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Jüdische Wochenschau · 1961-11-14 · 1923 (14.11.1961) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1923 (14.11.1961)
Date
1961-11-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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— Martes, X ds- Noviembre de 1901 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Afle XXII. — Ne. l»23 Die Prügel wurden (Schluss von Seite 1» nt Mord- und Spiessgeselien. um festzustellen, dass sif sich tatsächlich alles erlauben konnten, ohne von der Welt zur Rechenschaft gezogen zu werden. So sah die Welt, damals aus: verängstigt und schwächlich, war i abgeschlossen wurden. Eini- | gt der Mörder dieser Nacht j sind inzwischen dingfest ge-; macht worden. Man weiss | zur Genüge, dass in den erj sf.en Jahren nach der Besei- | tigung des nazistischen Re- | gimes sehr wenig geschah, j um die Verantwortlichen ihi . , , , , . . i rem Richter zuzuführen. Kder nur auf seinen kleinh- | M;,n begnügte sich mit den chen Vorteil bedacht. Nur j Nürnberger Gerichten, die j wenige Monate vorher, hat-! le man das tschechische Volk verraten, das unbarmj herzig den Nazis ausgelie- 1 fort wurde. Dann waren wie- ' oer die Juden an der Reihe.! Vor dem grossen Ueberfall I auf Polen 1939, mit dem der! Weltkrieg eingeleitet wurde.; felgie nur noch die endgül- 1 lige Auflösung der CSR. I Jetzt wussten die Nazis. I dass sie auf keinen ernsten Widerstand stossen würden. Noch heute ist diese Vergangenheit nicht bewäl'igt. Man versucht, einiges — wenigstens materiell — wiedergufzumachen. In den verschiedensten Gemeinden sind die Synagogen wiederaufgebaut worden, auch in seichen Städten, in denen es nur sehr winzige jüdische Gemeinden gibt. Sicherlich wellen wir den guten Wüllen oer neuen Herren nicht verkennen; aber enthebt uns nichf von der Pflicht, daraufhinzuweisen, dass es niemals auf die Fassade ankemmen könne. Es war nicht sonderlich überzeugend für eine neue deutsche Gesinnung gegenüber «len Juden, dass vor der soj eben eingeweihten Hambur-; s ger Synagoge Hakenkreuze gestreut wurden, nachdem einige Monate vorher die Schmierereien an der damals neuen Kölner Synagoge den Auftakt der grössten Hakenkreuz - Schmieraktion gegeben haben, die es bisher gab. Offensichtlich sind doch die Rudimente der nazistischen Gesinnung in vielen zurückgeblieben. Dass die Vergangenheit «ies 9. November noch nicht überwunden worden ist, fin- «iet in vielen Verfahren seinen Ausdruck, die noch heule, 21 Jahre später, nicht Br. FREY ja keine deutschen Gerichte waren: dann begann man. die Internationalen Gerichtshöfe zu kritisieren, und leistete damit zeitweise einem Neonazismus Vorschub. Erst allmählich begriffen die regierenden Kreise, dass es mit der sogenannten Wiedergutmachung, die eine glänzende und billige Propaganda nach aussen war, allein nicht getan sein kann. Dann erst wurden die Prozesse vor deutschen Gerichten aufgenommen, in denen eine Ueberfiiile unvorstellbarer Grausamkeiten vor den Augen der deutschen und der Weltöffentlichkeit aufgerollt wurden. Mithilfe von Verjährungsvorschriften hat man die Zahl der Prozesse eingeschränkt, als ob es überhaupt eine Verjährung für diese Schandtaten geben könne. Immerhin laufen noch Prozesse genug, um das Gewissen der Deutschen immer wüeder aufzurütteln und sie zu erinnern, was sie j am 9. November 1938 und . was sie nachher getan haben! Auch wir haben vielleicht vergessen, was geschah. Wenigstens diejenigen unter uns, die nicht unmittelbar betroffen worden 1 sind, deren Familienangehörige man nicht erschlug, deren Wohnungen man nicht zertrümmerte, deren Synagogen man nicht verbrannt hat. Oder haben selbst diese auch, vergessen? Dies ist die Geschichte einer jüdischen Familie in einer deutschen Kleinstadt, in der sie seit Jahrzehnten, vielleicht seit Jahrhunderten sass. Ellern und Söhne hatten sich längst zur Ruhe begeben, als am Morgen des 10. November laut an ihre Tür geklopft. wurde. Eine Stimme rief: „X. mach’ auf! Es brennt!” Aengstiich und ahnungslos öffnet der Mann ABOGADO :¡5 MÜHEL K. PLAKSIN PUEYRREDON 2190 1* izo. nachm. 