Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1934 (22.12.1961)
- Date
- 1961-12-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes, 22 de Diciembre de 1%1 LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 1934 — 3 Schüsse auf die Demokratie Falls Bundeskanzler Dr. Gorbach in dem Augenblick im Parlamentsgebäude gewesen wäre, als Mordbuben aus einem Auto zahlreiche Schüsse auf den Hort der Demokratie abgaben, dann wäre es möglich gewesen, eine Kugel hätte ihn getroffen, ihn, den Mann, der viele Jahre in nationalsozialistischen Konzentrationslagern war. Der 15, Juli 1934, der Tag, an dem ein anderer Bundeskanzler Oesterreichs, Dr. Engelbert Dollfuss, dem Mordanschlag nationalsozialistischer Mörder zum Opfer fiel, hätte eine Wiederholung erfahren können. Der Vorfall ist aus den Tageszeitungen bekannt, aus einem in rasender Fahrt fahrendem Auto wurden acht oder neun Schüsse angeblich aus Pistolen auf das Parlamentsgebäude gefeuert Sachschaden gering: Fensterscheiben, Fensterrahmen zerbrochen, einige Löcher in den Mauern. Wiederherstellungskosten unter 200 Schilling. Die in demokratischen Wahlen gewählten 165 Abgeordneten konnten schon in der Zwischenzeit ihre demokratischen Diskussionen wiederaufnehmen. Es ist also wieder nichts geschehen? Einige wiener Zeitungen, darunter eine in Massenauflage erscheinende, haben wieder von „Lausbübereien“ gesprochen. Schämen sich denn diese Blätter nicht, die sich üblicherweise als die Wächter der demokratischen Einrichtungen bezeichnen, über diese nach Kundenfang riechende Verniedlichung? Pistolenschüsse — auch wenn sie gerade kein Todesopfer forderten —■ sind „Lausbubenstücke“? von GEORG KV EN ST UN GER, Wien Und das Parlament, auf dessen Wiedererrichtung als Haus der Demokratie die Demokraten Oesterreichs nach 1945 wahrhaft stolz waren, das ist eine Hundehütte, auf die man nächtlich schiessen darf, ohne als Verbrecher dazustehen, sondern nur als „Lausbub”? Die Täter sind noch nicht verhaftet. Was wird man tun, wenn es gelingt, sie zu finden? Wird man sie also als „Lausbuben“ behandeln? Wie behandelt man eigentlich Lausbuben? Man redet ihnen ernst ins Gewissen, man erklärt ihnen das Ungehörige ihres Verhaltens, und man warnt sie, in dieser Art fortzufahren. Eine Ohrfeige oder eine Tracht Prügel wären laut psychologischen Jugenderziehern schon zu viel. Man wird also den „Lausbuben“ gut zureden, nicht mehr mit Pistolen auf das Parlament zu schiessen. (Du, Du, Du... wenn ich Dich noch einmal erwische!) Doch war deutlich das grosse Unbehagen spürbar. Die Zeitungen der Koalitionsparteien machten kein Hehl aus ihrem Entsetzen. Das Organ der Sozialistischen Partei Oesterreichs, die .Arbeiter-Zeitung”, verlangte die Ermittlung und exemplarische Bestrafung der Täter. Mit staatspolizeilichen Beschwichtigungen, wobei den alten und neuen Nazis und ihren Hintermännern nicht allzu weh getan werden soll, lasse sich die Oeffentlichkeit nicht mehr abspeisen. Auch die „Oesterreichische Neue Tageszeitung“ schrieb, es sei an der Zeit, dass die Staats- ^*********íHfr*****X-*********************¡¿ I MALERARBEITEN | * Günter Stern, H. Rosenhain- * Ï LEANDRO N. ALEM 2539 MUNRO| * T. E.: 795 8710 u. 740-1925 * K »»****tt»*******»***«-»»**-)Rc-*-.t Teppichkus - M. Höchberg] UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKUÜPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindlich« Vorführung; Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samttag