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Jüdische Wochenschau · 1961-11-14 · 1923 (14.11.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1923 (14.11.1961)
Date
1961-11-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? faq. £tí Jfenicut&JsàcuelttcL T. E. 832613 Afio XXII. BUENOS AIRES. MARTES là DE NOVIEMBRE DE 1961 Ne. 1923 Gegen Politik der Apartheid Vereinte Nationen. — Israel verurteilte neuerdings die Südafrikanische Republik wegen ihrer Politik der Apartheid und setzte sich für die Annahme einer Resolution ein, die in der Politischen Kommission zur Diskussion steht, um die „auf Rassendiskriminierung gegründeten südafrikanischen Taktiken als tadelnswert und abstossend” zu brandmarken. Allerdings erklärte Israel seine Opposition gegen die Klauseln in dieser Resolution, welche den Ausschluss Südafrikas aus den UN fordern. Die israelische Position in dieser Frage wurde von Botschafter Arie Eshel, Israels ständigem Vize - Repräsentanten vor den UN, bekannt gegeben. Die von Israel unterstützte Resolution ist von sieben afrikanischen Nationen und vier Mitgliedern der Arabischen Liga beantragt worden. Mit dem Hinweis, dass Israel und die Vereinten Nationen schon in früheren Jahren an Südafrika das Ansinnen richteten, seiner Politik der Rassendiskriminierung ein Ende zu setzen, und Israel ein auf den Prinzipien des Zionismus aufgebauter Staat sei und sich deshalb überall der Rassendiskriminierung widersetze, führte Eshel vor der Kommiss/on aus, Israel erachte es?ir notwendig, die Resolution der elf Nationen zu unterstützen. Er erinnerte daran, dass Israel jüngst zugunsten eines Antrages stimmte, der die Rede des südafrikanischen Aussenministers Eric Louw zur Verteidigung der Apartheid kritisierte, und sich dieser An trag in eine spontane Ablehnung der Rassendiskriminierung verwandelt habe Eshel setzte sich jedoch dafür ein, die Klausel aus der gegenwärtigen Fassung der Resolution zu entfernen, die zu einem Ausschluss der Südafrikanischen Union aus den UN führen könne. Die von Israel unterstützte Resolution gibt der „Empörung der Versammlung” über die Weigerung Südafrikas Ausdruck, dem wiederholten Ersuchen um einen Wechsel in seiner Rassenpo. litik nachzukcmmen, und „bedauert” die Einführung neuer Rassengesetze in diesem Land* welche zu Blutvergiessen geführt haben. ERREGTER WORTWECHSEL Vereinte Nationen. — Eine der heftigsten arabischder Generalversammlung, als der irakische Vertreter, Dr. Adnan Pachachi, Israel angriff und den Zionismus ähnlicher Methoden bezichtete, „wie sie die Politiker der Apartheid in Südafrika anwenden”. Botschafter Arie Eshel von der israelischen Delegation beantwortete zwei Mal die irakischen Verleumdungen. Nachdem Pachachi sowohl wie Eshel zwei Mal das Wort erteilt worden war, gestattete der Präsident der Kommission, der Bulgare Jordan Schobonov, dem Repräsentanten Iraks ein drittes Mal zu sprechen, lehnte es jedoch ab Eshels Entgegnung zuzulassen. Pachachi hatte gsäussert, „der Zionismus verkünde ebenso wie Südafrika die israe'ischen Debatten in den ¡ Ueberlegenhcit einer Rasletzten Jahren entstand in der Politischen Kommission WIE ICH ES SEHE Die Prügel wurden vergessen ntn JEHUDA GOTTHEMER se”. Hierauf betonte Esnel, dass der Zionismus die Bewegung der nationalen Unabhängigkeitdes jüdischen Volkes sei, und er wünsche, die Araber in allen Ländern würden so viele demokratische Rechte gemessen wie die israelischen Araber. Hierauf wiederholte Pachachi seine Behauptungen mit noch grösserer Heftigkeit, worauf Eshel nochmals antwortete. tITA) Neue Judenmorde in Algerien Paris. Der Präsident des jüdischen Konsistoriums in Algier,* David Zormati, wurde vor inigen Tagen.von algerischen Terroristen ermordet. Zermati, ein 52jähriger Rechtsanwalt, der schon zweimal Präsident der algerischen Anwaltskammer war, wurde durch einen Schuss in den Rücken tödlich getroffen, als er auf der Post seine Korrespondenz in Empfang nahm. Er h nierlässt seine Witwe und zwei Kinder. Nur 24 Stunden vor dem Attentat auf Zermati wurde der algerische