Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1918 (24.10.1961)
- Date
- 1961-10-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Maries, 24 de Octubre de 1961 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXII. — No. 1918 Sie wollen nichts lernen (Schluss von Seite 1) 2izeit Deutschland verlassen haben und erst nach dem Krieg dorthin zurückgekehrt sind. Dass von einem ernsten Institut, das sich mit der Meinungserforschung der Bevölkerung beschäftigt, Juden (und Emigranten) auf die gleiche Stufe wie die Nazis gestellt werden konnten, dürfte allein schon kein erfreuliches Symptom sein und uns bedenklich stimmen. Daran kann auch nichts ändern, dass 63 Prozent der Befragten gecen die Nazis teils starke, teils einige Bedenken geäus^ert haben. Bevor wir diese Meinungsumfrage analysieren wollen, sei das Ergebnis mitgeteilt: Starke Bedenken gegen eine Beteiligung der Juden in hohen Regierungsstellen in der Bundesrepublik wurden immerhin von 18 Prozent, einige Bedenken von 23 Prozent ausgesprochen, während 33 Prozent keine Bedenken hatten und weitere 26 Prozent sich zu einer Meinung überhaupt nicht entschliessen konnten. Welches der Sinn dieser Umfrage überhaupt sein sollte, ist nicht mitgc-eilt worden. Die gleichzeitige Erwähnung der Nazis mit ihren Opfern, den Juden und denen, die emigrieren musslen oder wollten, weil sie sich mit dem verbrecherischen Nazi-System nicht identifizieren wollten, ist nicht klar und wenig ermunternd. Immerhin dürfte eine solche Frage zwar theoretisch, nachträglich d.irch die Antworten jedoch als nieht unberechtigt erscheinen, denn nieht wenigei als 41 Prozen haben selbst heute noch Bedenken gegen eine Beteiligung von Juden rn höheren Regierungsstellen. Das ist ein recht erheblicher Prozentsatz. Berücksichtigt man noch diejenigen Stimmen, die sich nicht zu dieser Frage äusserten, dann bleiben eigentlich nur 23 Prozent übrig, die gegen Dr. FREY ABOGADO \ PUEYRREDON 2190 1* iztg nachm. 16—19 Uhr eine Beteiligung der Juden an der deutschen Regierung nichts einzuwenden haben würden... Wie gesagt, hat diese Meinungsumfrage nur eine theoretische Bedeutung, denn es hat während der ganzen Zeit der Bonner Republik auch nicht einen einzigen Juden gegeben, der eine höhere Regierungsstelle eingenommen hätte. Soweit uns bekannt ist, dürfte es auch keinen ernsthaften Kandidaten für ein solches Amt geben. der Jude ist. Van Dam betrachtet die Frage, die das Institut für Markt, und Meiungsforschung gestellt hat, unter dem Gesichtspunkt der Legalität. Mit Recht hebt er hervor, dass eine solche Frage ,eigentbclr unzulässig sei, weil sie gegen das deutsche Grundgeestz verstösst nach dessen klaren Prinzipien alle Staatsbürger gleich sind. Deswegen könnte ke.r.er und auch keine Gruppe aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen werden. Zweifellos ist das richtig. Aber man sollte sich trotzdem nieht den Realitäten verschlossen, die sich aus dem Ergebnis der — an sich nieht zulässigen und sicherlich durch die Formulierung provokatorisch wirkenden — Anfrage reichlich deutlich präsentiert hat. Man kann das Resultat natürlich auch so formulieren, wie dies von amerikanischer Seite geschehen ist: Juden unerwünscht. .. Wir wollen diesem Fragenkomplex unseren, wie wir glauben, den jüdischen Standpunkt hinzufügen, der aus naheliegenden Gründen von den in Deutschland lebenden Juden nicht mit dieser Präzision vertreten