Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1918 (24.10.1961)
- Date
- 1961-10-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9616703-9612115-9612819--1701-9612823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein Hitler - Film ohne Beifall LITERATlR unt ‘Wiprlrfsr oin UH- _ ■■ mii ■■ —r _ „Wieder einmal ein Hitler-Film“, so hörte man Kommentare der Durchschmttsdeutschen, und manche sagten, ..Warum hört man nicht endiich einmal damit auf!“ Dies geschah am 1. September 1961 in Hamburg, als die Polizei die Strassen zu den Urauffübrungskino, in dem die Welturaufführung, des Films „Das Leben Adolf Hitlers“ statlfand, für den allgemeinen Verkehr absperrte. Es ’wiederholte sich auch hier die Erscheinung, die man in Deutschland während des Eichmann-Prozesses erlebte. Die wenigen Deutschen, die mehr oder weniger gegen die Nazis und das Regime kämpften, sind der Meinung, dass man einerseits viel zu wenig, andererseits zu wenig einleuchtend gerade vor der deutschen Oeffentlichkeit die Vergangenheit der Nazigreuel Vorfahrt und anprangert. Die früheren Nazis natürlich, aber auch die Indifferenten, die sogenannten „Mitläufer“ vertreten sehr laut die Meinung, man solle doch endlich mit diesem Geschwätz aufhören, das, was die Russen machten, war doch viel schlimmer. Hinzugekemmt, dass dieses Gerede jetzt noch mehr durch das kommunistisch - deutsche Vergehen gegen Berlin an Gewicht und Popularität zugenommen hat. von M. KILAI Man soll nicht glauben, dass man sich in Deutschland nicht für Hitler und seine Vergangenheit interessiert. Es wird ein schwungvoller Handel mit echten und gefälschten Hitler-Souvenirs getrieben. Man trifft in braven, biederen deutschen Familien „Historische Andenken“ aus der Hitlerzeit, gar nicht gesprochen von Bildern der gesamten Familienmitglieder in Nazi-Uniformen, und so manche Mutter, die sicherlich darauf bedacht ist, eine gute deutsche Demokratin zu sein, zeigt mit: Stolz ihrer beranwachsenden Tochter ihre Fotografien aus der schönen alten guten Zeit, in der sie Mitglied von Hitlers BdM war. Bei manchen Familien trifft man noch heute Souvenirs und andere Sachen, die eindeutig aus einem polnischen jüdischen Städtchen stammen, aber niemand will es den Juden abgenommen, geschweige denn Juden ermordet haben. Der Katechismus Adolf Hitlers, „Mein Kampf“, wird ebenso als unverkäufliches Buch in jeder Familie aufbewahrt. Als ein Journalist. David Bronsen, einen Zettel an Autobus- Haltestellen anheftete: „Amerikanischer Universitätslehrer möchte Exemplare von ,Mein Kampf“ kaufen“, war der Erfolg, dass Bronsen in drei Tagen elf Telefonanrufe bekam und alle elf Interessenten kamen mit dem Buch Hitlers und waren bereit, unter gewissen Bedingungen diesen wertvollen „Schatz“ abzugeben. Für die Geisteshaltung dieser Deutschen ist es bezeichnend, dass einer z. B. sagte, Hitler habe zwar ein paar Fehler gemacht. im übrigen aber habe er die Arbeitslosigkeit beseitigt und die wunderschönen Autobahnen gebaut. Ein Zweiter brachte ausser Hitlers Buch auch noch das Stürmerbuch von Julius Streicher, die „Hofjuden“ mit und erklärte würdevoll, „er trenne sich nur sehr widerstrebend von diesen Büchern, da man ihnen, wie einer Weltanschauung treu bleiben müsse.“ Es kam auch einer, der gut englisch ARNOLD ZWEIG MARG4RETE SUSMAN JHW» fr " i- ' v “* v rjl äi m§. A"-: í ' . V ' ' d:'- Frauen der Romantik 1. veränderte und erweiterte Ausgabe 178 S. mit 16 Bildnissen aut Kunstdruckpapier, in Leinen gebunden 12,80 DM. Joseph Melzer Verlag, Koeln MOZARTSTRASSE 13 sprach, das Buch verschenken wollte, da er von Hit. ler kuriert sei. Aber es kam auch ein anderer, ein Taxifahrer, der verschiedenes an Hitler auszusetzen hatte, aber trotzdem Hitler lobte, da dieser sich um den „kleinen Mann“ immer gekümmert habe. Als man anfing über die heutigen Zustände in Deutschland zu sprechen, sagte der Taxifahrer: „Das wäre bei Hitler ganz ausgeschlossen gewesen!