Arzt Dr. José Cohen meuchlings umgebracht Die beiden Morde haben die jüdische Kollektivität von Algier tief getroffen, die trotz der kürzlich en Versuche des französischen Geheimbundes sich nuni mehr fragt, ob die nazistischen Elemente in dieser Organisation nicht die Oberhand gewonnen haben. Sowohl Zermati wie auch Cohen waren •»egen ihrer liberalen Einstellung bekannt. Zermati, der nach der Befreiung Algiers als hoher Beamter im Innenministerium tätig war, war ein glühender Anhänger de Gaalles, während Cohen durch seine Arbeit zugunsten armer Mohammedaner in den Elendsvierteln allgemein beliebt war. In der vergangenen Woche verübten die Terroristen verschiedene Ueberfälle auf Juden und jüdische Geschäfte. So wurde Josef Peres, de: Nachtwächter in einer Synagoge war, von einem Terroristen rücklings erschossen. Dieser Mord ist anscheinend darauf zuriiekzuführen, dass Peres sich geweigert hatte, seine Wohnung einem Mohammedaner zu überlassen, der sie gern für sien haben wollte. ,. ,, „ Ueber 50 plastische Bomben, die Lieblingswaffe der algerischen Rebellen sowie der französischen Gsheimo.- ganisation, welche gegen die algerische Unabhängigkeit kämpft, wurden an einem einzigen Tage zur Explosion gebracht, uqd 20 dieser Bomben wurden gegen jüdische Geschäfte geschleudert. Dr A. Zaffran, Mitglied des Verwaltungsrates der Zionistischen Föderation Algiers, bemüht sich, das Land zu verlassen, nachdem er mehrmals anonyme Zuschruten von den Geheimbündlern erhalten h t, die ihm den Tod androhen. Zaffran war intim mit dem Polizeikommissar Goldenberg befreundet, der vor kurzem een Mordbuben zum Onfer fiel. Die Verschlechterung der allgemeinen Bedingungen in Algier trat ein, nachdem sich die Auswanderung der Juden nach Frankreich verstärkt hat. (ITA) Gewiss leben wir in einer Zeit, in welcher sich die Ereignisse überstürzen und immer neue Eindrücke auf uns wirken. Es gibt jedoch im Leben des einzelnen Menschen wie der Gemeinschaft Begebenheiten, die von so einschneidender Bedeutung sind, dass sie das Leben ändern, ein« Entwicklung unterbrechen und eine Wandlung hervorrufen können. Die Novembertage des Jahres 1938 bedeuten für das Schicksal der ehemalig deutschen Juden eine solche Zäsur, einen solchen Wendepunkt, sodass es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dieser Geschehnisse Jahr um Jahr zu gedenken. Denn nicht nur das Leben des einzelnen Menschen hat eine Aenderung erfahren, sondern die Geschichte eines blühenden Zweiges am alten Stamm des jüdischen Volkes wurde in diesen Tagen und Nächten des November 1938 abgeschlossen. Wie eine Schlammflut war der Nationalsozialismus über die Weimarer Republik hinweggebrandet, die seit ihren ersten Tagen unpopulär ein deutsches Volk vorgefunden hatte, das für die schöne und grandiose1 demokratische Idee weder! vorbereitet noch abgeschlossen war. Die deutschen Juden, die seit einigen Jahrzehnten in einem steigenden Umfang die Wohltaten oürgerlicher Gleichberechtigung genossen hatten, allerdings j beinahe von der gleichen j Stunde ab, als sie ihre Bürgerrechte erhielten, sieh un-! erwartet in eine Verteidij gunggsstellung gedrängt sahen, begriffen sofort, dass und welche Aussichten ihnen die Weimarer Bepuolik hietea konnte, die auf dem Gedanken der Gleicnheit aufgebaut worden ist. Erstmalig nach vielen und langen Jahrhunderten sollten in Deutschland die Schranken die jemals geschrieben wur- . den. Aber das Volk verstand I diese Parolen nicht, es war | nicht reif für Se’bstbesümj mung und innere Befreiung; noch waren die Stöcke, mit denen man dieses Volk ge drillt und geprügelt hatte, und die es schluckte, um in diesem Heineschen Bild zu bleiben, nicht verdaut worden. Noch war es zu tief in eine Vergangenheit verflochten, die unfrei war, um die Segnungen der Demokratie, des Friedens und der Gleichheit aller Menschen zu verstehen. So musste es einer Bewegung anheimfallen, die an die Stelle de« eigenen Denkens den Paradeschritt setzte, und die ¿eine eigene Verantwortung son- Zum Rücktritt gezwungen Casablanca. — Marc Sabbah, der