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Jüdische Wochenschau · 1961-10-24 · 1918 (24.10.1961) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1918 (24.10.1961)
Date
1961-10-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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A«© XXII, — No. 1918 — 7 Martes? 24 de Octubre de 1961 la semana israelita Theodor Herzl PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 ■ILION Der millionste Einwanderer seit der Gründung des Staates im Jahre 1948 kam vor kurzem anonym in Israel an und ist jetzt bereits damit beschäftigt, sieh in eine vollständig neue Umgebung einzuordnen. Dies ist zweifellos das schönste Neujahrgeschenk für das Volk Israel. Seine Ankunft, wie die seiner 999,999 Vorgänger aus 79 verschiedenen Ländern, wurde nicht mit Pauken und Trompeten geleiert. Die Beamten des Haifaer Hafens waren zu sehr in Anspruch genommen, ihn mit allem Nötigen auszustatten und ihn für die Fahrt zu seinem neuen Heim vorztfbereiten. Der grösste Teil der Tagespresse erwähnte dieses Ereignis nur kurz auf der letzten Seite. Falls dieser millionste Einwanderer der Mehrzahl derer, die vor ihm kamen, glich, so kam er ohne einen Pfennig in der Tasche an, sprach eine fremde Sprache und war nach fremden Bräuchen erzogen. Wie sie alle wird er zu Israels Stärkung beitragen und wieder einmal beweisen, dass selbst die ärmsten Einwanderer oder Flüchtlinge eine ungeheure Kraftquelle für ihr Gastland darstellen, wenn sie praktische und moralische Unterstützung für ihre Ansiedlung und Verwurzelung im Lande erhalten. Die Ankunft des millionsten Einwanderers illustriert die bereits statistisch festgestellte Tatsache, dass die ,.Neueinwanderer” jetzt die Mehrheit der Bevölkerung Israels darstellen und dass die Verantwortung für das materielle Wohlergehen und den Frieden des Staates, die zur Absorbierung weiterer Einwanderer notwendig sind, grösstenteils auf ihren Schultern liegt. Nach israelischem Recht kann jeder Jude, der es wünscht, sich in Israel niederlassen. Der überwiegende Teil der Einwanderer ist jedoch mittellos, und seine Reisekosten müssen von der Jewish Agency getragen werden. Die Einwanderung der letzten dreizehn Jahren war grossen Schwankungen unterworfen. Infolge der stän dig wechselnden Bedingungen in den Herkunftsländern der Einwanderer war der Zustrom sehr ungleichmässig. In den Jahren 3948-49 z B. war es sehr dringlich, den Flüchtlingen und Ueberlebenden der Konzentrationslager in Deutschland, Oesterreich und Italien die Möglichkeit zur Einwanderung zu geben. Gleichzeitig und bis zum Jahre 1951 drängten ebenfalls die Juden in den osteuropäischen Ländern darauf, nach Israel kommen zu können. In anderen Ländern, wie Irak und Aegypten, wurde die Auswanderungs - Erlaubnis nur innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erteilt. DER ERSTE KONTAKT von P. E. LAPIDE die Beamten telegrafisch die Behörden in Haifa, wieviele der Einwanderer bei ihrer Ankunft von Verwandten erwartet: werden, ob Fälle vorhanden sind, die Unterbringung im Krankenhaus benötigen und wieviel Wohnungen bereit gestellt werden sollen. Jeder Einwanderer erhält seine Papiere, die ihm sein Bürgerrecht bescheinigen, bevor er israelischen Boden betritt. Bei der Ankunft können die verschiedenen Kategorien schnell entsprechend ihren besonderen Bedürfnissen a'bgefertigt werden, und in den meisten Fällen verbringt jede Familie ihre erste Nacht im Lande in ihrem eigenen Heim. Früher liefen die Dinge nicht so glatt wie heute, ln der ersten Zeit nach der Staatsgründung fehlten im Lande alle Verbraucherwaren und die meisten Baumaterialien. Daher war die erste und wichtigste Aufgabe, den Neuankömmling mit Nahrung und einem Dach über dem Kopf zu versehen. endgültig untergebracht. Wären nicht die Hunderte von Dörfern, die von der ersten Million der neuen Israelis errichtet wurden, so wäre der grösste Teil des Landes noch heute