“ Das sind die unverbesserlichen Deutschen. Wie es letztens ein Journalist, John Dornberg, in einem Buch im Macmillan-Verlag, mit dem Titel „Schizophrene Germany“ darzustellen versuchte. Man kann sich keinesfalls mit Dornberg und seinen Begründungen identifizieren, weil er für gute Absichten und wahrheitsnahe Feststellungen unobjektive Motivierungen gebraucht, indem er einfach in diesem Buch die Hasspropaganda der ostdeutschen Lautsprecher gegen Westdeutschland kritiklos übernimmt und sie sieh als historische Feststellungen aneignet. Eines ist aber bei Dornberg klar, nämlich, dass die Deutschen nichts dazu tun wollen, damit die Vergangenheit überwältigt werden kann, weil sie sich gern einreden, sie hätten ja Hitler nicht gewollt, aber sie möchten gern, dass die Vergangenheit irgendwie automatisch überwältigt oder verjährt sein soll. Alle bisherigen Filme über den Nationalsozialismus und die Hitler Epoche waren Darstellungen und Veranschaulichungen der Massaker des Naziregimes und des ungeheuren Elends, das Hitler und seine Kumpane durch ihre Wahnidee angerichtet haben. Anders ist es mit dem jetzt uraufgeführten Film „Das Leben Adolf Hitlers“. Vielleicht wird der Titel des Films diesem Streifen nicht gerecht. Besser ist der Titel des Buches, welches die Grundlage zu dem Filmmanuskript war und vom Kurt Desch-Verlag in München herausgegeben wurde. Sein Titel ist: „Hitlers Aufstieg und Untergang des Dritten Reiches“, sein Verfasser, Robert Neumann, und Helga Koppel, die Frau des Filmproduzenten und Chef des Unternehmens Real Film Walter Koppel, hat ihm dabei assistiert. Das Buch könnte auch heissen: „Dokumente in Bildern“ denn die sehr verlässlichen Unterlagen werden durch 500 dokumentarische Bilder veranschaulicht. Der Film zeigt natürlich in einer sehr deutlichen Sprache wie das deutsche Volk in religiöser Ekstase bei den Hitlerparaden den „Führer“ anhimmelte, und wenn man diese Paraden von Millionen Deutschen auch in den Filmdokumenten veranschaulicht sieht, dann gibt es keinen Zweifel, dass die Weimarer Demokratie in diesem Film richtig als eine Demokratie ohne Demokraten charakterisiert wird. So ist dieser Film besonders hervorzuheben, weil er im Gegensatz zu den bisherigen Nazi-Filmen nicht das deutsche Volk dazu erzielen will, die durch die Nazis verübten Missetaten nicht zu wiederholen, sondern in einer klaren dokumentarischen Linie aufzeigt, dass die Nazischmach und ihre Taten nur dadurch möglich waren weil neunzig Prozent des deutschen Volkes für Hitler stimmten und ihn gewähren Hessen, dass viele Millionen Deutsche dem Führer Spalier standen und ihn in seinem Wahnsinn bestärkten. Diese historische Anklage ist nicht nur eine Anklage für die Vergangenheit, sondern auch eine Warnung und Anklage für heute, und man stellt sich nach diesem Film die Frage, ob die jetzige Bonner Demokratie Demokraten hat. Als nach dem Film, obzwar es eine Welturaufführung war, kein Beifall erklang, nahm ich an, dass die anwesenden Deutschen von diesem Film so erschüttert und beeindruckt waren, dass sie sich stumm der darin enthaltenen Anklage unterwarfen. Ich glaubte am nächsten Tag, dass ich es mir zu einfach gemacht habe, denn die einwandfreie demokratische Zeitung „Die Welt“ erschien am nächsten Tag mit zwei Kritiken über diesen Film mit den Uebersehriften „So einfach war es doch nicht“ und „Achtbar aber mit Schwächen“. „Die Welt“ gab sich in diesen zwei Artikeln grosse Mühe, möglichst viele Haare in der Suppe zu finden, um den Film zu diskreditieren. Wenn die „Deutsche Soldatenzeitung“ daran Anstoss genommen hätte, dass der Film als die Mitschuldigen die Grossindustrie, die Grossgrundbesitzer, die Generäle und Generalfeldmarschall v. Hindenburg „Das Bollwerk der Reaktion“ bezeichnet und vielleicht noch dazu wie die demokratische „Welt“ folgenden Satz von sich