werden kann; wohl deswegen wurde dieser Gesichtspunkt in der Stellungnahme des Generalsekretärs van Dam nicht hervorgehoben. Wir haben jedoch nieht allein das Recht sondern auch die Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, dass von jüdischer Seite die Teilnahme von Juden an hohen Stellen der Bundesregierung absolut nicht als zweckmässig angesehen wird. Wir brauchen uns nicht auf Walther Rathenau zu berufen, um ein ., abschreckendes Beispiel” zu zitieren. Schon damals war es trotz der jüdischen Gleichberechtigung und trotz der hervorragenden Eigenschaften eines Rathenau vom jüdischen Standpunkt absolut inopportun, dass er zum Reichsminister ernannt wurde, obwohl er wie wenig andere der ihm gestellten Aufgabe gewachsen war. Es gibt neben den Verfassungen und Gesetzen, die einem Volk als Norm für ihr politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben dienen, auch ungeschriebene Gesetze, die auf Erkenntnis und Erfahrung beruhen. Gerade diese, aus der Geschichte eines Volkes hervortretenden, wenn auch nieht normierten Gesetze sind stärker als der Mahnruf zur Freiheit und Gle’chheit. Das hat Rathenau gewusst. Seine Mu’ter, mit der er sich aufs tiefste verbunden fühlte, hat ihn gewarnt. Es war sein tragischer Irrtum, dass er die Stimme überhörte, die aus unserer Geschichte ihn mahnend vor diesem Schritt bewahren wollte. Rathenau folgte dennoch dem anderen Ruf, nicht aus Eitelkeit, sondern aus einem grossen, aber nicht richtig verstandenen Bewusstsein der Pflicht. Obwohl die ganze Frage jetzt rein akademisch ist, weil es keinen zweiten Rathenau unter den in Deutschland lebenden Juden gibt, muss für uns ein weiteres Argument hervergeheben werden: zwischen dem Tode Rathenaus, NachMang zu einem Prozess Linz Vor kurzem sprach der Vorstand der linzer Kultusgemeinde bei der Landesleitung Oberösterreieb der SPOe in Linz vor und gab seinem Befremden Ausdruck, dass der Landtaftsabgeordnete der SPOe, Rechtsanwalt Dr. Franz Zamponi, der mit so viel Verve die Verteidigung Schönpflugs führte nicht nur für den neuen Landtag wiedeium in einer Spitzenposition kandidiert, sondern sogar noch von der SPOe für eine höhere Funktion ausersehen sei. Das Auftreten Dr. Zamponis als Verteidiger Schönpflugs hat in weiten Kreisen der österreichisehen Oeffentliehkeit, darunter auch innerhalb der Sozialistischen Partei, grosses Missbehagen ausgeiöst. Die Delegation der linzer Kultusgemeinde führte unter anderem aus, dass sie trotz der zahlenmässigen Schwäche der linzer, bzw. der oberösterreichischen Judenschaft aufgrund des moralischen Mandats der Märtyrer und der Opfer aus der Nazizeit nieht nur das Recht, sondern darüber hinaus auch die Pflicht habe, ihre Stimme dagegen zu erheben, dass der Verteidiger eines Massenmörders als einer der Spitzenkandidaten der SPOe, einer der beiden Regierungsparteien, fungiert. Dr. B. Schwartz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 < RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG dessen Mörder bekanntlich später zu nationalen Ile.'den erklärt wurden, und unserer Gegenwart liegt die Epoche des Nazismus. Abgesehen von allen anderen Begründungen, die man anführen könnte, sollte uns unser Ehrgefühl untersagen, die Frage einer Beteiligung von Juden an heben deutschen Regierungsstellen überhaupt zu diskutieren .. IV. Die Quintessenz Warum lernen die Menschen nicht aus ihrem eigenen Erleben? Warum ziehen die Völker aus ihrer Geschichte nicht die deutlich erkennbaren Lehren? Diese Frage ist alt, ihre Beantwortung schwer. Ja, würden die Menschen und Völker aus ihrer Vergangenheit die entsprecehnden Konsequenzen nieht nur sehen, sondern auch bei ihren Plänen und Taten berürk- \ NERVEN n. GEMÜTS- J< * KRANKHEITEN? Dr. M. J. KUHN i prov. R1VADAVIA 2625 UI Tel. 48-7524? Mont., Mittwoch, Freitag V 17—20 Uhr. Tel. Anmel-. ¡V düng erbeten. 