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Jüdische Wochenschau · 1961-10-20 · 1917 (20.10.1961) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1917 (20.10.1961)
Date
1961-10-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viernes, 2(1 Ce Octubre «ïe JSC1 JÜDISCHE WOCHENSCHAU A Va XXII. — Nu. Itl7 Ein pensionierter Eichmann «Scniuss von Seite li Tendenzen miteinander auszrschnen, ohne die tne oder andere Stile zu stark tu schockieren. Mit grosser Geschicklichkeit ist diese •Fc’iük, dieses Jonglieren zwischen zwei Polen, erfolgitich geführt worden. Dennoch muss es recht zweifelhaft erscheinen, ob man fcerrchtigt jSt, von einem echten Erfolg zu sprechen, der über den Augenbhck hinausreichen wird. Immer wieder und immer starker machen sich die Nachteile 'dieser, in sich widerspruchsvollen Politik bemerkuar, die sieh vor allem auch gegen die wahic Dem ikratie mit allen Konsequenzen auswirken. Dann spricht man von der unbewaltigten Vergangenheit, debattiert angeregt und lässt sich wieder vom Wirtschaftswunder ins Schlepptau nehmen, bis dis nächste Krise auf ähnliche Weise verläuft und endet. Die Folgen sind erstaunlich. Was alles im Bereich der Bundesrepublik möglich ist, dürfte nur als überraschend bezeichnet werden. Es würde ein Buch füllen, alle „Fälle“ aufzuzählen, die sogar bis zu einem gewissen Grade die Oeffentüchkeit erregt haben. Da ist der Kassen - Kommentator Globke, der den einflussreichsten Posten in der Bundeskanzlei einnimmt, und der als der Vertrauensmann des Bundeskanzlers gilt. Glcbke hat von sich erklärt, er sei auf seinem Posten geblieben, um unter den N izis grösseres Unglück zu verhüten; er 1 wurde von allen Seiten anj gegriffen und bekleidet auch I heute noch sein Amt als j Slaatssekretäi. Da ist der Fall Heyde-Sawade, die Skandalaffäre jenes ,,Euthanasie-Professors“, der von höchsten Beamten in Schleswig gedeckt worden ist, obwohl diesen bekannt war. dass dieser Mann sein ärztliches Amt zu Mordtaten benutzt hatte und deswegen zum Tode verurteilt te, aus seinem Amt entfernt. Wo? In der demoaratischen Bundesrepublik; wann?: Vor wenigen Wochen ... Dr. Erhard Wetzel war Judenreferent im Ministerium für die besetzten Ostgebiete, an dessen Spitze der Pseudophilisoph und Ideologe des Nazismus, Alfred Roscnbirg, gestanden hat. Wetzel verfasste u. a. . die berüchtigte Polen-Denkworden ist. Da gibt es noch [ schrift vom 25. November andere krasse Fälle, in de- 1939. den sogenannten Gasehemaj.ge hohe Nazis . kammer-Brief vom 25. Ok- Pensionen betober 1941 und eine „Sielr Dr. FREY ABOGADO! PUEYRREDON 2190 1" iztv nachm. 16—19 Uhr - ♦ 4**4...444444 i REAL P Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft « CORRIENTES 569 X T. E. 49-5850 * 44444444444' nen gewaltige sonders im Bundesland Schleswig Holstein — empfangen; der als Kriegsverbrecher abgeurteilie ehemalige Grossadmiral Dönitz der frühere Justizminister Schlegelbergtr und der Oberstaatsanwalt am Volksgerichtshof Lauiz, von dem gesagt wird (vgl. Seite 295 des Berichtes . 20. Juli 1944“. ers'attet von der Bundeszentrale für Ileimatdienstl: ,,Als Vertreter der Anklage hält der Oberreichsanwalt Lautz als getreuer Diener der Hitlerjustiz eines seiner Plädoyers, die meist ohne viel Federlesens die Todesstrafe foiderten.