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Jüdische Wochenschau · 1961-09-29 · 1912 (29.9.1961) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1912 (29.9.1961)
Date
1961-09-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 2# de Septembre de 19*1 LA SEMANA ISRAELITA Aft« XXII. — No. 19« — S Während des Freiheitskrieges der niederländischen Provinzen gegen Spanien (1566—1648) verliessen viele Marranen die Pyrenäenhalbinsel und suchten Schutz in den holländischen Städten. Sie glaubten, so den Netzen der Inquisition zu entrinnen und den Weg zur offenen Rückkehr ins Judentum zu finden. Es sind uns frühe Berichte erhalten, die die Ereignisse widerspiegeln und uns Einblick in den Verlauf abenteuerlicher Fahrten zum ersehnten Ziel gewähren. Unter ihnen sind ■ von besonderem Reiz zwei Schilderungen von Daniel Levi de Barrios und von Uri Phoebus Halevi. die in mehreren Punkten voneinander abweichen, im wesentlichen aber ohne Zweifel das gleiche Geschehen darstellen. Beide behandeln die Flucht und die Feier eines Versöhnungsfestes in Amsterdam. Es. sei versucht, ohne Beachtung von Lücken und Unklarheiten in den Berichten nachzuerzählen, was sich damals an Seltsamem ereignete. Der Chacham Mosche Uri Aschkenasi gehörte zu den wenigen Juden, die in Emvon Dr. S. BRAUN den wohnten. Seine Frau betrieb anscheinend ein Geflügelgeschäft, während er alter Sitte gemäss über den heiligen Schriften sass. Ihr bescheidenes Haus war als jüdisches kenntlich durch eine Inschrift über dem Eingang, in hebräischen und lateinischen Zeichen eingemei sselt und lautete: „Wahrheit und Frieden sind die Grundlagen der Welt!” Ein Sohn namens Aharon diente der kleinen aschkenasischen Gemeinde vermutlich als Vorbeter. An einem stürmischen Tage näherten sich den Gestaden Emdens zwei Schiffe. Sie kamen — wie es sich bald herausstellte — aus Kastilien über England und trugen zehn Marranenfamilien nebst all ihrer reichen Habe an Bord. Ein Ziel beseelte sie alle: der Hölle der Inquisition zu entkommen und in die Welt der Freiheit einzutreten, da die Männer sogleich in den Bund Abrahams aufgenommen werden könnten. — Der Sturm legte sich, die Fahrzeuge schickten sich an, ihren Weg WTERTÜR Su Agencio d« Viajes NEUE TELEFONNUMMERN 35-2567 und 35-2779 TUCUMAN 978 p. 4 *p************************************** * MALER A-R BEITEN | X * * Günter Stern, H. Rosenhain * * LEANDRO N ALEM 2530 MUNRO$ * T. E.: 795 8710 u. 740-1925 | TeppkMaus - M. Höchberg] UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKUüPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES CEMUETLICHE HEIM. Eigen* Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus CaUe ANDONAEGUI 2083 4 Quader vor Station Urquiza fortzusetzen. Da bemerkten die Schiffsleute undichte Stellen zwischen den Planken. Es war unmöglich, in See zu stechen,- es musste rasch dem Hafen zugesteuert werden, wenn das Schiff nicht mit Mann und Maus untergehen sollte. Die Flüchtlinge gingen an Land, um in Emden so lange zu verweilen, bis der Schaden behoben sei. Bald waren Quartiere gefunden. Man installierte sich so gut es ging, und nach Rast und Labung schlenderten die Männer durch die Strassen der Stadt und gaben sich der Betrachtung des Neuartigen hin, das sich vor ihren Augen auftat. Das Haus mit der ihnen unverständlichen Inschrift erregte besonders ihre Aufmerksamkeit. Als sie in ihr Gasthaus zurückgekehrt waren, erfuhren sie aus dem Munde des Wirtes, wem dieses Haus gehöre. Welch unerwartete Ueberraschung! Jüdische Menschen in Emden! Eine Möglichkeit, die Herzen zu öffnen und Rat und Beistand zu erbitten. Sie nahmen sich zusammen, zeigten ihre innere Erregung nicht, und erst als sie wieder allein waren, besprachen sie ihre Lage und beschlossen, am folgenden Tage den Rabbi Mosche Uri aufzusuchen. Dieser empfing die Fremdlinge freundlich, aber zurückhaltend. Da er ihre Sprache nicht verstand, rief WüfßLfS __Wateunamt MODERNE WOHN- UND SCHLAFZIMMER; EINRICHTUNGEN — SESSELGARNITUREN SARMIENTO 1147 CABILDO CARLTON- KLEIDUNG perfekt durch das, was drinnen steckt! Kein Wunder, dass ihn in Bayreuth beim Tristan die Umgebung scheut: Sein Smoking drinnen ohne Schwung, ward formlog nach der Reinigung. Jedoch gefällt beim Parsifal, sein Carlton-Smoking kolossal, der bei der Reinigung nicht litt, ganz klar, der <st auch innen v,fit”! Kurt Boehme 'München zur Zeit am Colón:, bestätigte uns nach 8jähriger Abwesenheit, der Carlton - Frack machte alle Reisen mit und ist heute noch wie neu, federleicht und knitterfrei! 