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Jüdische Wochenschau · 1961-12-19 · 1933 (19.12.1961) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1933 (19.12.1961)
Date
1961-12-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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DAS LEBENSWERK EINES KUENSTIERS von HANNAH PETOR Vor kurzem stiftete der grosse jüdisch - amerikanische Bildhauer Jacques Lipschiitz dem Bezalel-Museum in Jerusalem 300 Gipsabgüsse. die Originale seiner Werke. Das Museum befrachtet dies als das wichtigste Ereignis in seiner Geschichte seit seiner Gründung vor 55 Jahren. Diese Werke sind das Ergebnis von mehr als fünfzig, jähriger Arbeit des Künstlers. Er hat sie in seinem 'lestament der Amerikanisch - israelischen Stiftung für israelische Institutionen vermacht und bestimmt, oass sie für alle Zelten im Jerusalemer Bezalel - Museum aufbewahrt werden spllen. Er schreibt in diesem Testament: „Dies ist ein Traum, den ich seit vielen Jahren gehegt habe, als Jude und als Künstler, und ich bin froh, dass er endlich x erwirklicht wird.'1 Jacques Lipschiitz wurde tor 70 Jahren in Druskieniki in Eitauen geboren. Er besuchte die Schule in Bialystok und Wilna. In seiner i amiliengeschichte findet sich keinerlei Verbindung zur Kunst, aber seine Mutter ermutigte ihn bei seinen ersten Versuchen. Es gelang inm im Jahre 1909. nach Paris zu gehen, und dort studierte er eifrig an mehrerer, Kunstakademien. Nach verhältnismässig kurzer Zeit konnte er seine Werke im Salon d'Automne und im Salon National des Beaux Arts ausstellen. Er stand mit den hervorragendsten pariser Künstlern in Beziehung — Modigliani, Soutine. Max Jacob, Juan Gris, Brancusi, Chagall und Picasso. Besonders mit Juan Gris und Modigliani verband ihn eine enge Freundschaft. Auf einer Studienreise nach Spanien entdeckte er die Schönheit der Kunst El Grecos. Dies war ein Wendepunkt in seiner künstlerischen Entwicklung. Er machte sich bald einen Namen. Seine Ausstellung im Jahre 1920 rief grosses Interesse hervor. Diese schöpferischen Jahre in Paris bestimmten seine künstlerische Richtung. Er entwickelte eine kraftvolle Eigenart, in der sich ein ungewöhnliches, junges Talent offenbarte. Wie viele pariser Maler entdeckte er den Kubismus, die Neger kunst und wandte sich der abstrakten Kunst zu. Ermachte alle möglichen revolutionären Experimente und Studien, die ein lebhaftes Echo in Kunstkreisen fanden. Seine ersten kubistischen Arbeiten haben einen aufwärts gerichteten, fast gothischen Charakter. Doch als schöpferischer Künstler fügte er eigene, individuelle Züge hinzu. Er änderte den Kubus ab, sodass Das Leo Baeck Institut sucht folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang.1 .. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der pronqnnten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu maeher (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613' PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES SCHAUTBMRBIHB WISSBWSCHAFTLICHIR ABHANDLUNG» DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. E. MOHR (PAUL SIEBECK) TÜBBING» SOEBEN ERSCHIENEN: Ycar Book V I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AMD WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. 1 (416 Seiten) I -★- WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts im Büro d#r JUEDISCHEH WOCHENSCHAUr Putyrit^on UW, 1* (B3 2$13) 1 -.