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Jüdische Wochenschau · 1961-12-22 · 1934 (22.12.1961) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1934 (22.12.1961)
Date
1961-12-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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V» HK S. 12 t. . Du iemi.rc ¿c 1 : | JÜDISCHE WOCHENSCHAU A«« XXII. _ N*. 1934 heute (Schluss von Seite 1) formen und Angriffe auf die Menschenwürde) versiossen zu haben. Nun könnte man zwar erklären, dass es wenig interessant ist, was Betrunkene erklären, oder dass man schon reichlich unter Alkohol stehen muss, um noch heute derartige Grussformeln zu benutzen und Lobhymnen auf eihstige Nazig rossen anzustimmen. Es ist aber auffallend, wie häufig es zu Zusammenstössen und ..Entgleisungen“ dieser Alt in deutschen BieiStuben kommt. Wie oft liest man von der Beschimpfung oder Bedrohung „Man hat dich wohl beim Gasofen vergessen". Die nachträgliche Identifizierung mit den Judenmorden offenbart einen krankhaften Geisteszustand, der durchaus nicht nur auf wenige Einzelheiten begrenzt ist. Das sollte den verantwortlichen Stellen zu denken geben. 111. Der Einfluss der Presse Die Nazipresse hat für den Sieg des Nationalsozialismus eine grosse, beinahe die ausschlaggebende Rolle gespielt. Zuerst wenig beachtet, traten der Völkische Beobachter und ähnliche Organe allmählich in den Vordergrund. Manche dieser Naziblätter waren tonangebend. Das „Schwarze Korps“ sagte viele Aktionen voraus. Goebbels’ Leitartikel in diesem SS-Blatt waren wegweisend fürs Dritte Reich, auch Dr. FREY < ABOGADO « 4 4 PUEYRREDON 2190 ♦ V iz<&. 4 4 nachm. 16—19 Uhr ♦ REAL PEN: 4 Füllhalter ♦ REPARATUREN ♦ Spezialgeschäft l CORRIENTES 569 l T. E. 49-5850! in den Abgrund. Der Pressemann hinter den Kulissen war Amann. der bereits am 1. Juli 1921 als Mitglied Nr. 3 der NSDAP beigetreten war. Hitler hatte bekanntlich die Mitgliedsnummer sieben. Amann war Blutordensträger, wurde nach der Machtübernahme Amtsleiter für die gesamte NS-Presse sowie Präsident der Reichspressekammer. Dass er auch einer der reichsten Nazis wurde, sei nur nebenbei erwähnt. Sein Name erschien wieder in allen Zeitungen, weil der Fall Amann vor aer Oeffentlichkeit jetzt noch einmal behandelt worden ist. 535.000 Mark Siihnegeldstrale verhängte nämlich die Spruchkammer Berlin gegen das in Schatzanweisungen in Berlin noch vorhandene 551.500 Mark betragende Nachlassvermngen des Generaldirektors des früheren Zentral Verlages der NSDAP (Eher-Verlagl, Max Amann Im Alter von 67 Jahren -ist Amann, der in München wohnte, dort 1957 gestorben. Betroffen sind seine sechs Kinder, die in verschiedenen Orten des Bundesgebietes leben. Der Restbetrag vor dem in Berlin noch vorhandenen Vermögen ist den Erben gelassen worden. Die Spruchkammer berücksichtigte damit die Ausführungen des Prozessvertreler« der Erben, der die Ansicht vertrat, Aman würde seinen Kindern auch ohne die nahe Verbindung zum Nationalsozialismus ein gewisses Vermögen hinteriassen haben. ln der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende der Spruchkammer, Rechtsanwalt Würzburg, Amann sei Repräsentant des Nationalsozia’ismus im Pressewesen gewesen. Für Hitler und den Nationalsozialismus habe er den Apparat geschaffen, um das Volk mit Hilfe einer Einheitspresse im Sinne des Nationalsozialismus zu dirigieren und zu hypnotisieren. Dies wäre sonst in dem Umfang nicht möglich gewesen. Aus seiner engen Verbindung zum NS-Reg:me habe Amann erheblichen