16—19 Uhr laime Liebling; 5 Superi 2719 \; T. E. 76-6784 u. 76-2312 \> m m m *■ ’’ Jacobe M. LAPIDUS S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89 9349. * dipl, Mohel TUCUMAN 2396 , 4’ T. E.: 48 2124 RÍ ♦; 33-9305? REAL PEN: Füllhalter * REPARATUREN ♦ Spezialgeschäft « CORRIENTES 569 \ T. E. 49-5850 J 5 MARTHA S \ CHAPEAUX\ » HUTSALON I; Jetzt in :• Belgrado:; die Tür. Im selben Augenblick wird ihm der Bauch von zwei SA-Führern aufgeschlitzt, die in Begleitung eines Dritten in die Wohnung eindrangen, die jüdische Frau und Mutter erstachen aut die Sühne mit ihren Messern einhieben. Fassungslos stehen die schwer verwundeten Söhne an der Leiche ihrer Mutter. Die SS-Verbreeher sind verschwunden. Ihre Tat war Arbeit weniger Minuten. Inzwischen hatten Nachbarn den schwer blutenden Vater ins Hospital gebracht. Da erschien die Gestapo in der Wohnung, riss die ver- | letzten Sehne von der Leij che ihrer Mutter, schleppte! sie zur Polizei, wo inzwij sehen noch andere Juden! eingeliefert worden waren.! Die meisten wurden ins KZ! gebracht, die beiden Ver- ■ letzten ins Krankenhaus, wo j sich die Familie wiedertraf, j Andere Kinder der ermordeten Mutter, die auf die Schreckensnachricht herbeieilen. um bei der Beisetzung zugegen zu. sein, werden misshandelt. bedroht, geschlagen .. Wer soll, wer kann, wer darf das vergessen? Das ist ein Fall. Im Vergleich zum Geschehen der auf das November-Pogrom folgenden Jahre war dieser Vorfall ein geringfügiges Ereignis. Aber es war der Ani fang vom Ende. Die in jener Nacht entzündeten Flammen, in denen die jüdischen Gotteshäuser untergingen. konnten nicht mehr gelöscht: werden, bis die Brandstifter selbst ihr Opfer geworden waren. Am 10. November 1938 hielt Hitler eine grossangelegte Rede vor der deutschen Presse, in der er über seine bedeutenden Erfolge während des Jahres 1938 berichtete. Mit keinem Wort erwähnte er die Schandtaten, die sich zur gleichen Stunde allen sichtbar vollzogen. Allen sichtbar: wenn auch die deutsche Bevölkerung, die angeblich nichts von dem gewusst bat. was mit den Juden geschah, die Mordtaten der KZ nicht sehen konnte, die brennenden Synagogen, die zerschlagenen Fensterscheiben und die zerbrochenen Mobiliarien hat sie gesehen. Sie hat sogar davon genommen. Sie hat sich sogar darüber gefreut, sie hat sogar geklatscht. Sie hat auch gejohlt, als die Lastwagen mit zusammengetriebenen Juden durch die nördlichen Strassen von Ber- Dr.; B. Schwär»; ZAHNARZT; 4 ESTOMBA 2283 52-8214- RAYOS x : FA RA DENTOSE TELEF. VORANMELDUNG ►44 4^44-f4 4 Deitluntii fiür Naziitpler Wien. — Auf «lern Zentralfriedhof von Graz wurde ein Gedenkstein für die Naziopter enthüllt. Der Feier wohnten Vizekanzler Piilermann und Innenminister Afritsch bei. Auch eine Delegation der Regierung Jugoslawiens waj anwesend. Die Akademisch« Föderation ehemaliger Soldaten und andere Organisationen boykottierten die Veranstaltung, weil die Errichtung dieses Monuments ihrej Ansicht nach dazu angetan sein, ..Hass zu ei zeugen”. — i ITA - lin fuhren, um ihre Opfer ins KZ Sachsenbausen zu bringen. Wie lächerlich muss es auf uns wirken, wenn man uns heute versichert, dass die deutsche Bevölkerung nicht geahnt habe was geschieht. Obwohl Hitler in «lieser Nacht nichts über das Geschehen sagte, konnte jeder den Triumph hei ausbüren, der aus seinen Werten über diese ..Erfolge” der Strasse gegen die Juden hervorhöhnte. Wenige Monate zuvor hatten die Alliierten noch versucht, seine aussenpoiitischen Exkursionen zu begrenzen. Jetzt, in dieser antijiidisehen Aktion, gab es schon keine Kraft mehr, die ihn hindern, die ihn hemmen. die ihn stören konnte. Das war tlie übe; d?e jüdische Tragödie hinausgebende Bedeutung des grossen November-Pogroms. Die Juden sollen die Prügel, die sie erhielten, nicht vergessen. Sie sollen uns eine Lehre sein. Sie sollen uns an unsere eigene Kraft und Bewährung ermahnen. Denn wenn auch das ganze deutsche Volk oder seine überwältigende Mehrheit im Taumel eines vermeintlichen Sieges über die Welt sich vergass. seine Winde zertrat, seine