“ Und dieser Herr Lautz erhält eine höchst ansehnliche Rente der Bundesrepublik. die selbstverständlich viel höher is; als das, was die Opfer seiner Biutjustiz oder deren Hinteröliebene erwarten dürfen . . . Jetzt ist ein neuer, krasser Fall bekmint geworden, nachdem vor einigen Monaten darauf aufmerksam gemacht worden ist, wer der heutige Regierungspräsident in Braunschweig ist: ein anderer Kommentator der hitleristischen Rassengesetze, ein Dr. Friedrich A. Knost. Natüilich konnte nicht bestritten werden, dass dieser Herr tatsächlich mit dem Autor des Kommentars über die Nürnberger Gesetze identisch ist. Aber dies gab den zuständigen Stellen keine Veranlassung, die Abberufung des Dr Knost zu verlangen. Noch nicht einmal eine Untersuchung wurde eingeleitet. Wozu sollte dies auch erforderlich gewesen sein, ist der Fall doch absolut klar. Dagegen wurde der Beamte, der auf die nazistische Vergangenheit des Dr. Knost hingewiesen natuna eine lungnahme und Gedanken zum Generalolan Ost“ rom 27. April 1942. Genau wie Eiehmann hatte auch Wetzel an den Konferenzen teilgenommen, in deien Verlauf der Plan „Endlösung der Judenlrage“, also die physische Vernichtung aller europäischen Juden beschlossen worden ist. In einem anderen Schreiben datiert vom 18. Oktober 1941, zitiert von Robert. M. W. Kempner „Eichmann und seine Komplizen“, S. 103, heisst es u. a., dass der Oberführer der SS Brack, der Experte für Tötung durch Gas, es für das zweckmässigste haite, wenn er seine Leute, insbesondere den Chemiker Kallmeyer, nunrnehr schleunigst nach Riga entsenden würde. Dann heisst es wörtlich bei Wetzel: „Ich darf darauf hinweisen, dass Sturmbannführer Eichmann, der Sachbearbeiter für Judeniragen im Reichssicher neitshauptamf, durchaus mit diesem Verfahren einverstanden ist...“ | — Und dann neisst es wort- I lieh weiter: „Nach Sachlage bestehen keine Bedenken, wenn üiejenigen!u- I den, die nicht arbeitsfähig | sind, mit den Brackschen Hilfsmitteln ueseitigt. wer- I den“. — Das bedeutet mit | anderen Worten, dass Wetj zel die Methoden der Verj | gasung von Juden drin- 1 I gend empfiehlt. Jedenfalls 1 hatte er keine Bedenken, | ' dass die nicht mehr arbeitsfähigen Menschen eini fach vergast, d. h. ermordet werden. Natürlich ■ avanzierte Herr Wetzel und kletterte über die Leichen- I berge, die er aufzuschiehten j j half, die Beamtenskala all- I mählich empor. j Dann wurde alles anders, als es sieh diese Herren! Vorlraege über jüdische Kultur Montevideo. — Ein Zyklus von Vorbäigej über jüdische Kultur, der von der Fakultät für Humanistü: und Wissenschaft veranstaltet wurde unj bis zum 31. Oktober dauern wird, ist jetzt eröffnet worden. Botschafter Arkawi sprach über das Thema „Ueberbliek über die jüdische Geschichtsschreibung”. Er wurde vom Dekan der Fakultät Dr. Rodolfo Taliee eingeführt: die Presse verwies im besonderen auf dieses Ereignis. Die argentinischen Universitätsprofessoren José Luis Romero, Leon Dujovne, Abraham Rosenvasser, und ihre uruguayischen Kollegen Armando Pirotto. Carlos Rama und der Kultur- und Presseattachö der Israel-Botschaft Nelson Pilosol hielten Vorlesungen über verschiedene Themen der jüdischen Kultur. (ITA vorgestellt hüten. Wetzel verschwand, bis ihm im Jahre 1956 seine Stunde gekommen seinen, und er sich wieder an die Oeffent- , er ] lichkeit wagte. Er bot der Landesverwa'lung in INiedersachsen seine von .hm für wertvoll gehaltenen Dienste an. Dort wurde er zwar nicht eingestellt, erhielt aber ohne weitere Nachforschungen eine Pension in der ansehnlichen Höhe von 1.600 DM. Nun kam für ihn wie für manche andere, die sieh geborgen fühlen, die Festnahme Eichmanns, die Untersuchungen über gewisse Zusammenhänge und Mitarbeiter in der Mordmaschine. Die Dokumente über Wetzel wurden aus der Vergessenheit gerissen. Niedersachsen sah sieh gezwungen. neue Untersuchungen in Sachen Wetzel einzuleiten. Die laufende Pension wurde gesperrt, aber bisher nicht aberkannt. Die bereits gezahlten über 100.000 DM wurden nicht zurückgefordert... Noch steht übrigens nicht fest, ob Weizel überhaupt strafrechtlich verfolgt werden kann. Wie der zus ändige Generalstaatsanwalt in Celle mitteilte seien ja alle Dr. 1 B. Schwartz 1 ZAHNARZ ♦ E, ZAHNARZT ESTOMBA 2283 ■ 52-S214 < RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG Jaime Liebling*: ♦ ♦ ELZE Rt i JUDITH j: SCHENKOLEWSKI j;! 