gibt: „Und di-e deutschen KZ ■ wurden, wo sie einsatzbereit waren, mit Vergnügen von dem ,armen Stalin“ gleich weitergeführt“, dann würde die „Soldatenzeitung“ ihrer Weltanschauung Ehre machen. Wenn aber eine Zeitung wie die „Demokratische Welt“ dies tut, so hat sie damit ihre demokratische Linie und Weltanschauung auf das äusserste verletzt, und es ist vielleicht verständlich, wenn die „Welt“ sehr verärgert war über die Tatsache, dass in dem Film der Stalin—Hitler-Pakt so dargestellt wird als ob Stalin von den Westmächten zu dem Pakt mit Hitler gedrängt wurde, aber trotzdem kann dies das skandalöse Verhalten, das die „Welt“ sich bei der Besprechung dieses Filmes leistete, nicht entschuldigen. Durchwegs waren die Zeitungen objektiver und lobten den Film sehr. So die „Frankfurter Rundscnau” welche schreibt: „Das Gespenstische daran: Diese Menschen, die da mit hellleuchtenden Augen ihrem „Führer“ zujubeln, sitzen heute in der Strassenbahn Gute ErfolgiderM MERFAERBER,Tel^ Die Midraschijat Noam ist eine neue Schöpfung, ein Jeschiwa - Mittelschul - Internat. Um Kindern aus religiösen Häusern nach Absolvierung der Volksschule, die in Israel acht Jahre dauert, vollen Mittelschulunterricht und gleichzeitig auch intensive Weiterbildung im traditionellen Schrifttum innerhalb religiöser Atmosphäre zu ermöglichen, wurde die „Midraschijat Noam” vor 15 Jahren von mutigen, zielbewussten Männern in Pardess Channa gegründet. Im Jahre 1945 hatte sie 17 Schüler, jetzt lernen dort bereits über 300 und für das kommende Schuljahr sind 400 registriert. Die Schüler kamen nicht nur aus dem Inland, sowohl aus alteingesessenen Familien wie auch aus neu eingewanderten, sondern auch aus den USÄ, aus England, der Schweiz, Frankreich, Kanada, Uruguay und Peru. Die Nachfrage nach Plätzen in diesem Mittelschul-Internat ist weit grösser. als sein Fassungsraum. und die Leitung be- T«n hauptet, dass die Aufgenommenen Kandidaten ausgewj den mussten, da die Interessenten keiitl fanden. Ein Comité der ¡’i’îfltr befasst sich im Intajuj in einigen anderen mit der Aufbring 3 jg. nötigen Mittel zum Ausbau der „Kirja :•$_ draschija“, in der Jahre 1954 Intern ¡s^ bäude, das Schulhai*-^ ratorien, eine BiblicjÈfg. ne Klinik, Speisesäletej. ne moderne Küche efe wurden. Bisher sind} über eine Million IL} vestiert, teils aus von Förderern und sationen, teils aus lungsanleihen der rung. Nach dem neu! sollen nun weitere 1,5" nen IL aufgebracht ijg. vestiert werden. Vor Beginn des m Schuljahres sollen ei|«dterer Gebäudeflügel aüe ternat, Wohnungen füpte neben uns, fahren ins Büro, gehen ihrer Arbeit nach und sind ganz „normal“. Beinahe kommen einem Zweifel, ob es dieselben Menschen sind, ob es diese Zeit überhaupt gegeben hat. Um solche Zweifel zu beseitigen ist es gut, dass dieser Film läuft“. Das „Hamburger Abendblatt“ schreibt: „Man braucht, Mut das anzusehen, und Kraft, diesen Film zu bestehen. Einen Film, der schonungslos «ufdeckt, was der Mensch dem Menschen anzutun vermag.“ „Die Neue Presse“ Frankfurt schreibt: „Das was diesen Film auszeichnet, ist die Tatsache, dass er mit teilweise noch nicht gezeigten Aufnahmen den Weg „zum Sieg“ München, bis zum „Untergang“ Berlin eine fast lückenlose Dokumentation darstellt die die Frage „wie ist das möglich gewesen?“ zur Diskussion stellt.