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Jüdische Wochenschau · 1961-12-12 · 1931 (12.12.1961) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1931 (12.12.1961)
Date
1961-12-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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WEIL ZUM GEDENKEN von ALFRED KiRSCHBERß, Sao Paulo Air, 15. .November is; in N< w \ 01 k Bruno Weil zu G.jibe getragen worden. Man ist, bei dem Heimgang von Männern, die der Fiihj erschicht des deutschen Judentums angehört haben das nach Baecks Worten 3939 aufhörte, oft versucht zu sagen; dass mit ihm eine Epoche zu Ende ging. Bei Bruno Weil trifft das zu. Denn in ihm war der Typ des deutschen Juden personifiziert, «ler zugleich Humanist und Demokrat. Weltbürger und FstiTot, Kämpfer ums Recht und ein Feinschmecker der Schönheiten des Lebens war. in Literatur und Kunst, in Theater und Forschung, bis zum Verstehen der lukullischen Genüsse; und ein treuer Sohn des Judentums, ohne seine Formen zu bewahren, aber für das f bis zu seinen letzten Tagen seine Kiaft und Zeit einsetzte, und für das er zuvor nicht minder off Freiheit und Sicherheit riskiert hatte. Weil war in einem Gebiet zur Welt gekommen, in Saatlouis, am 4. April 1883. das seit dem Vertrag von Verdun, seit mehr als 1.000 Jahren Grenzland geblieben ist — Sprachscheide. Kult in scheide zwischen Deutschland und Frankreich. Dieser Ursprung gab ihm. dem Juden, eine doppelt-gesteigerte Sensibilität des am Rande von Kulturen und zugleich in ihrem Mittelpunkt Lebenden mit. Diese Herkunft machte ihn von Geburt an zu einem Vorkämpfer der Verständigung von Deutschland mit Frankreich. ln seine Jugend spielt die Dreyfus-Affaire hinein, deren Hintergründe und tiefere Folgen und Zusammenhänge ihn sein Leben hindurch nichf lo.sliessen. während er zugleich für die Verwirklichung der grossen Postulate der französischen Revolution innerhalb des AVilhelminischen Deutschland kämpfte. Sein Platz im jüdischen Leben war ihm so gegeben. Der Student fand den KG. dessen ideologischer Führer er neben Ludwig Holländer war. und bis zu seinem Tode blieb. Der Mann wählte den C. V. Bruno Weil war ein Kämpfer. Das drückte sich nicht nur in den Narben der Mensuren aus, die er durchfochten hat. Sein Stil der Rede war kämpferisch aggressiv. Wenn er fühlte, dass ein Rechtsprinzip verletzt v,ar, kannte er keine Rücksichten, Bruno IVeils Leben und Auftreten ist wirksame Widerlegung jeder Andeutung, dass die deutschen Juden liebedienerisch oder leisetreterisch gewesen seien. Weil sah in seinem Judentum keinen Faktor, der seine Verpflichtungen gegenüber dem Staat, dessen Bürger er war, zu dämpfen hatte. Im Gegenteil, weil er als bewusster Jude Kampf und Recht gewohnt war. fand in ihm jedes gefährdete Rechtsprinzips einen Anwalt. Wenige unter denen, die diese Zeilen lesen, werden sieh des Zabern-Falles erinnern U913'1 und des Leutnants von Förster und des Obersten fieutter. Es war ein klassischer Fall der Ueberhebüchkeit des preussischen Militarismus, der ein Jahr später den Ersten Weltkrieg riskierte und verlor. Bruno Weil war der Anwalt des misshandelten Soldaten, und sein Kampf vor dem Gericht für den namenlosen kleinen Mann war zugleich eine Anklage gegen den Geist der Gewalt. Die Abtretung von Elsass- Lothringen an Frankreich iiess ihn seinen Sitz nach Berlin verlegen, die Hauptstadt des besiegten Deutschlands. dem Sitz der alliierten Militärkommission, um die deutschen Reparationen einzutreiben. Weil, der Mann mit gründlichen Kenntnissen des internationalen Rechts, machte aus dem Studium der Friedensverträge sein Metier. Viele Rechtsprinzipien. die in der Frage von Reparation und Restitutionen an Nazi-Opfern