Vizepräsident des Jüdischen Comités von Casablanca, wurde gezwungen, dem Gouverneur von Casablanca, Oberst Driss Ben Amar, seinen Rücktritt zu erklären, weil er an der Tagung der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses am vergangenen 20. August teilgenommen hat. (ITA) ständlisclien Dünkels einge-, dern nur Gefolgschaft forrissen werden. Jedem Bürger, gleich welcher Herkunft, sollte die grosse Cüance gegeben sein, jede Position zu erreichen, wenn er nur die erforderlichen Fähigkeiten hierzu besitzen würde. Freiheit und Gleichheit für alle, das bedeutet die Wei, marer Verfassung, die in ihrem gedanklichen Aufbau vielleicht eine der grössten und besten Verfassungen ist, Unterdrückung jüdischer Kultur Chicago. — Ein Bericht aus erster Quelle über die Unterdrückung der jüdischen Kultur in der Sowjetunion wurde hier von Label Katz, dem Präsidenten der Bne Brit, erstattet, der auf einer Veranstaltung des Wohlfahrts-Fonds von Chicago vor über 300 Personen sprach. Katz informierte seine Zuhörer, es habe vor kurzem „einige recht bescheidene Forschritte im Kulturleben der zweieinhalb Millionen Juden in Russland gegeben, u. a. mehrere Konzerte, bei denen die Kompositionen jüdischer Musiker in Moskau und Odessa zu Gehör gebracht wurden, einige Aufführungen des Jüdischen Theaters in Moskau, welche stark besucht waren. Die Tatsache, dass diese Veranstaltungen stattgefunden haben, sei ein günstiges Zeichen.” Label Katz, der im vergangenen August an der Spitze einer jüdischen Mission Sowjetrussland besucht hat, verwies darauf, in welchem Gegensatz die Abwürgung der jüdischen Kultur in der USSR zu der freien Entfaltung jüdischen Kulturlebens in den USA steht, wo die Juden Herren ihres Schicksals sind und ihren Kindern eine jüdische Erziehung geben können, während es z. B. in Moskau, einer Stadt mit einer halben Million jüdischer Einwohner, nur eine einzige Synagoge und zwei kleine Gotteshäuser gibt. (ITA) derte. Und dieser Ge folg schaftswillen war so stark, dass er sich schliesslich über alle Hemmungen hinwegsetzte, die durch Tiadition, Erziehung, Religion und ein natürliches menschliches Anstandsgefühl gesetzt sind. Während die Weimarer Republik ein Volk aus wilhelminischer Sk.averei zu eigener Schicksalsgestaltung erheben wollte, liess sich dieses Volk bereitwillig in einen Zustand der Barbarei zurüekstossen. Die Deutschen haben nach dem nazistischen Zusammenbruch oft genug erklärt, sie würden selbst nicht mehr begreifen, wie Deutscne zu solchen Verbrechen iühig gewesen wären. Es mag auch unverständlich sein, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es geschehen ist. In dem Augenblick, als sich die Deutschen zu demokratischem Denken und Leben anschickten, begann der Auflösungsprozess, der schliesslich zum Chaos geführt hot. Eine ähnliche Erscheinung des beginnenden Schinder und Henker zu machen. Die Bürgerrechte wurden in wenigen Stunden vernichtet. Nicht genug, die Menschenree,->te wurden zertrümmeit. Nicht der Wert des Menschen war entscheidend, sondern seine rassische Abstammung, wobei zoologische Begriffe und zynische Perversitäten a die Stelle der Vernunft ges-etzt wurden. Die grosse Begegnung der Deutschen und der Juden endete in einem nazistischen Blutbad. Manche — auch jüdische —• Hvtoriker sprechen von ei rer geheimnisvollen Anziehungs- und Abstossungrikra'*;, die im jüdisch-deutschen Kräfteield wirksam sein sollte. Gewiss gibt es gewisse Aehnlichkeiten in der Vorstellungswelt, ob di-se aber grösser sind als zwischen anderen Völkern, kann dahingestellt bleiben. Sicher ist, dass aus der Begegnui-g von Juden; mit Deutschen einzigaitige endlich die wirkliche, die i Ijeistunesiii e. wuchsen. Erst vo.le Gleichberechtigung , diese deutsche Generation jksen J^j beginnt zu ahnen welche - kulturellen und menschlichen Werte vom Dritten in seinem Rassen- Denker und Dichter in wej sollte es sich niemals wie* nigen Jahren das Volk der der erholen. reits die Widerstände in den christlichen Kreisen, die jene Gleichberechtigung am j Reick liebsten bereits