und Sonntag von 9—19 Uhr im Aussteilungshaus i Calle ANDONAEGUI 2083 4 Quader vor Station Urquiza MuéBUS _ ~~^Wale7imjannj MODERNE WOHN- UND SCHLAFZIMMER EINRICHTUNGEN — SESSELGARNITUREN SARNIENTO 1147 CABILDO 774 AUTO - REPAR ATUR . WERKSTATTÍ „BEÑO" BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 hehörden endlich hart durchgreifen. Das Blatt verlangte energische Polizeimassnahmen, doch sei es damit nicht getan. Die Ideale der Demokratie als echte Zusammenarbeit aller Gruppen zum Wohl des Staates und der Staatsbürger müssten der jungen Generation klarer und eindringlicher, vor allem aber mit mehr Begeisterung, nahegebracht werden. In diesem Zusammenhang greift das der OeVP sehr nahestehende Blatt die Universitätsprofessoren an, die sich „nicht selten jeder Stellungsnahme in politischen Fragen enthalten“. Innenminister Afritsch und Justizminister Dr Broda beleiten gegenwärtig Gesetze gegen die Naziumtriebe vor. Dem Ministerrat wird eine Novelle zum Vereinsgesetz vorgelegt werden, durch die jede Wiederneugründung verbotener Vereine unter neuem Namen verhindert werden soll. Durch neue Gesetzesbestimmungen, die bereits von der Strafrechtskommission ausgearbeitet worden sind, sollen unter anderem unter Strafdrohung gestellt werden: Organisierte Angriffe auf die Sicherheit der Unabhängigkeit Oesterreichs. Verunglimpfung der Republik, ihrer Farben, Flagge, Wappen und andere Symbole. Verhetzung zu feindseligen Handlungen oder zum Hass gegen religiöse, rassische oder völkische Gruppen. Wenige Tage vor dem Ereignis der Schüsse auf das Parlament gelang es, der wahrscheinlich grössten Neonazi - Organisation Oesterreichs auf die Spur zu kommen, deren Verbindungen sichtlich auch nach München und Nürnberg gehen. Obwohl zahlreiche Verhaftungen gemacht wurden (nicht nur Jugendliche, sondern auch Hochschulassistenten und hohe Beamte) ist, wie aus kompetenter Stelle verlautet, die Reihe der Verhaftungen noch lange nicht zu Ende. Auch ist die Nazi - Burschenschaft „Olympia”, der die meisten der bisherigen Bombenattentäter in Südtirol und im übrigen Italien angehören, nicht die einzige Terroristenorganisation. Es werden noch andere darankommen. Die Aufdeckung der Naziorganisation ist traurigerweise einem Zufall zu verdanken. Wenn sich nicht drei „Lausbuben”/ die am Wiener Ring das Nazilied „Es zittern die morschen Knochen” sangen, geweigert hätten, eine „Ordnungstrafe” zu zahlen, wäre man vielleicht nicht auf d’.e Organisation gestossen. So fand man bei Hausdurchsuchungen ein in einer Auflage von 1.000 Stück fertiges „Neun- Punkte-Programm”, das eine Plakat- und Schmieraktion mit Parolen wie „Juda verrecke” für ganz Oester reich anordnete und genaue Verhaltungsmassregeln über Ort und Zeit der Schmieraktion gab, sowie für den Fall der Verhaftung durch die Polizei. Die Aktion hätte Anfang Dezember starten sollen. Im Verlauf der polizeilichen Untersuchungen, die noch lange nicht abgeschlossen sind, kam man darauf, dass der Polizei aber einige Häupter der Terrorganisation in die Hände fielen, die in Südtirol und in anderen Teilen Italiens Bombenanschläge durchführten und weitere planten. Das ist aber für Oesterreich eine katastrophale aussenpolitische Situation. Wenn auch die österreichische Regierung von allem