nach dem Zweiten Weltkrieg festgestellt wurden, waren in zahllosen Prozessen gegen die deutsche Republik von Weimar, gegen die französische, gegen die englische Regierung, von Weil entwikkeit worden, der mit derselben, an Cicero geschulten Beredsamkeit, die sich an den grossen französischen Parlamentariern und Juristen weiterentwickelt hatte, in Deutsch, in Englisch und in Französisch plädieren konnte. Seine überaus grosse und erfolgreiche Anwaltspraxis entzog ihn nicht seinen Arbeiten für den CV, dessen Vizepräsident, er bald wurde, und auf dessen Arbeit, insbesondere was die Orientierung der politischen Prozessführung anlangte, er immer grösseren Einfluss gewann. Seine Vorträge wurden überall Ereignisse des Tages. ,.die jüdische Internationale“ erschien ais Buch 1924 und erlebte viele Auflagen. ..Deutsches Judentum und Rechtskrisis“ war ein anderer Vertrag, der gleichfalls als Buch erschien '1927). In diese Epoche fallen zwei Vorkommnisse, die in ihrem Charakter eines vom andern himmelweit entfernt waren, die jedoch gerade dadurch den Typ des grossen Mannes erfassen lassen. Wir lesen jetzt mitunter von gewissen Restriktionen, die sogar in den USA noch existieren. „for gentiles only“, mit andern Worten „Juden unerwünscht“. An der Nordsee lag der schönste offene See - Badeort Deutschlands; Borkum. Diese Insel, unter dem Einfluss eines Pfarrers Münchmeyer, verhinderte Juden dort ihre Ferien zu verbringen. Die Behörden erwiesen sich gegenüber der systematischen Hetze als machtlos, den jüdischen Kurgästen den Aufenthalt zu garantieren. Die Frage war prinzipieller Natur; ob innerhalb der Weimarer Republik Freizügigkeit existierte oder nicht. Eine Broschüre erschien, ads der Feder eines jungen proiesi antischen Journalisten, in der gegen Pfarrer Münchmeyer eine Fülle von Anklagen erhoben wurden — auch gegen seine Moral. Ihm blieb nicht anderes übrig. als zu klagen, gegen den Autor, den CV-Sivdikus und einen jüdischen Bürger, die die Schrift verbreitet hatten. Als Verteidiger wurde, neben einem lokalen Anwalt in Emden Bruno Weil bestellt, dem ich als ..public relation“-Mann und juristischer Assistent beigegeben wurde. So zogen wir 1926 nach Borkum, wo wir von dem liberalen Teil der terrorisierten Bevölkerung wie Befreier aufgenommen wurden; das beste Hotel rechnete es sich zur Ehre, uns als Gäste zu betrachten. In einem fast zwei Woeben währenden Verfahren erbrachte Weil in den zentralen Punkten den Wahrheitsbeweis — aus den Angeklagten wurde der Ankläger. aus dem Zeugen Pfarrer Miinchmeyer der Geschlagene. Das zweite Ereignis hängt mit einer Orientreise zusammen. bei der das Ehepaar Weil Aegypten und das Mandatsland Palästina besuchte. Natürlich sahen die Weiis den Sinai. Als kurz danach ein Professor in Münster. Grimm, eine Arbeit herausbraehte. durch die er den Nachweis zu erbringen versuchte, dass gewisse Konturen auf Felsblöeken, die am Sinai gefunden worden waren, Schriftzeichen aufwiesen. die an hebräische Buchstaben erinnern, also möglicherweise die Trümmer der Gesetzestafeln seien, die Moses im Zorn zerbrochen habe, war Weil der Förderer der Idee, eine deutsche SinaiExpedition auszurüsten, die an Ort und Stelle die Angaben Grimms naehpriifen sollte. Es gelang ihm. die grössten Kapazitäten der Berliner Universität auf dem Gebiet der orientalischen Studier, zu interessieren, ein vorbereitendes Comité wurde gebildet, eine Reihe von Sitzungen fanden statt in der Berliner Universität und im schönen Hause im Grunewald. in dem herrliehe Kunstschätze vereinigt waren. von denen einige der Lieblingen von Alice und Bruno Weil ihren Weg nach New York gefunden haben. Ich hatte die Ehre, Sekretär dieses Comités zu sein. Spätere