'vzvwuvv.%vvvwww5i i MOHEL N. PLAKSEN ÿ Jaime Liebling \ S. A. i SPERRHOELZER J HOELZER* l DIAZ VELEZ 5224 \ t Tel.: 89 -9349. 33-93051 Superi 27 t 9 T. E. 76-6784 u. 76-2312 V 1; Jacobo M. LAPIDUS > ¡I dipl. Mohel j $ TUCUMAN 2396, 4* J;. T. 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Statt Erkenntnis und Einsicht beherrschen die allen Leidenschaften die Polilik. Jeder kleinste Zusammenstoss der feindlicnen Lager kann zu unübersehbaren Folgerungen führen. Man baut schon wieder Luftschutzkeller, anstatt endlich den Frieden herzustellen.. Es gibt auch keine zufriedenstellende Erklärung, warum die Juden nicht aus ihrer Geschichte zu lernen gewillt oder fähig sind, obwohl sie doch gerade in der jüngsten Vergangenheit furchtbare Lektionen erhalten haben. Ist. es Oberflächlichkeit oder Bequemlichkeit, ist es die Unfähigkeit, politisch zu denken? Gerade weil noch eine relative Ruhe herrscht, gerade weil die hei aufziehende Gefahr noch nicht mit jener unmittelbaren Gewalt oftmals erlebter .Volkswut” auf uns niederwuchtet, wäre es noch Zeit, unsere eigenen IA SEMANA ISRAELITA Bisemanario — aparece ios Martas y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Di. H. Swarsensky PueyrreJón 2190. 1? izq. T. E. 83-2613 80.6930 Abono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450,— jährl. Gaeste aus Tanganjika Bares Salem. — 30 Landwirte und 6 Gewerkschafts- Führer reisten für 3 Wochen nach Israel. Die Einladung erging von der israelischen Regierung, die ein Sonderflugzeug schickte, um die Gäste abzuholen. Paul Romanyi, Tanganjikas Ackerbauminister, wird offizieller Gast der Israel- Regierung sein. Als er im vergangenen Juni von seinem letzten Besuch in Israel zurückgekehrt war, empfahl er seinen Landsleuten, die israelischen Landwirtschafts-Systeme zu studieren und die Landwirtschaft in ihrem eigenen Lande durch die Errungenschaften, die im israelischen Ackerbau erzielt wurden, zu bereichern. (ITA) nationalen Positionen zu stärken. Wir müssten eigentlich die Reife besitzen, um bei den Katastrophen, die uns treffen, nicht immer nur die Schuld der anderen zu suchen. Unsere geschichtlichen Erfahrungen lehren uns, endlich auch unser eigenes Versagen und die hierdurch entstandene eigene Verantwortlichkeit zu erkennen. Aus dieser Erkenntnis den Entschluss zur Vereinigung unserer Kräfte zu fassen, ist der erste Erfolg ver- , sprechende Schritt zur I Selbstverteidigung. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Vertreter: Dr. A. SANGUINETTI CABILDO 2464 T. E. 76-2406 Dr» AKIVA HERZKOWICZ MEDRANO 1066 part. 70-4484 T. E. 86-9646 ISRAEL - BRIEFMARKEN i Ai* WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUSGA- BE» ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial l del Estado de Israel, I VIAMONTE 550, I/B — Bueno« Airea, Itep Argentina * »••••••••••••••••••••••••••••••••••••••'’ ¡1 Restaurant »Paso Paso 452 (al fondo) — T. 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