widerrufen wollten, bevor efe ausgesprochen war Hierbei ging es zunächst durchaus nicht nur um antisemitische Tendenzen, obwohl die Juden diese Erschemungen sofort als diskrim natorisch betrachteten. Die Freude über den endlichen Sieg ihrei alten Forderung, ein vollberechtigter deatscher Bürger zu sein, liess viele Juden ihr Judentum vergessen und zur Taute -a umein. Hier geht es nicm um moralischa Wertungen, ob dieses Verhalten gut oder schlecht war. Politisch war es töricht, was ’ic spätere Geschichte lehren sollte. Tatsache bleibt, dass es eine organis!erto antisemitische Bewegung in Deutschland erst seit dem Augenblick gibt, in welchem die Juden ihre Gleichbere htigung bekamen. Offensichtlich ist das deutsche \olk für den antisemitischen Gedanken prädestiniert. Hitler wahn zerstör*- worden sind. Was in einer beinahe zweitausendjährigen Entwicklung aufgebaut worden ist, wurden in wenigen Jahren ausgelöscht. Das deutsche Judentum, das einst so stolz seine Anfänge in die Römerzeit zurücklegte, als zwar Juden, nicht aber Deutsche am Rhein lebten, wurde in der einen Novembernacht vom neunten zum zehnten November 1938 zerschlagen. Von diesem Attentat gegen seine Existenz Seit dem 9. und 10. November 1938 gibt es kein deutsches Judentum mehr. Es gab nur noch eine freiwillige und eine zwangsweise Liquidation der noch verbliebenen Juden, von denen sich ein 'eil ins Ausland retten konnte, der andere Teil deportiert, erschlagen, ausgehungert, vergast oder auf andere Weise ermordet wurde. Die stolzen äusseren Zeichen einstiger jüdischer Pracht in Deutschland cli» alten Bau- und Kulturdenkmäler die aus früheren Jahrhunderten in diese Zeit hineinragten, wie die modernen Prunkbauten der Synagogen aus der wilhelminischen Aera wurden in dieser einen Nacht niedergebrannt. Es blieb nichts übrig. Die schändlichen Berichte über die Ausführung der .anbefohlenen’ Verbrechen sind zu einem gu^en Teil erhalten geblieben. Es war .deutsche Wertarbeit” geleistet worden, mit Fleiss, Exaktheit, Pünklichkeit hatte man die Gotteshäuser argesteckt, darüber gehütet, dass die Nebengrundstücke nicht mitabbrannten, dass alles Mobiliar zerschlagen wurde, dass die Fensterscheiben klirrten und die Juden in entsprechender Form gedemütigt werden. Das var der 9. November. Wir wussten damals nicht, was noch alles folgen würde. Gewiss sind die Verbrechen des 9. und 10. November 1938 nur unbedeutende Präludien gegenüber soäterem Geschehen. Abc. dieser grosse Raubzug gegen tie Juden war c' e letzte Generalprobe für Hitler und sei- (Schluss aut Seite 2> Verfalls im Anfangsstad um war übrigens nicht deerste Hetzer der in Deu schland einen Er.olg hatte, wie er in anderen Ländern bisher nicht möglich war Mit den törichsten Redensarten, die heute selbst auf Deutsche, die vordem Hitler zujubelten keinen Eind* uck machen, gelang es diesem Fanatiker aus dem Volk der einer lang ersehnten Aufwärtsentwicklung körnen wir bei der Geschichte der Juden in Deutschland beobachten. Als nach langen Kämpfen, die sich über Dezennien erstreckten, die Juden in Deu.schland in den Genuss der biirgerlii hen liechte gelangten, die ihnen Eine Resolution der Knesset _ Jerusalem — Die Knesset stimmte mir 68 gegen 7 Summen dafür, dass die einzige Lösung de« Problems der arabischen Flüchtlinge ihre Wiederansiedlung m den arabischen Ländern sei. Eine Resolution in diesem Sinne wurde von sieben Parteien gemeinsam beantragt. Nach einer vierstündiger Debatte stimmten nur die Mapam und die Kommunismen «egen diesen Beschluss. " Die Debatte wurde mit einer Ansprache ton Aussenmmister Golda Meir abgeschlossen. Die Resolution bezieht sich auf eine Erklärung über diese Frage, die Ben Gurion im vergangenen Mona* vor der Knesset abgegeben hat. Darin führte der Ministerpräsident aus, er müsse den „hinterlistigen Vorschlag, den arabischen Flüchtlingen die „Option” zu emer Rückkehr nach Israel ireizustellen entschieden zuruckweisen, da eine solche Poliiik nur darauf hinziele, Israel zu zerstören. (ITA)

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