— --—— er an Umfang verlor und leichter wurde. Er machte kühne Versuche, deren Ergebnis die Anordnung von Ebenen in verschiedenen Richtungen war. Dies gab seinen Werken eine leichte Note, sodass sie fast wie architektonische Konstruktionen aussahen. BEDEUTSAME WERKE In diesen Jahren schuf er bedeutsame Werke, -wie die Prometheus-Serie und die Theseus-Motive. Er Wandte sich mehr und mehr allegorischen und biblischen Themen zu. Er schuf eine Anzahl Werke über das Thema „Mutter und Kind” in verschiedenen Stilarten. Zu die ser Gruppe gehört die Skluptur „Hagar”. Er ging allmählich von seinem ursprünglichen Materialien, Holz und Stein, zu Metallguss, besonders Bronzeguss, über, welcher seinem kraftvollen Talent angemessener war und in dem er seine inneren Spannungen ausdrükken konnte. Er war jetzt auf dem besten Wege, sich einen Namen von Weltruf zu schaffen. Allmählich wurde er auch in den Vereinigten Staaten berühmt und hatte im Jahre. 1935 seine erste Ausstellung in der Brummer Galerie in New York. Dann folgte der zweite Weltkrieg und die Invasion von Frankreich. 1941 musste er nach Amerika fliehen und den grössten Teil seiner Werke in seinem Atelier in Boulogne-sur-Seine zurücklassen. Einige von ihnen erhielt er nach Kriegsende zurück. Jetzt begannen die guten Jahre. Sein Einfluss wuchs, und er hatte begeisterte Anhänger. Seine Ausstellungen in Amerika fanden grossen Beifall. Nach dem Kriege veranstaltete die Galerie Maeght in Paris eine grosse Ausstellung seiner Werke, und er erhielt neue, wichtige Aufträge, die ihm in internationalen Kunstkreisen einen Namen verschafften. Er gab jetzt den streng kubistischen Aufbau seiner Skulpturen auf, die Konturen wurden entspannter, runder, abstrakter, und als er älter wurde, ähnelten seine Werke mehr und mehr ostasiatischen Bildnissen, archaischen Idolen, Kultgegenständen alter mesopotamischer Zivilisationen. Augenblicklich arbeitet er an einem gewaltigen Werk, das bis jetzt noch keinen Namen hat. Es behandelt das Thema ..Die Weisheit steigt zu der Menschheit hinab”. Lipschuetz’s Ansicht nach ist die moderne Kunst ein Ergebnis der wirren Zeiten, in denen wir leben. Er gibt zu. dass er die junge Kiinstlergeneration nicht versteht und dass ihre Kunst ihn langweilt, ebenso wie die moderne Musik. Aber wahrscheinlich haben sie recht, sagt er, denn sie sind jung. SEIN IDEAL — EINE UNIVERSELLE KUNST Lipschuetz ist der Meinung. dass Bestrebungen, eine nationale Kunst zu schaffen — und dies trifft natürlich auch auf jüdische und israelische Kunst zu — kei nen Sinn haben. Er hält diese Bemühungen für schädlich. unfruchtbar und egozentrisch. „Wir müssen nach einer universellen Kunst streben. Gute jüdische Kunst muss universell sein. Wenn wir gute Juden sein wollen, müssen wir einfach Menschen sein, das ist das Wesentliche.” Er erinnert sich an viele Diskussionen über dieses Thema unter den jungen pariser Künstlern. In dem Wiedererstehen Israels sieht er eine Renaissance des jüdischen Genius und des jüdischen kämpferischen Geistes. die sich auch in seiner Kunst widerspiegeln. Jacques Lipschuetz ist SINAJA, DAS BSD! Durch die Menge dunkelhäutiger, sonnenverbrannter Araber bahnten wir uns langsam einen Weg. Im Schritt fuhren die Autos die enge Strasse von Nazaret hinan, vorsichtig vorbei an der exotischen Kinderschar, die die Wagen von beiden Seiten umsäumte. Gedrängt standen wir an dem engen Gässchen, gegenüber einem zweistöckigen Haus, auf dem ein Soldat der Luftwaffe mit einem Radio-Sende- und Empfangsapparat postiert war, neben einem Polizisten von Nazaret. Zur Rechten erhob sieh stolz die St. Joseph-Kirche, zu der man auf einem eng-gewundenen Weg zwischen dichten Häusern gelangen konnte. Unsanft werden wir in den Rücken gestossen. Es ist ein Esel, beiderseits mit Kästen bepackt. Von einem alten Araber getrieben, bahnt ei sich, mit seinem Kopf die Hindernisse wegstossend, einen Weg. In der Luft summt ein Flugzeug, ein kleiner Mustang, wie er im Sinai-Feldzug verwendet wurde. „Noch