Kultur schändete, die Juden blieben fest. Kein einziger verliess die Reihen, keine einziger haderte mit seinem Schicksal, kein einziger verlor seinen Glauben, seine Hoffnung, seine Zuversicht in eine andere, eine bessere Zukunft. Aus diesem 9. und 30. November 1938 erwuchsen unserer Gemeinschaft die Kräfte, an die Stelle des Zerstorten Neues zu setzen. Unser Willen erlahmte nicht, er wurde gestärkt, ln «3er Erinnerung an diese Scbrekkenstage können wir neue ’ NERVEN B. GEMÜTS- ¡f KRANKHEITEN { Dr. M. J. KUHN \ An 186. Steife ß- New York. — Unter den 500 grössten Bankhäusern der westlichen Welf rangiert die israelische Nationalbank „Bank Leumi Leisrael.” nach Angaben der führenden nordamerikaniseben Bank - Zeitung „American Banker” an 186. Stelle. V«>r drei Jahren noch nahm sie den 410. Platz ein. „Bank. Leumi” unterhält, allein in Israel 130 Zweigstellen sowie Auslandsvertretungen in London. Zürich, Frankfurt und New York. — (AWZ) Keine Hilfe für Kunstschaetze Washington. — Der Be willigungs - Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses hat ein Biifsprogramm zur Rettung ägyptischer Kunslsebätze, die durch den Ban ries Assuandammes überflutet werden, abgelehnt. Der Ausschuss gab für seine Entscheidung keine Begründung. (AWZ) Kräfte für neue Aufgaben gewinnen. Noch eines solien wir Juden in aller Welt lernen: man konnte nur die Sleine verbrennen, den Geist konnte selbst ein Hitler nicht zerstören. Er könnt« «lie jüdischen Körper vernichten, aber die jüdische Seele W'ar unzerstörbar. Diese Gedanken erfüllen uns mit Stolz und Zukunitsglauben. Wir könnten aber noch mehr aus ihnen lernen: die Steine sind zu verbrennen, die Seele und der Geist bieibt unzerstörbar. Deswegen sollten die Juilen weniger Wert auf di« Sterne als auf den Geist legen, deshalb sollten sie statt neuer Bauten auf Sand all inre Anstrengungen auf die Erziehung. auf die Kultur, auf das Bleibende richten. Denn hieraus erwachsen. alle Kräfte: die seelischen., die menschlichen, die geistigen wie die physischen, «Be schöpferischen und die materiellen. / prov. % í RIVADAYIA 2625 »II 5« 5 Tel. 48-7524 / ÍMont., Mittwoch, Freitag \ y 17—20 Uhr. Tel. Ammei- 5 / dnng erbeten. Í WUWWWÍ f MOLDES 256 í T. E. 73 9229 J 93-9155 I OPTICA DIPL. OPTIKER \ Sarmiento 829 j T. E. 35 - 7356 j PROPIEDADES FRANKENBERG Restaurant »Paso Paso 452 (al fondo) — T. 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(AWZ) Heuer Oberrabbiner Istanbul. — Zum neuen Oberrabbiner der jüdischen Gemeinden in der Türkei ist «lei 47 Jahre alte David As seo gewählt worden. Insgesamt standen 55 Delegierten der Gemeinden sechs Kandidaten zur Wahl. Rabbinei Asseo war Sekretär des Grossrabbinats und Direktor des Rabbinerseminars in Istanbul. (ITA) lieber 90 israelische Firmen stellten ans Izmir. — An der kürzlichen Internationalen. Messe in Izmir war Israel mit über 90 Firmen beteiligt Sie zeigten Jeeps. Lastwagen, Reifen, Baumaterial, Ersatzteile für Kühlschränke und Rundfunkgeräte, chemische und pharmazeutische Produkte, Rohmaterial für die Plastikinduslrie. Sicherheitsglas, elektrische Geräte und andere Erzeugnisse. Die offizielle israelische Organisation für Touristik und die EL AL waren ebenfalls vertreten. HTA) GOLDSTEIN MEDICO Vertreter: Dr. A. SÄN6UINETTI CABILDO 2464 T E- 76-2496 Dr. AKIVA HERZKQWICZ MEDRANO 1066 part. 70.4484 T. E. 86-9646 VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY : Sarmiente 3116 T. E. 87-1362 i Dr. BENJAMIN LIPNIZKY" ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — »E- | HANDLUNG MIT G ASSET AEUBUNG — REGU- I E L1ENUNG DER ZAHNSTELLVNG | S Spreefcetundee: Dienet»* — Donner »tag — $ennmk»m¿ | MMh vorheriger Vereiftberang. jjj 8 JOSE HERNANDEZ 2518 t. E n een »»a ts-mm ¡ SaMSBSSSSiMÜHMSiSXSSSXBPiSrSSSB-iMHSSXSSlMiiiliHHrStHä' Dr. L KLEIN Médico Magen, und Darmkrankheiten Röntgen-Untersuchungen ¡ i SPRECHSTUNDEN: ¡ Monteg, DiemrUg, Mittwoch «. Freitag too l»—* Wm Ec wird gebeten, »ich vorher telefonisch anrumelden SANTA PE 1391 T. E. 44 9493 u. 44-1542 '-G-dt-G G A4

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