzahlurgen zu richten an: LA SEMANA ISRAE¬ LITA. bitte awsstreichen) Nicki gewünscht« Zahlung angekündigten Zug das Gotteshaus betraten, eröffnete der Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Ludwig Erhardt. Ihm und dem Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. h. c. Peter Altmeter, gebühre, so sagte der Oberbürgermeister. besonderer Dank für ihre im Zusammenhang mit dem Synagogenwiederaufbau bewiesene wohlwollende Haltung. Worte des Dankes galten auch Botschaftsrat Savir von der Israel-Mission in Köln, dem Landlagspräsidenten und dem Kultusminister des Landes und dem Stadtrat von Worms. Der Oberbürgermeister begrüsste ferner die Rabbiner, hohe Stadtgeistliche beider Kirchen, Vertreter der Universitäten Heidelberg. Mainz und. Marburg. der Bundeswehr und der amerikanischen Streitkräfte. den Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. H. G. van Dam. den Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz, Leonard Baer, Repräsentanten anderer jüdischer Gemeindeverbände, Ministerialrat Dr. Carl Gussons vom Bundesinnenministerium u. a. m. Vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und zugleich des Direktoriums des Zentralrats. Heinz Galinski, war ein Telegramm eingegangen. Von den zahlreichen Glückwunschschreiben ehemaliger Wormser Juden im Ausland kam das von Carl Guggenheim, Santiago, zur Verlesung, dessen Vorfahren seif einem halben Jahrtausend in Worms beheimatet waren. Die Versammlung erhob sich im Gedenken an den vor kurzem heimgegangenen Isidor Kiefer, dem es nicht mehr vergönnt sein sollte, diesen Tag, der einen gewissen Abschluss seiner jahrelangen Bemühungen bildete, mitzuerleben. Die Urkunde die den Wiederaufbau und die Uebergabe der alt-neuen Synagoge bestätigt, bringt „das ehrliche Bemühen des deutschen Volkes um Versöhnung und Wiedergutmachung” zum Ausdruck. Die feierlic i sänge des berliner Kantors Estrongo Nac-haina (am Harmonium: Arthur Zepke. Berlin) schloss sich die Festpredigt von Landesrabbiner Professor Dr. Ernst Roth (Mainz) an: „Alles steht da, wie es gewesen, doch es fehlen die Menschen”. Wiedereinweihung heisse. Altes fortzusetzen, den alten Geist, neuzubeleben. Diese Pflicht obliege den Juden in Deutschland, für sie solle diese Synagoge ein Symbol sein. Professor ohne den Toten, vor allem den Miiityiern der jüdischen Gemeinschaft und cWn ums Leben gebrachten Juden ein ehrendes Gedenken zu widmen. An die Tradition der Alten Synagoge, in der, wie Professor Roth ausführte. zwei Lichte zur ewigen Erinnerung an den freiwilligen Märtyrertod zweier unbekannter Juden zur Zeit des Schwarzen Todes brannten. wurde angeknüpft: von jetzt an wird ein drittes Licht brennen — zum Geifindf < * *' BLICK IN DIE EHEMALIGE FRAVENSCHIIL Der Landesrabbiner von Württemberg Hohenzollern, Dr. Frtiz Elieker Bloch (Stuttgart), entzündete das Ewige Licht, erklärte die Bedeutung dieser Handlung und deutete den Zusammenhang zwischen diesem Licht und den geistigen Leuchten, wie sie das deutsche Judentum seit langem hervorgebracht hat. An die feierliche Einbringung der Thoraroüen durch die zu dem Akt erschienenen Rabbiner das Einheben der Sforim und das Änz'inden des ersten Chanukkalichts, musikalisch eindurcksvoll begleitet und umrahmt durch liturgische Ge- Rot.h, der die Geistigkeit des mittelalterlichen jüdischen Worms und deren Ausstrahlung auf die Umwelt sowie das Märtyrertum der Juden dieser Stadt während der Kreuzzüge vor der ansehnlichen Festversammlung noch einmal erstehen liess, erflehte in seiner Predigt Kraft und Erfüllung, forderte Treue zur Tradition und betete für Frieden und Einsicht. Damit war der eigentliche Weiheakt zu Ende. Aber es entsprach alter jüdischer Tradition, ein Ereignis, das Freude auslöst oder zumindest Genugtuung vermittelt, nicht ausklingen zu lassen, Wie liegen die Feiertage im Jahre 5722? Sonnabend, 20 Januar 1962 Montag, den 19. März Dienstag, den 20. März Mittwoch, den 21 März Mittwoch, den 18. April Donnerstag, den 19. April Freitag, den 20. April Sonabend, den 21. April Mittwoch, den 25. April Donnerstag den 26. April Dienstag, den 1. Mai Mittwoch, den 9. Mal Donnerstag, den 7. Juni Freitag, den 8. Juni Sonnabend, den 9. Juni Donnerstag, den 19. Juli Mittwoch, den 8. August Donnerstag, den 9. August Freitag, den 28. September Schabbat Schira — Chamischa assat bischwat Neujahr der Bäum« Fasten Ester Purim Schuschan Purim Erew Pessach 1. Tag Psssaeh 2. Tag Pessach Schabbat Chol hamoed 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach — Acharon schel Pessach Gedenken des Aufstandes im Ghetto von Warschau Yom Haazmaut Erew Sehawuot 1. Tag Sehawuot 2. Tag Sehawuot Fasten Schiwa asaar be Tamus Erew Tischa be Aw Tischa be Aw Erew Rosch Hasehana denken an die Millionen jüdischer Opfer der jüngsten Katastrophe. Kantor Nachama sang inbrünstig das El Mole Rachamim und sagte dann Kaddisch. Für die im Rahmen der Gedenkfeier vorgesehene „Feierliche Ansprache” war im ursprünglichen gedruckten Programm der Redner ungenannt geblieben. Als dann kein Geringerer als der Bundesminister für Wirtschaft und Stellvertreter des Bundeskanzlers. Professor Erhardt, vöi" die in der Synagoge Versammelten trat, waren lebhafte Bewegung und besondere Aufmerksamkeit spürbar. „Noch heute, 23 Jahre nach der Zerstörung der alt ehrwürdigen Synagoge zu Worms und der Vernichtung der jüdischen Gotteshäuser in Deutschland, erfüllt uns Deutsche”, so begann der Minister seine politische Rede. „Trauer und tiefe Scham über diese Untaten.., Ich überbringe der jüdil Israel. und Marken aller , Im gro*Mt«r Au*w»hH *.t, y|gftp NUMMERN — MARKEMiiy V0LL8TAENDIGE SAMNUjucY„N0 .. SERIE VORHAND^ y VE*TRa ALFONSO MO«nZSon