wirtschaftlichen Nutzen gezogen und in den Jahren 1941 bis 1943 als Generaldirektor des Eher-Verlages ein durchschnittliches Monatseinkommen von 250.000 Mark erhal-! ten. i Man sieht einmal mehr i daraus, dass die Zugehörigkeit zur NS-,,Elite“ gleichzeitig ein ungewöhnlich einträgliches Geschäft war. Sicherlich ist der Nazismus auch auf dem Gebiet der Presse ganz neue Wege gegangen und hat einen Typus von Zeitungen und Zeitschriften geschaffen, die man nur als politische Asphaltpresse bezeichnen kann ' Der allgemein übliche rüde : Ton wurde auch auf die i Druckerzeugnisse al'er Art! übertragen, sodass es 1 schwer war, die repräsenta-! tive Nazipresse von den niei crigsten pornographischen Blättern wie Streichers ..Der] Stürmer“ zu unterscheiden, i Diesen Ton haben die heutigen Nazis beibehalten.! Zwar verfügen sie nicht! mehr über die Presse-Macht i die sie gehabt haben. Sie j suchen andere Mittel und; geheime Wege, da sie sich nicht ohne weiteres an das Licht der Oeffentiiehkeit wagen können. Ein schwedischer Antisemit kam auf die Idee, die Post als Vermittlerin antisemitischer Hetzschriften zu benutzen. Nach einem System oder auch willkürlich versandte er seine antisemitische Hetzliteratur in alle Länder durch die Post. Eine ähnliche Methode haben die „Freunde Eichmanns“ angenommen, die ihre Drohbriefe überall ausstreuen. Sie künden sogar Gaskammern an, die sie an allen Orten zu errichten beabsichtigen, um die Juden zu vernichten. Unter dem Schutz des demokratischen Rechtes, das auch das Briefgeheimnis als unveräusserliches Recht jedes Bürgers schützt, verbreiten diese Neonazis ihr Gift und versuchen, die jüdische Bevölkerung einzuschüchtern. Vielleicht weri f den sich die Demokratien eij I r.es Tages doch noch gegen j ♦ diese Pest wehren una Mass- I 7 rahmen ergreifen, um die 1 4 Freiheit und das Leben ihrer Bürger zu verteidigen und vor Beleidigungen und Anrempeleien zu bewahren, die nach all dem Erlebten r ur einen ungeheuren AK grund an Dummheit, Unbelehrbarkeit, Hass und Menschen - Feind'ichkeit offenbaren. Die nazistische Presse hat Wiedergutmachung Wien. — Das österreichische Parlament nahm einstimmig die Projekte an, die sich auf den Artikel 12 des Gesetzes für Wiedergutmachung an Opfern der Naziverfolgungen beziehen. Auf diese Weise sind die technischen Vorbedingungen gegeben, die es den Behörden gestatten, Wiedergutmachungen zu zahlen, für deren Leistung Westdeutschland seinen Beitrag von ca. 50 Prozent zugesagt hat. Es steht zu erwarten, dass die ersten Zahlungen an alte und bedürftige Personen noch vor Jahresende geleistet werden. UTA) I Schande zu löschen, dass j Eichmann nicht allein auf I der Anklagebank hätte sit- | zen müssen“. Das ist der 1 Grundtenor der allgemein I geäusserten Auffassungen, i Die Londoner „Times“ nimmt in gleicher Weise Stellung, um schliesslich die Frage aufzuwerfen, ob Israel nicht durch die beeindruckende Würde seines Tribunals und durch die Disziplin seiner Bevölkerung sein Ziel erreicht haben würde, i Unter diesen Umstunden sei,! so sagte die Times, der j Strick überflüssig geworden. 1 Demgegenüber schreibt die J Kopenhagener „Politiken“, dass die politischen und mo- U SEMANA ISRAELI» Bisemanario — aparece los Martes y Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: I>r. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preise: Argentinien: * 100.— pro Quartal Ausland? 