Forschungen erwiesen Grimms Vermuntungen als unhaltbar. Die Expedition fand nicht statt. Der grossen deutschen Oeffentlichkeit w'urde Weil durch drei Bücher bekannt, die er innerhalb von drei Jahren herausbrachte — eine ungeheure Leistung, wenn man bedenkt, dass eisern Material selbst zusammenbringen musste: Der Prozess des Hauptmanns Dreyfuss, erweitertes Manuskript eines Vortrages, den er 1930 in der Singakademie in Berlin gehalten hatte und der 1959 eine Neuauflage erlebte, mit Faksimile seiner Korrespondenz mit Dreyfuss, dann „Glück und Elend des General Boulanger“, durch das er das deutsche Volk vor dem drohenden Nazismus warnen wollte durch den Bericht über einen Diktaturversuch in Frankreich, der missglückte.. und „Panama“. Das war 1933. 1933 — am 30. Januar übernahm Hitler die Macht. Der Kampf ums Recht musste andere Formen annehmen. weil der Begriff des Rechts im übertragenen Sinne, von Hamurabbis Zeiten her über Moses, der Griechen und Römer nicht mehr galt. Weil, der Jurist mit genauen Kenntnissen des internationalen Rechts, versuchte, dort die Hebel anzusetzen, wo internationale Verträge Deutschland verbaten, den Status von Staatsbürgern zu ändern, wie in Oberschlesien, Danzig, im Saargebiet. Man vergesse nicht, es war ein Kampf gegen die Strömung der Zeit, in der man vergeblich versuchte. die westlichen Demokratien zum Begreifen der Lage zu erwecken, ihnen klarzumachen, dass hier nicht ein paar hunderttausend deutsche Juden um ihre Existenz, ihre Freiheit zitterten, sondern dass im Nazismus eine Bewegung begonnen habe, die in jedem Sinn und jeder Richtung total sei. totaler Rassismus. totaler Krieg. Aber das hat man erst dann geglaubt-. als es für Millionen zu spät war. Die verschiedenen Wahlen zum Reichstag nach 1927 JAHRESENDE 1961 WIK SIND , GERUESTET SIE ZU EMPFANGEN, ZU BERATEN UND ZU BEDIENEN. MER REICHE GESCHENKE ZEIGEN WIR IHNEN IN DER FESTLICH AUSGESTATTETEN r» (arlfon - Boutique", Maipu 982 LM? 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E. 3I-035Ï LITERATUR » Ausstellung angtwa Aussiellungen sind eine erprobte Abwechslung im grauen Alltag, ein beliebtes Ziel für Ausflügler und ein Lockmittel für Touristen. Ans der modernen Wirtschaft sind gelegentliche und regelmässige Ausstellungen und Messen nicht mehr wegzudenken. Auch die Stadt. Tel Aviv—Jaffa hat' sich als Veranstalterin von Ausstellungen bereits einen Namen gemacht. Anfang der dreissiger Jahre gab es hier die regelmässige Orient-Messe mit internationalem Zuschnitt, die dann aber wegen der arabischen Unruhen eingestellt werden musste. Die festen Gebäude des Messegeländes w urden an Fabriken und als Lagerräume vermietet. Nur wurde an anderer Stelle im Norden d^r Stadt jenseits des Jarkon-Flusses ein neues, entsprechend grosses Ausstellungsgelände angelegt. mit einer weitläufigen Gartenanlage geschmückt. in deren Mitte sich ein idyllischer Schwa- Teich befindet. Kürzlich fand in diesem Park die Ausstellung „Die Familie des Kibbuz“ unier Teilnahme aller Strömungen und Organisationen der Kollektiv - Siedlungen statt. Daneben wurden eine Blumenaussteilung'’, eine kunstgewerbliche Ausstellung und eine Biicer-Ausstellung veranstaltet. und es gab eine ununterbrochene Folge gesellschaftlicher Unterhaltungen. eine Ausstellung von Schülerarbeiten. graphischer Kunst, Möbel, Plastikwaren, Haushaltgeräte in Sonder - Ausstellungen und Zeichnungen von Karikaturisten. Ferner wurde eine schöne, repräsentative Ausstellung moderner Wohnkultur gezeigt. In diesem Jahre zählte der Ausstellungspark bereits eine halbe Million Besucher. Für das Jahr 1962 wird hier die grosse Orient- Messe vorbereitet. Der Aussteliungspark ist sc schön gepflegt, dass er. auch wenn