öde, der allgemeine Lebensstandard viel niedriger und die Industrieproduktion hätte nicht verviel'aeht werden können, wie es in etwas mehr als einem Jahrzehnt geschehen äst. Es ist grösstenteils diesen neuen Siedlungen zu verdanken, die von der landwirtschaftlichen Siedlungsabterlung der Jewish Agency gegründet wurden, dass Israel jetzt 75 Prozent seines Lebensmittelbedarfs er zeugt und auf diesem Wege grosse Devisenbeträge einspart, die fiir die Erschliessung weiterer grosser unentwickelter Gebiete verwendet werden können. ln den letzten dreizehn Jahren hat Israel viel Geschick darin bewiesen, die Neulinge in überraschend kuzep ¿eit in erfahrene Pio- NACHRICHTEN AUS ISRAEL niere zu verwandeln. Heute betragen die Neuemwanderer 75 Prozent der Bevölkerung aller Entwicklungsgebiete, deren Städte im Aufblühen begriffen sind. Ihre Erbauer sind stolz aui ihre Pionierleistungen, die sich mit denen der Idealisten messen können, die vor der Staatsgründung ins Land kamen. 24 neue Städte und 224 neue Dorier von Galiläa big zum Roten Meer liefern den Beweis, dass Armut. und kutlurelle Verschiedenheit kein Hindernis sind, um aus einem Menschen in kurzer Zeit einen wertvollen und nützlichen Bürger zu m a eben. Der millionste Einwanderer, der direkt „vom Schiff zur Siedlung” gebracht wurde, wird sicherlich, ebenso wie seine Vorgänger, seinen Beitrag zum Aufbau des Landes leisten und helfen, den Weg für die zweite Million zu ebnen. Der Erste dieser zweiten Million langte gleich am folgenden Tage iim Haiiaer Hafen an, nachdem der Millionste der ersten Million die Küste Israels erreicht hatte. SALZSTRAEUCHER IM NEGEW Das Landwirtschaftsministerium gab bekannt, dass auf 3.000 Dunam Boden im Negew. der für normale landwirtschaftliche Zwecke ungeeignet ist, Salzsträucher angebaut wurden und dass nach Wunsch von 10 Siedlungen, die sich an den Anbaukosten mi1 60 Prozenl beteiligen wollen, der Anbau von weiteren 3000 Dunam vorgenemmen werden soll. Zu diesem Zwecke wurden bereits 300.000 Setzlinge in der Baumschule von Newatim bereitgestellt. Die Abteilungen für Bodenkonservierung und landwirtschaftliche Entwicklung bereiten jetzt gemeinsam die Schaffung einer aus Salzsträuchem bestehenden Weideflaehe auf 100.000 Dunam zwischen Dimona und Beer Schewa vor. Diese soll den Herden der Beduinen in regenarmen Jahren Nahrung liefern. ANBAU VON TABAK Die der Jewish Agency und dem Slaate gehörende Gesellschaft „Alej Tabak” (Tabakblätter) begann eint Ver- Meistens findet erste offizielle Kontakt mit dem zukünftigen Einwanderer nicht in Israel selbst, sondern an Bord des Schiffes statt. Beamte der Jewish Agency interviewen den zukünftigen Israeli, um seine Fähigkei len, Absichten und Bedürfnisse kennen zu lernen. Nachdem die Registrierung beendet ist, benachrichtigen VOM SCHIFF ZUR SIEDLUNG Die Periode der Transitlager und der provisorischen Unterbringung dauerte fast vier Jahre. Im Jahre 1952 gelangte man endlich dahin, dass man die provisorischen Lager absebaffen und die Einwanderer direkt vom Schiff in die neuen Dörfer und Städte bringen konnte, wo ihre endgültige Wohnung — mit einer gutgefüllten Vorratskammer— auf jede Familie wartete. Am nächsten Morgen schreibt sich das Familienoberhaupt beim Arbeitsamt ein, während seine Frau zur nächsten Schule oder Kindergarten geht, um ihre Kinder anzumelden. Für Aerzte, Ingenieure und andere Fachleute unter den Neueinwanderern hat dte Jewish Agency Seminare zur intensiven Erlernung der hebräischen Sprache eingerichtet, wo sie die Grundlagen in drei Monaten erlernen können. Einwanderer, die weder Familie im Lande noch eigene Mittel oder einen Beruf haben, bekommen anfangs vom Ar. beätsministerium ungelernte Arbeit zugewiesen. Das Ministerium hält auch Ausbildungskurse für Neueinwanderer ab. Falls es bei der Landwirtschaft keine Saisonarbeit gibt, wird der Einwanderer auf dem Bau oder bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Wenn