Anfang an mit grösster Deutlichkeit von den terroristischen Akten in Südtirol abrückte und wenn auch jetzt — endlich! — die Polizei auch in Oesterreich mit allergrösster Strenge durchzugreifen scheint — was hilft das gegenüber dem Echo im Ausland? Nicht nur für die Italiener, den Ablehnern einer gerechten Autonomie für die deutschsprachigen Teile Südtirols, nein, auch für die „Arier” (man entschuldige, bitte, diesen dummen Ausdruck, der nur gewählt werden musste, um den Naziterroristen begreiflich zu machen, dass die Gegner des nationalsozialistischen Terrorismus zum allergrössten Teil keineswegs Juden sind) der nordischen Völker, LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE 8«. Air«« — PUETRREDON 219«, 1* feq. - T. E. 83-M13 15. Tewet 5722 22. Dezember 1961 für die Engländer, Franzosen und Amerikaner bleibt der Eindruck gegeben, dass Oesterreicher nicht nur jüdische Friedhöfe schänden, sondern im Ausland Bombenanschläge organisieren. Die Schande für den Namen des guten Oesterreich ist nicht zu schildern. Die Reaktion, die deutlich unter den Delegierten der Vereinten Nationen in New York — gerade als Oesterreich sein gutes Recht im Namen der Südtiroler vorbrachte — zu merken war, kann man sich leicht vor stellen. Sind wir verbittert, schreiben wir aus einer Verfolgtenp«ychose? Wenn es doch endlich in die Köpfe der Verantwortlichen Oesterreichs hineinginge, dass sie mit dieser Behandlung von „Lausbuben” vielleicht nur gelegentlichen Stimmenfang- Erfolg aufweisen können, dass aber der Ruf Oesterreichs schwerstens beschmutzt wurde. Nun schie ssen diese „Lausbuben” wiederum einmal auf das Parlament, nun werfen sie wie- Besuch ans Tanganijka Tel Aviv. — 30 Farmer und sechs Gewerkschaftsführer aus Tanganjika hielten sich auf Einladung der israelischen Regierung zu einer dreiwöchigen Studienreise in Israel auf Sie wollten sich in erster Lime über den Stand der israelischen Landwirtschaft und das Gewerkschaftswesen intormieren. (ITA) FÜR BERUF, REISE UND SPORT DIE FEDER¬ LEICHTE Stabiloform- Feriigkleidung aus Dacron (nur mehr vorrätig in Grössen 42, 44, 46 und 48), aus Leinen, Alpacea, Tropica 1 und der 1000-GRAMM-ANZUG Freizeit-Kleid ring, Regenbekleidung. Und wenn Sie Masskleidung wünschen, erst recht zu ans! Auch Junioren kaufe« gern bei uns Ständige Passformkontrolle. der Bomben, wenn auch noch nicht in Oesterreich selbst — nun lüftet sich mehr als deutlich die Maske der „Lausbuben” und ihrer Eltern. Man sieht schon sehr genau wieder di« Mörderfratze. Diese Handvoll „Lausbuben” — wir überschätzen keineswegs ihre zahlenmäsige Stärke — manövriert Oesterreich in den Ruf einer braunen Kloake hinein. Wir wollen zeigen, dass wir was .gelernt” haben und einen Ruf ab wandeln: Oesterreich erwache!! CATECAS. A. \ ♦ . : ♦ Directorio 5555 Buenos AiresJ t T. E. 68 - 1017/18 j 1264 l j SUAVANDAR j ♦ el calzado legítimo de espuma de goma; t Dr. MAX FLESCH Berater für Investitionen und Finanzgeschaefte in Israel — Lang- und kurzfristige Anlagen — Auskünfte jeder Art TEL AVIV, Israel — 18, George Elliot Str. Herrenbekleidung Mcripú 484 I. TE. 31-7845 Herrenausstattung Mcdpú 982 TE. 31-0357 ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE Waehrend der Monate Januar und Februar Sprechstunden nur Dienstag und Mittwoch von (8 bis 18 Uhr. (Telef. 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