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Sie seien mit irdishen Glücksgütern reich gesegnet; es werde dem gelehrten Manne an nichts fehlen. Darauf erwiderte Mosche Uri in herzlichen Worten: Gepriesen sei, der euch den rechten Weg geleitet! Freilich, in unserer Stadt kann euer Begehr nicht erfüllt werden, denn fast alle Einwohner sind Lutherianer. Macht euch bereit und geht nach Amsterdam; und hört nur! Ich und alle meine Lieben werden euch dorthin folgen. — Eine solche Anrede hatten die Männer nicht erwartet; sie fanden zuerst kein Wort der Erwiderung. Aber Mosche Uri war noch nicht zu Ende mit seinen Ratschlägen. Er fuhr also fort: Wenn ihr nach Amsterdam kommt, mietet ein Haus in der Junkerstrasse dem Monkelbähnsturm gegenüber. Bringt ein Zeichen an, damit wir euch finden. In zwei bis drei Wochen gedenken wir dort zu sein. Gerührt dankten die Fremdlinge dem gütigen Alten und verabschiedeten sich. — Es vergingen ein paar Wochen, bis das Ziel erreicht war. Mit allen Reich tümern und Kostbarkeiten, mit Gold, Silber und Juwelen gelangten die zehn Familien nach Amsterdam. Der erste, der den Brith an sich vollziehen liess, war Don Jakob Tirado, der angesehenste und älteste in der Gruppe. Ihm folgten die übrigen. Der ehrwürdige Aschkenasi aus Emden stand zu seinem Wort und bald konnte mit seiner und seines Sohnes Hilfe die erste Marranengemeinde konstituiert werden. — Jom Kippur war herangekommen. Die „Zum Felsen, aus dem sie gehauen” (Jesaija 51, 4) zurückgekehrten portugiesischen Marranen versammelten sich zu feierlichem Gottesdienst — hinter verschlossenen Türen LA SEMANA ISRAELITA BISEM AN ARIO INDEPENDIENTE «*. Air** — PUEYRREDON 218«, 1» nq. — T. E. 83-281U 29. September 1961 13. Tischri 5722 Denn noch lag der Schrekken der ,,Ketzer”-Gerichte auf ihrer Seele. Die christliche Nachbarschaft, welche die geheimnisvolle Zusammenkunft sehr wohl bemerkt hatte, begann üble Gerichte auszustreuen, so als ob da „spanische Papisten” zu einer Verschwörersitzung zusammengekommen wären. Der Bürgermeister schickte Polizei, welche das Nest der „Geheimbündler” ausheben sollte. Heftiges Pochen an der Tür schreckte die ins Gebet versunkenen Männer auf. In ihre Talliot gehüllt eilten sie den Ausgängen zu, gejagt von Furcht vor den Schergen der Inquisiton, von der sie doch geglaubt hatten, ihr Arm reiche nicht bis nach den freien Niederlanden. Nur der Vorsteher der Gemeinde Jakob Tirado blieb ruhig auf seinem Platz stehen. Furchtlos trat er vor den Polizeihauptmann hin, um ihn aufzuklären. Indes Spaniolisch war diesem eine unverständliche Sprache. So rief man den Bürgermeister, einen gelehrten, des Lateinischen kundigen Mann. Ihm sagte Jakob Tirado, was zu sagen war. Nicht katholische Verschwörer seien hier zusammengekommen, sondern zwangsgetaufte Juden, unschuldige Flüchtlinge vor einem grausamen Regime in Spanien und Portugal, welche ihrem alten Glauben die Treue im Innern gehalten und nun — im Lande der Freiheit — zu ihm zurückgekehrt seien. Das Versöhnungsfest sei gekommen. Man enthalte sich jeglicher Nahrung, jeglichen Getränks von Abend zu Abend. Man bete zu dem einzigen Gott und erflehe in Zerknirschung Vergebung der Sünden gegen den Herrn der Welt und gegen die Nebenmenschen. Die Polizisten durchsuchten — noch immer misstrauisch — die Kleider der Beter nach Devotionalien der Kirche, fanden aber nichts anderes als die Gebetmäntel und die hebräischen Gebetbücher. Und als dann Jakob Tirado darauf hingewiesen hatte, dass es sehr wohlhabende, ehrliche und tüchtige Kaufleute seien, die gewiss den holländischen Handel kraftvoll fördern würden, wenn man ihre Niederlassung genehmigte, winkte der kleinen Marranengruppe nach dem dramatisch verlaufenen Zwischenfall eine glückhafte Zukunft. Die Regierung nahm sie als Bürger der Stadt an. Sie konnten ihrem Gewerbe nachgehen und gemäss ihren religiösen Vorschriften leben. Das Fundament zur Gemeinde war gelegt; die Kehilla der Sefardim begann ihren glanzvollen Aufstieg. Jüdischer Richter Der australische Richter Hasluck hat einen jüdischen Anwalt aus Sydney, David M. Selby, zum Stellvertretenden Richter am Obersten Gericht von Papua und Neu Guinea ernannt. D. M. Selby gehört der jüdischen Gemeinde an, arbeitete in einem Comité des Board of Deputies und ist Mitglied der „Grossen Synagoge”. Dr. MAX FLUCH Berater für Investitionen und Finanzgeschaefte in Israel — Lang- und kurzfristige Anlagen — Auskünfte jeder Art TEL AVIV, Israel — 18, George Elliot Str. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL! ".. ■ ..! Dr. Hardi Swarsonsky ¡ ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE | Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 15—18 Uhr H I? t m -*- | Dr. Günter Frey § ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS 1 I TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN 1 VERTRAEGE - VERWALTUNGEN ¡ BUEROZEIT: 16—19 Uhr £ 9 . -★- : PUEYRREDON 2190 esAv. LAS HER AS — T. E. 83-2613 £ > »••••.— -- »

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