er Initiative bat, wird er von einer der vielen Gelegenheiten zur Fachausbildung Gebrauch machen. Bei der wachsenden Industrialisierung der neuen Entwicklungsstädte kann er annehmen, dass er im Laufe eines Jahres seine Gelegenheitsarbeit aufgeben und eine feste Arbeit erhallen kann. HUNDERTE VON NEUEN DOERFERN Von der ersten Million Einwanderer, die bis Juli 3961 ankamen, erhielten 692.618 Wohnungen in Städten und Entwickiungsgebieten und 170.579 in landwirtschaftlichen Siedlungen. Nur 7,6 Prozent sind noch nicht Die Tagebaecher Theodor Herzls von JOSEF FRAENKEL ,,Thc comp'iete diaries of Theodor Berzl”.. Edited by Raphael Patai and translated by Harry Zohn. (V. Voiumes, Boxed, Herzl Press and Thomas Yoseloff, New V ork). Die Veröffentlichung des vollständigen Textes der Tagebücher von Theodor Herzl in englischer Sprache ist ein wichtiges Ereignis in der zionistischen Literatur, Seit Jahrzehnten verlangte man die Herausgabe einer ungekürzten Ausgabe dieser Tagebücher und auch eme Uebersetzung ins Englische Beides geschah jetzt und deshalb sollte man diese hervorragende Leistung loben und feiern. Die englische U euer Setzung und die Bekanntgabe des vollen Textes haben ihre Vorgeschichte, ln seinem Testament verlangte Theodor Herzl (1860—1904) dass seine Feuilletons, Artikel, Theaterstücke und seine Tagebücher veröffentlicht werden sollten. Eine Kommission sollte gebildet werden, mit Prof, Leon Kellner, der gemeinsam mit anderen zionistischen Freunden die Herausgabe und die Sichtung des Textes übernehmen sollte, ln den Jahren 1922—1923 erschienen die Tagebecher in deutscher Sprache (Jüdischer Verlag, Berlin). Die Redaktion bestand aus Leon Kellner, Martin Buber, S. Kaznelson und Hans Herzl. Viele Stellen wurden weggelassen, da man Rücksicht auf lebende Personen nehmen wollte Auch wurden Sätze intimer Natur nicht publiziert. Später hörte man hie und da Stimmen, die die Veröffentlichung des vollen Textes — ohne Streichungen verlangten, ln Israel werden jetzt. — gemäss dem Wunsche Herzls — alle Schriften, Reden und Briefe in hebräischer Sprache her der Direktor des Zionistischen Zentraiarchivs (Jerusalem) und Verfasser der bekannten Herzl-Biographie, hatte die grosse Aufgabe übernommen Bis nun erschienen acht Bände und weitere acht oder zehn sollen folgen. In englischer Sprache wurden Fragmente aus den Tagebüchern veröffentlicht, so von Maurice Samuel Jakob Hodess (in Journal „New Judea”) und von anderen. Im Jahre 1956 erschien eine gekürzte Ausgabe, übersetzt von Marvin Lowenlhal. So wurde zum ersten Mal der Oeffenllichkeit eine volle, ungekürzte englische Ausgabe der Tagebücher übergeben. Raphael Patai als Redakteur hat seine Arbeit gewissenhaft und erfolgreich durehgeführt. Es war keine leichte Sache. Er brachte hunderte Notizen und Anmerkungen, beinahe eine Enzyklopädie für sich, um dem Leser ein Bild über fast, alle Personen, die in den Tagebüchern erwähnt werden, zu geben. Auch erklärte er geographische Namen, Titel von Büchern und Theaterstücken, politische und literarische Begebenheiten, die Herzl nur zitiert batte. Man könnte binzufügen, dass Patai in dieser Hinsicht Kellner und Bu'ber bei weitem überlroffen hat. Der Leser wird Dr Raphael Patai, der Verfasser mehrerer Bücher und Herausgeber der „Herzi- Jahrbücher” ist, recht dankbar sein. Harry Zohn ist ein Meister der deutschen und der englischen Sprache und seine Uebersetzung ist natürlich und ungekünstelt. Man denkt gar nicht, dass es sieh hier um eine Uebersetzung bandelt. Es liest sich wie ein geistreiches Gedicht, bald wie ein phanta ausgegeben., Dr. Alex Bein, stischer Roman und dann wie ein Vciksepos. Herzl gehörte zu den besten Schriftstellern und anerkanntesten Feuilletonisten Wiens, Seine Sprache war dieeines Künstlers, reich an Ausdrücken und fiiessend. Manchmal ruhig wie ein Bach, oft stürmisch wie ein wilder Strom, aber immer frisch wie eine Quelle. Man könnte sagen, dass