gerade nichts besonderes veranstaltet, wird, das Publikum anzieht. Besonders abends, wenn sieh die farbigen Lampen im Schwanenteich spiegeln, wirkt der Garten freundlich und anziehend. von MEIR FAERßEl „SCHOENE GERAETE — gerät K“‘a SUHOENE WOHNUNGEN flaus«ir,scl1 Produkte“ > Unter dem Titel „Seböne Kunststoff- Geräte — schöne Wohnunschliffe“*“ “ gen” fasst die 1. Internatiogezogene“ “ nale. Ausstellung angewand- Gläsern- Pra ter Kunst Objekte der Wohnchen i“ Per; und Lebens-Kultur zusamgjneli - ¡srae' men. die aus grauer Vorzeit und blinder bis zu den modernsten Erbilden ein J ‘ * C rV.- : ¡Äste SfesísS §¡m¡ 'SV&sifét-! va' » UND NEUFS LEBEN BÜEHf AI! 1 ene Amphitheater von Caetirei. iu dei rungenschaften reichen, und Schaufenste bringt im Auslands-Pavillon Fieiss und auch interessante Beiträge Lande bere aus acht anderen Staaten. ln einem Jahrtausende haben die baude stellt Hausgeräte. Krüge. Schalen, nisterium Trinkgefässe, Schmucksadar. die sei chen, Teller etc. überdauert, in den 13 , die — in Ausgrabungen zu- S'aatsgriind tage gefördert — hier nun Wohnungen von zehntausenden Ausstelderer erziel lungsbesuchern wegen ihrer auch diese schönen Formen und Ornaeindrueksvc mente, tiefsinnigen Symbolik An fremi und meisterhaft kunst.geaut dieser werblichen Ausfertigung anlung fiir a] gestaunt werden. in Israel ] Die zeitgenössische Pro- ¡and, Italie duktion von Möbeln, Haus- »egen, 0e Messen die Drohung immer konkreter W'erden. dass eines Tages die grosse, die entscheidende Auseinandersetzung über den Weg der Weimarer Republik kommen werde. Ludwig Haas, der grosse Jude und Meister der deutschen Demokratie war gestorben. Bruno Weil wurde Kandidat zum Reichstag für die Demokratische Partei. Aber auch diese war vom Gift einer Neo-Romantik angefressen — sie glaubte, in ihrem Bündnis mit dem Jungdeutschen Orden neue Kräfte gegen die Nazis anziehen zu können. Das Gegenteil war der Fall — die Demokraten verloren Mandate. Bruno Weil wurde nicht gewählt. Dies sei nur zur Abrundung des Bildes vom Manne und der Epoche berichtet. AVeil wurde dank seiner internationalen Beziehungen seiner Sprachkenntnisse nach 1933 eine Art „Roving Ambassador“ des deutschen Judentums. Der Krieg brach aus und brachte AVeil in ein französisches Internierungslager, aus dem er, der die argentinische Staatsangehörigkeit erworben halte, bald entlassen wurde. Diese Episode bc-schiieb er ii „Baracke 37 — Stillgestanden" (19411. AVeiis gingen in die USA. Dort formte der Kenner der Restitutionsfragen des Ersten Weltkrieges die „Axis Vietims League“. Er war ein entschiedener Gegner der kollektiven Reparationen. in deren System er eine ungerechtfertigte Benachteiligung der individuellen Ansprüche erblickte. Der Krieg ging zu Ende, die Reisen begannen von neuem. AA'eils besuchten wiederum den Mittleren Osten, Palästina war jetzt Israel. Ein Privatdruck „Wir sahen Il954i übermittelte den Freunden die Eindrücke Ungestört von diesen zahlreichen Reisen über die Kontinente, sozusagen zwischen Rückkehr und neuem Aufbruch, enstanden seine Bücher, die er. welch renaissancehafte Geste, stets in Sonderdrucken seinen Freunden aus Anlass seiner Geburtstage zuzusenden pflegte. Auf seinem Grabslein sollte man AVorte eingraben, die er in seiner Widmung an die Freunde auf die Titelseile der letzten Ausgabe seines Di evtus-Buches geschrieben hat.' Dort spricht er von dem „nie endenden Kampf .ur, die Gerechtigkeit und sehliesst: Freiheit keif. Vor ei\»; ">ir Weil ( wir eine V kt durch üe neues Rmacht Jm Gn «■“reibt j ünziges B ütàgen V “« einzige Demant des Wese Rammen tit dieser hat. ] mit Abei sein T er w; UtU Ir NUm :! VOL ÀL ss

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