einmal, mehr nach links, in Richtung der Kirchturm spitze”, schreit der Operateur Marko Jakovljewicz dem Mann auf dem Dach zu. Dieser spricht in sein Mikrophon. Das Flugzeug verschwindet am Himmel, um kurz wieder, um einen nach rechts abgebogenen Winkel, über unseren Köpfen zu fiiegen. Am Boden stehen zwei Filmkameras. Sie nehmen sich recht primitiv aus, verglichen mit den imposanten Apparaten, mit denen s. Zt. Stanley Kramer, Otto Peminger, die Grossen aus Hollywood, hier gefilmt hatten. Die Operateure visieren. „Mehr nach links'” ruft Ivan Lengyet aufs Dach. ,„Toter ssmolah!” furkt der Soldat hinauf zum Mustang. Wieder entschwindet der Vogel unseren Augen. Alle-: Ohren sind gespannt. „Aufgepasst! Jetzt kommt er. Jetzt können wir ihn kriegen”, weist Lengyel an. Die Operateure visieren, drehen langsam, filmen. Es ist die erste Szene des i.euen Israel-Filmes „Sinaja”, die hier gedreht wird, die einzige, die nicht im Negew spielt, sondern in der Stadt, in der die kleine Sinaja auch im Leben zuhause ist. Mit dieser Szene soll auch der Film beginnen, der dann, in Rückblende, die Geschichte des Wiis*enfindlings abrollen lässt. Im Film sieht Sinaja das Flugzeug und — erinnert sich, obwohl er mehr die Erinnerung an Erzähltes sein muss; denn was konnte ein Baby von 6 Monaten ins Bewusstsein aufgenommen haben? SINAJA KOMMT Wir blicken uns um. Da läuft, mit anderen Kindern, nicht nur ein grosser Künstler, sondern auch ein grosser Denker. Das Weltgeschehen und das jüdische Schicksal haben ihn immer tief erschüttert, und die Ereignisse der Vergangenheit verleihen seinen Werken einen beunruhigenden Zug. der sich in vergeistigten Formen kristallisiert. Seine Meditationen über das menschliche Dasein geben seinen Werken eine kraftvolle, erdgebundene Eigenart. Sein Geist ist oft mit dem Rodins verglichen worden. Ebenso wie Rodins Lebenswerk wird auch das seine in einem eigenen Flügel des israelischen Nationalrmiseums einen w’iircMgen und ehrenvollen Rahmen finden. ein kleines, süsses Arabermädel die bergige Strasse herauf, auf uns zu, lustig spielend, munter mit der Zunge zwischen den Zähnen wackelnd. „Sinaja!” ruft ihr Dina Doron zu, fasst sie an der Hand, spielt mit ihr, dreht sich mit ihr, tanzt mit ihr herum, wie eine Mutter mit ihrem iKnd. Dina, die Sabre aus Afule, mit den grossen, grau-grünen Augen, neun Monate die Anne Frank am Broadway in New York, uns nicht unbekannt aus ihrem Spiel in der Habima (Die Bäume sterben stehend u. a.) wird in dem Film als Bedutnenirau die Mutter Sinajas Jas re' zugr wenn seinei '-i t I! j:. «Bä spielen. Sie hat sich so in die Rolle hin.eingelebt. als wäre Sinaja ihr vrirkliches Kind, obwohl sie sich mit der Kleinen, die nur arabisch spricht, kaum verständigen kann. Für Sinaja ist es ein wirkliches kindliches Spielen mit einer netten Grossen. Völlig unbefangen läuft das Kleine herum, lässt sich auch photographieren, ohne dass die vielen Kameras, die gezückt sind, einen Eindruck auf das Kind zu machen scheinen, schmiegt sich an Dina. während die Kameras blicken, und spielt unbefangen weiter. Tm Sinai-Feldzug war das Beduinenbai j r, allein im Sand liegend und aus Wunden blutend, von einem Zahnarzt aufgefunckn. gepflegt und nach Jerusalem gebracht worden, um später zur Erziehung dem angesehenen Araber Faris Chamdan übergeben zu werden. Drehbuch an, ( t_er war bereit t en Film „aus begann die ter der Regi, Leagyel. einei Jugoslawen, dei holt filmisch ® wh unter F dem Film Ext beitet hatte. Israel - und Marken idler Lutn(jer ln groe»«ter Autwahl: u. V(Ercr_ NUMMERN — MARKEN M|J BAHin VOLLSfAENDlGE SAMMLUNG^0' SERIE VORHANDEN .. ~ I ALFONSO MORITZSON

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