Harry Zohn, der aus Wien stammt und heute Professor an der Brandeis Universität ist, alles, was Herzl schrieb, nicht übersetzt, sondern ins Englische durchdacht hat. Liest man Harry Zohn, dann erkennt man Theodor Herzl in seiner Sprache. Das hätte nicht jeder Uebersetzei machen können-. Dazu muss man eine natürliche Begabung besiizen, und diese hat Harry Zohn. Für die englische Ausgabe hatte ausserdem Oskar K Rabinowiez eine Zusammenstellung aller „Decknamen”, die Herzl oft in den Tagebüchern, in seiner Korrespondenz und Telegrammen gebrauchte, gemacht und diese erklärt. „Kobn” war z. B der Deckname für den Sultan, „Neffe” bedeutete Kaiser Wilhelm und „Kipper” — Joseph Chamberlain. Rabinowiez. — wie immer — ist genau, und man kann sieb auf seine scholastische Gewissenhaf tigkeit verlassen. Herzl, der Begründer des modernen Zionismus, butte den Weg für die Baii'oui Deklaration gebahnt und ist der Vater des Staates Israel. ln seinen Tagebüchern wird die Entstehung des politischen Zionismus dargestelit, mit allen seinen dramatischen und stürmischen Kämpfen. Ein Mann, Theodor Herzl. trat, auf und be einflusste das Schicksal des jüdischen Volkes. Zuerst war er mit seiner Idee und mit seinem Streben naen einem Judenstaat allein. Er wirbt um Mitstreiter/ geg, össerung ihrer in Safed befindlichen Lagerräume vorzunehmen, welche zur Ve-i arbcitung und Aulbewahj ung von Tabak dienen. Das Ziel der Gesellschaft ist, über genügend Raum zur Einlagerung des Halbfabrikates und der ' öligen Produkte im kamtgewicht von 1 00f ennen zu »erlügen. lleute'Yiat sie nur für ein Drittel dieser Menge Raum Die Gesamtanbaufläche von Tabak belrägt heute 40.000 Dunam, und die jährliche Tabakernte beläuft sich auf etwa 2.000 Tennen. DIE ERSTE. MILLION Der millionste Einwandeier seit Gründung des Staates ist vor kurzem im Lande eingetroffen. Diese Million stammt aus 79 verschiedenen Ländern in allen Erdteilen: 450.000 kamen aus Europa, 280 000 aus Asien, 250.000 aus Afrika, 20.000 aus Amerika und Australien Jetzt weilen bereits die ersten Einwanderer der zweiten Million im Lande. Die Zahl der heute in Israel lebenden Nichtjuden beträgt 223.600; hiervon sind 152.000 Moslems, 47,500 Christen und 23.500 Drusen. EINWANDERER AUS SUEDAFRIKA Eine Gruppe von 31 jungen Familien aus Südafrika ist kürzlich im Lande eingetroffen. Alle diese Familien haben die Absicht, sich in Israel dauernd niederzulassen; 5 wollen verschiedenen südafrikanischen Siedlungen beitreten, während die anderen einstweilen in den Uipanim von Nathania und Petach Tfkwa intensive Hebräischkuise absolvieren; PUPPENTHEATER Eine Gruppe von Neueinwanderern, die vor kurzem im Lande eintraf und eine Anzahi von Marionetten mitbrachte, hat vor einigen Wochen ein Puppentheater eröffnet. winnt Freunde, besucht Staatsmänner, Minister, Könige und den Papst. Er organisiert das jüdische Volk, verhandelt mit dem deutschen Kaiser, mit dem Sultan, mit der englischen Regierung und mit Russland. Und als er alles aufgebaut hat, will eine Opposition ihn verdrängen. Aber bis zum leizten Augenblick baut und schafft er Instrumente, die später zur Bildung des Judenstaates geführt haben. Herzl schildert auch seine persönlichen Erlebnisse, seine Gespräche mit Journalisten, Künstlern und Dichtern. Jede Seite der Tagebücher bedeutet Spannung und Erregung. Herzl schrieb eigentlich ein historisches Drama, und der Leser wird sich inspiriert fühlen. Endlich besitzen wir die englische Ausgabe der Tagebücher in fünf Bänden, besonders geeignet iür die Jugend. Studenten solen Herzl lesen, und sk werden den Zionismus und di Debatte um den Zionismus verstehen. Es ist ein guLs Werk, und ein besseres wird man in der zionistischen Literatur nicht, linden, will man einem Verwandten oder einem Freund ein schu, es und wertvolles Geschenk machen — so schicke man ihm „The Complctc Diaries of Theodor ’ .

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