600 — jährl. durch Recht haben sie sich das erworben, im Namen bereits einmal die ihr von I der Weimarer Republik ge-; währte Pressefreiheit miss- : braucht, um dann — einmal I an der Macht — die freie i Meinungsäusserung zu drosj sein und das System der ge- I lenkten Presse zu schaffen, i jenes System, durch das ein | Amann und viele andere | gleichzeitig ein Mülionenvermögen angehäuft haben. IV. Was andere sagen Beinahe unübersehoar sind die Pressestimmen zum Eichmann-Urteil. Alle grossen und kleinen europäischen Zeitungen beschäftigen sich, meist in ausgedehnten Leitartikeln, mit dem Richterspruch in Jerusalem, Fast ausnahmslos wird der gefällten Entscheidung zugestimmt. Die , in Berlin erscheinende Mor- Dänen sind also genpost schreibt u. a.: „Es kann keine ausreichende Strafe geben, um die von Eichmann gegen das jüdische Volk begangenen Verbrechen zu sühnen oder die I ralischen Kritiken gegen I über Israel völlig unbegründet seien. Im Gegenteil: „Israel hat in diesem Fall '; He moralischen und legalen j Rechte, um seine Entschei- I düngen im Namen der gani zen Menschheit zu treffen“. — Diese Worte einer dän- , sehen Zeitung sind beson- 1 ders bemerkenswert. Be I kanntlich waren die skandinavischen Völker, um deren Gunst die Nazis von Anfang an und immer vergeblich warben, die einzigen — mit einigen wenigen anderen Ausnahmen, wie die Holländer z. B. —, die sich mit al ler Schärfe und Entschlos senheit gegen die anormalen Rassentheorien des Nazismus ebenso wie gegen ihre Diktatur gewehrt haben. Der dänische König hat den Judenstern angelegt, als die Naziherrscher .dies von „seinen“ Juden verlangen. Die Dänen haben in einer einzigartigen Aktion der Solidarität mit den Juden alle oder beinahe alle dänischen Juden in einer einzigen Nacht nach Schweden gerettet. Die ein Volk, das sieh bewährt hat, das seine menschliche Haltung bewies und seine menschliche Würde auch im Angesicht des nazistischen Terrors bewahrte. Allein da- . i der Menschheit ur.d der Menschlichkeit zu sprechen. Wenn also eine der grossen und führenden dänischen Zeitung schreibt, dass der Gerichtshof in Jerusalem sein Urteil nicht allein im Namen des Volkes in Israel. sondern im Namen der höchsten Menschlichkeit gefällt hat, so ist das die schönste Anerkennung, die Israel in dieser Stunde zuteil werden konnte. Es ist allein schon ein betrübliches Zeichen für den seelischen Verfall unserer bis in ihre tiefsten Grundlagen . erschütterten Zeit, dass noch immer Stimme» laut werden können, die sich nicht schämen, nach allem Geschehen „Heil Hitler“ und „Heil Eichmann“ zu schreien. Damit ist ein neuer geistiger Tiefpunkt erreicht worden. Sicherlich muss man diese destrukti- \en Kräfte beachten und bekämpfen. Wir aber sollen zugleich unseren Blick auf diejenigen richten, die einmal mehr in unserem vom Hass zerrissenen Jahrhundert die Fahne der Menschlichkeit erheben und versuchen, die Schlacken der Vergangenleit zu beseitigen und einer neuen Jugend den Weg zu Frieden, Freiheit und Menschenwürde zu öffnen. .♦♦♦♦♦♦ ♦ ♦ ♦ < Dr. B. Schwartz ij VON DER REISE ZURUECK j i: 1 Jaime Liebling: S. A. : ÍPERRHOELZER; HOELZER; DIAZ VELEZ 5224 ¡ ■el.: 89-9349, 33-9305♦ > PROPIEDADES í FRANKENBERG í berät Sie kostenlos und / anverbindlich beim Kauf £ oder Verkauf von JGESCHAEFTEN { WOHNUNGEN \ HAEUSERN % Manuela Pedraza 2530 5 pl. b. Dp. B < T. E. 70-7244 JUDITH : SCHENKOLEWSKI j KULTUSSTICKEREIEN > Schabbosdecken - Ta'Jisj beute] - Käppchen - Mazzot-Taschen. - Hand- und i! Maschinenstickerei von ¡> | E Bett- und Tischwäsche >J > BEBEDERO ’585 / T. 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