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Nur wenn er nachweisen könne, dass zwischen Wetzeis Brief mit den Empfehlungen, die nicht arbeitsfähigen Juden einfach zu vergasen, und der tatsächlich erfolgten Judenverniehturg ein kausaler Zusammenhang bestünde, wäre eine Slrafvertolgung zulässig. Schwache Proteste von deutscher Seite in der Oppositionspresse sind der einzige Widerhall. Und selbst die jüdische Welt hat bisher geschwiegen weil es grössere Sorgen im Augenblick gäbt, als sich mit W’etzel zu beschäftigen. Hier liegt ein bedenklicher Irrtum vor; denn alle Sorgen und Probleme unserer jüdischen Gegenwart wurzeln in der Zeit, da die Wetzeis an der Macht waren. Trotzdem das demokratische Regime in Westdeutschland auch nach den letzten Bundeswahlen als gefestigt angesehen werden kann, bleibt die dem jüdischen Volk von dieser Seite drohende Gefahr immer die gleiche. Gerade weil wir schweigen, wenn die Wetzeis und Krosts in ilu-en Aemiern bleiben oder zurückkehren. wenn sie hohe Renten beziehen und h“ute leben, als wäre nichts ge- L* SEMANA ISRAELITA o...emanarlo — aparece Kr« Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Di H. Swarsensky Pueyrreqón 2190. W izq. T. E. 83-2613 80 6930 Adono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450,— jährl. schehen, als Hätten sie sich nicht mitschuldig an den grössten Vtrbrechen :1er Geschichte gemaehl sind wir bedroht. Manche lassen sich Sand in die Augen streuen, weil sie eine Entschädigung erhalten und nun alles für sie in Ordnung ist. Andere sind ruhig, am ihre Interessen nicht einer Geip.hr auszusetzen. Mit solchen Kreaturen, die nur sich sehen, braucht man sich nicht aufzuhalten. Wichtig ist, dass wir die Stimme erheben, um den ungeheueHicben Kontrast in der Behandlung jüdischer Ansprüche zu den Pensionen der hier bereits zitierten, ehemals an führender Steile stehenden Nazis hervorz.itheben. Man muss ersehrekken, welche Argumente von Entschädigungsämtern, Regierungspräsidenten — auch Herr Knost soll Regierungspräsident sein — und Gerichten heute gebraucht und ersonnen werden, um die Ansprüche der Opfer der Verfolgter, zu schmälern oder vollends zu Fall zu bringen! — Man sodte doch einmal von uns eme Untersuchung einleifen und verlangen, über die Vergangenheit einiger diesel Herrschaften Informationen mnzuziehen. Man dürfte dann nicht erstaunt sein, wenn man zu überraschenden Ergebnissen~gelangen sollte... =--- . -- — Dr. BERKÂRI DO GOLDSTEIN M E D 1 C O Vertreter: ir. A. SANGUINETTI CABILDO 2464 T. E. 76-2406 Dr. AKtVA HERZK0WICZ MEDRANO 1066 T. E. 86-9646 pari, 70.4484 ESTUDIO JURIDICO J Dr. ISIDORO KRAUT — Dr. OSCAR RABEG { ABOGADOS \ Ehescheidungen — Erbschaftssachen — Konkurse £ und Vergleiche — Verträge — Inkasso — etc. S WIEDERGUTMACHUNG MONTEVIDEO 451 piso 5, ©tic. 53—54 46 - 0901 46-2796 — 46-2823 ••••••••••••••••••< MOLDES 25 T E. 73-9229 93-9155 6 1;ij: H. ROSENZWEIG j;j: TAILOR HENRY ill TUCUMAN 563 piso 1 - T.E. 32-0913; Groesste Auswahl in imp. u. hiesigen Stoffen gsElf? a®i- VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERI0SCLER0SIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 S5S:silIIiISIII§f5iSSgzi5ia£f-.i*Sii>iisii5l5«IIiSIIl!I-ise*sis*i«i ii3r. BENJAMIN L1PNIZKY ZAHNARZT I ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE- ■ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG - REGU-! LEERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend; nach vorheriger Vereinbarung. jfOSE HERNANDEZ 2518 T. 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