“ Das „Hamburger Echo“ meint, dass dieser Film ein Versuch sei, Hitler durch eine soziologische (nicht-materialistische) Geschichtsauffassung zu in- Fonds zur Abgeltung von V ermoegensverlusten politisch Verfolgter Wien, II., Taborstrasse Nr. 2—6 Der Fonds zahlt im Rahmen seiner Statuten, welche am 2. Juli 1961 im Amtsblatt zur Wiener Zeitung veröffentlicht wurden, Entschädigungen für konfiszierte Guthaben auf Bankkonten, für Wertpapiere, Bargeld und Hypöthekenforderungen und für die Entrichtung der Judenvermögensäbgabe und Reichsfluchtsteuer. ANDERE VERMOEGENSVERLUSTE KOENNEN NICHT BERUECKSICHT1GT WERDEN. Formulare sind ab 1. September 1961 ausserhalb Oesterreichs bei allen österreichischen dipomatischen Vertretungen, sowie bei den wichtigsten jüdischen Organisationen zu erhalten. Alle Interessenten werden gebeten, ihre Anträge möglichst bald zu überreichen, da der Fonds Zahlungen, abgesehen an Personen, die das 70. Lebenstahr vor dem 31. August 1962 erreicht haben werden, erst leisten kann, wenn alle Anträge bearbeitet wurden. Wer seinen Antrag verspätet überreicht, verzögert die Auszahlung an sich und an alle anderen Antragsteller. Die Anmeldefrist endet am 31. AUGUST 1962 Sie wird auf keinen Fall verlängert werden. Anträge, die nach dem 31. August 1962 eingehen, können nicht mehr bearbeitet werden. terpretieren, die aufltaf zurückgeht. Die „Fri» ter Allgemeine“ meinfte Produzent und Komifrtor in diesem Filiffe Schwächen, eine Rqik ohne Republikaner äpp, eine Demokratie obneSmokraten und fast* schliesslich auf jene nalistisehen und m sehen Kräfte von „Ri hinweisen, die den gang von Weimar führten; wie weit und Schalmeien der ä sten Linken daran be waren, werde schwt übergangen. Es ist unbestreitbar: der Real-Film hier Streifen produziert ha die Deutschen zur D sion über Ursache un kung der Hitlerdi! zwingt. Von diesem S punkt her muss man Produzenten Walter K dankbar sein, dass er vor dem Risiko Angst! te, einen solchen Film zustellen. Für die deu Filmindustrie, über Niedergang letztens geschrieben wurde, bed' dieser Film, der gr erzieherischen Wert eine Injektion, die viell zu seiner Wiederaufe hung führen kann. Es schon an und fiir sich grosser Bedeutung, das in Deutschland einen F industriellen wie W; Koppel gibt, der es als1 ne wichtige Aufgabe sieht, einen Film zu chen. der bestimmt n den Wünschen der Ma entspricht. Probst Grüber, der kannte Widerstandskär fer gegen das nationa zialistische Regime, sa einmal in einer Busspred über die Deutschen, d auch die, die nicht mitsch dig waren und sich keii Schuld bewusst sind, trotzdem mitschuldig ma« ten, indem sie sieh bei Verbrennung von Synagoj und Verschickung von den in Vernichtungslage umdrehten und davon nie! wissen wollten. Für die vielen Millionen, die umdrehten und davon nicl wissen wollten, ist dies Film bestimmt, und nur Gefühl der Mitschuld, bei diesen Deutschen duij diesen Film erweckt ** den kann, dürfte viell?1® dazu führen, dass die Ecm. ner Demokratie bessere Demokraten h“ soll, als sie die Weimar* Demokratie batte. Leb* personal m Zimmer errich Das laufen^J Midraschija beb jetziffli Jam 2 und soll Schuljahr 620.00 g€n. Davon s»» zent aus Sctiul na tsgeldern der Prozent aus * des amerikams 10 Prozent aus: der Regierung zent kommen ' öffentlichen > Für die restliche gibt es noch kei und sie sollen Spe*den-Samme gebiacht werde« As Ehrenpr; Versandes der1 Midraschija Bf greise Ra* 1 1 Maimon. Vorsi Israel ist der Eüeser Perlman land steht an de: . .Freunde" 0t Dr. Israel Brod USA geht die Ar Midraschija und hing des Joiii Raw Dr, Leo sich, und in dei stehen an der i Conites der Zür: raHnner Dr, Zwi President und A denheimer (Base sitander. Auch Ccaiti ist repräs anerkannten Pe: tea der religiös zuiammengesetzt Absolventen d: draschija nehmei öffentlichen Leb tur und Erzie auch in den vers _ sonstigen Zweige 'ssäaft und der i -•“geachtete PoSit Die Absolventen später freundsc! sammen. selbst die Univeri längst beendet irn Berufsleben ters finden Kam treffen der . je nach den über Woohenem ME TAGES-E Die Schüler 6.30 Uhr früh von 7.00-7.20 l 031111 sagt ma lengebet und i ■'wd gefrühstüi Von 8.45—10 Talmudstudium Lhr wiederholl £reitn sich vi Mmcha gebete Ebr das Mü Von 13.30—!4 Ruhepause un u.hr sind allg« richtsfächer i ®em Erfrisch ,,®use. wird v . “r weitersei. füir Schül€l H seine f'Rgaben u «ngsarbeiten um is SrAJ*Ddgel lhr das Ma f3™ steht m Uhr'r n 20-: LI Ur Vorb 2ürV^ N>ER v°UStRa SEF ALFo.v